Fachbuch, 2010
44 Seiten
1. Einleitung
2. Die kulturelle Bedeutung des Hanfs im Orient und Okzident
2.1 Hanfgebrauch im Mittelalter und in der Neuzeit
2.2 Hanf als Genussmittel und Universalmedizin
2.3 Hanfkonsum und westliche Gegenkultur
2.4 Drogenkultur im Wandel
3. Alkohol im Altertum und in der Antike
3.1 Kulturelle Integration des Alkohols im Mittelalter
3.2 Neuzeitlicher Wandel der Trinkkulturen
3.3 Trunkenheit und Verhaltenskontrolle
3.4 Die „Gin-Epidemie“ im Spiegel gesellschaftlicher Umbrüche
3.5 Alkohol als Genuss- und Suchmittel in der Industriegesellschaft
3.6 Alkohol und puritanisch-protestantische Kultur
3.7 Die restriktiv-ambivalente Trinkkultur des Westens
4. Schlussbetrachtung
Die vorliegende Arbeit untersucht die kultur- und sozialgeschichtliche Entwicklung des Konsums von Alkohol und Hanf, wobei der Fokus auf den unterschiedlichen gesellschaftlichen Bewertungen und den Auswirkungen auf die Lebenswelten im Orient und Okzident liegt. Sie analysiert, wie diese psychoaktiven Substanzen in verschiedenen Epochen sowohl als Genuss- oder Heilmittel integriert als auch aus politischen und moralischen Gründen sanktioniert wurden.
3.3 Trunkenheit und Verhaltenskontrolle
Was die okzidentale Trinkkultur und den Umgang mit Alkohol anbelangt, so gibt es noch einen weiteren geschichtlichen Aspekt, der nicht unerwähnt bleiben soll: So konstatieren einige Wissenschaftler, dass sich die sozialen Verhaltensmuster im Umgang mit Alkohol und die Einstellungen zum Alkoholrausch zwischen dem 10. und 17. Jahrhundert gravierend verändert haben (vgl. Legnaro 1982b; Spode 1993). Die Forscher beziehen diesen Sachverhalt vor allem auf den Wandel wirtschaftlicher und sozialer Strukturen und Wertvorstellungen und die damit korrespondierenden menschlichen Verhaltensweisen, wie sie der Soziologe und Philosoph Norbert Elias in seinen beiden Bänden „Über den Prozess der Zivilisation“ beschrieben hat (vgl. Elias 1986 a + b).
Das Bindeglied zwischen den sozialstrukturellen Veränderungen und den Veränderungen der Persönlichkeitsstruktur zeigt sich in den wachsenden Interdependenzketten und sozialen Abhängigkeiten, in die immer mehr Menschen eingebunden sind. Dies alles erzwingt eine zunehmende Selbstkontrolle, womit eine stärkere Affektkontrolle und Selbstdisziplin einhergehen. Spontane Gefühlsimpulse werden mehr und mehr zurückgehalten, emotionale Impulse in ihrer möglichen Wirkungsweise (gegenüber Interaktionspartnern) überdacht. Diese Haltung wird durch einen moralischen Zensor im „Über-Ich“ verinnerlicht und verfestigt, wobei der Zentralisierung innerhalb der Gesellschaft mit gewisser Verzögerung auch eine „Zentralisierung“ innerhalb der Persönlichkeit folgt.
1. Einleitung: Darstellung der Menschheitsgeschichte als Geschichte des Rauschmittelkonsums und Einführung in den Begriff der psychoaktiven Substanzen.
2. Die kulturelle Bedeutung des Hanfs im Orient und Okzident: Untersuchung der historischen Verwendung von Hanf als Nutz- und Medizinalpflanze sowie dessen Wandel zum umstrittenen Rauschmittel.
2.1 Hanfgebrauch im Mittelalter und in der Neuzeit: Analyse der medizinischen Anwendung und der zunehmenden Skepsis der abendländischen Kultur gegenüber Hanf.
2.2 Hanf als Genussmittel und Universalmedizin: Betrachtung der Bedeutung von Hanfextrakten im 19. Jahrhundert und der späteren Verdrängung durch synthetische Drogen.
