Bachelorarbeit, 2010
190 Seiten, Note: 1,0
1 Einleitung
2 Wesentliche Theorien und Stand der Arbeitslosenforschung
2.1 Definition und Bedeutung von Arbeit und Erwerbsarbeit
2.1.1 Definition von Arbeit und Erwerbsarbeit
2.1.2 Subjektive Bedeutung der Erwerbsarbeit
2.2 Definition von Erwerbslosigkeit und Langzeitarbeitslosigkeit
2.3 Subjektive Bedeutung der Erwerbslosigkeit und Langzeitarbeitslosigkeit
2.3.1 Unbefriedigte Bedürfnisse durch Mangel an Erlebniskategorien
2.3.2 Reaktionsmöglichkeiten auf die Erlebnisleere
2.3.3 Haltungstypen, Phasenmodelle und Verlaufsmuster in der Erwerbslosigkeit
2.3.4 Stigmatisierung und Distanzierung
2.3.5 Distanzierung als Abwehrreaktion auf Stigmatisierung
2.3.6 Erwerbslosigkeit in der Familie: Rollenverständnis, Territorien, Kinder und Geschlecht
2.3.7 Erwerbslosigkeit und gesundheitliche Folgen
2.3.8 Erwerbslosigkeit und Identität
2.3.9 Fazit: zahlreiche notwendige Veränderungen durch Erwerbslosigkeit
3 Wesentliche Theorien und Stand der Glücksforschung in Bezug auf Erwerbslosigkeit
3.1 Glücksforschung und Glück - Einordnung und Definitionen
3.1.1 Definition und Einordnung der Glücksforschung
3.1.2 Definition und Messung von ‚Glück‘
3.2 Strukturmodell, Haupttheorien und –befunde zum subjektiven Wohlbefinden
3.2.1 Affektives Wohlbefinden: Positive und negative Affekte
3.2.2 Kognitives Wohlbefinden: Lebenszufriedenheit und Lebensbereichszufriedenheit
3.2.3 Subjektives Wohlbefinden und Persönlichkeit – Extraversion und Neurotizismus
3.2.4 Kognitives Wohlbefinden – Aufwärts-, Abwärtsvergleiche und soziale Norm
3.2.5 ‚Happiness Set Point‘ und ‚Hedonic Adaption‘
3.3 Steigerung des subjektiven Wohlbefindens – Coping by happiness?
3.3.1 Sustainable Happiness Model
3.3.2 Studien mit gezielten glückssteigernden Aktivitäten
3.3.3 Optimismus und positive Illusionen
3.3.4 Stimmungsinduktion
3.3.5 Freunde, Computer und Fernsehen
3.3.6 Soziales Engagement, aktive Freizeitgestaltung und Sport
3.3.7 Therapieziel Glück
3.3.8 Humor
3.3.9 Erwerbslosigkeit und Glück – möglicher Nutzen
3.3.10 Zusammenfassung ‚happy coping‘
4 Bedeutung der Glücksforschung für die Soziale Arbeit
4.1 Bedeutung der Glücksforschung für die Klienten
4.1.1 Ausschlussgründe und Hindernisse
4.1.2 Bedingungen für die intrinsische Motivation
4.1.3 ‚Happy coping‘ vs. soziale Arbeitsnorm
4.2 Bedeutung der Glücksforschung für die Praxis der Sozialen Arbeit
4.2.1 Erstes Beispiel: Glücksbezogene Beratung von Klienten
4.2.2 Zweites Beispiel: Glücksbezogenes Empowerment
4.2.3 Drittes Beispiel: Glücksbezug bei Sozialarbeitern
4.3 Bedeutung der Glücksforschung und Positiven Psychologie für die Soziale Arbeit als Profession
4.3.1 Glück als erweiterter Wissenschaftsbezug der Sozialen Arbeit
4.3.2 Glück als berufsethische Herausforderung
4.4 Zusammenfassung: Bedeutung der Glücksforschung und Positiven Psychologie für die Soziale Arbeit
5 Internetbefragung zum Thema ‚Erwerbslosigkeit und Glück‘
5.1 Entwurf des Fragebogens
5.2 Durchführung der Befragung
5.3 Auswertung der Befragung
5.3.1 Erwerbslosigkeit und maximale Lebenszufriedenheit
5.3.2 Deskriptive Datenanalyse
5.3.3 Kritische Beurteilung der Gültigkeit der Daten
5.3.4 Ergebnisse
5.4 Zusammenfassung und Interpretation der Studie
6 Fazit
7 Ausblick: Positiv in die Zukunft
Die Arbeit untersucht die Bedeutung der Glücksforschung für die Soziale Arbeit, insbesondere im Kontext der Erwerbslosigkeit. Ziel ist es, zu eruieren, wie Erkenntnisse aus der Glücksforschung und Positiven Psychologie genutzt werden können, um die Bewältigung von Erwerbslosigkeit zu unterstützen, Stigmatisierung entgegenzuwirken und das subjektive Wohlbefinden der Betroffenen zu fördern.
