Bachelorarbeit, 2018
46 Seiten, Note: 1,8
1. Einleitung
2. Erinnerungskultur – Konzept und Gedächtnisformen
2.1 Das Konzept der Erinnerungskultur
2.2 Die Bedeutung und Funktion der Erinnerungskultur im antiken Rom
2.3 Die drei Gedächtnisformen der Erinnerungskultur
3. Totengedenken und Erinnerungskultur – die Bedeutung der pompa funebris
3.1 Die Stellung des Totengedenkens innerhalb der Gedächtnisformen
3.2 Das Totengedenken als Ursprung der Erinnerungskultur
3.3 Die pompa funebris als ausdrucksstärkste Form des Totengedenkens
4. Die Bedeutung von rituellen Inszenierungsformen für die politische Kultur Roms
5. Die Gesinnung und Tradition der politischen Klasse Roms – der Einfluss der pompa funebris
5.1 Das Ethos und die öffentliche Selbstdarstellung der Nobilität
5.2 Das Traditionsbewusstsein der Nobilität – die Bedeutung des mos (maiorum)
5.3 Die pompa funebris als Verkörperung des mos maiorum
6. Polybios' Darstellung einer idealtypischen pompa funebris zur Zeit der Republik
7. Die politische Bedeutung der pompa funebris
8. Ausblick: Das Leichenbegängnis des Kaisers Augustus als veränderte Form der pompa funebris
8.1 Das Leben und Wirken des Cassius Dio – die Beurteilung des Quellenwertes
8.2 Cassius Dios Bericht über das Leichenbegängnis des Kaisers Augustus
8.3 Die Analyse der kaiserlichen pompa funebris des Augustus
9. Fazit
Die Arbeit untersucht die These, dass die Erinnerungskultur im antiken Rom – manifestiert im Leichenbegängnis der pompa funebris – als zentrales Instrument zur Selbstdarstellung der politischen Klasse (Nobilität) diente, um Machtansprüche und Traditionen zu festigen.
Die pompa funebris als ausdrucksstärkste Form des Totengedenkens
Als bildhafteste Umsetzungsform des Totengedenkens ist das aristokratische Leichenbegängnis der pompa funebris anzusehen.
Der Aufbau dieser zeitlich geordneten, familial inszenierten und in aller Öffentlichkeit ablaufenden römischen Memorialpraxis kennzeichnete sich im Wesentlichen durch ihre Zweiteilung in Ahnenprozession und Leichenrede. Als weiteres Charakteristikum der pompa funebris galt zudem ihre äußerst eingängige Beschaffenheit, die zurückzuführen war auf ihre häufige praktische Realisierung und ihre Zusammenfügung aus wenigen und allen geläufigen Bildzeichen, weshalb sich das Ritual auch als besonders öffentlichkeitswirksame Form des Totengedenkens auszeichnete.
Das Totengedenken, das einen zentralen Bestandteil der nobilitären Erinnerungskultur darstellte, manifestierte sich insbesondere in der Versinnbildlichung der Ahnenreihe und lässt so die zentrale und fundamentale Bedeutung der pompa funebris für die römische Erinnerungskultur augenfällig werden. „Ihre appellative Wirksamkeit“ offenbarte sich vor allem in der Funktion der Ahnen, die für die nachfolgenden Generationen der Lebenden richtungsweisende Leitfiguren darstellten. Symbolhaft zum Ausdruck gebracht wurde dieser Umstand durch die als Charakteristikum der politischen Klasse Roms anzusehenden Ahnenmasken, die als Inbegriff der verstorbenen politischen und militärischen Größen Roms anzusehen waren und dementsprechend auch die in der Vergangenheit errungenen Erfolge für die res publica visualisierten. Auf diese Weise vereinte die pompa funebris zwei verschiedene Vergegenwärtigungsformen von Vergangenheit, sich widerspiegelnd in der Akzentuierung des Beispielhaften und dessen gleichzeitige Einbindung in eine als überzeitlich und kontinuierlich betrachtete Erfolgskette vergangener Großtaten, die eine stabilisierende Wirkung für das Handeln der gegenwärtig Lebenden zur Folge hatte.
1. Einleitung: Diese Einleitung legt den Fokus der Arbeit auf das römische Begräbnisritual der pompa funebris und stellt die These auf, dass dieses als Mittel zur Selbstdarstellung der politischen Klasse Roms diente.
