Masterarbeit, 2013
93 Seiten, Note: 1,0
Medien / Kommunikation - Public Relations, Werbung, Marketing, Social Media
1. Einleitung
2. Neurologische Grundlagen: Architektur des Gehirns
2.1 Das motorische System
2.2 Monkey See Monkey Do- Die Entdeckung der Spiegelneuronen
2.3 Das Unsichtbare sichtbar machen- Methoden zur Kartographierung von Spiegelneuronen
3. Andere Verstehen
3.1 Theory of Mind
3.1.1 Theory Theory (TT)
3.1.2 Simulation Theory (ST)
3.2 Embodied Simulation
3.3 Drei Formen des Verstehens
3.3.1 Verstehen der motorischen Intention- Aus den Augen aus dem Sinn?
3.3.2 Mindreading
3.3.3 Empathie
3.3.3.1 Angewidert in der Insel
3.4 The Shared Manifold of Intersubjectivity
4. Die Sichtbarmachung der Welt - Visuelle Medienkultur
4.1 Das Sehen
4.2 Visual Culture- Problematik eines Begriffs
4.3 Der Pictorial Turn
5. Tanz
5.1 Bewegt sein
5.2 Kinästhetische Empathie und ästhetische Einfühlung
5.3 Der motorische Wortschatz
6. Ästhetische Erfahrung, Neuroästhetik und Spiegelneurone
6.1 Der Begriff der Ästhetik
6.2 Das künstlerische Gehirn- Neuroästhetik
6.3 Ästhetik der Empathie
6.4 Jenseits des Objekts – Bewegung in Form und Linie
6.5 Cross modale Abstraktion
7. Emotionsprojektionen – Spiegelneuronen und Film
7.1 Die Illusion des Films
7.2 Der Film als Subjekt
7.3 Das Gesicht des Films
7.4 Filmkörper - Körperfilm
8. Fazit und Ausblick
Diese Arbeit untersucht, wie das Spiegelneuronensystem die menschliche visuelle Wahrnehmung beeinflusst und als neurologische Grundlage für intersubjektive Erfahrungen dient. Die zentrale Forschungsfrage beschäftigt sich damit, wie visuelle Reize – vermittelt durch Medien wie Tanz, Kunst und Film – den Betrachter auf körperlicher Ebene bewegen und zu einer tieferen, oft unbewussten Resonanz führen.
3.3.1 Verstehen der motorischen Intention- Aus den Augen aus dem Sinn?
Das Verstehen von motorischen Handlungen wird im Alltag als so selbstverständlich angesehen, dass wir uns kaum Gedanken über die komplexen Vorgänge machen, die uns beispielsweise dazu befähigen eine geöffnete Hand als Teil einer zielgerichteten Greifbewegung zu erkennen.
Motorische Handlungen die keine emotionale Prägung besitzen, von Rizzolatti „cold actions“ genannt, werden dadurch definiert, dass sie ein Ziel verfolgen und sich damit von reiner Bewegung abgrenzen: „What makes a movement into a motor act is the presence of a goal. This distinction is very important since it allows one to interpret the role of the motor system not just in terms of the control of the dynamic variables of movement (like joint torques, etc.), but rather as a possible candidate for the instantiation of mental states such as purpose or intention“.
In einer Studie von Maria Allessandra Umiltà unter Mithilfe von Kohler, Gallese, Fogassi, Fadiga, Keysers und Rizzolatti wurden Experimente durchgeführt, die Aufschlüsse über die Rolle der Spiegelneuronen bei dem Verstehen von motorischen Handlungen geben konnte.
Der Versuchsaufbau ließ einen Affen eine einfache Handbewegung durch den Experimentator beobachten, das Ergreifen eines Objekts mit der Hand (a).
Im Folgenden wurde die gleiche Greifbewegung ausgeführt, mit dem Unterschied dass der entscheidende Punkt der Handlung, der Zugriff des Objekts, hinter einem Schirm verborgen blieb (b). In beiden Fällen hatte der Affe die Bereitstellung des Objekts beobachtet.