2.3.4 Stigmatisierung und Distanzierung
Es wurde bereits erörtert, dass ‚Arbeitslose‘ im Grunde gar nicht ‚arbeitslos‘ sind, sondern vielmehr ‚erwerbslos‘. Im alltäglichen Sprachgebrauch werden sie jedoch meist als ‚Arbeitslose‘ stereotypisiert, d. h. es werden alle Varianten erwerbsloser Personen in die allgemeine soziale Kategorie mit der Bezeichnung ‚Arbeitslose‘ eingeordnet. Diese definitionsähnliche Zuordnung (Etikettierung, Labeling) – z. B. „Hartz IV“ – geht mit der Zuschreibung unterschiedlicher Attribute einher und löst entsprechende Erwartungen aus. Wenn diese Merkmale und Erwartungen eine negative Wertung besitzen, wird von einem Stigma oder Stigmatisierung gesprochen, wodurch die Devianz von der gegenwärtig vorherrschenden sozialen Norm betont wird (vgl. Truniger 1990: 70ff.).
Die Stigmatisierung kann zu Diskriminierungen führen, sie kann aber auch sehr unterschiedliche Bewältigungsstrategien hervorrufen, z. B.:
- Diskriminierungen, d. h. Personen werden aufgrund einer Zugehörigkeit zu einer sozialen Kategorie benachteiligt: „Das Spektrum reicht dabei von Kontaktmeidung, verbalen Beleidigungen bis hin zu offener Aggression und Ausgrenzung“ (a.a.O.: 72). Es ist aber auch ein ambivalentes, weder eindeutig positives noch negatives Verhalten möglich (vgl. ebd.)
- „Self-fulfilling prophecy“ bzw. Selbststigmatisierung, d. h. die betroffenen Personen übernehmen die negativen Fremdbewertungen mit der Zeit in ihr Selbstbild. Dies betrifft besonders Jugendliche, weil sie oft noch kein gefestigtes Selbstbild besitzen und sich dann selbst als ‚faul und dumm‘ bezeichnen (vgl. a.a.O.: 73).
- Abwehr der Zuschreibung durch „Aufbegehren“ oder durch Distanzierung, z. B. durch einen Wechsel in eine andere Kategorie, die als weniger stigmatisierend erlebt wird, also beispielsweise ‚krank‘ statt ‚arbeitslos‘ (vgl. ebd.).
- Absicherung der alten Identität oder Aufbau einer neuen Identität, in deren Folge Betroffene Angst vor Aufdeckung der Fassade haben oder im anderen Fall das Gefühl der Zerrissenheit „zwischen der Zugehörigkeit zu den Erwerbstätigen und den Erwerbslosen, da sie sich weder mit der einen noch der andern Gruppe völlig identifizieren können oder wollen“ zu bewältigen versuchen (ebd.).
- Geringe Sichtbarkeit, d. h. „Arbeitslosigkeit kann verschwiegen, sozial verborgen oder überdeckt werden, was vielfach auch gemacht wird“ (a.a.O.: 74).
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die aktuelle gesellschaftliche Situation bezüglich Erwerbslosigkeit und stellt das Forschungsinteresse an der Glücksforschung als unterstützendem Ansatz für die Soziale Arbeit vor.
