Abschlussarbeit, 2007
71 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
1.1 Methode und Verortung im System der Wissenschaften bei Schleiermacher
1.2 Definition grundlegender Termini
2. Schleiermachers Zeichentheorie – Semiotik als Schematisierungsprozess
2.1 Sinneswahrnehmung und Bewusstsein
2.2 Organisch-intellektuelle Duplizität
2.3 Subjektive und objektive Bewusstseinsäußerungen
2.4 Abgrenzung zur Tiersprache
3. Zusammenhang von Sprache und Denken
3.1 Verhältnis von Sprache, Denken und Bewusstsein
3.2 Der Satz als Denkeinheit
3.2.1 Identität des Denkens versus Pluralität der Sprachen
3.2.2 Sprachidee und Approximation an das Wissen
3.3 Dialektik und Hermeneutik
3.4 Kritik aus der modernen Linguistik
4. Sprache und Denken auf der Grundlage des Gefühls – ein anthropologisches Gesamtbild
4.1 Bestimmung des unmittelbaren Selbstbewusstseins als Gefühl der schlechthinnigen Abhängigkeit
4.1.1 Entwicklungsstufen des Selbstbewusstseins im Bezug zu Sprache und Denken
4.1.2 Neuverortung von Sprache und Denken a posteriori
4.2 Gesamtinterpretation des Zusammenhangs von Sprache, Denken und Gefühl
5. Konsequenzen des Verhältnisses von Sprache, Denken und Gefühl
5.1 Anthropologische Konsequenzen
5.2 Offenbarung und die Frage: Wie kann man angemessen von Gott reden?
6. Konklusion – Schleiermachers anthropologisch begründete Sprachphilosophie
Die vorliegende Arbeit untersucht den Zusammenhang von Sprache, Denken und Gefühl bei Friedrich Daniel Ernst Schleiermacher. Ziel der Arbeit ist es, innerhalb von Schleiermachers dynamischem Gesamtsystem eine modifizierte Sichtweise zu etablieren, die das Gefühl – als Kern einer umfassenden anthropologischen Manifestation – in das Verhältnis von Sprache und Denken integriert und diese in einem anthropologischen Gesamtbild neu verortet.
1. Einleitung
Bis heute haben Schleiermachers Überlegungen zu Sprache und Denken als sprachphilosophisches Problem nichts an Aktualität eingebüßt und finden vor allem in Beiträgen zur Hermeneutik ihren Niederschlag. „Die Sprache ist mit dem Wissen zugleich gegeben als eine nothwendige Function des Menschen und ist nichts anderes als die heraustretende Gemeinschaftlichkeit desselben.“ Diese kurze Definition im Brouillon zur Ethik von 1805/06 lässt durchscheinen, dass Schleiermacher keine genuin eigenständige Betrachtung der Sprachphilosophie vornimmt, sondern sie als äußeres Mittel im menschlichen Wissensbildungs- und Gemeinschaftsbildungsprozess ansieht. Schleiermachers systematischer Gesamtentwurf hat zum Grundsatz, den Komplex der menschlichen Lebenszusammenhänge in seinen realen Möglichkeiten in der Welt phänomenologisch zu erfassen. Daher wird die Sprache in der Psychologie als Grundbestandteil der menschlichen Ontologie konstatiert und erscheint als Thema in allen anthropologischen Bereichen, die sie betreffen oder notwendig brauchen, vornehmlich der Erkenntnistheorie, Übersetzungslehre und Interpretation.
Im Wechselspiel zwischen der Welt sowie ihrer Wahrnehmung und Erfassung durch den Menschen ist eine weitere ontologische Wesenskomponente von entscheidender Bedeutung, die Schleiermacher unter dem Begriff „Gefühl“ konstituiert. Nicht von ungefähr kommt die Konzentration auf Schleiermachers Bestimmung des Verhältnisses von Sprache, Denken und Gefühl, weil sie den Kern einer umfassenden anthropologischen Manifestation repräsentiert und die Sprachphilosophie in einem neuen Licht erscheinen lässt. Für ein ganzheitliches Verständnis der Sprache müssen die vielfach einseitig orientierten Analysen zugunsten einer solch umfassenden Betrachtung der Sprach- und Denktätigkeit in den Gegebenheiten der menschlichen Daseinsbedingungen aufgegeben werden. Die vorliegende Arbeit unternimmt den Versuch, der Tradition der aus philologisch-philosophischer Perspektive vorgenommenen Interpretationen der Schleiermacherschen Sprachphilosophie eine modifizierte Sicht des Zusammenhangs von Sprache, Denken und Gefühl innerhalb seines dynamischen Gesamtsystems an die Seite zu stellen.
