Examensarbeit, 2010
126 Seiten, Note: 1,0
Vorwort zu dieser Buchausgabe
1. Die Erziehungskonzeptionen im Nationalsozialismus
1.1 Die Ausgangsbedingungen im Jahr 1933
1.2 Das deutsche Schulwesen unter NS-Einfluss
1.3 Die Maßnahmen zum Umbau der schulischen Erziehung
1.3.1 Die Einrichtung von Ausleseschulen
1.3.2 Die Aufwertung des Sports
1.3.3 Die Einführung des Rassenkunde-Unterrichts
1.4 Die Akteure und die Konkurrenz im NS-Erziehungswesen
1.5 Einzelne Erziehungskonzeptionen im Dritten Reich
1.5.1 Adolf Hitler (1889-1945)
1.5.2 Alfred Baeumler (1887-1968)
1.5.3 Ernst Krieck (1882-1947)
1.5.4 Alfred Rosenberg (1893-1946)
2. Die Nationalpolitischen Erziehungsanstalten
2.1 Die Konzeption der NPEAs und die Gründungsphase
2.2 Die Organisation und die Strukturen
2.3 Die Abgrenzung zu anderen NS-Ausleseschulen
2.4 Die Entwicklungen nach Kriegsbeginn bis 1945
2.5 Übersicht über die Nationalpolitischen Erziehungsanstalten (Stand: 1942)
3. Die NAPOLAs als Beleg für widersprüchliche NS-Erziehungskonzeptionen
4. Befragung eines ehemaligen Schülers einer NS-Ausleseschule
4.1 Grundsätzliche Vorbemerkungen zu Interviews mit Zeitzeugen
4.2 Methodologische Überlegungen und die konkrete Durchführung
4.3 Biografische Vorstellung des Zeitzeugen
Die vorliegende Arbeit untersucht die nationalsozialistischen Erziehungskonzeptionen, insbesondere die Rolle der Nationalpolitischen Erziehungsanstalten (NAPOLAs), um die Widersprüchlichkeiten und die mangelnde Koordination innerhalb der NS-Bildungspolitik aufzuzeigen und durch eine Zeitzeugenbefragung um eine subjektive Perspektive zu ergänzen.
1.1 Die Ausgangsbedingungen im Jahr 1933
Die Ursprünge der nationalsozialistischen Erziehungsvorstellungen – treffend charakterisiert in der gesellschaftlich-politisch instabilen Zeit gegen Ende der ersten deutschen Republik als eine äußerst gefährliche Mischung aus Rassismus, Demagogie, Banalitäten und plausiblen Beobachtungen (Giesecke 1993: 18) –, finden sich schon relativ früh (etwa Anfang bis Mitte der 1920er Jahre) und recht unverblümt in zahlreichen Quellen führender Ideologen der NSDAP für diese Gegenstände wie ALFRED BAEUMLER oder ERNST KRIECK, auf die beide in diesem Abschnitt wegen ihrer einer breiten Öffentlichkeit eher wenig bekannten, aber dennoch maßgeblich prägenden internen Rolle im Zusammenhang mit den Grundlagen der nationalsozialistischen Pädagogik noch gesondert eingegangen werden wird.
Zugleich müssen natürlich genauso die Überlegungen des NS-Ideologen ALFRED ROSENBERG zu den Bereichen »Erziehung und Bildung« Erwähnung finden wie schließlich ADOLF HITLERS eigene Ideen zur Erziehung, die fraglos einen verbindlichen Status für alle sonstigen Theoretiker hatten und die er hauptsächlich in seinem Buch Mein Kampf bereits schriftlich dargelegt hatte. Zuvor soll jedoch versucht werden, einleitend die Rahmenbedingungen des Machtwechsels und der damit verbundenen Herausforderungen 1933 zu skizzieren.
Dies ist notwendig um zu verstehen, wieso es zu keiner Zeit ein geschlossenes, einheitliches Erziehungskonzept gegeben hat im Nationalsozialismus, sondern stets eine parallele Vielzahl an (teils widersprüchlichen) Erziehungskonzeptionen, die im Laufe der Jahre von 1933 bis 1945, also der Phase der praktischen Umsetzung, zudem häufig modifiziert wurden.
