Diplomarbeit, 2009
133 Seiten, Note: 2,1
1 Einführung
2 (Un-)Sicherheit im öffentlichen Raum
2.1 Der städtische öffentliche Raum - Funktion, Bedeutung und Wandel
2.2 Verhalten im öffentlichen Raum
2.3 Öffentlicher Raum und (Un-)Sicherheit
2.3.1 Zum Entstehen von Unsicherheit
2.3.2 Zur medialen Konstruktion
2.3.3 Zu Prozessen der Verräumlichung
2.3.4 Kriminalität und Gewalt in Deutschland
2.4 Der staatliche Umgang mit Unsicherheit im öffentlichen Raum
2.4.1 Kriminalpolitik und soziale Kontrolle
2.4.2 Kriminalpolitische Raumideologien
2.4.3 Kommunale Sicherheitspolitiken
2.4.4 Räumliche Methoden der Kriminalpolitik – Videoüberwachung und Raumverbote als neue Sicherheitsstrategien
2.5 Zur diskursiven Konstruktion von (Un-)Sicherheit im öffentlichen Raum
2.6 (Un-)Sicherheit im öffentlichen Raum der Stadt Leipzig
2.6.1 Die Stadt Leipzig – Eine Einführung
2.6.2 Kriminalität in der Messestadt
2.6.3 Überwachung und soziale Kontrolle
2.6.4 Der „Leipziger Disko-Krieg“
3 Forschungsdesign und methodisches Vorgehen
3.1 Motivation, Zielstellung und Forschungsfragen
3.2 Die Diskursanalyse
3.2.1 Was ist ein Text und was ist ein Diskurs?
3.2.2 Die Macht der Diskurse
3.2.3 Zur allgemeinen Methode
3.3 Die Diskursanalyse nach Siegfried Jäger
3.3.1 Besonderheiten und Begriffe
3.3.2 Reduzierung der Materialfülle
3.3.3 Materialcorpus und Dossier – Von der Strukturanalyse zum typischen Artikel
3.3.4 Die Feinanalyse und ihre Schritte
4 Die Diskursanalyse der Leipziger Volkszeitung
4.1 Zur Generierung der Forschungsergebnisse
4.1.1 Strukturanalyse
4.1.2 Feinanalyse
4.2 Die kommunikative Konstruktion von (Un-)Sicherheit in der LVZ am Beispiel des „Disko-Krieges“
4.2.1 Die Leipziger Volkszeitung
4.2.2 Die deskriptive Darstellung der Inhalte
4.2.3 Das produzierte Wissen
4.2.4 Die Mittel der Konstruktion
4.2.5 Die Diskursposition der Leipziger Volkszeitung
4.3 Raumauswirkung der Berichterstattung über den „Leipziger Disko-Krieg“
4.3.1 Für die Leipziger Innenstadt und ihre Diskotheken
4.3.2 Für andere Leipziger Stadtteile
4.3.3 Für die Stadt Leipzig als Ganzes
4.3.4 Für andere Orte und Räume
4.4 Konklusion der Analyseergebnisse und Einordnung in den gesamtgesellschaftlichen Diskurs
5 Fazit und Ausblick
Die vorliegende Diplomarbeit untersucht aus einer politisch-geographischen Perspektive, wie das Thema „(Un-)Sicherheit im öffentlichen Raum“ in den Medien konstruiert wird. Am Beispiel des „Leipziger Disko-Krieges“ und der Berichterstattung der Leipziger Volkszeitung (LVZ) analysiert die Arbeit, wie Sprache und mediale Darstellung Wirklichkeit erzeugen, Orte kriminalisieren und welche Auswirkungen dies auf die Wahrnehmung sowie die staatliche Kontrolle urbaner Räume hat.
1 Einführung
In den letzten Jahren hat das Interesse für das Thema Sicherheit und Unsicherheit, sprich (Un-)Sicherheit, in der bundesdeutschen Bevölkerung deutlich zugenommen (vgl. Glasze, Pütz, Rolfes 2005, S. 13). Dafür gibt es viele Gründe: Die Schnelllebigkeit des öffentlichen Lebens, die zunehmende Technisierung des Alltags, die Pluralisierung der Lebensstile, die drohende Arbeitslosigkeit aufgrund weltweiter Wirtschaftskrisen, der Abbau des Sozialstaates, der Bedeutungsverlust der Familie und nicht zuletzt die Angst vor Terrorismus und Kriminalität.
Besonderes letzteres führt dazu, dass sich viele Menschen in öffentlichen Räumen zunehmend unsicher fühlen. Die Bedrohung durch eine vermeintlich hohe Kriminalitätsrate mit immer brutaler werdenden Verbrechern entsteht dabei zumeist aus der Berichterstattung der Medien, deren Thematisierung von Sicherheit und Unsicherheit in Bezug auf Verbrechen und Gewalt omnipräsent ist. In nahezu jeder Zeitung finden sich Berichte, die in zunehmend sensationeller Form über Kriminalität berichten, obwohl weder Berichterstattung noch Kriminalitätsangst durch eine gestiegene Verbrechensrate erklärt werden können (vgl. Rolfes 2003b, S. 329). Der mediale Diskurs über (Un-)Sicherheit beeinflusst Mensch und Raum. Orte werden kriminalisiert und als „No-Go-Areas“ oder Angsträume stigmatisiert. Ein Großteil dieser gesellschaftlichen Prägung von (Un-)Sicherheit findet heute über die Medien statt (vgl. Bonß 1997, S. 21).
