Masterarbeit, 2023
106 Seiten, Note: 1,7
1 Einleitung
2 Forschungsstand
3 Variation im Verbparadigma bei Verben mit zweisilbigem Stamm
3.1 Bildung finiter Verbformen im Präsens und Präteritum
3.2 Distribution schwahaltiger und schwaloser Formen in der Verbflexion
3.3 Verben mit zweisilbigem Stamm und Liquid
3.4 Variation bei Verben mit zweisilbigem Stamm
4 Typologischer Wandel: Diachrone Synkopierungsprozesse bei Verben mit zweisilbigem Stamm
4.1 Silbenaufbau
4.2 Silbenstrukturgesetze
4.3 Silben- und Morphemgrenzen
4.4 Silben- und Wortsprachen im Vergleich
4.5 Wortphonologischer Wandel des Deutschen
4.6 Diachrone Entwicklung von Verben mit zweisilbigem Stamm
4.7 Die Drift des Gegenwartsdeutschen
4.8 Silben- und wortsprachliche Tendenzen im Flexionsparadigma
5 Untersuchungsgegenstand und methodisches Vorgehen bei der Korpusuntersuchung
5.1 Fragestellung und Hypothesen
5.2 Untersuchungsmethode
5.2.1 Wahl der Korpora
5.2.2 Suchanfragen in den Korpora
5.3 Bereinigung der Daten und Annotation
5.3.1 Eingrenzung und Auswahl der zu untersuchenden Verben
5.3.2 Annotationsebenen
6 Ergebnisse der Korpusuntersuchung
6.1 Ergebnisse des Verbauswahlprozesses
6.2 Analyse der Silbenstruktur der ausgewählten Verben
6.3 Qualitative und quantitative Analyse
6.3.1 Stammauslaut: Frequenzunterschiede zwischen den Liquidae
6.3.2 Präferierte Silbenkontakte: Dreisilbige Formen am frequentesten
6.3.3 Komplexität der Silbenanfangsränder: Diachrone Dominanz einfacher Anfangsränder
6.3.4 Formenvariation diachron: Zunahme der relativen Häufigkeit der vollen Form ab 1990
6.3.5 Verbmodus und Person: Dreisilbige Form im Konjunktiv, Synkopen im Indikativ am frequentesten
6.3.6 Areale Frequenzunterschiede: Vergleich von Nord, Süd und West
6.3.7 Diskussion: silben- und wortsprachliche Tendenzen oder freie Variation im Verbparadigma
7 Methodenkritik
8 Fazit
Die Arbeit untersucht den flexionsmorphologischen Zweifelsfall von Verben mit zweisilbigem Stamm und auslautendem Liquid, um zu klären, ob die beobachtete Variation zwischen drei Formen (z.B. wechsele, wechsle, wechsel) durch sprachsystematische Tendenzen – wie eine Drift zur Wort- oder Silbensprache – oder durch freie Variation begründet ist.
3.4 Variation bei Verben mit zweisilbigem Stamm
Im Folgenden soll anhand der Verben wechseln, segeln und fordern exemplarisch die Varianz innerhalb des Flexionsparadigmas von Verben mit zweisilbigem Stamm gezeigt werden. Die drei konkurrierenden Formen werden dabei in Bezug auf das Stammmorphem, die Silbenanzahl und die Markierung der Personalendung miteinander verglichen.
Der Infinitiv im Deutschen endet regelmäßig auf -en oder -n. Für Verben, deren Stamm auf -l oder -r enden, gilt daher, so beschreibt es der Duden (WÖLLSTEIN et al. 2016), dass im Infinitiv und in der 1./3. Pers. Pl. Präsens (Ind. und Konj.) die schwalose, unsilbische Endung -n verwendet wird (ebd.: 451):
(1) segeln, wechseln, fordern Infinitiv, 1./3. Pers. Pl. Präsens (Ind., Konj.)
