Bachelorarbeit, 2024
62 Seiten, Note: 1,3
1. Einleitung
2. Transkulturalität – Zwischen Eigen- und Fremdkultur
2.1. Transkulturelle Identitäten – Von Hybridisierung zu Hybridität
2.2. Kulturelle Vielfalt innerhalb der Komplexität individueller Aushandlungsprozesse
3. Transkulturalität im Kontext vietnamesischer Diaspora in Deutschland
3.1. Die Vielfalt vietnamesischer Migration in Deutschland
3.2. Kulturelle und religiöse Bräuche Vietnams
3.2.1. Familie als „Oberstes Gut“
3.2.2. Erziehung und Sozialisation von Kindern und Jugendlichen vietnamesischer Migrationsfamilien
3.2.3. Herausforderungen in der Erziehung von Kindern mit vietnamesischer Migrationsgeschichte in Deutschland
4. Methodische Vorgehensweise unter Einhaltung von Transparenz und Intersubjektivität
4.1. Forschungsmethode
4.2. Datenerhebung
4.2.1. Durchführung von Expert:innen-Interviews nach der narrativen Gesprächsführung
4.2.2. Verarbeitung der Daten mithilfe der qualitativen Inhaltsanalyse
5. Darstellung der Ergebnisse aus den Expert:innen-Interviews
5.1. Ein Einblick in die vietnamesische Kultur
5.2. Zugehörigkeiten
5.3. Transkulturalität als Ressource
5.4. Kritische Betrachtung von Transkulturalität
5.5. Migrationsgeschichte im Kontext der Mehrheitsgesellschaft
6. Diskussion der Ergebnisse – Schlussfolgerungen für die Praxis und Rahmenbedingungen
6.1. Kritische Auseinandersetzung mit dem Aspekt der Transkulturalität als Ressource
6.2. Die Erziehung vietnamesischer Eltern in Deutschland im Wechselspiel vietnamesischer und deutscher Wertesysteme
6.3. Das Spannungsfeld zwischen vietnamesisch-deutscher kultureller Zerrissenheit und Zugehörigkeit als besondere Herausforderung
6.4. Spielarten von und Anforderungen an Transkulturalität als Ressource
6.5. Von der Differenz- zur Diversitätsperspektive
7. Fazit
Die Arbeit untersucht die transkulturelle Lebensrealität von viet-deutschen Menschen und analysiert schwerpunktmäßig, inwieweit Transkulturalität in einer Kindheit zwischen vietnamesischer und deutscher Kultur als Ressource wahrgenommen wird. Die Forschungsfrage fokussiert dabei gezielt darauf, wie viet-deutsche Erwachsene Transkulturalität mit Blick auf ihre eigene Kindheit beurteilen.
1. Einleitung
„Wir haben alle gelernt, dass wir nur etwas wert sind, wenn wir leisten. Das ist Teil dieser Strategie, die uns unsere Eltern beigebracht haben. Die Zeit, in der die erste Generation her kam, war eine sehr gefährliche, in der ihnen jene Möglichkeiten und Ressourcen verwehrt blieben“1, so die eindrücklichen Worte von Thùy Trang Nguyễn, vietnamesisch-deutsche:r2 Filmschaffende:r 3 über das Leben in Deutschland als Mensch mit vietnamesischer Migrationsgeschichte.
Es wird hier deutlich, dass die Migration vietnamesischer Eingewanderter mit großen Herausforderungen verbunden ist. Zu erwähnen sind dabei migrationsbezogene Stressoren, die wiederum emotionalen Stress hervorrufen können. Dazu gehören Migrationsregimes, Flucht-, Kriegs- und Gewalttraumata, der Aufenthaltsstatus und Sprachbarrieren. Speziell erfahrene Traumata, aber auch psychische Erkrankungen unterliegen dabei meist einer Stigmatisierung innerhalb der vietnamesischen Community. Derartige Erfahrungen aus der Vergangenheit verursachen nur Schmerz und emotionalen Stress, sodass gar nicht erst darüber nachgedacht oder gesprochen werden soll. Dies kann sich im Sinne der transgenerationalen Weitergabe in der Erziehung ihrer Kinder niederschlagen.
An dieser Stelle erscheint es schwierig, einen ressourcenorientierten Blick hinsichtlich von Transkulturalität, mit denen sich die Kinder unweigerlich konfrontiert sehen, einzunehmen. Damit ist die Vermischung von zweien oder mehreren Kulturen gemeint.
