Bachelorarbeit, 2020
110 Seiten, Note: 1,8
Didaktik für das Fach Deutsch - Deutsch als Fremdsprache, DaF
Einleitung
I Theoretische Grundlagen
1. Das Verhältnis gesprochener und geschriebener Sprache
2. Merkmale von Literalität
3. Das Verhältnis von Erst- und Zweitsprache
3.1 Die Kontrastivhypothese
3.2 Die Identitätshypothese
3.3 Die Interlanguagehypothese
3.4 Die Interdependenzhypothese
4. Intralinguale und interlinguale Interferenzen
5. Sprachbeschreibungen
5.1 Das Deutsche
5.2 Das Arabische
5.3 Das Mazedonische
5.4 Das Vietnamesische
5.5 Das Urdu
II Empirische Untersuchung
1. Forschungsfrage und Zielsetzung
2. Forschungsmethode
3. Biografien der Proband*innen
4. Analyse
5. Ergebnisse
5.1 Kalila
5.2 Diana
5.3 Teo
5.4 Adya
6. Diskussion
III Fazit
Die vorliegende Bachelor-Thesis untersucht den Einfluss vier verschiedener Erstsprachen (Arabisch, Mazedonisch, Vietnamesisch, Urdu) auf das Erlernen und Anwenden der Schriftsprache in der Zweitsprache Deutsch. Ziel ist es, durch die Analyse exemplarischer Schreibprodukte von Grundschulkindern in einem DaZ-Zentrum zu ermitteln, ob und wie muttersprachliche Strukturen, Interferenzen oder Transferleistungen das Schreiben im Deutschen beeinflussen.
1. Das Verhältnis gesprochener und geschriebener Sprache
Gesprochene Sprache nutzt akustische Wellen, schriftliche Sprache umfasst „[…] graphische Zeichen (Buchstaben), die in einem bestimmten Zeicheninventar (Schriftsystem) spezifische Einheiten eines Sprachsystems (Grapheme) repräsentieren.“ (Dahmen/Weth 2018: 114). Röber-Siekmeyer (2006: 398) definiert das Verhältnis beider Systeme folgendermaßen: „Gesprochene Sprache erhält ihre „Explizitheit“, die ihre Strukturen offen legt [sic!], erst durch die Schrift, die diese mit einem regelhaften Zeichensystem markiert und dabei bezeichnet. Insofern geht Geschriebenes (für Schrift- und Spracherwerbsprozesse) dem Gesprochenen voraus.“.
Das Skript einer Sprache ist die physische Form der Einheiten eines Schriftsystems. Das lateinische Alphabet bietet das Forminventar für die deutsche und weitere Sprachen (vgl. Dahmen/Weth 2018: 119). Ein Schriftsystem kann primär auf eine Ebene der Sprachstruktur, beispielsweise Phoneme, Silben oder Morpheme, verweisen (vgl. ebd.: 120). Darüber hinaus bestimmt es über die Verwendung des Skriptes. Denn auch bei zwei Sprachen, die dasselbe Skript nutzen, ist im Schriftsystem „Weder das Inventar an Buchstaben […] identisch noch die Konvention phonologischer oder morphologischer Repräsentation.“ (ebd.). Die Orthographie bildet ein normiertes Regelsystem für die Verschriftlichung einer Sprache in einem Skript. Sie bestimmt, welche Kombinationen an Graphemen orthographisch korrekt sind, um bestimmte Laute zu verschriftlichen (vgl. ebd.).
Ein Graphem bezeichnet „[…] die kleinste distinktive Einheit in einem Schriftsystem“ (ebd.: 122), während die Phoneme die „[…] kleinste[n] bedeutungsunterscheidende[n] Einheiten“ (ebd.: 42) der gesprochenen Sprache bilden. Ein Schriftsystem kann grundsätzlich auf einem von vier ineinandergreifenden Prinzipien basieren, je nachdem, auf welche Ebene es primär verweist (vgl. ebd.: 125). Es werden jedoch immer auch die anderen Ebenen inkludiert (vgl. ebd.). Das erste Prinzip wird als das phonographische Prinzip bezeichnet. Es beschreibt die Zuordnung jedes Phonems zu einem Graphem.
I Theoretische Grundlagen: Vermittelt die linguistischen Basiskenntnisse über Schrift, Literalität und verschiedene Hypothesen des Zweitspracherwerbs, gefolgt von einer detaillierten Analyse der deutschen Schriftsprache und der vier Herkunftssprachen.
II Empirische Untersuchung: Beschreibt das methodische Vorgehen der Analyse von Wochenendberichten durch vier Schüler*innen, stellt deren sprachbiografische Profile vor und führt die Analyse der Schreibprodukte durch.
III Fazit: Führt die Analyseergebnisse zusammen und bewertet die Bedeutung der Erstsprachenkenntnisse für die Sprachförderung von Zweitsprachlernenden.
Zweitspracherwerb, Schriftspracherwerb, Muttersprachliche Interferenzen, DaZ-Zentrum, Kontrastivhypothese, Interlanguagehypothese, Transferleistungen, Literalität, Graphem-Phonem-Korrespondenz, Sprachbeschreibung, Morphologisches Prinzip, Silbengelenk, Auslautverhärtung, Orthographie, Qualitative Längsschnittstudie.
Die Arbeit untersucht, wie sich die Erstsprache von Kindern (Arabisch, Mazedonisch, Vietnamesisch, Urdu) auf den Erwerb schriftsprachlicher Kompetenzen im Deutschen auswirkt.
Die Arbeit behandelt die Theorie des Schriftspracherwerbs, kontrastive Sprachbeschreibungen, die Analyse von Schreibfehlern (Interferenzen) sowie die allgemeine Literalitätsentwicklung der untersuchten Grundschulkinder.
Es wird gefragt, welchen Einfluss die Erstsprache auf das Schreiben in der Zweitsprache (Deutsch) hat und inwiefern sich Fehler durch Transferleistungen oder Interferenzen erklären lassen.
Die Arbeit verwendet eine qualitative Analyse von Schreibprodukten (Wochenendberichten) von vier Schüler*innen eines DaZ-Zentrums über einen Zeitraum von sechs Monaten.
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen, deskriptive Sprachbeschreibungen der fünf Sprachen hinsichtlich ihrer Schriftsysteme/Strukturen sowie die empirische Analyse der Lernendentexte.
Die Arbeit zeichnet sich durch die Verbindung von linguistischen Grundlagen (Phonologie/Syntax) mit einer empirischen Einzelfallanalyse im bildungswissenschaftlichen Kontext aus.
Das morphologische Prinzip, das die Konstanz von Bedeutungseinheiten trotz lautlicher Variation fordert, stellt für die untersuchten Kinder eine besondere Hürde dar, da sie oft dazu neigen, rein phonographisch zu schreiben.
Da in einigen Herkunftssprachen (wie Mazedonisch oder Vietnamesisch) die Vokalquantität kein distinktives Merkmal ist, haben die Kinder Schwierigkeiten, dies im Deutschen beim Schreiben (z. B. durch Silbengelenke) korrekt zu markieren.
Bei der Schülerin Kalila wird deutlich, dass ihre Vorerfahrungen im stark normierten arabischen Schriftsystem und die diglossale Sprachsituation ihr ein höheres Bewusstsein für literale Unterschiede vermitteln als ihren Mitschüler*innen.
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