In der 1. Pers. Sg. Ind. Präsens ist die Markierung der Personalendung durch das -e fakultativ (EISENBERG 2020: 1996; WÖLLSTEIN et al. 2016: 452). Auf diese Weise entstehen bei der Bildung der 1.Pers. Sg. Ind. Präs. Aktiv zwei von insgesamt drei Formvarianten, bei denen die Zweisilbigkeit des Stammes erhalten bleibt. Die apokopierte Form (2) ist damit trochäisch und wahrt bei gleichzeitiger Beibehaltung des Schwas im Stamm die Morphemkonstanz, verliert durch die Apokope jedoch die Personenmarkierung.
(2) Ich wechsel, ich segel, ich forder.
1 Einleitung: Einführung in den flexionsmorphologischen Zweifelsfall von Verben mit zweisilbigem Stamm und Darstellung der Problematik der Formenvariation.
2 Forschungsstand: Überblick über die bisherige linguistische Literatur und empirische Studien zur Schwa-Tilgung sowie zur arealen Verteilung der Formen.
3 Variation im Verbparadigma bei Verben mit zweisilbigem Stamm: Grundlagen zur Bildung finiter Verbformen und Abgrenzung der betroffenen Verbalstämme.
4 Typologischer Wandel: Diachrone Synkopierungsprozesse bei Verben mit zweisilbigem Stamm: Theoretische Herleitung der Silbengesetzmäßigkeiten und Diskussion der Drift des Deutschen von der Silben- zur Wortsprache.
5 Untersuchungsgegenstand und methodisches Vorgehen bei der Korpusuntersuchung: Operationalisierung der Forschungshypothesen und Beschreibung der Korpusewahl sowie der Annotationskriterien.
6 Ergebnisse der Korpusuntersuchung: Quantitative und qualitative Auswertung der erhobenen Daten hinsichtlich grammatischer und arealer Faktoren.
7 Methodenkritik: Kritische Reflexion der Korpuseigenschaften und des methodischen Vorgehens bei der Datenauswertung.
8 Fazit: Zusammenfassende Beantwortung der Forschungsfragen und Ausblick auf Desiderate der weiteren Forschung.
Verben, Phonologie, Morphologie, Formenvariation, Verbparadigma, Synkope, Apokope, Flexion, Silbenkontaktgesetz, Wortsprache, Silbensprache, Korpuslinguistik, Sprachwandel, Konjunktiv, Sprachdrift
Die Arbeit analysiert Verben mit einem zweisilbigen Stamm, die auf einen Liquid (l, r) enden. Diese bilden im Deutschen einen flexionsmorphologischen Zweifelsfall, da sie in verschiedenen Modi und Personen zwischen unterschiedlichen Formen variieren können (z.B. wechsele, wechsle, wechsel).
Zentrale Themen sind die Flexionsmorphologie, die Silben- und Wortphonologie, diachrone Sprachwandelprozesse sowie die areale Variation im Gegenwartsdeutschen.
Das Ziel ist es, zu untersuchen, ob die Variation dieser Verbformen durch gezielte phonotaktische Steuerungsmechanismen (wie die Stärkung der Silbe oder des Wortes) erklärbar ist oder ob sie als freie Variation interpretiert werden muss.
Es handelt sich um eine diachrone Korpusuntersuchung unter Nutzung des DWDS-ZEIT-Korpus und des Deutschen Referenzkorpus (DeReKo). Die Daten werden linguistisch annotiert und sowohl qualitativ als auch quantitativ ausgewertet.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische fundierte Auseinandersetzung mit Silbenstrukturgesetzen und dem typologischen Wandel des Deutschen sowie eine umfangreiche Auswertung von Zeitungsdaten zur Bestimmung der häufigsten Formen.
Die Arbeit wird maßgeblich durch die Begriffe Synkope, Apokope, Morphemkonstanz, Silbenkontaktgesetz und sprachliche Drift geprägt.
Der Konjunktiv I zeigt in den Korpusdaten eine deutliche Präferenz für die volle dreisilbige Verbform. Die Arbeit diskutiert, ob diese Form durch die notwendige, eindeutige Markierung des Konjunktivs in der Distanzsprache (indirekte Rede) gestützt wird.
Ja, die Arbeit untersucht regionale Unterschiede und stellt fest, dass sich die Verteilung der Formenvarianten in verschiedenen Arealen (Nord/Süd/West) durchaus unterschiedlich gestaltet, wenngleich die Gesamtdatenlage keine uniforme areale Trennung zulässt.
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