Diplomarbeit, 2009
110 Seiten, Note: 1.7
1 Einleitung
2 Grundlagen
Teilchenpopulationen im erdnahen Raum
Strahlungsgürtelteilchen
Galaktische Kosmische Strahlung
Modulation der Galaktischen Kosmischen Strahlung
Das Erdmagnetfeld
Das erdnahe Magnetfeld
Die Südatlantische Anomalie
Der McIlwain-Parameter für einen magnetischen Dipol
Bewegung geladener Teilchen im Erdmagnetfeld
Plasmaphysikalische Grundlagen
Cutoff-Steifigkeiten
Die Bahn der Internationalen Raumstation
Wechselwirkung geladener Teilchen in Materie
Bethe-Bloch-Formel
Die Energiedosis
Halbleiterdetektor
Teilchenregistrierung
Signalverarbeitung
3 EUTEF/DOSTEL
Aufbau
4 Datenaufbereitung
Zeitsynchronisation
Energiekalibrierung
5 Berechnung des McIlwain-Parameters
Erweiterung
Traditionelle Berechnung
6 Dateninterpretation
Zählratenprofile
Teilchenpopulation
Energieverlustspektren
Gemessene Dosiswerte mit DOSTEL
Das Experiment DOSIS
7 Zusammenfassung
Die vorliegende Arbeit untersucht den Einfluss geomagnetischer Effekte auf die gemessenen Zählraten des Strahlungsmessgeräts DOSTEL auf der EUTEF-Plattform der Internationalen Raumstation (ISS), mit dem Ziel, die Herkunft der Teilchen zu identifizieren und die Strahlenbelastung im Orbit zu quantifizieren.
Teilchenpopulationen im erdnahen Raum
Die Erforschung des interplanetaren Mediums wurde von Hannes Alfvén 1942 eingeleitet. Er hatte mit Hilfe bodengestützter Beobachtungen gezeigt, dass die Sonne eine sehr heiße und hochionisierte äußere Atmosphäre besitzt. Die dabei entstandene Vermutung einer statischen Gashülle wurde erstmals 1951 durch Ludwig Biermanns Postulat eines von der Sonne wegströmenden Plasmas nach Beobachtungen von Kometenschweifen verworfen. Kurze Zeit später entwickelte Parker das erste Sonnenwindmodell.
Durch in-situ-Messungen wissen wir heute, dass es sich beim Sonnenwind um ein Plasma bestehend aus Protonen, Elektronen und einer geringen Menge an α-Teilchen handelt. Die Geschwindigkeit des Sonnenwinds bewegt sich im Mittel zwischen 300 km/s (langsamer Sonnenwind) und 800 km/s (schneller Sonnenwind) (Prölls, 2004). An der sogenannten Heliopause stellt sich ein Druckgleichgewicht zwischen dem radial von der Sonne wegströmenden Sonnenwind und dem lokalen interstellaren Medium in einer Entfernung von ungefähr 100 astronomischen Einheiten (1AE: Abstand Sonne-Erde ≈ 149 Mio km) ein. Der darin begrenzte und von der Sonne dominierte Bereich wird Heliosphäre genannt.
In der Heliosphäre werden neben den energiearmen Sonnenwindteilchen auch solare energiereiche Teilchen („Solar Energetic Particles“, SEPs), die in den Massenausbrüchen der Sonne beschleunigt werden, beobachtet, sowie Teilchen anderer Herkunft im Energiebereich von einigen keV bis hin zu 10^20 eV detektiert. Vorwiegend handelt es sich hierbei um Protonen, Elektronen und schwere Kerne der Galaktischen Kosmischen Strahlung (siehe Kapitel 2). Für diese Arbeit sind vorwiegend Teilchen der Galaktischen Kosmischen Strahlung, sowie Teilchen aus den Strahlungsgürteln der Erde von Bedeutung und werden daher im Folgenden näher erläutert.
1 Einleitung: Dieses Kapitel motiviert die Arbeit durch die Relevanz der Strahlenbelastung im Weltraum und formuliert die zentralen Forschungsfragen hinsichtlich des Einflusses des Erdmagnetfeldes auf die Teilchenmessungen.
2 Grundlagen: Hier werden die theoretischen Voraussetzungen geschaffen, von der Dynamik geladener Teilchen im Magnetfeld bis hin zur Wechselwirkung der Strahlung mit Materie und dem Messprinzip des Detektors.
3 EUTEF/DOSTEL: Dieses Kapitel beschreibt das wissenschaftliche Instrument, dessen Aufbau und Funktionsweise auf der EUTEF-Plattform sowie die Prinzipien der Teilchenregistrierung.
4 Datenaufbereitung: Hier werden die notwendigen Korrekturen der Messdaten wie Zeitsynchronisation und Energiekalibrierung für eine korrekte Interpretation erläutert.
5 Berechnung des McIlwain-Parameters: Dieses Kapitel widmet sich der numerischen Berechnung des L-Parameters für ein realistisches Erdmagnetfeld als Alternative zur traditionellen Dipol-Näherung.
6 Dateninterpretation: In diesem Hauptteil werden die gemessenen Zählraten und Spektren analysiert, Teilchenquellen zugeordnet und eine Dosiseinschätzung vorgenommen.
7 Zusammenfassung: Die Ergebnisse werden resümiert und die Bedeutung der Messungen für zukünftige Strahlungsstudien unterstrichen.
Weltraumstrahlung, Erdmagnetfeld, Strahlungsgürtel, Dosimetrie, EUTEF, DOSTEL, McIlwain-Parameter, Sonnenwind, Galaktische Kosmische Strahlung, Internationale Raumstation, Südatlantische Anomalie, Energieverlustspektren, Teilchendetektion, Abschirmung, Plasmaphysik.
Die Diplomarbeit befasst sich mit der Analyse der energiereichen Teilchenstrahlung im erdnahen Raum und deren Detektion durch das Instrument DOSTEL auf der Internationalen Raumstation.
Die Schwerpunkte liegen auf der Dynamik geladener Teilchen im Erdmagnetfeld, der physikalischen Beschreibung des Magnetfeldes und der Interpretation von Zählraten und Strahlendosen im Weltraum.
Das Hauptziel besteht darin, die von DOSTEL gemessenen Zählraten zu verstehen, die Herkunft der Teilchen (z.B. Strahlungsgürtel oder galaktischer Ursprung) zu bestimmen und die Strahlenexposition zu berechnen.
Neben der Auswertung von Messdaten werden numerische Verfahren zur Berechnung des L-Parameters in einem realistischen Magnetfeldmodell angewandt sowie Simulationen der Energieverluste im Detektormaterial durchgeführt.
Der Hauptteil umfasst die detaillierte Beschreibung der Instrumentierung, die Vorbereitung und Korrektur der Daten, die Berechnung geomagnetischer Parameter und die umfangreiche Interpretation der Messergebnisse.
Zu den prägenden Begriffen zählen der McIlwain-L-Parameter, die Südatlantische Anomalie (SAA), Bethe-Bloch-Formel, Energiedosis und galaktische kosmische Strahlung.
In der SAA tritt der innere Strahlungsgürtel sehr nahe an die Erdoberfläche heran, was zu auffallend hohen Zählraten führt, die im Zeitprofil der ISS deutlich als Peaks erkennbar sind.
Durch einen zeitlichen Abgleich der Messdaten von DOSTEL (außerhalb der ISS) und DOSIS (innerhalb der ISS) konnte der abschirmende Effekt der Raumstationshülle auf die niederenergetische Teilchenkomponente quantitativ bestimmt werden.
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