2. Erinnerungskultur – Konzept und Gedächtnisformen: Hier wird das theoretische Fundament der Erinnerungskultur gelegt und zwischen kommunikativem sowie kulturellem Gedächtnis unterschieden.
3. Totengedenken und Erinnerungskultur – die Bedeutung der pompa funebris: Dieses Kapitel betrachtet das Totengedenken als Keimzelle der Erinnerungskultur und identifiziert die pompa funebris als dessen wirkmächtigste Form.
4. Die Bedeutung von rituellen Inszenierungsformen für die politische Kultur Roms: Hier wird die politische Relevanz ritueller Inszenierungen untersucht, wobei Rituale als notwendige Ausdrucksform der politischen Kultur begriffen werden.
5. Die Gesinnung und Tradition der politischen Klasse Roms – der Einfluss der pompa funebris: Dieses Kapitel analysiert das Ethos der Nobilität und die Bedeutung des mos maiorum als handlungsleitendes Modell für die Selbstdarstellung.
6. Polybios' Darstellung einer idealtypischen pompa funebris zur Zeit der Republik: Es wird die einzige systematische Beschreibung des Rituals durch den griechischen Historiker Polybios analysiert und quellenkritisch bewertet.
7. Die politische Bedeutung der pompa funebris: Die Analyse konzentriert sich auf die Ahnenmasken und die Leichenrede als Mittel zur Statusdemonstration und Konsolidierung von Machtansprüchen.
8. Ausblick: Das Leichenbegängnis des Kaisers Augustus als veränderte Form der pompa funebris: Dieses Kapitel behandelt den Wandel des Rituals unter Augustus und nutzt Cassius Dio als primäre Quelle für die kaiserzeitliche Umdeutung.
9. Fazit: Die abschließende Zusammenfassung bestätigt die These, dass die pompa funebris ein wesentliches Instrument für die Selbstdarstellung der politischen Elite Roms war.
Erinnerungskultur, pompa funebris, Nobilität, mos maiorum, römische Republik, politisches Ethos, Ahnenmasken, Leichenrede, Totengedenken, Polybios, Cassius Dio, Augustus, Selbstdarstellung, Memorialpraxis, res publica.
Die Arbeit befasst sich mit der Rolle der Erinnerungskultur im antiken Rom, insbesondere mit der Bedeutung des Bestattungsrituals „pompa funebris“ für die Selbstdarstellung der römischen Nobilität.
Zentrale Themen sind die theoretischen Konzepte von Erinnerung und Gedächtnis, die Analyse ritueller Inszenierungen in der politischen Kultur, das Ethos des römischen Adels sowie die historische Umwandlung dieser Praktiken unter Kaiser Augustus.
Die Arbeit verfolgt das Ziel nachzuweisen, dass römische Leichenbegängnisse als gezielte Instrumente der Nobilität dienten, um ihre politische Macht, ihre Traditionen und ihre Exklusivität gegenüber der Öffentlichkeit zu legitimieren.
Die Untersuchung basiert auf einer historisch-analytischen Methode, die sowohl kulturwissenschaftliche Theorien der Erinnerung (u.a. nach Assmann) nutzt als auch eine quellenkritische Auseinandersetzung mit schriftlichen Überlieferungen (Polybios, Cassius Dio) vornimmt.
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen, strukturelle Analysen der pompa funebris als Ausdruck des mos maiorum sowie kontrastierende Fallstudien zur Zeit der Republik und zur Kaiserzeit unter Augustus.
Die zentralen Begriffe sind Erinnerungskultur, pompa funebris, Nobilität, mos maiorum, res publica, Ahnenmasken und politische Selbstdarstellung.
Die Leichenrede fungiert laut Arbeit als essentieller Kommentar zur Ahnenparade, der die politischen Erfolge und Leistungen der verstorbenen Vorfahren sowie des Verstorbenen selbst hervorhebt und somit das Prestige der Familie stärkt.
Augustus transformierte das Ritual, indem er die Prozession nutzte, um die Sonderstellung seines eigenen iulischen Hauses zu betonen und sich selbst als Erneuerer der Republik in eine mythische Ahnenreihe zu stellen, wodurch er das ursprüngliche System der republikanischen Ahnenkapital-Darstellung umdeutete.
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