Examensarbeit, 2006
106 Seiten, Note: 1,3
1 Einleitung
2 Die Autorin Tessa de Loo
2.1 Biographie
2.2 Tessa de Loos Begegnung mit Maria Hesse
3 Der Roman „Die Zwillinge“
3.1 Inhalt
3.2 Aufbau
3.3 Thematik
3.4 Erzählperspektive
4 Die Figurenkonstellation im Roman
4.1 Anna Bamberg
4.1.1 Annas Beziehung zu Lotte
4.1.2 Weitere Figuren in Annas Umfeld
4.2 Lotte Rockanje
4.2.1 Lottes Beziehung zu ihrem Pflegevater
4.2.2 Lottes Beziehung zu Anna
4.2.3 Weitere Figuren in Lottes Umfeld
5 Der Film „Die Zwillinge“
5.1 Der Regisseur Ben Sombogaart
5.2 Inhaltliche Abweichungen von der Romanvorlage
5.3 Sequenzprotokoll
6 Die Figurenkonstellation im Film
6.1 Anna und Lotte als junge Mädchen
6.2 Anna Bamberg
6.2.1 Annas Beziehung zu Lotte
6.2.2 Weitere Figuren in Annas Umfeld
6.3 Lotte Rockanje
6.3.1 Lottes Beziehung zu ihrem Pflegevater
6.3.2 Lottes Beziehung zu Anna
6.3.3 Weitere Figuren in Lottes Umfeld
6.4 Anna und Lotte im Alter
7 Buch-Film-Vergleich
7.1 Zentrale Ergebnisse des Buch-Film-Vergleichs im Allgemeinen
7.2 Buch-Film-Vergleich unter besonderer Berücksichtigung der Figurenkonstellation
8 Schluss
Die vorliegende Arbeit verfolgt das Ziel, eine vergleichende Analyse zwischen Tessa de Loos Roman „Die Zwillinge“ und der Verfilmung durch Ben Sombogaart durchzuführen. Im Zentrum steht dabei die Frage, wie die Figurenkonstellation und die Charaktere der Protagonistinnen Anna und Lotte literarisch gestaltet sind und auf welche Weise diese in das Medium Film übertragen wurden, um den Prozess der Völkerverständigung und den Abbau von Vorurteilen zu thematisieren.
Die Autorin Tessa de Loo – Tessa de Loos Begegnung mit Maria Hesse
In einer Pension in Frankreich, wo de Loo an ihrem Roman „Meander“ schreibt, lernt sie 1985 die siebzigjährige Maria Hesse kennen.
Das erste Mal begegnet sie der von den anderen niederländischen Gästen gemiedenen Deutschen im Speisesaal. De Loos anfänglicher Eindruck von der Frau ist schockierend: Kurze Zeit zuvor hatte sie im Fernsehen einen Prozess über das Konzentrationslager Majdanek verfolgt, der in dem Prozess angeklagten „blutigen Britta“ Maria Hesse zum Verwechseln ähnlich sieht. Wie die deutsche Kriegsverbrecherin empfindet die Niederländerin auch Hesse als aufdringlich, laut und dominant, Eigenschaften, die ihrer Ansicht entsprechend „typisch deutsch“ sind.
Trotz ihrer von Vorurteilen belasteten, distanzierten Haltung kommt die damals 38-jährige Schriftstellerin mit der Fremden in Kontakt. Bereits nach kurzer Zeit stellt de Loo fest, dass sie „duizendmaal boeiender was dan al die suffe, alleen in zichzelf geinteresseerde Nederlanders“ und ihr gefällt Hesses „heel onduits(e)” Humor. Die intensiven Gespräche mit Maria Hesse, welche maßgeblich den zweiten Weltkrieg thematisieren, lassen die Autorin nicht mehr los. Nachdem Hesse sie mit der ihrer Ansicht nach gängigen, aber missverstandenen Auffassung der Mitschuld von „normalen“ deutschen Bürger am zweiten Weltkrieg konfrontiert, ist es auch Tessa de Loo ein Anliegen, sich näher mit der Kontroverse von Schuld und Unschuld auseinanderzusetzen. Die Siebzigjährige zeigt ihr die verfälschte Wahrnehmung von der deutschen Bevölkerung, die de Loos Generation prägt, auf und kritisiert die Selbstverständlichkeit, mit der die Niederländer das beschmutzte Deutschlandbild hinnehmen. Die Schriftstellerin wird sich ihrem festgefahrenen und durch die Eltern geprägten Anti-Deutschlandbild bewusst, welches sich jedoch durch die Auseinandersetzung mit der an dem Krieg und seinen Folgen interessierten Maria Hesse zunehmend verändert.