In den deutschen Medien ist zudem mehrheitlich von der vietnamesischen „Erfolgsgeschichte“ die Rede, wogegen es in der Realität oft anders aussieht. Denn entgegen der öffentlichen Meinung, suchen vietnamesische Eltern oft den Weg aus einer Prekarität im Herkunftsland, hin zu einer im Ankunftsland ähnlich prekären Lage mit Blick auf ihre Bleibeperspektiven. Dabei müssen sie sich einer großen Arbeitsbelastung aussetzen, um im Ankunftsland bestehen zu können und ihren Kindern eine bessere Startposition zu ermöglichen. Diese Vorstellung eines sozialen Aufstiegs spiegelt sich in dem vietnamesischen Sprichwort „Con hơn cha là nhà có phúc“ wider, was so viel bedeutet wie „Ist das Kind erfolgreicher als der Vater, so bringt dies Glück für die Familie“.
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Herausforderungen der Migration für vietnamesische Familien und stellt die Forschungsfrage nach Transkulturalität als Ressource in der Kindheit.
2. Transkulturalität – Zwischen Eigen- und Fremdkultur: Dieses Kapitel erläutert den Begriff der Transkulturalität und diskutiert Identitätsbildungsprozesse und Hybridität.
3. Transkulturalität im Kontext vietnamesischer Diaspora in Deutschland: Es wird die Geschichte der vietnamesischen Migration sowie kulturelle Bräuche, Erziehungskonzepte und spezifische Herausforderungen aufgezeigt.
4. Methodische Vorgehensweise unter Einhaltung von Transparenz und Intersubjektivität: Hier werden das qualitative Forschungsdesign, die Datenerhebung durch narrative Expert:innen-Interviews und die Inhaltsanalyse dargelegt.
5. Darstellung der Ergebnisse aus den Expert:innen-Interviews: Die Ergebnisse der Interviews werden entlang thematischer Überkategorien vorgestellt, darunter Identität, Zugehörigkeit und Transkulturalität als Ressource.
6. Diskussion der Ergebnisse – Schlussfolgerungen für die Praxis und Rahmenbedingungen: Eine fachtheoretische Diskussion führt zu Handlungsempfehlungen für die kindheitspädagogische Praxis und beleuchtet das Spannungsfeld zwischen Identität und Zugehörigkeit.
7. Fazit: Das Fazit fasst die Erkenntnisse zusammen, widerlegt die rein positive Betrachtung von Transkulturalität und betont die Notwendigkeit reflexiver Ansätze in der Sozialen Arbeit.
Transkulturalität, vietnamesische Diaspora, Identitätsbildung, Migration, Kindheitspädagogik, Hybridität, Zugehörigkeit, Resilienz, Erziehung, Rassismus, Partizipation, Diskriminierung, Intersektionalität, Familie, Bildung
Die Arbeit untersucht, ob und wie Transkulturalität für Kinder und Jugendliche der zweiten vietnamesischen Migrationsgeneration in Deutschland als Ressource fungiert oder welche Herausforderungen damit verbunden sind.
Zentrale Themen sind transkulturelle Identitätsbildung, vietnamesische Erziehungstraditionen unter Berücksichtigung konfuzianischer Werte, die Auseinandersetzung mit Identitätskonflikten sowie die Rolle der Bildungsinstitutionen.
Ziel ist es, die Perspektiven von viet-deutschen Erwachsenen zu analysieren, um zu verstehen, wie sie Transkulturalität im Rückblick auf ihre eigene Kindheit beurteilen.
Es wurde ein qualitatives Forschungsdesign gewählt, das auf zwei narrativen Expert:innen-Interviews basiert, deren Ergebnisse mittels einer qualitativen Inhaltsanalyse ausgewertet wurden.
Der Hauptteil umfasst die theoretische Einbettung von Transkulturalität, die Darstellung der empirischen Ergebnisse aus den Interviews sowie eine kritische Diskussion dieser Ergebnisse im Licht der kindheitspädagogischen Praxis.
Wichtige Schlagworte sind Transkulturalität, vietnamesische Diaspora, Identitätsbildung, Rassismus, Diskriminierung und kindheitspädagogische Handlungsempfehlungen.
Die Familie ist zentraler Ort der Wertervermittlung und Konfliktzone. Es wird diskutiert, wie der hohe Leistungsdruck und das Familienbild einerseits den Zusammenhalt stärken, aber andererseits zu Identitätskonflikten und Parentifizierungserscheinungen bei Kindern führen können.
Die Autorin kommt zu dem Schluss, dass Transkulturalität nicht ausnahmslos als Ressource gesehen werden darf. Sie betont, dass ein „reflexiver Blick“ notwendig ist, um die Risiken wie Rassismuserfahrungen und Identitätskrisen zu erkennen, anstatt diese durch eine idealisierte Sichtweise zu ignorieren.
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