Magisterarbeit, 2009
107 Seiten, Note: 1,3
I. Einleitung
II. Die Wissenschaftstheorie der Erinnerungskulturen und des kollektiven Gedächtnisses
1. Eine kulturwissenschaftliche Definition von Gedächtnis und Erinnerung
2. Das Kollektive Gedächtnis
3. Kulturelles Gedächtnis und Erinnerungskulturen
4. Geschichte und Erinnerungskultur
III. Die japanische Kriegserinnerung – Ein Überblick
1. Kriegserinnerung und Erinnerungskultur
2. Siegererinnerung und Verlierererinnerung
3. Religiöse und heroische Opfererinnerung
4. Traumatische Opfererinnerung
5. Tätererinnerung
6. Strategien der Verdrängung
7. Opfererinnerung vor Gericht
8. Kriegserinnerung in »Eigengeschichten«
9. Der japanische Schulbuchstreit - Spiegel des gesellschaftlichen Erinnerungskonfliktes
10. Neue ostasiatische Perspektiven der Kriegserinnerung durch Gemeinschaftsschulbücher
IV. Einordnung der japanischen Friedensmuseen und ihres Stellenwerts für die kollektive Kriegserinnerung
1. Die museale Kriegserinnerung Japans im globalen Rahmen der Zweiten Moderne und die Besonderheit der Friedensmuseen
2. Die japanischen Friedensmuseen – Versuch einer Einordnung
V. Erinnerungskonflikte um die Kriegsausstellungen der japanischen Friedensmuseen – Der japanische Museumsstreit
1. Der Konflikt um das Nagasaki Atomic Bomb Museum
2. Der Konflikt um Peace Ôsaka
3. Der Konflikt um das Friedens- und Menschenrechtsmuseum in Sakai
4. Der Konflikt um das Okinawa Prefecture Peace Memorial Museum und das Yaeyama Peace Memorial Museum
VI. Die nationalen und internationalen Netzwerkaktivitäten der japanischen Friedensmuseen – Ihre grenzüberschreitende Erinnerungspolitik als Antwort auf den Geschichtsrevisionismus
1. Die weltweiten Netzwerkaktivitäten der japanischen Friedensmuseen und die Verbreitung des Friedensmuseums-Gedanken
2. Die innerasiatischen Netzwerkaktivitäten der Friedensmuseen und der Beitrag von Bürgerinitiativen für die Aussöhnung in Ostasien
VII. Schluss
Diese Arbeit analysiert den Stellenwert der Friedensmuseen in der japanischen Gegenwartsgesellschaft. Ziel ist es, die Rolle dieser Institutionen innerhalb der japanischen Erinnerungslandschaft zu untersuchen, wobei insbesondere die Wandlung zivilgesellschaftlicher Erinnerungsinteressen sowie der Einfluss von Erinnerungskonflikten, wie dem Schulbuchstreit, auf die museale Gestaltung beleuchtet werden.
Die museale Kriegserinnerung Japans im globalen Rahmen der Zweiten Moderne und die Besonderheit der Friedensmuseen
Die Inszenierungsweise und inhaltliche Gestaltung musealer Kriegserinnerung in den Nationalstaaten, unterlag in den letzten Jahrzehnten gewissen globalen Entwicklungstrends. Diese Trends betreffen die historische Erinnerung in Museen insgesamt, aber insbesondere auch die Kriegserinnerung. Rosemarie Beier-de Haan vertritt die These, dass die moderne Erinnerungskultur, wie sie sich in historischen Museen und ihren Ausstellungen präsentiert, als Ausdruck eines kulturellen Wandels zu verstehen ist, der im Begriff der >Zweiten Moderne< seine adäquate Beschreibung erfährt. Als zentrale Indikatoren der Zweiten Moderne in Beziehung zur gegenwärtigen Geschichtskultur formuliert Beier-de Haan drei Thesen.
Die erste lautet, dass sich mit dem Prozess der Globalisierung die Bedeutung der Nationalstaaten und des Nationalen für Identitätsstiftungen abschwächt und dieses entsprechende Rückwirkungen auf die Nationalmuseen und ihre historischen Ausstellungen hat. Die zweite These besagt, dass die Zweite Moderne durch eine gesteigerte Individualisierung und dadurch Pluralisierung der Erinnerungskultur gekennzeichnet ist. Und die dritte These verkündet einen Wandel der Wissensordnung in modernen Gesellschaften. Dieser mache sich darin bemerkbar, dass wissenschaftliches Wissen seine hegemoniale Stellung in den Erinnerungskulturen verliere. Ihm gegenüber etablierten sich Erfahrungswissen, oder alternative Wissenskulturen, die im nächsten Schritt in das wissenschaftliche Wissen integriert werden müssten. Durch diesen Wandel der Wissensordnung gewännen die multimediale Inszenierung von historischen Ausstellungen und emotionalisierende Präsentationstechniken, erheblich an Bedeutung, gegenüber nur auf wissenschaftlicher Rationalität beruhenden Darstellungsweisen von Vergangenheit. Erinnerungsarbeit in der Zweiten Moderne setze daher verstärkt auf Zeugnisse die dem Betrachter ein weniger distanziertes Erlebnis von Vergangenheit ermöglicht und ihm subjektive Interpretationsmöglichkeiten eröffnet.
