Masterarbeit, 2022
114 Seiten, Note: 1 (18/20)
EINLEITUNG
KORPUS
FORSCHUNGSSTAND
METHODIK
GLIEDERUNG
1. GEOGRAPHIE DES OSTSEERAUMS ALS FOLIE DER FREIHEITSSUCHE
1.1 TOPOGRAPHIE: DER GEO-RAUM RERIK / ROSTOCK IN DER BEHANDELTEN LITERATUR
1.2 DIE OSTSEEKÜSTE ALS SEHNSUCHTSRAUM
1.3 DAS MARITIME VOKABULAR
2. DAS SPANNUNGSFELD DER KUNST- ZWISCHEN UNFREIHEIT UND BEFREIUNG
2.1 DIE ROLLE DER ROMANTIK UND IHR VERHÄLTNIS ZUR FREIHEIT
2.2 ERNST BARLACH UND « ENTARTETE KUNST » IM NATIONALSOZIALISMUS
2.3 SOZIALISTISCHER REALISMUS – WIE FREI WAR DIE KUNST IN DER DDR?
2.4 ITALIENBILD(ER) UND ÄSTHETISCHE WAHRNEHMUNGEN IM FREIHEITSGEDANKEN
2.5 DIE REISEN GOETHES UND SEUMES – FLUCHT AUS SOZIALEN ZWÄNGEN?
3. FLUCHT AUS TOTALITÄREN SYSTEMEN
3.1 DARSTELLUNG DES NATIONALSOZIALISMUS BEI A. ANDERSCH
3.2 DIE 1980ER JAHRE IN DER DDR: AUFBRUCHSTIMMUNG VOR DER WENDE?
3.3 EXISTENTIALISMUS UND KONKRETE UTOPIE – ZWEI EXTREME PHILOSOPHIEN?
SCHLUSS
MODERNITÄT UND ZEITLOSIGKEIT DER WERKE
AKTUELLE BEZÜGE
KONKLUSION
Die Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen individueller Freiheit und Willensfreiheit innerhalb totalitärer Systeme durch den Vergleich von Alfred Anderschs Roman "Sansibar oder der letzte Grund" (1957) und Friedrich Christian Delius' Erzählung "Der Spaziergang von Rostock nach Syrakus" (1995). Die zentrale Forschungsfrage fokussiert dabei auf die Handlungsspielräume des Einzelnen und die Rolle innerer Freiheit als Widerstand.
Zum Roman Sansibar oder der letzte Grund
Die 24stündige Handlung ist in der real existierenden Hafenstadt Rerik an der Ostseeküste im nationalsozialistischen Deutschland des Jahres 1937 angesiedelt. Sie führt fünf Personen unterschiedlicher Herkunft zusammen. Im Mittelpunkt steht die Figur des Lesenden Klosterschülers, eine Holzstatue in der Ortskirche, die von den Nazis als « entartet » empfunden, entfernt werden soll. Der Pfarrer dieser Kirche, Helander, möchte das verhindern und sie in einer heimlichen Aktion durch den Fischer Knudsen per Schiff zu einem skandinavischen Kollegen in Sicherheit bringen. Dieses ist für die junge Jüdin Judith, nach dem Selbstmord ihrer Mutter auf der Flucht, eine Möglichkeit, ins schwedische Exil zu gelangen. Die zwei anderen Protagonisten, der Schiffsjunge, der von Abenteuern und Sansibar träumt und der kommunistische Funktionär Gregor, stehen ebenso vor der Entscheidung, zu gehen oder zu bleiben und müssen über mögliche Konsequenzen ihres Handelns nachdenken. Die Flucht über die Ostsee erscheint für alle als Möglichkeit.
1. GEOGRAPHIE DES OSTSEERAUMS ALS FOLIE DER FREIHEITSSUCHE: Das Kapitel verortet die Handlungsräume von Andersch und Delius an der Ostseeküste und beleuchtet das Meer als zentrales Element für Freiheit und Fluchtszenarien.
2. DAS SPANNUNGSFELD DER KUNST- ZWISCHEN UNFREIHEIT UND BEFREIUNG: Hier wird untersucht, wie Kunst sowohl unter totalitärem Druck instrumentalisierbar ist, aber auch als Medium individueller Selbstbehauptung und ästhetischer Freiheit dienen kann.
3. FLUCHT AUS TOTALITÄREN SYSTEMEN: Dieses Kapitel konfrontiert die Lebenssituationen der Romanfiguren mit den historischen Rahmenbedingungen und politischen Strukturen des Nationalsozialismus und des DDR-Regimes.
SCHLUSS: Die Konklusion fasst die Modernität und Zeitlosigkeit der Werke zusammen und reflektiert deren Relevanz für aktuelle gesellschaftliche und politische Debatten über Freiheit und Verantwortung.
Freiheit, Willensfreiheit, Totalitarismus, Nationalsozialismus, DDR, Ostsee, Literaturvergleich, Widerstand, inneres Exil, Ästhetik, Kunst, Flucht, Existentialismus, Verantwortung, Zeitgeschichte.
Die Arbeit untersucht das Konzept der Freiheit in extremen politischen Systemen anhand zweier literarischer Werke, die in unterschiedlichen deutschen Diktaturen angesiedelt sind.
Die zentralen Themen sind die Möglichkeiten menschlicher Freiheit, die Rolle der Kunst als Widerstandsinstrument, die geographische Symbolik des Meeres sowie philosophische Ansätze zum Handeln unter Zwang.
Ziel ist es, durch eine vergleichende Analyse der Romane von Andersch und Delius aufzuzeigen, wie Individuen in totalitären Wir-Strukturen trotz systembedingter Repression Möglichkeiten zur inneren Freiheit finden.
Die Autorin verwendet eine vergleichende literaturwissenschaftliche Analyse, die kulturwissenschaftliche, ideengeschichtliche sowie topographische Aspekte integriert.
Im Hauptteil werden die Geographie der Ostseeküste, der Stellenwert der Kunst unter Diktaturen sowie die spezifischen Bedingungen der Flucht aus dem Nationalsozialismus und der DDR detailliert analysiert.
Die Arbeit lässt sich besonders durch Begriffe wie Freiheit, Totalitarismus, Flucht, Widerstand, Existenzialismus und ästhetische Selbstbehauptung charakterisieren.
Sartres Existentialismus und sein Fokus auf die persönliche Verantwortung dienen Andersch als theoretischer Unterbau, während Blochs "Konkrete Utopie" Delius' Protagonisten bei der Suche nach gesellschaftlicher Veränderung inspiriert.
Italien fungiert sowohl im Roman als auch in der Erzählung als Sehnsuchtsort und Inbegriff von Freiheit, der in bewusster Tradition von Goethes und Seumes Reisen interpretiert wird, jedoch unterschiedlich stark politisch aufgeladen ist.
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