2.3 Hanfkonsum und westliche Gegenkultur: Beleuchtung der Renaissance des Cannabiskonsums im Zuge der Jugendprotestbewegung der 1960er Jahre.
2.4 Drogenkultur im Wandel: Diskussion über die zunehmende Repression und den pragmatischen Ansatz in modernen Drogenpolitiken.
3. Alkohol im Altertum und in der Antike: Untersuchung der sakralen und profanen Rolle des Alkohols in antiken Kulturen.
3.1 Kulturelle Integration des Alkohols im Mittelalter: Erörterung der Integration von Alkohol in den Alltag bei gleichzeitiger Ablehnung exzessiver Trunkenheit.
3.2 Neuzeitlicher Wandel der Trinkkulturen: Analyse des Einflusses der Destillation und der Kommerzialisierung auf Trinkgewohnheiten in Europa.
3.3 Trunkenheit und Verhaltenskontrolle: Untersuchung des soziologischen Zusammenhangs zwischen Zivilisationsprozess und veränderter Selbstkontrolle beim Alkoholkonsum.
3.4 Die „Gin-Epidemie“ im Spiegel gesellschaftlicher Umbrüche: Beschreibung der massiven sozialen Auswirkungen des billigen Branntweinkonsums im England des 18. Jahrhunderts.
3.5 Alkohol als Genuss- und Suchtmittel in der Industriegesellschaft: Auseinandersetzung mit den Theorien zum Elendsalkoholismus und der Rolle der Industrialisierung.
3.6 Alkohol und puritanisch-protestantische Kultur: Analyse der Mäßigkeits- und Abstinenzbewegungen im Kontext puritanischer Werte.
3.7 Die restriktiv-ambivalente Trinkkultur des Westens: Beschreibung der heutigen Tendenz zu einer Vereinheitlichung und Ambivalenz im Umgang mit Alkohol.
4. Schlussbetrachtung: Fazit über die Vormachtstellung des Alkohols und die Bedeutung des kulturellen Verständnisses für die Drogenproblematik.
Alkohol, Hanf, Cannabis, Rauschgeschichte, Sozialgeschichte, Trinkkultur, Industriegesellschaft, Drogenpolitik, Suchtforschung, Zivilisationsprozess, Abstinenz, Genussmittel, Prohibition, Verhaltenskontrolle, Psychoaktive Substanzen.
Die Arbeit befasst sich mit der kultur- und sozialgeschichtlichen Entwicklung des Alkohol- und Hanfkonsums und untersucht, wie diese Substanzen über verschiedene Epochen hinweg von der Gesellschaft wahrgenommen und reguliert wurden.
Im Zentrum stehen die historische Nutzung von Hanf und Alkohol, die gesellschaftliche Stellung dieser Substanzen, der Einfluss der Industrialisierung sowie der Wandel von Trinkkulturen im Orient und Okzident.
Ziel ist es, den historischen Wandel von der Nutzung als Genuss- oder Heilmittel hin zur Problematisierung und Reglementierung dieser Substanzen durch staatliche und moralische Instanzen nachzuzeichnen.
Der Autor nutzt einen kulturhistorischen und soziologischen Ansatz, gestützt auf eine umfangreiche Literaturanalyse sowie historische Quellen zur Sozial- und Alltagsgeschichte.
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Betrachtung von Hanf und Alkohol. Er analysiert die kulturelle Einbettung, die Auswirkungen von Prohibition und Industriegesellschaft sowie soziologische Konzepte wie die Verhaltenskontrolle.
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Alkoholgeschichte, Cannabis-Kultur, Zivilisationsprozess, Sozialgeschichte und Suchtforschung definiert.
Obwohl der Konsum durch den Koran und Hadithe als verboten gilt, zeigt die historische Praxis, dass sich ein absolut strenges Verbot in der islamischen Welt selten vollständig durchsetzen konnte, wenngleich Alkohol dort historisch eine geringere kulturelle Rolle spielt als im Westen.
Es handelt sich um einen historischen Wendepunkt im 18. Jahrhundert in England, bei dem durch billigen Branntwein und soziale Not massenhafte Suchtprobleme in städtischen Elendsquartieren entstanden, was soziale und gesundheitliche Probleme gravierend verschärfte.
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