I. Einleitung: Diese Einleitung umreißt die zentrale Forschungsfrage nach der Bedeutung der japanischen Friedensmuseen und verortet sie im Kontext der sich wandelnden zivilgesellschaftlichen Erinnerungskultur.
II. Die Wissenschaftstheorie der Erinnerungskulturen und des kollektiven Gedächtnisses: Das Kapitel legt die theoretischen Grundlagen der Gedächtniswissenschaft dar, insbesondere die Konzepte des kollektiven und kulturellen Gedächtnisses.
III. Die japanische Kriegserinnerung – Ein Überblick: Hier werden die verschiedenen Formen japanischer Kriegserinnerung, von der Opfer- bis zur Tätererinnerung, kritisch analysiert und durch den Schulbuchstreit in einen gesellschaftspolitischen Kontext gestellt.
IV. Einordnung der japanischen Friedensmuseen und ihres Stellenwerts für die kollektive Kriegserinnerung: Das Kapitel diskutiert die Einzigartigkeit japanischer Friedensmuseen im Vergleich zu nationalstaatlichen Museen und deren Verortung im Modell der Zweiten Moderne.
V. Erinnerungskonflikte um die Kriegsausstellungen der japanischen Friedensmuseen – Der japanische Museumsstreit: Diese Untersuchung befasst sich mit den öffentlichen Kontroversen um die Inhalte in Friedensmuseen, angestoßen durch nationalistische Gruppen und LDP-Politik.
VI. Die nationalen und internationalen Netzwerkaktivitäten der japanischen Friedensmuseen – Ihre grenzüberschreitende Erinnerungspolitik als Antwort auf den Geschichtsrevisionismus: Hier werden die nationalen und globalen Vernetzungen der Museen beleuchtet, die als Strategie zur Förderung der Aussöhnung in Ostasien dienen.
VII. Schluss: Die Zusammenfassung unterstreicht die Rolle der Friedensmuseen als zivilgesellschaftliche Akteure für historische Friedenspädagogik und Versöhnung.
Friedensmuseen, Japan, Erinnerungskultur, Kollektives Gedächtnis, Asien-Pazifik-Krieg, Kriegserinnerung, Schulbuchstreit, Geschichtsrevisionismus, Friedenspädagogik, Zivilgesellschaft, Aussöhnung, Tätererinnerung, Opfererinnerung, Oral History, Zweite Moderne.
Die Arbeit analysiert, welche Bedeutung und Rolle Friedensmuseen für die Erinnerungskultur und die Aufarbeitung der Kriegsvergangenheit in der heutigen japanischen Gesellschaft spielen.
Zentrale Themen sind die wissenschaftstheoretischen Grundlagen des kollektiven Gedächtnisses, der japanische Schulbuchstreit, die Rolle der Friedensmuseen als Orte zivilgesellschaftlicher Friedensarbeit und die Auseinandersetzung mit geschichtsrevisionistischen Strömungen.
Das primäre Ziel ist es aufzuzeigen, wie Friedensmuseen durch ihr zivilgesellschaftliches Engagement als „Pioniere“ fungieren, die zur historischen Aufarbeitung und zur Aussöhnung zwischen Japan und seinen asiatischen Nachbarn beitragen.
Die Arbeit nutzt kulturwissenschaftliche Theorien, insbesondere Konzepte des kollektiven und kulturellen Gedächtnisses (u.a. nach Halbwachs und Beier-de Haan), um die japanische Erinnerungslandschaft und museale Inszenierungen zu analysieren.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung, einen Überblick zur japanischen Kriegserinnerung, die spezifische Einordnung der Friedensmuseen sowie eine detaillierte Analyse der Konflikte um Ausstellungen (Museumsstreit) und internationaler Netzwerkaktivitäten.
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Friedensmuseen, japanische Erinnerungskultur, Geschichtsrevisionismus, Friedenspädagogik und transnationale Aussöhnung.
Der Schulbuchstreit verdeutlicht den gesellschaftlichen Konflikt um die Geschichtsschreibung. Friedensmuseen bilden hierbei eine wichtige Gegenposition, da sie durch ihre Arbeit die Lücken in der staatlich verordneten Geschichtsdarstellung füllen.
„Echte“ Friedensmuseen im Sinne der Arbeit zeichnen sich durch eine kritische Aufarbeitung der Täterrolle, eine pro-aktive Friedenspädagogik und den Einsatz für internationale Aussöhnung aus, während andere Stätten oft rein den Ahnenkult oder die Opferperspektive pflegen.
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