Magisterarbeit, 2011
130 Seiten, Note: 1,15
I Einleitender Teil
1 Fragestellung
2 Begriff und Perspektivierung
3 Das Inzest-Motiv in der Literatur und sein heterogenes Deutungsspektrum
II Theoretischer Teil - Der psychoanalytische Inzest-Diskurs
1 Sigmund Freud: Psychoanalytische Perspektive
1.1 Ödipus-Komplex und Narzissmus
1.2 Psychoanalyse und Kunst - Die Ambivalenz einer Arbeit am Mythos
2 Otto Rank: Psychologisierung der Kunst
2.1 „Psychologie des dichterischen Schaffens“
2.2 „Ubiquität des Inzestmotivs“
III Analytischer Teil - Der Inzest-Diskurs in Wolfgang Hildesheimers Marbot
1 Die Transformation eines Begehrens - Marbots Tintoretto-Erlebnis
1.1 Initiation und initiierende Bildwirkung - Erster Kontakt
1.2 Terra incognita - „which he was to explore and conquer later”
1.3 Konstellation Bild - Körper - Text
2 Der Inzestvollzug und die Rolle der Erzähler-Figur
2.1 Distanzierung des Erzählers - Theatralisierung des Inzests
2.2 Die (wertende) Instanz des Erzählers als Machtinstanz
3 Inzest als Flucht - Der mütterliche Schoß und seine Kolonialisierung
3.1 „in beauty softly embedded” - „psychisch-physische Ganzheitserfahrung“
3.2 „Longing is retroverted curiousity“ - Inzest als Revision des Lebens
4 Flucht vor dem Inzest - Sublimation und Kunst als „point of escape“
4.1 Kunst und psychoanalytische Kunstanalyse - Objekt und Mittel der Selbstbespiegelung: Marbots Suche nach dem Doppelgänger
4.2 Die Portraitierung des Selbst in der Schrift - Das Portrait im Portrait
5 Potenzierter Inzest - Die Konzentrizität Marbots Inzest im Inzestgefüge der Kunst
5.1 „The Marbot Myth“ und Sophokles‘ Oedipus Tyrannos - Repetition eines Mythos und seiner psychoanalytischen Deutung
5.2 Marbot - „Hamlet als Gegenhamlet”
IV Schlussbetrachtung
Die vorliegende Arbeit untersucht Wolfgang Hildesheimers „fiktive Biographie“ Marbot (1981) unter Einbeziehung der psychoanalytischen Inzest-Theorien von Sigmund Freud und Otto Rank. Ziel ist es, aufzuzeigen, wie das zentrale Motiv des Inzests zwischen Marbot und seiner Mutter als strukturgebendes und motivierendes Element für seine künstlerische Identitätsfindung sowie als Fluchtpunkt vor der Realität dient, wobei Hildesheimers Auseinandersetzung mit der Kunst als „fiktionale Biographie“ selbst kritisch hinterfragt wird.
1.1 Initiation und initiierende Bildwirkung - Erster Kontakt
Das Streben des Rahmenerzählers, der Kindheit Marbots einen angemessenen Raum in seinem biographischen Aufriss zu gewähren, ergibt sich nicht nur aus dem vom Biographen zu erfüllenden Anspruch des Genres der Biographie, sondern zu gleichen Teilen aus der sich von ihm gestellten Aufgabe, Marbots Leben aus psychoanalytischer Perspektive zu beleuchten. So wird auch Marbots erste bedeutende Kunsterfahrung zu einem bestimmenden Thema erhoben, das der Biograph in den Kontext von Marbots frühkindlichen Erfahrungen setzt, die sein durchdringendes Interesse an der Malerei und die Prägung auf sie bereits andeuten.
Schon als Kind, als er die Sammlung seines Großvaters Lord Claverton in Redmond Manor - man möchte sagen - auswendig lernte, hat er, noch ohne Ziel, aber mit Muße und Hingabe, Bilder erforscht, wobei es ihm natürlich zunächst mehr um den Stoff als um die Form ging. (Ma, 33)
I Einleitender Teil: Erläutert die Fragestellung und den methodischen Ansatz, Inzest nicht als strafrechtliches, sondern als ästhetisch-literarisches Motiv im Werk Marbot zu untersuchen.
II Theoretischer Teil - Der psychoanalytische Inzest-Diskurs: Analysiert die theoretischen Grundlagen von Sigmund Freud und Otto Rank bezüglich des Inzest-Konflikts und deren Relevanz für die Kunst- und Literaturwissenschaft.
III Analytischer Teil - Der Inzest-Diskurs in Wolfgang Hildesheimers Marbot: Untersucht die Kernaspekte von Hildesheimers Werk, insbesondere die Rolle der Kunst, die Erzählerfigur und die Inzestthematik als tragendes narratives Konstrukt.
IV Schlussbetrachtung: Resümiert die Erkenntnisse und bewertet Marbots Inzestbegehren als bewusst konstruiertes, symbolisches Konzept innerhalb der hochkomplexen Erzählstruktur.
Wolfgang Hildesheimer, Marbot, Inzest-Diskurs, Psychoanalyse, Sigmund Freud, Otto Rank, Ödipus-Komplex, Fiktive Biographie, Kunst und Leben, Identitätsfindung, Narratologie, Tintoretto, Narzissmus, Sublimierung, Intertextualität.
Es geht um die Analyse Wolfgang Hildesheimers Werks Marbot und die Untersuchung der Inzest-Thematik als zentrales narratologisches und psychologisches Element.
Die Psychoanalyse von Freud und Rank, die fiktive Biographie als Genre sowie die Verschränkung von Kunstgeschichte und Literatur.
Zu ergründen, wie das Inzest-Motiv als „Schlüssel“ für die Identitätsfindung des Protagonisten dient und wie Hildesheimer dieses Motiv textstrategisch einbettet.
Es wird eine strukturalistische Narratologie in Verbindung mit psychoanalytischen Deutungsmustern angewandt, um die literarischen Strategien des Biographen zu analysieren.
Die Transformation des Inzest-Begehrens durch Kunstwerke, die Rolle des Erzählers (Biograph) und Inzest als Form der Weltflucht.
Sie ist eine tiefgreifende literaturwissenschaftliche Analyse, die ein literarisches Werk aus interdisziplinärer Perspektive (Literatur, Kunst, Psychoanalyse) dekonstruiert.
Es fungiert als zentrales Schlüsselerlebnis für Marbot, welches sein inzestuöses Begehren initiiert und als „Lebensprogramm“ für seine spätere Identität dient.
Da der Autor Hildesheimer seine Erzählung bereits stark durch die psychoanalytische Brille strukturiert hat, dienen diese Autoren als Referenzrahmen für die psychologische Verfasstheit von Marbot.
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