Magisterarbeit, 2009
112 Seiten, Note: 2,3
I. Einleitung
II. Hauptteil
A. Ein kurzer Einblick in die Mythen um Iemanjá und Sedna
B. Theoretische Grundlagen
1. Ein kurzer Überblick über die Spieltheorie
a) Das Spielfeld
(1) Das Spielfeld im Ritual bei Sedna
(2) Das Spielfeld bei Iemanjá: Das Meer, der Terreiro
b) Die Mitspieler
(1) Bei Sedna
(2) Bei Iemanjá
c) Die Spielregeln und die Spielstrategie mit ihren Handlungsoptionen
(1) Bei Sedna
(2) Bei Iemanjá
d) Das „Spielzubehör“
(1) Bei Sedna
(2) Bei Iemanjá
e) Das Ziel der Spiele und der einzelnen Spieler
f.) Die Grenzen des Spielkonzeptes
2. Die symbolische Ethnologie nach Victor Witter Turner
3. Der Begriff der Archetypen nach C.G. Jung
C. Der Vergleich der beiden Meeresgöttinnen
1. Geographische und klimatische Bedingungen und die Subsistenz beider Ethnien
2. Eine Möglichkeit der Interpretation des Sedna-Mythos
a) Der Hundehemann
b) Die Rolle des Vaters
c.) Der Sturmvogel
d.) Das Abhacken der Fingerglieder
e.) Sednas Kinder als Stammväter aller Völker auf der Erde und Sedna als Mutterfigur
f.) Eine Möglichkeit der Interpretation des Mythos der Iemanjá
g.) Ein grober Überblick über den afrobrasilianischen Pantheon und die Umstände der Versklavung und des „Transports“ der ehemals afrikanischen Göttin nach Brasilien.
h.) Iemanjás Symbole und deren Interpretation
D. Ein Vergleich der Hauptsymbole beider Meeresgöttinnen
1. Das Meer
2. Die Unterwelt
3. Die Fruchtbarkeit (Mutter aller Orixás und Herrin der Seetiere)
4. Inzest und Sodomie als Tabubrüche
5. Schönheit und Häßlichkeit
6. Die Ambivalenz beider Göttinnen
E. Das ethnologische Spiel
1. Das Spielfeld
2. Die Mitspieler
3. Aufbau und Regeln
4. Der Zufall im Spiel
5. Das Ziel: Empathisches Verstehen der Religion, sowie die Aneignung von Hintergrundinformationen über Wissenskarten
6. Material und Design
III. Schluß
Die Arbeit untersucht in einem asymptotischen Vergleich die Gemeinsamkeiten der afrobrasilianischen Meeresgöttin Iemanjá und der Inuit-Meeresgöttin Sedna. Dabei wird die Forschungsfrage beantwortet, ob und wie sich fundamentale Parallelen zwischen zwei so unterschiedlichen kulturellen Kontexten feststellen lassen, indem spieltheoretische, ritualtheoretische und tiefenpsychologische Ansätze kombiniert werden.
d.) Das Abhacken der Fingerglieder
Das Abhacken der Fingerglieder kommt neben den körperlichen Schmerzen einer besonderen Behinderung gleich, denn bei den Inuit herrscht eine Arbeitsteilung nach Geschlecht. Während die Männer zur Jagd gehen und mit lebenswichtigem Fleisch, Fett, Häuten und dergleichen eine Basis des Unterhalts herbeischaffen, kümmern sich die Frauen um das Kochen und Verwerten der gejagten Tiere. Sie nähen Kleidungsstücke und fertigen wichtige Utensilien an. Darüber hinaus kümmern sie sich um die Kinder. Ein verheiratetes Paar versorgt die Eltern und Kinder. Ein jedes Mitglied der Familie wist wichtig und hat eigene Aufgaben zu erfüllen, die für die Gesamtheit der Familie und der Gruppe lebenswichtig sind. Das Abhacken der Fingerglieder, mit denen eine Frau nähte und kochte, kam einem Mord gleich, denn nun hatte Sedna nichts mehr beizutragen. Egal, wie schön sie war, es würde sich nun kein junger Mann mehr für sie interessieren, denn er benötigte eine Frau, die ihn mit Kleidung versorgte, die Nahrung zubereitete. Dem Abhacken von Sednas Fingergliedern können nun mehrere Bedeutungen erschlossen werden.