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die vergleichende Analyse von Tessa de Loos Roman und Ben Sombogaarts Verfilmung ein und erläutert die Forschungsabsicht.
2 Die Autorin Tessa de Loo: Dieses Kapitel behandelt die Biografie der Autorin sowie die prägende Begegnung mit Maria Hesse, die zur Entstehung des Romans beitrug.
3 Der Roman „Die Zwillinge“: Hier werden Inhalt, Aufbau, Thematik und Erzählperspektive des Romans detailliert analysiert.
4 Die Figurenkonstellation im Roman: Dieses Kapitel befasst sich mit der Charakterisierung der Hauptfiguren Anna und Lotte sowie deren Beziehungen untereinander und zu ihrem Umfeld.
5 Der Film „Die Zwillinge“: Dieser Abschnitt widmet sich dem Regisseur Ben Sombogaart, inhaltlichen Abweichungen vom Buch und dem Sequenzprotokoll.
6 Die Figurenkonstellation im Film: Hier wird die filmische Umsetzung der Charaktere und deren Konstellation im Vergleich zur literarischen Vorlage untersucht.
7 Buch-Film-Vergleich: Dieses Kapitel fasst die zentralen Ergebnisse der vergleichenden Analyse zusammen und beleuchtet die Unterschiede in der Figurengestaltung.
8 Schluss: Das Schlusswort resümiert die Bedeutung des Romans und der Verfilmung für den deutsch-niederländischen Dialog.
Die Zwillinge, Tessa de Loo, Ben Sombogaart, Literaturverfilmung, Figurenkonstellation, deutsch-niederländische Beziehungen, Zweiter Weltkrieg, Identitätskrise, Schuld und Unschuld, Romananalyse, Filmanalyse, Vorurteile, Nationalsozialismus, Anna Bamberg, Lotte Rockanje.
Die Arbeit analysiert den Roman „Die Zwillinge“ von Tessa de Loo und dessen gleichnamige Verfilmung von Ben Sombogaart im Hinblick auf ihre Figurenkonstellation und deren Beitrag zur Völkerverständigung.
Die Schwerpunkte liegen auf der Darstellung der Charaktere Anna und Lotte, der Aufarbeitung des Zweiten Weltkriegs, dem deutsch-niederländischen Deutschlandbild sowie der filmischen Umsetzung literarischer Stoffe.
Das Hauptziel ist es aufzuzeigen, wie die Autorin und der Regisseur durch die Figurengestaltung Stereotypen hinterfragen und Verständnis für die Perspektiven der Nachbarländer wecken wollen.
Es handelt sich um eine komparative Literatur- und Filmanalyse, die literaturwissenschaftliche Aspekte (Erzählperspektive, Figurenkonstellation) mit filmtechnischen Methoden (Montage, Kameraführung, Ton) verbindet.
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Untersuchung der Figurenkonstellation im Roman, gefolgt von einer Analyse der Filmumsetzung und einem direkten Vergleich beider Werke.
Zentrale Begriffe sind neben den Titeln der Werke die Figurenkonstellation, Intermedialität, historische Traumata, nationale Identität und die Aufarbeitung des Zweiten Weltkriegs.
Die Begegnung mit Maria Hesse, einer Deutschen, veränderte die Sichtweise der Autorin Tessa de Loo maßgeblich und lieferte die inhaltliche Grundlage für die Figur der Anna Bamberg.
Die Analyse legt dar, dass der Roman und der Film Lotte durch ihre distanzierte Haltung und ihre Identitätskrise ambivalenter darstellen, was den Leser oder Zuschauer stärker zur Hinterfragung ihrer Vorurteile anregt.
Sombogaart wählte eine dramatischere, gekürzte Inszenierung, um den komplexen Stoff für das Medium Film aufzubereiten, wobei er den Fokus stärker auf die zwischenmenschliche Beziehung und die Schuldfrage legte.
Der Vergleich kommt zu dem Ergebnis, dass trotz der unvermeidlichen Kürzungen im Film der Kern der Geschichte erhalten bleibt, wobei der Roman jedoch eine differenziertere psychologische Entwicklung ermöglicht.
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