Magisterarbeit, 2000
149 Seiten, Note: 1
1. Einleitung
2. Einteilung in Schaffensphasen und exemplarische Analysen
2.1 Die amerikanische Phase: Hollywood und New York
2.1.1 Beschreibung
2.1.2 Analyse: Please, shoot your husband
2.2 Die makabre Phase: Wien und die Marietta Bar
2.2.1 Beschreibung
2.2.2 Analysen: Frühlingslied, Der Musikkritiker
2.3 Die surrealistische Phase: Seltsame Gesänge und Liebeslieder
2.3.1 Beschreibung
2.3.2 Analysen: Der schöne Heinrich, Der Bluntschli
2.4 Die jüdisch orientierte Phase: Nichtarische Arien
2.4.1 Beschreibung
2.4.2 Analyse: Ich fühl mich nicht zu Hause
2.5 Die politische Phase: Tauben vergiften gegen Atomkraft
2.5.1 Beschreibung
2.5.2 Analyse: Ich soll immer was Lustiges schreiben
2.6 Die retrospektive Phase: Ein kleines Comeback
2.6.1 Beschreibung
2.6.2 Analyse: Der Politiker. Über partielle Modifikation und komplette Neufassung
3. Historischer Kontext
3.1 Vorläufer, Vorbilder, Einflüsse. Kabarett vor Kreisler
3.1.1 „Platscheplitsch“, „Trippeltrab“. Die Anfänge des deutschsprachigen Kabarettchansons
3.1.2 „Es ist ein Knie, sonst nichts.“ Christian Morgenstern und Joachim Ringelnatz
3.1.3 „Und als die Leichen rochen…“. Bertolt Brecht und Kurt Weill
3.1.4 „Clown, du hast deine Stellung verloren.“ Friedrich Hollaender und Erich Kästner
3.2 Zeitgenossen. Die fünfziger und sechziger Jahre
3.2.1 „Poisoning Pidgeons In The Park“. Tom Lehrer und der Vorwurf des Plagiats
3.2.2 „Die Mitzi hat ja noch ein Messer“. Kreislers ‚Kollegen‘ im „Kabarett ohne Namen“
3.2.3 „wo bleibb da hummoooa“. Ernst Jandl und H.C. Artmann
3.3 Nachfolger? Kreislers Einfluß auf spätere Kabarettgenerationen
3.3.1 „I’ve got the right to sing wrong“. Hubert Wolf und Bruno Reininger
3.3.2 „Du hast vergessen zu geh’n“. Die Wiederkehr des Chansons im gehobenen Schmalz
3.3.3 „Lullt euch ein, ich lall’ euch zu“. Die Rotzfreche Asphalt Kultur
3.3.4 „Prager Blutwurst“ – KIP records und ihre Künstler
Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, ein tiefergehendes Verständnis der Chansons von Georg Kreisler zu vermitteln und sein Werk innerhalb der Geschichte des deutschsprachigen musikalischen Kabaretts zu verorten. Die zentrale Forschungsfrage untersucht, inwiefern Kreisler als singuläres Phänomen oder als lebendiger Teil einer kabarettistischen Traditionslinie zu betrachten ist.
2.1.2 Analyse: Please, shoot your husband
Im Gegensatz zu späteren Liedern, die fast immer sehr textlastig sind – gerade in den meist nicht wenigen Strophen – hat man bei „Please, shoot your husband“ den Eindruck, das ganze Lied sei um die zweifellos griffige und provokante Refrainzeile herum geschrieben worden. Kreisler selbst beschreibt, wie ein Lied oft von einer einzigen Zeile seinen Ausgang nimmt: „[Ich] erfand also die erste Textzeile gleichzeitig mit der Musik, schrieb dann die Musik zu Ende und erst dann den Rest des Textes.“
Der Vorgehensweise, die Strophen beinahe stiefmütterlich zu behandeln, um einen bemerkenswerten Refrain ins rechte Licht zu rücken, begegnen wir in den sechziger Jahren wieder in dem beinahe zum Bonmot gewordenen „Der Tod, das muß ein Wiener sein“. Selbst Reiseführer kommen bei einer Beschreibung der Wiener Lebensart nicht um diesen Satz herum – meist jedoch ohne Angabe seines Verfassers. Er ist fast eine Art Volksgut geworden. Selbst sein Autor definiert das Chanson hauptsächlich über „die Refrainzeile dieses Liedes[, die] hier in Wien so in der Luft liegt.“
Ein ähnliches Procedere liegt also wohl schon 1947 vor. Strophen als formal gleichbleibende, textlich unterschiedliche Abschnitte eines Liedes kommen in „Please, shoot your husband“ überhaupt nicht vor, lediglich ein Intro und eine Art Intermezzo, das man vielleicht als Strophe bezeichnen würde, wenn es nicht das einzige seiner Art bliebe.
1. Einleitung: Definiert das Ziel der Arbeit, Kreislers Werk in sechs Phasen zu systematisieren und historisch im Kabarettkontext einzuordnen.
2. Einteilung in Schaffensphasen und exemplarische Analysen: Analysiert Kreislers Werk durch exemplarische Lieder aus sechs verschiedenen Schaffensperioden.
3. Historischer Kontext: Untersucht Vorbilder, Einflüsse und Zeitgenossen, um Kreislers Stellung innerhalb der Kabarettgeschichte zu bestimmen.
4. Zusammenfassung der Ergebnisse: Führt die Erkenntnisse über die Phasen und die historische Einordnung des Werks zusammen.
Georg Kreisler, Kabarett, Chanson, Schwarzer Humor, Groteske, Musikkabarett, Parodie, Wiener Kabarett, Politische Satire, Kabaretthistorie, Surrealismus, Zeitkritik, Liedermacher, Kabarettgeschichte.
Die Arbeit untersucht das umfangreiche musikalische Werk von Georg Kreisler, systematisiert es in sechs Schaffensphasen und analysiert dessen Einordnung und Bedeutung für die Geschichte des deutschsprachigen Kabaretts.
Die Schwerpunkte liegen auf der Analyse von Kompositionstechnik, der Verwendung von schwarzem Humor und Groteske, sowie dem Vergleich mit historischen Vorbildern und nachfolgenden Künstlergenerationen.
Die zentrale Frage ist, ob Kreisler als isolierte "gloriose Randerscheinung" zu verstehen ist oder als integraler Bestandteil und Wegbereiter einer Tradition innerhalb der Kabarettgeschichte.
Der Autor wählt eine exemplarische Analyse von Einzelstücken aus jeder der sechs definierten Schaffensphasen aus, um die stilistischen Merkmale und inhaltlichen Entwicklungen nachvollziehbar zu machen.
Der Hauptteil gliedert sich in eine werkimmanente Analyse der sechs Phasen sowie eine umfassende historische Kontextualisierung, die Einflüsse und Wechselwirkungen mit anderen Kabarettisten beleuchtet.
Wesentliche Begriffe sind Georg Kreisler, Kabarett, Chanson, Schwarzer Humor, Groteske, Parodie, Wiener Kabarett und politische Satire.
Kreisler nutzt Zitate aus der klassischen Musik teils als atmosphärisches Mittel, teils als ironische Parodie, um durch den Kontrast zum unpassenden Textinhalt komische oder groteske Wirkungen zu erzielen.
In dieser Phase, insbesondere ab 1968, werden die Aussagen direkter und kämpferischer; Kreisler setzt sich explizit mit politischen und ökonomischen Verhältnissen auseinander, wobei der Tonfall oft wütender und bitterer wird.
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