Magisterarbeit, 2007
93 Seiten, Note: 1,0
Psychologie - Klinische Psychologie, Psychopathologie, Prävention
1. Einleitung und Problemstellung
2. Tabakentwöhnung und Rückfälligkeit - Eine Bestandsaufnahme
2.1 Sucht-, Abhängigkeitsforschung und Tabakentwöhnung aus salutogenetischer Perspektive
3. Das Salutogenesemodell in Gesundheitspsychologie und Suchtforschung
4. Risikoverhalten im Kontext von Lebensphasen und Selbstkonzept
4.1 Risikoverhalten im Kontext der Entwicklungsaufgaben der Lebensphasen Jugend und frühes Erwachsenenalter
4.2 Risikoverhalten im Spiegel von Identität und Kohärenzgefühl
5. Risikoverhalten 'Tabakkonsum' als Teil des Selbstkonzepts und resultierende Konsequenzen für die Gesundheitsberatung
5.1 Wenn identitätsrelevante Ressourcen zu Stressoren werden
5.2 Konsequenzen für die Gesundheitsberatung von Rauchern
6. Zusammenfassung
7. Literaturverzeichnis
Die Arbeit untersucht das Phänomen der notorischen Rückfälligkeit bei Rauchern aus einer salutogenetischen Perspektive, um zu verstehen, warum klassische verhaltenstherapeutische Entwöhnungsprogramme bei dieser Personengruppe oft scheitern. Das primäre Ziel ist es, neue Impulse für die Gesundheitsberatung zu liefern, indem Rauchen nicht nur als defizitäres Suchtverhalten, sondern als identitätsrelevante Bewältigungsstrategie im Kontext der Lebensgeschichte analysiert wird.
4.1 Risikoverhalten im Kontext der Entwicklungsaufgaben der Lebensphasen 'Jugend' und 'frühes Erwachsenenalter'
Ich möchte an dieser Stelle nochmals betonen, dass nicht bestritten wird, dass der Suchtfaktor von Nikotin nicht zu unterschätzen und das entscheidende Moment ist, das Raucher akut an der Zigarette hält. Auch sind Rückfälle nach mehr oder minder kurzer Abstinenzphase eher auf nachwirkende Folgeeffekte der Nikotinsucht wie z.B. Entzugserscheinungen, Gewichtszunahmen, psychosomatische Belastungen usw. (vgl. Stumpfe et al., 1992) zurückzuführen. Im Zusammenhang dieser Arbeit ist jedoch von Interesse, warum auch nach deutlich längerer Abstinenzphase (>1 Jahr) Rückfälligkeit auftritt bzw. auftreten kann. Dafür ist es zunächst notwendig, sich einerseits die Lebensphase, in der das Verhalten praktiziert wird und noch nicht auf süchtige Abhängigkeit zurückzuführen ist, genauer zu betrachten.
Eine Vielzahl von Untersuchungen weist darauf hin, dass Jugendliche, die früh mit dem Gebrauch von süchtig machenden Stoffen in Kontakt kommen, später deutlich größere Schwierigkeiten haben, ihr gesundheitsgefährdendes Verhalten hin zu einem gesundheitlich positiven Muster zu verändern, als Jugendliche, die erst spät, also eher gegen Ende der Pubertät oder noch später als junge Erwachsene, mit Sucht induzierenden Stoffen Erfahrungen machen. Es scheint, dass die Anfangsphasen von Lebensübergängen, insbesondere die der Pubertät deutlich labile Zeiträume darstellen. So können in der frühen Phase der Adoleszenz Problemverhalten bzw. riskante Verhaltensweisen leichter und langfristiger etabliert werden als gegen Ende des Übergangs.
1. Einleitung und Problemstellung: Vorstellung der Forschungsfrage, warum einige Raucher notorisch rückfällig werden, während andere abstinent bleiben, sowie die Einleitung in die salutogenetische Perspektive.
2. Tabakentwöhnung und Rückfälligkeit - Eine Bestandsaufnahme: Analyse der klassischen Ansätze wie des Transtheoretischen Modells (TTM) und der Grenzen verhaltensorientierter Entwöhnung bei notorischen Rückfallern.
2.1 Sucht-, Abhängigkeitsforschung und Tabakentwöhnung aus salutogenetischer Perspektive: Plädoyer für einen Perspektivenwechsel weg von der krankheitszentrierten Dichotomie hin zum salutogenetischen Kontinuum.
