Diplomarbeit, 1998
83 Seiten, Note: 1,0
Psychologie - Klinische Psychologie, Psychopathologie, Prävention
1. THEORIE
1.1 Einführung in den Sozialen Konstruktivismus
1.2 Das empirische Programm des Sozialkonstruktivismus in der Psychologie
1.3 Diskussion des biomedizinischen Krankheitsmodells
2. METHODE
2.1 Prinzipien der Diskursanalyse
2.2 Methodisches Vorgehen
2.2.1 Forschungsfrage
2.2.2 Auswahl der Intervierwpartner
2.2.3 Interviews
2.2.4 Transkriptions-Konventionen
2.2.5 Auswertung
3. ERGEBNISSE
3.1. Darstellung der Diskurse Fall 1
Zusammenfassung der Ergebnisse
3.2. Darstellung der Diskurse Fall 2
Zusammenfassung der Ergebnisse
3.3. Darstellung der Diskurse Fall 3
Zusammenfassung der Ergebnisse
3.4. Vergleichende Darstellung der Ergebnisse
4. DISKUSSION UND AUSBLICK
Die Diplomarbeit untersucht mittels einer diskursanalytischen Methode, wie verschiedene Menschen das Phänomen des Stimmenhörens wahrnehmen und durch unterschiedliche Alltagstheorien konstruieren, um die Auswirkungen dieser Interpretationen auf den Umgang mit dem Phänomen zu beleuchten.
Die Stimmen als Ausdruck eines inneren Konfliktes
In diesem Kapitel möchte ich Frau R.’s Interpretation der Stimmen als Ausdruck eines inneren Konfliktes betrachten.
Mit dieser Erklärung schließt Frau R. sich dem gängigen psychologischen Diskurs an, welcher das Stimmenhören als einen Durchbruch verdrängter Persönlichkeitsanteile betrachtet.
In der folgenden Passage begründet Frau R., wie sie zu der ‘Einsicht’ kam, daß es sich bei den Stimmen um eigene Anteile handelt.
Frau R. berichtet wie sie Probleme auf der Arbeit bekam, weil sie „so Stimmen gehört (hat), daß die Arbeitskollegen...(Sie) fertisch machen“, diese Stimmen haben Sie mißtrauisch gemacht:
A: Naja, das Problem is’ etwa, daß sich die Stimmen ziemlisch ändern also die Inhalte, daß es nich’ gleichbleibt irgendwie weil man sich dann immer wieder neu anpassen muß irgendwie eh so und diese Stimmen die mich so mißtrauisch gemacht ham mit den Kollegen und auch bei den besten Freunden und so, daß ich nachher totale Schuldgefühle hatte wie ick denen dat zutrauen könnte so zu mir zu reden irgendwo und da fragt man sich ja doch woher, welcher Anteil in mir is’ das eigentlich? Der jetzt irgendwie,
Frau R.’s Mitteilung, daß sie „totale Schuldgefühle hatte, wie ick denen dat zutrauen könnte so zu mir zu reden“ verstehe ich als die Aussage, daß sie sich vorwirft, nicht erkannt zu haben, daß der Inhalt der Stimmen keine ‘reale’ Bedeutung hat.
Als wäre Frau R.’s weitere Reflexion eine quasi selbstverständliche Schlußfolgerung aus dem Vorhergehenden fügt sie hinzu, daß man sich da ja doch fragen würde, welcher Anteil das eigentlich sei.
Daß heißt wenn die Stimmen kein Ausdruck einer äußeren Realität sind, müssen sie der Ausdruck einer inneren Realität sein.
1. THEORIE: Einführung in den sozialen Konstruktivismus und die theoretische Fundierung der diskursiven Psychologie sowie eine kritische Auseinandersetzung mit dem psychiatrischen Krankheitsmodell.
2. METHODE: Darlegung der diskursanalytischen Vorgehensweise, Auswahl der Interviewpartner und Erläuterung der Transkriptions- und Auswertungstechniken.
3. ERGEBNISSE: Detaillierte Analyse der Interviews von drei verschiedenen Stimmenhörerinnen mit individuellen Interpretationsrepertoire und eine vergleichende Synthese der Erkenntnisse.
4. DISKUSSION UND AUSBLICK: Kritische Reflexion der Ergebnisse bezüglich der Bewältigungsstrategien und des Einflusses alternativer Diskurse auf die Lebensqualität der Betroffenen.
Stimmenhören, Diskursanalyse, Sozialer Konstruktivismus, Psychopathologie, Biomedizinisches Modell, Alltagstheorien, Identitätskonstruktion, Psychiatrie-Kritik, Medialität, Bewältigungsstrategien, Subjektivität, Diskursive Psychologie, Soziale Repräsentationen.
Die Arbeit untersucht, wie Betroffene das Phänomen des Stimmenhörens wahrnehmen und durch unterschiedliche sprachliche Konstruktionen in ihren Alltag integrieren oder deuten.
Im Fokus stehen der Soziale Konstruktivismus, die Psychiatrie-Kritik, die diskursive Psychologie sowie die Analyse individueller Sinnstiftungen von Stimmenhörern.
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie verschiedene Realitätsentwürfe und Bedeutungszuschreibungen die Erfahrung und den Umgang mit dem Stimmenhören beeinflussen.
Es wird eine qualitative Diskursanalyse angewandt, die sich primär an Konzepten von Wetherell und Potter orientiert.
Der Hauptteil widmet sich der theoretischen Einbettung, der methodischen Vorgehensweise und der detaillierten Fallanalyse der drei interviewten Stimmenhörerinnen.
Zentrale Begriffe sind Stimmenhören, Diskursanalyse, Sozialer Konstruktivismus, Subjektivität und Coping-Strategien.
Während Frau R. das Stimmenhören als störenden inneren Konflikt und medizinisches Problem konstruiert, interpretiert Frau L. ihre Erlebnisse als Ausdruck einer besonderen medialen Begabung und nutzt diese aktiv zur Identitätsbildung.
Sie möchte sich nicht als krank oder defizitär stigmatisieren lassen, sondern sieht in ihren Stimmen "Schutzengel" oder "ungezogene Kinder", die sie in ihr Leben integriert, statt sie durch Medikamente unterdrücken zu lassen.
Es bedeutet, dass psychiatrische Diagnosen nicht als objektive Wahrheiten, sondern als gesellschaftlich konstruierte Kategorien hinterfragt werden, um den Betroffenen den Raum für eigene Interpretationen zurückzugeben.
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