Der Ausgang der Wahlen zum 7. Deutschen Reichstag am 6. November 1932, wie auch die Ergebnisse vorheriger Wahlen seit etwa 1929 (vgl. Abb. 1), ließen die Machtergreifung für die Nationalsozialisten knapp drei Monate später zwar nicht zu einem völlig überraschenden Ereignis werden, dennoch war die NSDAP keinesfalls organisatorisch, theoretisch-konzeptionell oder gar personell vorbereitet, in so kurzer Zeit in staatliche Führungsebenen vorzustoßen und damit einem konkreten Handlungszwang ausgesetzt zu sein.
1. Die Erziehungskonzeptionen im Nationalsozialismus: Dieses Kapitel erläutert die ideologischen Grundlagen der NS-Pädagogik, identifiziert zentrale Akteure und beleuchtet die mangelnde Einheitlichkeit der nationalsozialistischen Erziehungskonzepte.
2. Die Nationalpolitischen Erziehungsanstalten: Es wird die Entstehungsgeschichte, die Organisation und die strukturelle Entwicklung der NAPOLAs als Typus der NS-Ausleseschulen detailliert analysiert.
3. Die NAPOLAs als Beleg für widersprüchliche NS-Erziehungskonzeptionen: Dieses Kapitel fasst die Argumentation zusammen, dass die NAPOLAs exemplarisch für die Unkoordiniertheit und die widersprüchlichen Ziele innerhalb des NS-Erziehungssystems stehen.
4. Befragung eines ehemaligen Schülers einer NS-Ausleseschule: Der methodische Teil stellt die Durchführung und Analyse eines narrativen Interviews mit einem Zeitzeugen dar, um Einblicke in den Schulalltag und die persönliche Perspektive eines Schülers zu gewinnen.
Nationalsozialismus, Erziehungskonzeptionen, NAPOLA, Ausleseschulen, Pädagogik, NS-Ideologie, Schulwesen, Zeitzeugenbefragung, Elitebildung, Rassenkunde, Adolf Hitler, Bernhard Rust, Scharfenberg, Indoktrination, NS-Erziehungssystem
Die Arbeit untersucht die verschiedenen Erziehungskonzeptionen im Nationalsozialismus, wobei der Fokus auf den Nationalpolitischen Erziehungsanstalten (NAPOLAs) liegt, um die Widersprüchlichkeiten innerhalb der NS-Bildungspolitik aufzuzeigen.
Zentrale Themen sind die theoretischen Grundlagen der NS-Pädagogik, die Rolle von Ideologen wie Hitler, Krieck und Baeumler, die Organisation der Eliteschulen sowie die lebensweltliche Erfahrung ehemaliger Schüler.
Das Ziel ist es, die These einer fehlenden einheitlichen Erziehungskonzeption im NS-Regime durch eine detaillierte Analyse der NAPOLAs und eine qualitative Zeitzeugenbefragung zu belegen.
Die Arbeit nutzt eine Kombination aus historischer Quellenanalyse und einem narrativen Interviewverfahren (Biografieforschung), um Theorie und subjektive Erfahrung zu verknüpfen.
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung theoretischer Konzeptionen, die detaillierte Darstellung der NPEA-Strukturen, den Vergleich mit anderen Ausleseschulen wie den Adolf-Hitler-Schulen sowie die Analyse der gewonnenen Zeitzeugeninterviews.
Schlüsselbegriffe sind unter anderem Nationalsozialismus, Erziehungskonzeptionen, NAPOLA, NS-Ausleseschulen, Rassenkunde und pädagogische Indoktrination.
Im Gegensatz zu den parteigebundenen Adolf-Hitler-Schulen behielten die NAPOLAs eine (wenn auch durch das NS-Regime beeinflusste) staatlich-schulische Struktur und wurden stärker als Internatsgymnasien konzipiert.
Sie dient als Fallbeispiel einer reformpädagogischen Schule, die trotz politischer Gleichschaltungsversuche versuchte, Teile ihres ursprünglichen Konzepts zu bewahren, und bildet den Hintergrund für die Zeitzeugenbefragung.
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