Diplomarbeit, 2003
120 Seiten, Note: 2
1. EINLEITUNG
1.1. Problemstellung
1.2. Aufbau der Arbeit
1.3. Sozialwissenschaftliche Aspekte des politischen Islam und Diskussionen um Zivilisationstheorien
2. POLITISIERUNG DER RELIGION
2.1. Religion, Ideologie und Politik
2.2. Islamismus: islamistischer Fundamentalismus: Politischer Islam
2.3. Laizismus und Säkularismus
2.3.1. Türkische Version des Laizismus: moderate secularism
3. HISTORISCHE ANALYSE DES RELIGIÖSEN FUNDAMENTALISMUS IN DER TÜRKEI
3.1. Religionspolitik in der Einparteienherrschaft (1923-1946)
3.2. Der religiöse Fundamentalismus zwischen 1946-1980
3.3. Der religiöse Fundamentalismus zwischen 1980-2000
3.3.1. Neo-Liberalismus und seine Auswirkungen auf den Aufstieg des politischen Islam
3.3.2. Türkisch-islamische Synthese "TIS" als Staatsideologie
3.3.3. Religiöse Orden und Milli Görüs
3.3.4. Der radikale Fundamentalismus und Milli Görüs
4. ISLAMISTISCHE PARTEI: „MILLI GÖRÜS“, DIE NATIONALE SICHT-BEWEGUNG
4.1. Geschichtliche Entwicklung der Milli Görüs Bewegung
4.2. Rechtliche Rahmenbedingungen für die politischen Parteien im türkischen politischen System
4.3. Ideologie und Diskurs der Milli Görüs
4.3.1. Die Haltung der Refah zur Demokratie
4.3.2. Die Haltung der Refah zum Laizismus
4.3.3. Haltung der Refah gegenüber der Außenwelt in Theorie und im Praxis
4.4. Organisation der Refah Partei
4.5. Wählerschaft der Refah
4.6. Wirtschaftliche Macht des grünen Kapitals
4.7. Gründe für den Erfolg der Refah
5. KRISE DES POLITISCHEN ISLAM
6. SCHLUSSBEMERKUNGEN
7. LITERATURVERZEICHNIS
Die Arbeit untersucht die historische Entwicklung des politischen Islam in der Türkei zwischen 1970 und 2000, wobei der Schwerpunkt auf der "Milli Görüs"-Bewegung und der Wohlfahrtspartei (Refah) liegt. Das primäre Ziel ist es zu analysieren, warum der politische Islam als Antwort auf sozioökonomische Umbrüche und Identitätskrisen in der türkischen Gesellschaft an Bedeutung gewann und wie sich das Verhältnis zwischen laizistischem Staat und islamistischen Akteuren in diesem Zeitraum gestaltete.
Die Ideologie des Islamismus
Die Ideologie des Islamismus hat drei wichtige Elemente. Als erstes Element ist hier die theokratische Staats- und Gesellschaftsdoktrin zu erwähnen. Eine volle Fusion der Politik und der Religion ist in islamischer Form des Staates zu beobachten (vgl. Eisenstadt: 345ff). Mit anderen Worten, Politik und Religion sind im Islam untrennbar, weil alle Gewalt von Gott aus geht. Der Islam selbst bestimmt das politische Leben der Muslimen und in diesem Sinne ist Gott der einzige Herrscher im politischen Leben. Das gilt ebenso für die monotheistischen Weltreligionen wie die christliche und jüdische. Besonders wurde in der christlichen Religion nach den Jahrhunderte dauernden Kämpfen zwischen der Kirche und den Bürgern eine absolute Trennung von Staat und Kirche erreicht. Im Islam kam kein Konflikt in Hinblick auf die Trennung der Religion vom politischen Leben heraus. Der Grund dafür ist, dass die sozioökonomischen Umstände in der islamischen Welt anders als in der westlichen Welt waren. Ein weiterer Faktor war die Sonderposition der Scharia als allumfassendes Gesetzeswerk.