Aus diesem Grund beschäftigt sich die vorliegende Diplomarbeit mit den Auswirkungen der Medienberichterstattung über Sicherheit und Unsicherheit auf den öffentlichen Raum. Spannend ist dabei das Beispiel der Stadt Leipzig, die vor genau einem Jahr schwere Ausschreitungen zwischen Türstehern von Innenstadtdiskotheken und den ausländischen Mitgliedern von Drogenbanden auf ihren Straßen miterleben musste. Diese Revierkämpfe im Disko-Milieu forderten einen Toten und mehrere Schwerverletzte, sowie starke Sachbeschädigungen. Bekannt wurden diese Geschehnisse als „Disko-Krieg“.
1 Einführung: Die Arbeit thematisiert die zunehmende (Un-)Sicherheit im öffentlichen Raum, bedingt durch mediale Konstruktion und gesellschaftliche Veränderungen, unter Verwendung des Leipziger „Disko-Krieges“ als Fallbeispiel.
2 (Un-)Sicherheit im öffentlichen Raum: Dieses Kapitel erläutert theoretische Grundlagen des öffentlichen Raums, Verhaltensnormen, die Entstehung von Unsicherheitsgefühlen sowie staatliche und kommunale Strategien der Kriminalprävention.
3 Forschungsdesign und methodisches Vorgehen: Hier wird die Diskursanalyse nach Siegfried Jäger vorgestellt und die methodische Vorgehensweise zur Untersuchung des medialen Materials begründet.
4 Die Diskursanalyse der Leipziger Volkszeitung: Der Hauptteil analysiert die mediale Wissensproduktion der LVZ zum „Disko-Krieg“, die verwendeten Konstruktionsmittel und ordnet die Diskursposition der Zeitung ein.
5 Fazit und Ausblick: Abschließende Reflexion der Ergebnisse über die diskursive Kriminalisierung öffentlicher Räume und Vorschläge für weitere geographische Forschungsansätze.
(Un-)Sicherheit, öffentlicher Raum, Diskursanalyse, Leipziger Volkszeitung, Disko-Krieg, Kriminalisierung, Medienberichterstattung, Videoüberwachung, Kriminalgeographie, soziale Kontrolle, Stadtentwicklung, Wissensproduktion, Raumkonstruktion, Sicherheitsgesellschaft, Broken Windows Theory.
Die Arbeit untersucht, wie Sicherheit und Unsicherheit im öffentlichen Raum durch Medienberichterstattung konstruiert werden und welche realen Auswirkungen diese mediale Darstellung auf städtische Räume und deren Wahrnehmung hat.
Die zentralen Themen sind der öffentliche Raum, die mediale Konstruktion von Kriminalität, staatliche Sicherheitsstrategien wie Videoüberwachung und Raumverbote sowie die Rolle der Lokalzeitungen bei der Bildung gesellschaftlicher Diskurse.
Das Ziel ist es, am Beispiel des Leipziger „Disko-Krieges“ zu zeigen, wie durch die Leipziger Volkszeitung (LVZ) Wissen über Kriminalität produziert wird und wie dies zur Kriminalisierung bestimmter städtischer Orte beiträgt.
Der Autor verwendet die Diskursanalyse nach Siegfried Jäger, um Texte der LVZ qualitativ auszuwerten und die zugrunde liegenden Mechanismen der Wissens- und Wirklichkeitsproduktion offenzulegen.
Im Hauptteil (Kapitel 4) werden 13 ausgewählte Zeitungsartikel im Detail analysiert. Dabei wird untersucht, welches Wissen die LVZ produziert, welche sprachlichen und grafischen Mittel zur Konstruktion dieses Wissens eingesetzt werden und welche politischen Diskurspositionen die Zeitung vertritt.
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie (Un-)Sicherheit, Diskursanalyse, Kriminalisierung des öffentlichen Raums, Videoüberwachung und Raumkonstruktion definieren.
Die Theorie dient als ideologisches Fundament für die Kriminalisierung von Räumen, da sie postuliert, dass bereits kleinste Anzeichen von Unordnung in einem Viertel zu schwererer Kriminalität führen und somit aggressive Kontrollmaßnahmen legitimieren.
Die Analyse kommt zu dem Schluss, dass die LVZ eine eher konservative bis neoliberale Haltung einnimmt, die hartes Durchgreifen und staatliche Kontrolle befürwortet, um ein sicheres Image für den Konsum in der Innenstadt zu wahren.
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