Masterarbeit, 2010
121 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
1.1. Forschungsinteresse
1.2. Forschungsfrage
1.3. Forschungsstand
2. Von Steinen zu Trümmersteinen
2.1. Naturstein
2.2. Ziegelstein
2.3. Trümmerstein
3. Kirchenbau und Stein
3.1. Bedeutung von Stein
3.2. Verwendung von Stein
4. Kirchenbau und Trümmerstein
4.1. Ökonomische Perspektiven
4.2. Politische, gesellschaftliche und institutionelle Perspektiven
4.3. Ästhetische und baukünstlerische Perspektiven
5. Schlussbetrachtung
Die Arbeit untersucht die materiellen und inhaltlichen Qualitäten von Trümmersteinen im deutschen Kirchenbau der Nachkriegszeit. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, welche ästhetischen und symbolischen Wertschätzungen mit diesem spezifischen Baumaterial verbunden waren und inwiefern der Umgang mit kriegsbedingten Trümmerresten als architektonische und theologische Ausdrucksform verstanden werden kann.
1.1. Forschungsinteresse
Die Idee altes Baumaterial im Kirchenbau wiederzuverwenden ist nicht neu und so alt wie die menschliche Bautätigkeit selbst. Dabei können die Motive der Zweit- oder Drittverwendung von Sparsamkeit, Ökologie und Ökonomie, ästhetischer Wertschätzung bis hin zu politischem Repräsentations- und Machtbedürfnis reichen, wie es bei der Pfalzkapelle von Karl dem Großen in Aachen (um 800) gewesen sein mag. Hier war es der Wunsch nach einer demonstrativen Anknüpfung an die römisch-antike Tradition und einer damit verbundenen Bekräftigung des imperialen Anspruchs, welcher für Karl d. Gr. den Ausschlag zur Verwendung von sogenannten Spolien gab und ihn veranlasste antike Säulen und Basen aus Ravenna und Rom nach Aachen zu holen. Wie die wiederverwendeten Bauteile soll auch die Hierarchisierung der einzelnen Geschosse in Material, Form und Farbe sowie die Anlehnung der Bauformen an San Vitale in Ravenna (526/547) und an die Kirche Hagios Sergios und Bakchos in Konstantinopel (527/536) seinem Anspruch einen sinnfälligen Ausdruck verleihen.
Wurde man in die Lage versetzt, außerhalb des Machtgebietes des überwundenen Staates, dessen Herrschaft man fortzusetzen gedachte, Paläste oder Kirchen zu errichten, ohne daß durch die Überlieferung heilige Orte gegeben waren, die dem Neubau ihre Macht mitteilten, so standen zwei Möglichkeiten offen, die Weihe sich zu erzwingen. Einmal konnte man ein verehrtes Vorbild zu kopieren trachten oder aber sich bemühen, Teile der alten Bauten zu überführen, gleichsam Baureliquien zu transferieren. (…) In diesem Sinne ist also der Spolienraub als eine Umkehrung der Forderung zu verstehen, am heiligen Ort sein Bauwerk zu errichten; der heilige Ort wird gleichsam in Teilstücken transferiert.
1. Einleitung: Einführung in die Thematik der Materialwiederverwendung unter Berücksichtigung historischer Beispiele und der Definition des Forschungsinteresses sowie der Fragestellung.
2. Von Steinen zu Trümmersteinen: Systematische Vorstellung der Ausgangsmaterialien (Naturstein, Ziegelstein) und Erläuterung der durch Kriegseinwirkung entstehenden Veränderungen zum Material Trümmerstein.
3. Kirchenbau und Stein: Analyse der religiösen und symbolischen Bedeutung von Naturstein im christlichen Kirchenbau sowie ein Überblick über die historische Verwendung von Stein.
4. Kirchenbau und Trümmerstein: Detaillierter Diskurs zu ökonomischen, politischen sowie ästhetischen Aspekten bei der Verwendung von Trümmersteinen im sakralen Wiederaufbau.
5. Schlussbetrachtung: Synthese der Erkenntnisse über die Bedeutung von Trümmersteinen als architektonische Erinnerungsträger und ihre Rolle im Kontext des kirchlichen Neubeginns.
Trümmerstein, Kirchenbau, Nachkriegszeit, Materialikonologie, Spolien, Wiederaufbau, Sakralarchitektur, Materialsemantik, Trümmerarchitektur, Steinbau, Materialgerechtigkeit, Erinnerungskultur, Rudolf Schwarz, Dominikus Böhm, Materialwiederverwendung.
Die Masterarbeit analysiert, wie in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg zerstörte Kirchen und Trümmersteine als Baumaterial wiederverwendet wurden und welche Bedeutung dies für den kirchlichen Wiederaufbau hatte.
Die Untersuchung umfasst die Materialgeschichte von Stein, die ökonomischen Zwänge der Nachkriegsära und die ästhetische sowie theologische Sinndeutung von gebrauchtem Steinmaterial.
Es wird untersucht, wie ästhetische und symbolische Wertschätzungen von Trümmersteinen in der Nachkriegszeit zur Identitätsbildung und zur architektonischen Bewältigung der materiellen Not beitrugen.
Die Arbeit basiert auf kunsthistorisch-analytischen Ansätzen, insbesondere der Materialikonologie und -semantik, ergänzt durch eine umfassende Auswertung zeitgenössischer Architekturpublikationen und Architektenäußerungen.
Der Hauptteil gliedert sich in die technologische Analyse der Steine (Naturstein/Ziegelstein), die philosophische Verankerung des Steinbaus im Kirchenbau und eine differenzierte Untersuchung der ökonomischen und ästhetischen Dimensionen von Trümmersteinbauten.
Die wichtigsten Schlagworte sind Trümmerstein, Kirchenbau, Nachkriegszeit, Spolien, Wiederaufbau und Materialsemantik.
Die Arbeit beleuchtet das Spannungsverhältnis zwischen dem praktischen Zwang der Trümmerbeseitigung und dem ethisch-ästhetischen Respekt, den einige Architekten den Ruinen entgegenbrachten.
Während bei Profanbauten oft ökonomische Effizienz dominierte, war der kirchliche Wiederaufbau zusätzlich durch theologische Konzepte wie "lebendige Steine" und den Status der Kirche als "Haus Gottes" geprägt.
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