Der Fundamentalismus zielt darauf, das Konzept „Hakimiyet Allah“ im Sozialen und Politischen zu verwirklichen ab. Um diese theokratische Staats- und Gesellschaftsdoktrin rechtfertigen zu können, gehen Islamisten von dem Ausspruch des Propheten Mohammed aus: „Alle Macht und Gewalt liegt bei Allah“. Für die Dominanz von politischen und rechtlichen Normen entscheiden Islamisten stellvertretend auf die Welt.
1. EINLEITUNG: Einleitung in die Thematik des politischen Islam in der Türkei, Definition des Untersuchungszeitraums und Darlegung der methodischen Vorgehensweise.
2. POLITISIERUNG DER RELIGION: Theoretische Grundlagen zur Verschränkung von Religion, Ideologie und Politik sowie Klärung der Begriffe Fundamentalismus und Islamismus.
3. HISTORISCHE ANALYSE DES RELIGIÖSEN FUNDAMENTALISMUS IN DER TÜRKEI: Historischer Rückblick auf die Religionspolitik von der Einparteienherrschaft bis zum Aufstieg des religiösen Fundamentalismus unter sozioökonomischen Einflüssen.
4. ISLAMISTISCHE PARTEI: „MILLI GÖRÜS“, DIE NATIONALE SICHT-BEWEGUNG: Detaillierte Betrachtung der Milli Görüs Bewegung, ihrer Ideologie ("Adil Düzen"), Organisationsstruktur, wirtschaftlichen Machtbasis ("grünes Kapital") und ihres Erfolgs.
5. KRISE DES POLITISCHEN ISLAM: Analyse der Spannungen zwischen islamistischen Akteuren und staatlichen Kräften, insbesondere dem Militär, und der daraus resultierenden Krise.
6. SCHLUSSBEMERKUNGEN: Zusammenfassende Bewertung der Rolle des politischen Islam und Ausblick auf die weitere Entwicklung in der türkischen Republik.
7. LITERATURVERZEICHNIS: Auflistung der verwendeten Primär- und Sekundärquellen.
Politische Islam, Milli Görüs, Wohlfahrtspartei, Refah, Türkei, Laizismus, Fundamentalismus, Adil Düzen, grünes Kapital, Kemalismus, Säkularisierung, Identitätskrise, Demokratie, Islamismus, Religion.
Die Diplomarbeit befasst sich mit der historischen Entwicklung und politischen Rolle des politischen Islam in der türkischen Republik im Zeitraum von 1970 bis 2000.
Die Arbeit behandelt die Politisierung der Religion, die historische Analyse des religiösen Fundamentalismus, die Ideologie der "Milli Görüs"-Bewegung sowie die ökonomischen Machtstrukturen des sogenannten "grünen Kapitals".
Das primäre Ziel ist es, die Gründe für den Aufstieg des politischen Islam zu identifizieren und zu untersuchen, inwiefern die Milli Görüs Bewegung als Alternative zum etablierten laizistischen System fungierte.
Der Autor stützt sich auf eine historische Analyse anhand zahlreicher türkischer, deutscher und englischer Fachliteratur sowie auf empirische Forschungsergebnisse und Zeitungsberichte.
Im Hauptteil liegt der Fokus auf der geschichtlichen Entwicklung der Milli Görüs, der Analyse ihrer Ideologie (insbesondere der "Gerechten Ordnung" bzw. Adil Düzen), ihrer Organisationsformen und ihrer wirtschaftlichen Vernetzung.
Wichtige Begriffe sind politischer Islam, Milli Görüs, Refah (Wohlfahrtspartei), Laizismus, Kemalismus, gerechte Ordnung (Adil Düzen) und grünes Kapital.
Adil Düzen dient als alternatives, zinsfreies Wirtschafts- und Gesellschaftskonzept, das zur Abgrenzung vom westlichen Kapitalismus und Sozialismus sowie zur Mobilisierung der Anhängerschaft genutzt wurde.
Der Autor stellt das Militär als den stärksten Hüter des laizistischen Systems dar, dessen Interventionen die politische Bewegung einerseits behinderten, deren ideologische Verhärtung aber indirekt mit beeinflussten.
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