Bachelorarbeit, 2022
52 Seiten, Note: 1,7
1. Einleitung
2. Methodisches Vorgehen
3. Wissenschaftliche Debatte um die Versicherheitlichungstheorie
3.1 Analysekonzepte der Kopenhagener Schule
3.2 Bedrohung und Referenzobjekt
3.3 Sprechakt, Gelingenheitsbedingungen und relevantes Publikum
4. Analysekonzepte der Narrativanalyse
4.1 Analysewerkzeuge
4.2 Erzählstruktur statt Schematismus
5. Identitätsstiftende Narrative und Handlungslogiken
5.1 Ontologische Unsicherheit und Identitätskrise der 90er
5.2 Liberalismus gegen Nationalismus
6. Analyse der Sicherheitsnarrative
6.1 Russische Sicherheitsnarrative am Anfang der 2000er
6.2 Rede Putins auf der Münchener Sicherheitskonferenz
6.3 Annexion der Krim
6.4 Rechtfertigungsrede vom 24.02.2022
7. Darstellung der Ergebnisse
7.1 Versicherheitlichung der Ukraine
8. Schlussbemerkung
Die Arbeit untersucht, wie die russische Aggression gegen die Ukraine narrativ legitimiert und im russischen Diskurs als vermeintlich notwendige Maßnahme dargestellt wurde. Ziel ist es, den Prozess der Versicherheitlichung nachzuvollziehen und zu analysieren, durch welche rhetorischen Identitätskonstruktionen das russische Publikum von der Legitimität dieses Vorgehens überzeugt wurde.
1. Einleitung:
„I cannot forecast to you the action of Russia. It’s a riddle wrapped in a mystery inside an enigma.“ Dieses häufig angeführte Zitat von Winston Churchill aus dem Jahre 1939 findet im aktuellen Krieg in der Ukraine wieder besondere Bedeutung. Denn die militärische Invasion der Ukraine, welche in Russland als „Spezialoperation“ bezeichnet wird, konnten Politiker:innen kaum in ihrer extremen und brutalen Art vorhersagen. Es ist von einer „Zeitenwende“ die Rede. Die europäische Friedens- und Sicherheitsordnung ist durch den russischen Vormarsch zerstört. Der aktuelle russische Präsident Vladimir Putin scheint ebenfalls ein Rätsel zu sein. Mochte man ihm Glauben schenken, als er im September 2001 in einer Rede im deutschen Bundestag erklärte, dass Russland „vor allem die Gewährleistung der demokratischen Rechte und der Freiheit, die Verbesserung der Lebensstandards und der Sicherheit des Volkes“ (Putin 2001, zitiert nach Waschke 2020, S.69) im Sinn hat? Oder hätte man ihn ernster nehmen sollen, als Putin 2005 auf einer Rede zur Lage der Nation sagte:
„Vor allem müssen wir zugeben, dass der Zusammenbruch der Sowjetunion die größte geopolitische Katastrophe des Jahrhunderts war. Für das russische Volk ist sie zu einem echten Drama geworden.“ (Putin 2005, zitiert nach Pleines 2022, S.16)
Die Frage, warum Russland militärisch gegen die Ukraine vorgeht, bleibt vorerst unbeantwortet, denn niemand kann in den Kopf der russischen Entscheidungsträger:innen schauen. Es ist jedoch nicht von der Hand zu weisen, dass in Russland Narrative zirkulieren, welche die gewaltsamen Maßnahmen gegenüber der Ukraine, dem „Brudervolk“ Russlands, legitimieren sollen, die für Akteur:innen außerhalb des Diskurses nicht plausibel sind. Jeder Staat produziert seine eigenen Erzählungen und Wahrheiten, wobei die russischen Eliten nicht erst Anfang dieses Jahres darum bemüht waren, die Deutungshoheit über die Geschehnisse in der Ukraine zu erlangen.
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik des russischen Ukraine-Kriegs ein und stellt die Relevanz der Narrativanalyse zur Untersuchung russischer Rechtfertigungsmuster dar.
2. Methodisches Vorgehen: Dieses Kapitel erläutert den theoretischen und methodischen Rahmen, der auf der Versicherheitlichungstheorie und der Narrativanalyse basiert.
3. Wissenschaftliche Debatte um die Versicherheitlichungstheorie: Hier werden die theoretischen Grundlagen der Kopenhagener Schule dargelegt, insbesondere Konzepte zur Bedrohungskonstruktion und zum Sprechakt.
4. Analysekonzepte der Narrativanalyse: Das Kapitel beschreibt die methodischen Werkzeuge der Narrativanalyse und warum diese für die Untersuchung politischer Erzählungen geeignet ist.
5. Identitätsstiftende Narrative und Handlungslogiken: Es wird analysiert, wie historische Identitätskrisen Russlands nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion die Basis für heutige Sicherheitsnarrative legten.
6. Analyse der Sicherheitsnarrative: Eine detaillierte empirische Analyse konkreter russischer Diskurse, von den 2000ern bis zur Rechtfertigungsrede vom 24.02.2022.
7. Darstellung der Ergebnisse: Dieses Kapitel fasst die zentralen empirischen Befunde zur Versicherheitlichung der Ukraine zusammen und synthetisiert die Ergebnisse.
8. Schlussbemerkung: Die Arbeit schließt mit einer Reflexion der Ergebnisse und einem Ausblick auf die Bedeutung narrativer Bedrohungskonstruktionen.
Versicherheitlichung, Narrativanalyse, Sicherheitsnarrative, Russische Identität, Ukraine-Krieg, Kopenhagener Schule, Geopolitik, Bedrohungskonstruktion, Ontologische Unsicherheit, Legitimationsmuster, Außenpolitik, Spezialoperation, Identitätskrise, Politisches Handeln, Diskurs.
Die Arbeit analysiert, wie Russland seine Aggression gegenüber der Ukraine durch spezifische Sicherheitsnarrative legitimiert und als alternativlos darstellt.
Zentrale Themen sind die Versicherheitlichungstheorie der Kopenhagener Schule, Identitätskonstruktionen russischer Eliten und die Wirkmacht politischer Narrative.
Das Ziel ist es, die Prozesse zu identifizieren, durch die gewaltsame Praktiken in Russland als legitim und notwendig für das Überleben der Gesellschaft vermittelt werden.
Die Arbeit kombiniert die Versicherheitlichungstheorie mit der Methode der Narrativanalyse, um die rhetorischen Strategien der russischen Führung zu entschlüsseln.
Der Hauptteil befasst sich mit der theoretischen Debatte um Sicherheit, der Konstruktion des „Anderen“ und einer chronologischen Analyse russischer Sicherheitsnarrative seit den 1990er Jahren.
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Versicherheitlichung, ontologische Unsicherheit, Identitätskonstruktion und politische Legitimierung charakterisiert.
Ja, Putins Reden und seine zentrale Rolle als „Akteur“ bei der Etablierung sicherheitsfördernder Erzählungen dienen als wesentliche Fallbeispiele für die Analyse.
Der Autor untersucht vor allem russische Quellen, um aufzuzeigen, wie dort eine Bedrohungskonstruktion durch das Bild des „Westens“ als existenzielle Gefahr für russische Werte aufgebaut wird.
Die Analyse zeigt, dass der Krieg als Resultat einer langjährigen narrativen Identitätskonstruktion fungiert, die darauf abzielt, russische Großmachtansprüche gegen die Ukraine zu rechtfertigen.
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