Bachelorarbeit, 2021
71 Seiten, Note: 1,2
Das Hauptziel dieser Arbeit ist es, die Handlungsansätze für ein betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) aus der Perspektive von Unternehmen zu untersuchen. Dabei werden die möglichen Motive und Beweggründe für die Implementierung gesundheitsfördernder Maßnahmen sowie die spezifischen Anforderungen der Unternehmen an ein BGM analysiert, um Ansatzpunkte für Priorisierung und Umsetzung abzuleiten und die Bedeutung der wirtschaftlichen, sozialen und demografischen Faktoren aufzuzeigen.
3.1 Darstellung des betrieblichen Gesundheitsmanagements (BGM) sowie Einordnung in den betrieblichen Kontext
Im Folgenden werden das BGM und naheliegende Bereiche vorgestellt, abgegrenzt und in den betrieblichen Kontext eingeordnet. Dabei wird zunächst auf das Arbeitsunfähig- keitsgeschehen in Deutschland eingegangen, um im Anschluss daran den Zusammenhang zwischen Arbeitsbedingungen und Gesundheit zu betrachten. Abschließend wird der ak- tuelle Kenntnisstand zu „klassischen‘ Handlungsansätzen für ein BGM dargestellt.
3.1.1 Betriebliche Gesundheitsförderung
Die betriebliche Gesundheitsförderung (BGF) ist als eine der drei Säulen ein wesentliches Element des weitreichenden BGMs. Sie ist als Organisationsentwicklung zu verstehen, die in verschiedene Unternehmensbereiche eingegliedert ist und sowohl verhaltens-, als auch verhältnisorientierte Maßnahmen umfasst (Kaminski, 2013, S. 62). Ein Auszug aus der Ottawa-Charta der Weltgesundheitsorganisation (WHO) von 1986 (S. 1) verdeutlicht die Ziele der Gesundheitsförderung:
Gesundheitsförderung zielt auf einen Prozess, allen Menschen ein höheres Maß an Selbstbestimmung über ihre Gesundheit zu ermöglichen und sie damit zur Stärkung ihrer Gesundheit zu befähigen. Um ein umfassendes körperliches, seelisches und so- ziales Wohlbefinden zu erlangen, ist es notwendig, dass sowohl einzelne als auch Gruppen ihre Bedürfnisse befriedigen, ihre Wünsche und Hoffnungen wahrnehmen und verwirklichen sowie ihre Umwelt meistern bzw. verändern können. In diesem Sinne ist die Gesundheit als ein wesentlicher Bestandteil des alltäglichen Lebens zu verstehen und nicht als vorrangiges Lebensziel. (WHO, 1986, S. 1)
Die Stärkung der Gesundheit wird in diesem Zusammenhang als gesamtgesellschaftliche Aufgabe verstanden.
Grundlage für das heutige Verständnis bildet zudem die Luxemburger Deklaration zur betrieblichen Gesundheitsförderung, die bisher 272 Unternehmen signiert haben. Nach ihrer Erarbeitung im Jahre 1997 wurde sie 2007 vom Europäischen Netzwerk für Betrieb- liche Gesundheitsförderung (ENWHP) verabschiedet und zum letzten Mal aktualisiert.
Die Deklaration umfasst sämtliche Maßnahmen zur Fortentwicklung der Gesundheit und des Wohlbefindens am Arbeitsplatz. Dies soll durch eine Optimierung der Arbeitsbedin- gungen und Arbeitsorganisation garantiert werden. Im Vordergrund steht die aktive Mit- arbeiterbeteiligung sowie eine Stärkung persönlicher Fähigkeiten (Luxemburger Dekla- ration zur Betrieblichen Gesundheitsförderung, 2007). Die Aktivitäten gehen in der Regel über die gesetzlichen Anforderungen des traditionellen Arbeitsschutzes hinaus und schließen Bereiche wie Organisations- und Personalentwicklung mit ein.
Finanzielle Unterstützung können Unternehmen unter anderem von den gesetzlichen Krankenkassen erhalten. Diese sind gemäß dem Leitfaden Prävention § 20 SGB V dazu verpflichtet, Maßnahmen zur Gesundheitsförderung in den Betrieben zu unterstützen (Bundesministerium für Gesundheit, 2019).
Kapitel 1 Einleitung und Problemstellung: Dieses Kapitel führt in die Thematik des betrieblichen Gesundheitsmanagements (BGM) ein, beleuchtet die steigende Relevanz betrieblicher Vorsorge angesichts des demografischen Wandels und zunehmender Krankheitskosten, insbesondere durch Muskel-Skelett- und psychische Erkrankungen.
Kapitel 2 Zielsetzung: Hier werden die Forschungsfragen und das Hauptziel der Arbeit formuliert, welches die Erörterung von Handlungsansätzen für BGM aus Unternehmenssicht, die Untersuchung von Motiven und Anforderungen sowie die Darstellung relevanter wirtschaftlicher, sozialer und demografischer Faktoren umfasst.
