Diplomarbeit, 2013
159 Seiten, Note: 1
1. Einführung
2. Historische Hintergründe
2.1 Klintelismus und Legitimationskrise
2.2 Mexikos Guerra Sucia
2.3 Lange Transition und schleichende Demokratisierung
2.4 Paradigmenwechsel: Vicente Fox
3. Der Aufstieg der Drogenkartelle
3.1 Drogen, Wirtschaft und Politik
3.2 Das Phänomen Salinas
3.3 Paradoxon der Demokratisierung
4. Mexikos Guerra contra el narcotráfico
4.1 Schicksalsjahr 2006: Knapper Wahlausgang
4.2 Kriegserklärung und Gewalteskalation
4.3 Menschenrechtsverletzungen und "Kollateralschäden"
5. Mexiko auf dem Weg zu einem "failed state"?
5.1 Konzeptualisierung: Weak vs. failing state
5.2 Mexiko zwischen weak und failing
5.2.1 Die Sicherheitsfunktion
5.2.2 Die Wohlfahrtsfunktion
5.2.3 Die Rechtsstaatsfunktion
5.3 Einordnung nach Rotberg
6. Ziviler Protest
6.1 Konzeptualisierung: Framing als Analysewerkzeug
6.2 Erscheinungsformen zivilen Protests in Mexiko
6.2.1 Movimiento por la Paz con Justicia y Dignidad
6.2.2 #YoSoy132
6.2.3 Vergleich: Movimiento por la Paz und #YoSoy132
7. Schlusswort
Die Arbeit untersucht im Kontext des mexikanischen "Drogenkriegs" das Phänomen zivilen Protests und reflektiert, wie soziale Bewegungen auf staatliche Strukturen in einem zerfallenden Staatsgefüge reagieren und sich organisieren.
3.2 Das Phänomen Salinas
Verbindungen hoher Autoritäten zum Drogenhandel sowie Korruption waren unter der Regierung Salinas (1988-1994) vermutlich besonders stark ausgeprägt.7 Grundsätzlich galt Carlos Salinas de Gortari während seiner Regierungszeit als popularer Präsident. So ermittelte etwa das mexikanische Meinungsforschungsinstitut Consulta Mitofsky, dass seine Beliebtheitswerte in der Bevölkerung höher lagen als jener seiner Nachfolger Zedillo, Fox und Calderón (vgl. Consulta Mitofsky 2011:4). Nach 1994 sollten aber unzählige Verstrickungen ans Tageslicht kommen, die bis zur Familie des Präsidenten reichten.
Die letzten Monate der Legislaturperiode von Carlos Salinas waren von einem dubiosen Mord überschattet. Am 23. März 1994 hielt Luis Donaldo Colosio – der von Salinas ernannte Nachfolger für das Amt des Präsidenten – während seiner Wahlkampf-Tour eine Rede in Tijuana, der im Bundesstaat Baja California gelegenen Grenzstadt zu den USA. Der Bundesstaat im Norden Mexikos war zu jener Zeit der einzige, der von dem oppositionellen PAN regiert wurde und Tijuana daher eine strategisch wichtige Station während der Wahlkampagne des Präsidentschaftskandidaten. Nachdem er seine Rede in Lomas Taurinas, einem sozial und infrastrukturell benachteiligten Viertel der Stadt, gehalten hatte, wurde er, während er sich in der Menschenmasse von AnhängerInnen feiern ließ, mit einem gezielten Kopfschuss ermordet.8
Nach offiziellen Angaben war Colosio von einem einzelnen Täter umgebracht worden. Dieser Erklärung will aber ein Großteil der mexikanischen Bevölkerung bis heute keinen Glauben schenken. Es wird darüber spekuliert, dass der Mord politisch motiviert und von höchster Stelle in Auftrag gegeben worden war (vgl. Aznarez 2004). Im Vorfeld hatte es innerhalb des PRI Unstimmigkeiten über die Nachfolge Salinas' gegeben. Dennoch hielt der amtierende Präsident an Colosio als Nachfolger fest, da dieser als parteikonform galt. Kurz vor seiner Ermordung kamen aber Gerüchte auf, dass Colosio mit der Parteilinie gebrochen hätte und hart gegen Korruption innerhalb der Politik gehen wollte. Hieraus wurden später Schlüsse gezogen, dass ihn die regierende Elite, die mit den Drogenkartellen zusammenarbeitete, aus dem Weg räumen wollte (vgl. Watt/Zepeda 2012:108).
