Masterarbeit, 2020
75 Seiten, Note: 1,0
1 Einleitung
2 Theorieteil
2.1 Psychische Gesundheit
2.2 Burnout
2.2.1 Definition und allgemeine Forschung
2.2.2 Burnout innerhalb der Polizei
2.3 Posttraumatische Belastungsstörung
2.3.1 Definition und allgemeine Forschung
2.3.2 PTBS innerhalb der Polizei
2.4 Aufgabenbedingte Traumakonfrontation
2.5 Dosis der Traumakonfrontation
2.6 Zusammenhang von Arbeitsanforderungen, Ressourcen und psychischer Gesundheit
2.6.1 Arbeitsanforderungen
2.6.2 Arbeitsbezogene Ressourcen
2.6.3 Das Job Demands-Resources-Modell
2.7 Soziale Unterstützung als Arbeitsressource
2.7.1 Definition und allgemeine Forschung
2.7.2 Soziale Unterstützung durch Führungskräfte
2.7.3 Soziale Unterstützung durch Kollegen
2.7.4 Soziale Unterstützung innerhalb der Polizei
2.8 Die Fallbearbeitung Kinderpornografie
2.8.1 Polizeiliche kinderpornografische Ermittlungen
2.8.2 Symptome, Belastungen und Bewältigungsstrategien
2.8.3 Psychosoziale Unterstützung in der KiPo-Fallbearbeitung
2.9 Zusammenfassung der theoretischen Grundlagen und Hypothesenbildung
2.10 Hypothesenmodell
3 Methodik
3.1 Untersuchungsdesign
3.2 Untersuchungsablauf
3.3 Untersuchungsinstrumente
3.3.1 Methode zur Erfassung der Dosis der KiPo-Konfrontation
3.3.2 Methode zur Erfassung der PTBS
3.3.1 Methode zur Erfassung von Burnout
3.3.2 Methode zur Erfassung der sozialen Unterstützung
3.3.3 Methode zur Erfassung der organisationalen psychosozialen Unterstützung
3.3.4 Kontrollvariable Geschlecht
3.3.5 Kontrollvariable Alter
3.4 Stichprobe
3.4.1 Beschreibung
3.4.2 Repräsentativität
3.5 Gütekriterien der Untersuchungsinstrumente
3.5.1 Objektivität
3.5.2 Reliabilität
3.5.3 Validität
3.6 Statistische Auswertung
4 Ergebnisse
4.1 Deskriptive Datenanalyse und Hypothesenüberprüfung
4.1.1 Mittelwerte, Standardabweichungen und Korrelationen
4.1.2 Moderatoranalyse per multipler Regression
5 Diskussion
5.1 Untersuchungsannahmen und zentrale Befunde
5.1.1 Dosis der KiPo-Konfrontation als Prädiktor für PTBS und Burnout
5.1.2 Soziale Unterstützung als Prädiktor und Moderator
5.1.3 Organisationale psychosoziale Unterstützung als Moderator
5.2 Einordnung der Ergebnisse in die theoretischen Grundlagen und den Stand der Forschung
5.2.1 Dosis der KiPo-Konfrontation als Prädiktor für PTBS
5.2.2 Dosis der KiPo-Konfrontation als Prädiktor für Burnout
5.2.3 Soziale Unterstützung als Prädiktor und Moderator
5.2.4 Organisationale psychosoziale Unterstützung als Moderator
5.3 Stärken und Schwächen der Untersuchung
5.3.1 Datenqualität
5.3.2 Moderatoreffekte
5.3.3 Anteil erklärter und unerklärter Varianz
5.3.4 Untersuchungsinstrumente
5.4 Implikationen für weiterführende Untersuchungen
5.5 Implikationen für die polizeiliche Praxis
6 Fazit
Die Arbeit untersucht die Auswirkungen der beruflichen Konfrontation mit kinderpornografischem Material auf die psychische Gesundheit der ermittelnden Beamten und analysiert, welche organisationalen Ressourcen und soziale Unterstützung vor langfristigen Folgen wie PTBS und Burnout schützen können.
1 Einleitung
Lügde, Bergisch Gladbach, Münster¹ – in jüngster Zeit wurden immer wieder neue Fälle des sexuellen Missbrauchs von Kindern, ein höchst traumatisches Verbrechen für die Opfer, publik (Männer, 2020). Der gesamtgesellschaftlich wahrnehmbaren Berichterstattung in den Medien gehen häufig monatelange und emotional belastende Ermittlungen der Polizei voraus, deren Kern die Sichtung kinderpornografischen Materials (KiPo-Material) darstellt. In allen der genannten Fällen wurden die Taten digital festgehalten und dieses Material im Internet zur Verfügung gestellt. Das Internet ermöglicht einen weltweiten Handel mit, Tausch und Konsum von KiPo-Material und führte in den letzten Jahren zu exponentiell ansteigenden Datenmengen in diesem Deliktsbereich (Franke & Graf, 2016; Wortley et al., 2014). Gleichzeitig werden die Auswertung und die Beweissicherung der zahlreichen Datenträger immer zeitaufwendiger und komplexer (Weber, 2018). Kaum ein polizeiliches Tätigkeitsfeld gewährt den Ermittelnden einen so tiefen Einblick in die Abgründe menschlichen Handelns wie das Deliktsfeld der Kinderpornografie.