Kapitel 3 Gegenwärtiger Kenntnisstand: Das Kapitel bietet einen umfassenden Überblick über das betriebliche Gesundheitsmanagement, seine Säulen (BGF, BEM, Arbeitsschutz), das Arbeitsunfähigkeitsgeschehen in Deutschland, den Zusammenhang zwischen Arbeitsbedingungen und Gesundheit, klassische Handlungsansätze sowie Rahmenbedingungen, Finanzierungsmöglichkeiten und die aktuelle Studienlage.
Kapitel 4 Methodik: In diesem Abschnitt wird der methodische Aufbau der durchgeführten Querschnittsstudie detailliert beschrieben, einschließlich der Forschungsfragen, des Untersuchungsablaufs, der Stichprobenauswahl und des verwendeten schriftlichen Fragebogens zur Datenerhebung.
Kapitel 5 Ergebnisse: Die Ergebnisse der Befragung werden tabellarisch und grafisch dargestellt, wobei die Zusammensetzung der befragten Unternehmen, die Motive für BGM und die Antworten auf die Forschungsfragen präsentiert und erläutert werden.
Kapitel 6 Diskussion: Dieses Kapitel vergleicht die erhobenen Befragungsergebnisse mit dem aktuellen Forschungsstand, reflektiert kritisch die Methodik und die Grenzen des Messinstruments und leitet daraus Handlungsempfehlungen sowie einen Ausblick für zukünftige Forschung ab.
Kapitel 7 Zusammenfassung: Das Fazit der Arbeit betont die zentrale Bedeutung eines ganzheitlichen BGM vor dem Hintergrund demografischer und wirtschaftlicher Veränderungen, die Notwendigkeit von Investitionen in Mitarbeitergesundheit und die Relevanz der Schulung von BGM-Verantwortlichen.
Betriebliches Gesundheitsmanagement, Gesundheitsförderung, Betriebliches Eingliederungsmanagement, Arbeitsschutz, Arbeitsunfähigkeit, psychische Erkrankungen, Arbeitsbedingungen, Mitarbeitergesundheit, Prävention, Finanzierung, Unternehmenssicht, Mitarbeiterzufriedenheit, demografischer Wandel, Arbeitsplatzgestaltung, Handlungsempfehlungen.
Diese Arbeit befasst sich mit Handlungsansätzen für ein betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) aus Unternehmenssicht, analysiert deren Motive und Anforderungen und beleuchtet die Bedeutung eines BGM in der heutigen Arbeitswelt.
Die zentralen Themenfelder umfassen die Definition und Komponenten des BGM, das Arbeitsunfähigkeitsgeschehen in Deutschland, den Zusammenhang zwischen Arbeitsbedingungen und Gesundheit, sowie Finanzierung, Qualitätskriterien und die empirische Sicht der Unternehmen auf BGM.
Das primäre Ziel ist es, die Beweggründe von Unternehmen für die Einführung von gesundheitsfördernden Maßnahmen zu erörtern und die Anforderungen an die Gestaltung eines BGM zu identifizieren.
Es wurde eine quantitative Querschnittsstudie durchgeführt, die auf einer einmaligen, schriftlichen Befragung von 16 Unternehmen mittels eines standardisierten Fragebogens basiert.
Der Hauptteil behandelt den theoretischen Kenntnisstand zum BGM, die Statistiken zur Arbeitsunfähigkeit, den Einfluss von Arbeitsbedingungen auf die Gesundheit, rechtliche und finanzielle Rahmenbedingungen sowie die empirische Untersuchung mit Ergebnissen und deren Diskussion.
Schlüsselwörter sind: Betriebliches Gesundheitsmanagement, Gesundheitsförderung, Arbeitsunfähigkeit, Prävention, Mitarbeitergesundheit, Unternehmensführung, Arbeitsschutz, demografischer Wandel.
Psychische Erkrankungen sind in den letzten Jahren erheblich angestiegen und stellen einen bedeutenden Anteil der Arbeitsunfähigkeitstage dar, was die Notwendigkeit psychologischer Prävention im BGM hervorhebt.
Die häufigsten Maßnahmen sind die Überprüfung und Optimierung der Arbeitsbedingungen, Vorträge/Seminare zu Gesundheitsthemen und Rückkehrgespräche, während digitale Maßnahmen noch seltener angewandt werden.
Die Studie zeigt, dass Unternehmen gesetzliche Regelungen wie die Gefährdungsbeurteilung und die Bestellung von Betriebsärzten überwiegend kennen und umsetzen, bei einigen spezifischen Richtlinien wie der Luxemburger Deklaration jedoch Wissenslücken bestehen.
Die Hauptbeweggründe sind eine präventive Ausrichtung (Angebote zur Gesundheitsförderung und Prävention), die Steigerung der Arbeitgeberattraktivität sowie die soziale Verantwortung gegenüber den Beschäftigten.
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