Zunächst einmal zeichnet sie der Umstand, daß aus ihren Fingern die Meeressäuger und damit die wichtigste Nahrungsquelle der Inuit werden, als Kulturheroin aus. Daß sie dabei ihr bisheriges Leben verliert und verstümmelt bleibt – ähnliche Qualen finden wir auch bei Prometheus wieder – entspricht hier einer inneren Notwendigkeit. Denn im Pantheon der Inuit gibt es für jede Gruppe jagbarer Tiere eine entsprechende Gottheit, die direkt angerufen werden kann. So begegnen wir auf dem Lande der Göttin der Landtiere. Die Tiere hätten nicht einfach erschaffen werden können, ohne daß damit das Reich der Sedna und ihr Platz als Meeresgöttin und Göttin der Seetiere zugleich erschaffen wurde. Das Meer erhielt dadurch zwei neue Bedeutungsgehalte. Was vorher bedeutungsloser Raum war, wurde nun zur Nahrungsquelle. Außerdem wurde das Meer sakralisiert, indem es Sednas Wohnsitz wurde. Die Sünden der Menschen wirken direkt auf Sedna und damit auch auf die Seetiere ein. Wenn bestimmte Sünden begangen werden – hierzu zählen hauptsächlich Abtreibungen und nicht erwähnte Fehlgeburten der Frauen – beschmutzen diese Sünden Sedna und verknoten ihr langes Haar.
I. Einleitung: Diese Einleitung stellt das Ziel der Magisterarbeit dar, einen asymptotischen Vergleich zweier Meeresgöttinnen durch die Kombination von Spieltheorie, Ritualtheorie und Archetypentheorie zu ermöglichen.
II. Hauptteil: Der Hauptteil gliedert sich in eine mythologische Einführung, eine theoretische Grundlegung mittels Spiel- und Ritualtheorie sowie Archetypenlehre, einen detaillierten Vergleich beider Gottheiten und deren Symbole, sowie den Entwurf eines religionsethnologischen Spiels.
III. Schluß: Das abschließende Kapitel resümiert die Ansätze und betont die Bedeutung multiperspektivischer Zugänge bei der Untersuchung und Annäherung an das Fremde in der Ethnologie.
Iemanjá, Sedna, Spieltheorie, Ritualtheorie, Victor Witter Turner, C.G. Jung, Archetypen, symbolische Ethnologie, Meeresgöttinnen, Candomblé, Inuit, Mythologie, Tabubruch, kultureller Vergleich, Religionsethnologie.
Die Arbeit vergleicht die Meeresgöttinnen Iemanjá (afrobrasilianischer Candomblé) und Sedna (Inuit-Mythologie) unter Verwendung kulturwissenschaftlicher Theorien.
Zentrale Felder sind die Bedeutung von Ritualen, die Funktion religiöser Symbole, die Konstruktion von Identität und die mythologische Verarbeitung von Tabubrüchen.
Das Ziel ist es, Gemeinsamkeiten zwischen den beiden Gottheiten trotz ihrer unterschiedlichen kulturellen Kontexte herauszuarbeiten und eine methodische Vergleichsbasis zu schaffen.
Die Arbeit nutzt einen interdisziplinären Ansatz, bestehend aus der Spieltheorie (von Neumann/Morgenstern), der symbolischen Ethnologie (Turner) und der Tiefenpsychologie (Jung).
Der Hauptteil analysiert die Mythen beider Göttinnen, entwickelt ein Spielfeld-Modell zur Untersuchung der Rituale und führt einen Vergleich der Hauptsymbole wie Meer, Unterwelt und Fruchtbarkeit durch.
Schlüsselbegriffe sind Archetypen, Ritual, Symbol, Tabu, Candomblé, Mythos, sowie interkultureller Vergleich.
Der Schamane dient als Mittler zwischen der irdischen Welt und der Meeresgöttin, der durch das Kämmen ihres Haares die moralische Reinheit wiederherstellt.
Während bei Sedna ein starker Fokus auf der Sühne von Tabubrüchen und einer kollektiven Beichte liegt, ist das Fest für Iemanjá eher durch Gabendarbringungen und eine einseitige Willensbekundung geprägt.
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