3. Das Salutogenesemodell in Gesundheitspsychologie und Suchtforschung: Erläuterung des Modells nach Antonovsky und dessen Eignung als Rahmenkonzept für die Suchtforschung durch die Konzepte der Widerstandsressourcen und des Kohärenzgefühls.
4. Risikoverhalten im Kontext von Lebensphasen und Selbstkonzept: Untersuchung des Zusammenhangs zwischen alltäglichen Anforderungen, Identitätsfindung und der Bedeutung von Risikoverhalten als Copingstrategie.
4.1 Risikoverhalten im Kontext der Entwicklungsaufgaben der Lebensphasen 'Jugend' und 'frühes Erwachsenenalter': Diskussion der kritischen Phase der Pubertät und Adoleszenz, in der Rauchen als Statushandlung oder Bewältigungsverhalten etabliert wird.
4.2 Risikoverhalten im Spiegel von Identität und Kohärenzgefühl: Vertiefung der Rolle der Ich-Identität und des Identitätsgefühls bei der Regulation von Verhalten und bei der Verarbeitung von Krisen.
5. Risikoverhalten 'Tabakkonsum' als Teil des Selbstkonzepts und resultierende Konsequenzen für die Gesundheitsberatung: Ableitung praktischer Implikationen, wie die identitätsrelevante Bedeutung des Rauchens in der Beratung adressiert werden kann.
5.1 Wenn identitätsrelevante Ressourcen zu Stressoren werden: Erörterung, wie das Loslassen einer einstigen identitätsstiftenden Ressource den Prozess der Abstinenz erschwert.
5.2 Konsequenzen für die Gesundheitsberatung von Rauchern: Darstellung moderner Beratungsansätze wie Gesundheitsbildung statt Training und der Einbeziehung der persönlichen Gesundheitstheorie des Klienten.
6. Zusammenfassung: Resümee der Arbeit und Fazit zur Notwendigkeit einer salutogenetisch orientierten Praxis in der Suchthilfe.
7. Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten wissenschaftlichen Quellen.
Salutogenese, Tabakkonsum, Raucherentwöhnung, notorische Rückfälligkeit, Selbstkonzept, Identitätsgefühl, Kohärenzgefühl, Suchtgedächtnis, Gesundheitsberatung, Verhaltensänderung, Entwicklungspsychologie, Identitätsarbeit, Bewältigungsstrategien, Risikoverhalten, Adoleszenz.
Die Arbeit untersucht das Phänomen, warum langjährige Raucher trotz des Wissens um die Gesundheitsgefahren und trotz bereits erfolgreich absolvierter Entwöhnungsversuche notorisch rückfällig werden.
Die zentralen Themen sind die Suchtforschung, das Konzept der Salutogenese nach Antonovsky, die Entwicklungspsychologie des Jugendalters sowie die Identitätsforschung.
Das Ziel ist es, herauszufinden, ob Rauchen als identitätsrelevante Bewältigungsstrategie fungiert und wie eine salutogenetisch orientierte Gesundheitsberatung helfen kann, diese hartnäckigen Verhaltensmuster aufzubrechen.
Es handelt sich um eine theoretisch-analytische Arbeit, die bestehende Konzepte (Salutogenese, Identitätsarbeit nach Höfer) zusammenführt und auf das Phänomen der Nikotinabhängigkeit anwendet.
Der Hauptteil analysiert die Entstehung von Suchtverhalten in der Jugend, die Rolle des Kohärenzgefühls bei der Stressbewältigung und die daraus resultierenden Konsequenzen für die professionelle Gesundheitsberatung.
Die zentralen Begriffe sind Salutogenese, Identitätsgefühl, notorische Rückfälligkeit und gesundheitsorientierte Beratung.
Die Autorin argumentiert, dass diese Ansätze oft nur an der Oberfläche (dem Verhalten) ansetzen, aber den tieferen emotionalen und identitätsstiftenden Nutzen des Rauchens, der in der Jugend als Copingstrategie erlernt wurde, nicht bearbeiten.
Damit sind Raucher gemeint, die zwar den Wunsch haben aufzuhören und teilweise lange Phasen der Abstinenz erreichen, dann aber in Krisensituationen auf das Rauchen als vertraute "Pseudolösung" zurückgreifen.
Anstatt den Raucher als krank und defizitär zu pathologisieren, hilft die Beratung dem Klienten, die eigene "Geschichte des Rauchens" zu verstehen und Rauchlust als Indikator für ein tieferliegendes, noch nicht befriedigtes Bedürfnis zu nutzen.
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