2 Wesentliche Theorien und Stand der Arbeitslosenforschung: Dieses Kapitel erläutert die psychologischen Folgen der Erwerbslosigkeit, wie Stigmatisierung, Identitätskrisen und familiäre Belastungen, gestützt auf klassische und aktuelle Studien.
3 Wesentliche Theorien und Stand der Glücksforschung in Bezug auf Erwerbslosigkeit: Hier werden die Grundlagen des subjektiven Wohlbefindens sowie verschiedene Methoden zur Steigerung des Glücksempfindens (‚Coping by happiness‘) im Kontext der Erwerbslosigkeit analysiert.
4 Bedeutung der Glücksforschung für die Soziale Arbeit: Die praktische Relevanz der Glücksforschung für Klienten, Beratungspraxis und als professionelle berufsethische Herausforderung wird kritisch reflektiert und in den sozialarbeiterischen Arbeitsauftrag integriert.
5 Internetbefragung zum Thema ‚Erwerbslosigkeit und Glück‘: Das Kapitel dokumentiert eine eigene empirische Untersuchung mittels Internetbefragung, deren Ergebnisse die theoretischen Annahmen zur Lebenszufriedenheit und Arbeitsmotivation ergänzen und kritisch einordnen.
6 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und betont, dass die Verbindung von Glückspsychologie und Soziale Arbeit ein hohes, wenn auch noch wenig genutztes Potenzial für die Praxis bietet.
7 Ausblick: Positiv in die Zukunft: Der Ausblick plädiert für die Etablierung einer „Positiven Sozialen Arbeit“ als neuen Wissenschaftszweig, um die fachliche Arbeit nachhaltig zu stärken.
Erwerbslosigkeit, Glücksforschung, Positive Psychologie, Soziale Arbeit, Subjektives Wohlbefinden, Lebenszufriedenheit, Empowerment, Stigmatisierung, Coping, Psychosoziale Beratung, Identität, Arbeitslosenselbsthilfe, Lebensqualität, Resilienz, Glück.
Die Arbeit untersucht, inwieweit Erkenntnisse der Glücksforschung und Positiven Psychologie genutzt werden können, um erwerbslose Menschen in ihrer Lebenssituation zu unterstützen und die Soziale Arbeit methodisch zu erweitern.
Zentrale Felder sind die psychologischen Auswirkungen von Erwerbslosigkeit (Stigmatisierung, Identitätskrise), die theoretischen Konzepte der Glücksforschung (subjektives Wohlbefinden, Lebenszufriedenheit) sowie Strategien zur Steigerung des Wohlbefindens im Alltag.
Die Forschungsfrage lautet, welche Bedeutung die Glücksforschung für die Soziale Arbeit hat und wie Sozialarbeiter Interventionen glücksorientiert gestalten können, ohne dabei die problemorientierte Sichtweise zu vernachlässigen.
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse theoretischer Konzepte sowie einer eigenen empirischen Internetbefragung unter Erwerbslosen zur Analyse ihres Glücksempfindens und ihrer Lebenszufriedenheit.
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Aufarbeitung der Arbeitslosenforschung, die Darstellung glückspsychologischer Ansätze sowie die Transferleistung in die Praxis der Sozialen Arbeit (Beratung, Empowerment, Berufsidentität).
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Erwerbslosigkeit, Glücksforschung, Positive Psychologie, Subjektives Wohlbefinden, Empowerment, Identität und psychosoziale Beratung.
Das ehrenamtliche Engagement wird als wertvolle Ressource gesehen, da es aktivierende, strukturgebende und entstigmatisierende Effekte hat und somit das subjektive Wohlbefinden und den Selbstwert fördern kann.
Das Internet fungiert einerseits als wichtige Informationsquelle und Zugangsweg für Beratung (z.B. Foren zur Selbsthilfe), andererseits wird exzessiver Fernsehkonsum als tendenziell abträglich und passiv machend eingestuft.
Die Persönlichkeitsstruktur, insbesondere Faktoren wie Extraversion und Neurotizismus, beeinflusst maßgeblich, wie effektiv Personen glückspsychologische Coping-Strategien anwenden und wie resilient sie gegenüber den Belastungen der Erwerbslosigkeit sind.
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