Die Mehrheit der Polizisten möchte diese Arbeit auf keinen Fall ausüben (Welt, 2019). Der Fokus dieser Masterarbeit liegt auf dem kleinen Teil jener Personen, die sich diesem Aufgabenfeld stellen und im Bereich der polizeilichen kinderpornografischen Fallbearbeitung (KiPo-Fallbearbeitung) tätig sind. Zu den Ermittlungstätigkeiten zählen neben der Sichtung und Auswertung von KiPo-Material auch die Identifizierung und Vernehmung von Tätern und Opfern (Fischbach, 2020a; Fischbach et al., 2020; Kirchhof, 2016). Hierbei werden die ermittelnden Personen zum Teil mit belastenden und extrem grausamen Details sexualisierter Gewalt an Kindern konfrontiert (Fischbach, 2020a; 2020b; Fischbach et al.; 2020). So sind laut Polizeipräsident Furth im Fall Münster „selbst die erfahrensten Kriminalbeamten […] an die Grenzen des menschlich Erträglichen gestoßen“ (zit. n. Männer, 2020). Direkter formulierte es der Leiter der Ermittlungen in Bergisch Gladbach und stellvertretende Leiter der Kölner Kriminalpolizei: „Es sind auch Leute krank geworden, die nur die Berichte gelesen haben. Das kann dich auch noch umhauen, wenn du der Fünfte in der Kette bist“ (zit. n. Stegemann, 2020).
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik ein, dass polizeiliche Ermittler bei der Bearbeitung kinderpornografischer Fälle mit hochgradig belastendem Material konfrontiert werden, und begründet die wissenschaftliche Relevanz der Untersuchung von Traumafolgen.
2 Theorieteil: In diesem Kapitel werden die theoretischen Grundlagen zu Burnout und PTBS sowie die zentrale Rolle von Arbeitsressourcen und sozialer Unterstützung im Kontext arbeitsspezifischer Stressoren dargelegt.
3 Methodik: Der empirische Teil beschreibt das Untersuchungsdesign mittels Online-Fragebogen sowie die zur Messung der verschiedenen Variablen verwendeten quantitativen Instrumente und statistischen Methoden.
4 Ergebnisse: Hier werden die Resultate der Onlinebefragung vorgestellt, wobei insbesondere die Zusammenhänge zwischen der Dosis der KiPo-Konfrontation und psychischen Belastungen sowie die Moderatoreffekte psychosozialer Unterstützung ausgewertet werden.
5 Diskussion: Die Ergebnisse werden kritisch interpretiert, in den bestehenden Forschungsstand eingeordnet und es werden Konsequenzen für die zukünftige polizeiliche Praxis sowie weitere wissenschaftliche Studien abgeleitet.
6 Fazit: Das abschließende Kapitel fasst zusammen, dass organisationale Unterstützung ein entscheidender Faktor zum Gesundheitsschutz der Beamten ist, und unterstreicht die Notwendigkeit für eine konstruktive Führungskultur.
Kinderpornografie, KiPo-Fallbearbeitung, Traumakonfrontation, Posttraumatische Belastungsstörung, PTBS, Burnout, soziale Unterstützung, organisationale psychosoziale Unterstützung, Polizeiarbeit, Job Demands-Resources-Modell, Arbeitsressourcen, psychische Gesundheit, quantitative Studie, Bewältigungsstrategien, polizeiliche Prävention.
Die Arbeit untersucht die psychischen Belastungsfolgen für Polizeibeamte, die im Rahmen ihrer Tätigkeit im Deliktsfeld der Kinderpornografie regelmäßig mit hochgradig traumatisierendem Material konfrontiert werden.
Der Fokus liegt auf den psychischen Gesundheitsrisiken (PTBS und Burnout), der Bedeutung von sozialer Unterstützung durch Kollegen und Führungskräfte sowie dem Einfluss organisationaler psychosozialer Hilfsangebote.
Die Forschungsfrage adressiert, welche Auswirkungen die Konfrontation mit kinderpornografischem Material auf die psychische Gesundheit der Mitarbeitenden hat und welche Arbeitsressourcen vor entsprechenden Belastungsrisiken schützen können.
Es wurde eine quantitative Querschnittserhebung mittels Online-Fragebogen durchgeführt, an der 185 im Bereich der KiPo-Fallbearbeitung und -Auswertung tätige Beamte teilgenommen haben.
Der Hauptteil gliedert sich in einen umfassenden Theorieteil, der das Job Demands-Resources-Modell als Basis nutzt, einen detaillierten Methodenteil sowie die statistische Auswertung und Diskussion der gewonnenen Daten.
Zentrale Begriffe sind Kinderpornografie, Traumakonfrontation, PTBS, Burnout, soziale Unterstützung und das Job Demands-Resources-Modell.
Die Studie belegt, dass eine höhere Dosis der Konfrontation (Häufigkeit und Intensität) positiv mit der Entstehung von PTBS- und Burnout-Symptomen zusammenhängt.
Organisationale psychosoziale Unterstützung zeigt einen moderierenden Effekt: Sie mildert den negativen Zusammenhang zwischen der Konfrontationsdosis und der psychischen Beeinträchtigung ab und dient somit als wichtige protektive Ressource.
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