1. Einführung: Die Einleitung beleuchtet den Kontext des "Drogenkriegs" in Mexiko und führt in die Fragestellung zur Rolle ziviler Proteste als Reaktion auf staatliche Zerfallsprozesse ein.
2. Historische Hintergründe: Dieses Kapitel arbeitet die Entwicklung des Einparteiensystems unter dem PRI und die Phase der schleichenden Demokratisierung bis zum Regierungswechsel um das Jahr 2000 auf.
3. Der Aufstieg der Drogenkartelle: Hier wird analysiert, wie politische Strukturen, Korruption und wirtschaftliche Transformationen den Drogenkartellen den Aufstieg und die Ausweitung ihrer Macht ermöglichten.
4. Mexikos Guerra contra el narcotráfico: Es wird die Eskalation der Gewalt unter der Regierung Calderón und die Auswirkungen des "Kriegs gegen den Drogenhandel" auf die Zivilgesellschaft untersucht.
5. Mexiko auf dem Weg zu einem "failed state"?: Dieses Kapitel prüft den mexikanischen Staat anhand von Sicherheits-, Wohlfahrts- und Rechtsstaatsfunktionen und ordnet den Status nach Rotberg ein.
6. Ziviler Protest: Der Hauptteil erläutert den Framing-Ansatz und analysiert die Mobilisierungsstrategien des "Movimiento por la Paz con Justicia y Dignidad" sowie der Bewegung "#YoSoy132".
7. Schlusswort: Das Fazit fasst die Rolle der zivilen Protestbewegungen bei der Thematisierung gesellschaftlicher Missstände sowie deren Wirksamkeit und Herausforderung in einem korruptionsgeprägten Kontext zusammen.
Mexiko, Drogenkrieg, ziviler Protest, Movimiento por la Paz, #YoSoy132, Framing, failed state, Korruption, organisierte Kriminalität, Demokratisierung, politische Transition, Gewalteskalation, Menschenrechte, Eliten, Zivilgesellschaft
Die Diplomarbeit analysiert die Formierung und Strategien ziviler Protestbewegungen in Mexiko vor dem Hintergrund des eskalierenden Drogenkriegs und staatlicher Legitimationskrisen.
Zentrale Themen sind die historische Genese des mexikanischen politischen Systems, die Auswirkungen des Drogenkartell-Aufstiegs, die Staatsfragilität und die moderne Protestkultur unter Anwendung der Framing-Theorie.
Ziel ist es zu verstehen, wie soziale Bewegungen wie "Movimiento por la Paz" und "#YoSoy132" ihre Anliegen artikulieren und ob sie angesichts staatlicher Defizite als Akteure in einem zerfallenden System wirksam werden können.
Die Arbeit basiert auf einer politikwissenschaftlichen Analyse sowie der Anwendung des Framing-Ansatzes (nach Snow und Benford) zur Deutung kollektiver Aktionsmuster sozialer Bewegungen.
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Analyse der politischen Entwicklung Mexikos, eine Untersuchung des Staates auf seine Funktionalität hin sowie die detaillierte empirische Framing-Analyse der zwei untersuchten Protestbewegungen.
Die zentralen Begriffe sind "Drogenkrieg", "Framing", "Staatszerfall", "Korruption", "partizipative Demokratie" und "ziviler Widerstand".
Die Autorin charakterisiert den mexikanischen Staat als schwach und von tiefer Korruption durchdrungen, wobei er in seinen zentralen Funktionen (Sicherheit, Rechtsstaat) erhebliche Defizite aufweist.
Besonders bei "#YoSoy132" waren digitale Netzwerke wie Twitter und YouTube entscheidend für die Mobilisierung, die Sichtbarkeit der Anliegen und die Umgehung der von großen TV-Konzernen dominierten Medienöffentlichkeit.
Der GRIN Verlag hat sich seit 1998 auf die Veröffentlichung akademischer eBooks und Bücher spezialisiert. Der GRIN Verlag steht damit als erstes Unternehmen für User Generated Quality Content. Die Verlagsseiten GRIN.com, Hausarbeiten.de und Diplomarbeiten24 bieten für Hochschullehrer, Absolventen und Studenten die ideale Plattform, wissenschaftliche Texte wie Hausarbeiten, Referate, Bachelorarbeiten, Masterarbeiten, Diplomarbeiten, Dissertationen und wissenschaftliche Aufsätze einem breiten Publikum zu präsentieren.
Kostenfreie Veröffentlichung: Hausarbeit, Bachelorarbeit, Diplomarbeit, Dissertation, Masterarbeit, Interpretation oder Referat jetzt veröffentlichen!