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Relevanz von Schleiermachers Sprachphilosophie ein und skizziert das Ziel der Arbeit, den Zusammenhang von Sprache, Denken und Gefühl anthropologisch neu zu deuten.
2. Schleiermachers Zeichentheorie – Semiotik als Schematisierungsprozess: Das Kapitel erläutert, wie Sprache als Bezeichnungssystem zwischen Welt und Mensch fungiert und durch einen Schematisierungsprozess Begriffe aus sinnlichen Eindrücken bildet.
3. Zusammenhang von Sprache und Denken: Hier wird die eng gekoppelte Rolle von Sprache und Denken diskutiert, wobei insbesondere der Satz als Denkeinheit und die Besonderheit historischer Einzelsprachen im Fokus stehen.
4. Sprache und Denken auf der Grundlage des Gefühls – ein anthropologisches Gesamtbild: Dieses Kapitel verankert die Sprach- und Denkfähigkeit im unmittelbaren Selbstbewusstsein, verstanden als Gefühl der schlechthinnigen Abhängigkeit.
5. Konsequenzen des Verhältnisses von Sprache, Denken und Gefühl: Die Untersuchung überträgt die gewonnenen Erkenntnisse auf ethische, pädagogische und naturwissenschaftliche Bereiche und diskutiert die Angemessenheit des Redens über Gott.
6. Konklusion – Schleiermachers anthropologisch begründete Sprachphilosophie: Die Zusammenfassung unterstreicht die Rolle von Sprache und Denken als Instrumente, die dem umfassenderen, religiösen Selbstbewusstsein untergeordnet bleiben.
Friedrich Daniel Ernst Schleiermacher, Sprachphilosophie, Denken, Gefühl, Selbstbewusstsein, Hermeneutik, Dialektik, menschliche Ontologie, Semiotik, Gattungsbewusstsein, Anthropologie, Zeichen, Wissensbildung, Religionsphilosophie, schlechthinnige Abhängigkeit.
Die Arbeit untersucht Schleiermachers Sprachphilosophie unter besonderer Berücksichtigung des Zusammenhangs von Denken und Gefühl innerhalb seines anthropologischen Gesamtsystems.
Zentrale Felder sind die Zeichentheorie, die Rolle der Sprache als Denkmedium, die Funktion des unmittelbaren Selbstbewusstseins (Gefühl) und die daraus resultierenden Konsequenzen für Ethik und Theologie.
Das primäre Ziel ist es, eine modifizierte Sichtweise zu entwickeln, die das Gefühl nicht als bloßen Nebenaspekt, sondern als apriorische Grundlage jeglicher menschlichen Sprach- und Denktätigkeit begreift.
Die Arbeit nutzt ein deskriptives und hermeneutisches Verfahren, das deduktiv von der allgemeinen Idee Schleiermachers zu den konkreten Phänomenen fortschreitet und diese induktiv validiert.
Der Hauptteil analysiert die Semiotik, das Verhältnis von Sprache und Denken, die anthropologische Einbettung ins „Weltgefühl“ sowie die Bedeutung des „Gottesgefühls“ als höchste menschliche Bestimmung.
Die wichtigsten Schlagworte sind Sprachphilosophie, Schleiermacher, Selbstbewusstsein, Gefühl, Hermeneutik, Dialektik und anthropologisches Gesamtbild.
Das Gefühl wird als unmittelbares Selbstbewusstsein oder „Gefühl der schlechthinnigen Abhängigkeit“ definiert, das jeder bewussten Tätigkeit (Denken/Sprechen) vorausgeht.
Sprache fungiert als Medium, um das prinzipiell unsagbare Gefühl (Gotteserfahrung) in eine kommunikationsfähige Form zu bringen und somit objektive Kriterien für Glaubensgemeinschaften zu schaffen.
Der Mensch ist nicht nur auf die Außenwelt fixiert, sondern schafft durch Benennung eine Metaebene der Reflexion, wodurch er Relationen festlegen und sich von der Natur abheben kann.
Die Psychologie bildet bei Schleiermacher die Grundlage der Ontologie, in welcher die Einheiten von Geist und Leib sowie deren Entfaltung in Sprache und Denken verortet sind.
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