In einem zweiten Versuchsansatz wurde das Objekt entfernt, der Experimentator führte lediglich die Greifbewegung aus aber ohne objekthaftes Korrelat (c). Die gleiche Handlung wurde dann erneut ausgeführt, wobei auch hier der Moment des Zugriffs durch einen Schirm verdeckt wurde (d).
1. Einleitung: Stellt die Relevanz der Spiegelneuronen für die kognitive Neurowissenschaft dar und definiert das Ziel, die Wirkung visueller Medien auf Körper und Geist zu untersuchen.
2. Neurologische Grundlagen: Architektur des Gehirns: Erläutert die Struktur des motorischen Systems und wie die Entdeckung der Spiegelneuronen unser Bild des agierenden und verstehenden Gehirns revolutioniert hat.
3. Andere Verstehen: Analysiert verschiedene Theorien wie Theory of Mind, Mindreading und Empathie, um zu erklären, wie wir die mentale Welt Anderer erfassen.
4. Die Sichtbarmachung der Welt - Visuelle Medienkultur: Diskutiert den Akt des Sehens sowie den Begriff der visuellen Kultur und den Paradigmenwechsel durch den Pictorial Turn.
5. Tanz: Untersucht die Faszination von Tanz als Bewegung, die sich der direkten motorischen Zielzuschreibung entzieht und dadurch eine ästhetische Resonanz beim Zuschauer auslöst.
6. Ästhetische Erfahrung, Neuroästhetik und Spiegelneurone: Beleuchtet, wie Spiegelneuronen bei der Wahrnehmung von Kunst wirken und wie abstrakte Formen körperliche Resonanz erzeugen können.
7. Emotionsprojektionen – Spiegelneuronen und Film: Analysiert das Filmerlebnis als einen intersubjektiven Raum, in dem der Zuschauer durch Spiegelneuronen eine direkte körperliche Verbindung zu den dargestellten Inhalten und dem "Filmkörper" aufbaut.
8. Fazit und Ausblick: Führt die Erkenntnisse zusammen und betont die Notwendigkeit, die Auswirkungen der zunehmenden Sichtbarmachung der Welt auf den Menschen weiter zu erforschen.
Spiegelneuronen, visuelle Medienkultur, verkörperte Simulation, Intersubjektivität, Empathie, Theory of Mind, Neuroästhetik, motorisches System, Filmrezeption, Tanzwahrnehmung, Shared Manifold Space, motorische Äquivalenz, Cross modale Abstraktion, visueller Erfahrungsschatz, Handlungserkennung.
Die Arbeit untersucht die neurologischen Prozesse, die dem Verstehen von visuellen Medieneindrücken zugrunde liegen, mit einem besonderen Fokus auf die Rolle von Spiegelneuronen bei der intersubjektiven Erfahrung.
Zu den zentralen Themen gehören die moderne Neurowissenschaft des motorischen Systems, die philosophische und psychologische Theorie des "Andere Verstehens" sowie deren Anwendung auf Kunst, Tanz und Film.
Das Ziel ist es, herauszustellen, wie das, was wir sehen, uns körperlich und sinnlich beeinflusst und warum insbesondere visuelle Medien in der Lage sind, uns im übertragenen wie wörtlichen Sinne zu "bewegen".
Die Arbeit nutzt eine interdisziplinäre Herangehensweise, indem sie neurowissenschaftliche Studien (wie fMRI und TMS-Experimente) mit kulturtheoretischen und philosophischen Ansätzen zur Wahrnehmung und Medienrezeption verbindet.
Der Hauptteil gliedert sich in die neurologischen Grundlagen, die Erläuterung sozial-kognitiver Theorien, die Einführung des Begriffs der visuellen Medienkultur sowie eine detaillierte Analyse der Rezeptionsprozesse bei Tanz, Kunst und Film.
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie "verkörperte Simulation" (embodied simulation), "Spiegelneuronen", "Intersubjektivität" und "Shared Manifold Space" definiert.
Während die Theory Theory das Verstehen anderer als eine quasi-wissenschaftliche, theoretische Schlussfolgerung ansieht, postuliert die Simulation Theory, dass wir andere durch eine direkte, mimetische Nachbildung ihrer mentalen Zustände mit unserem eigenen neuronalen System verstehen.
Die Großaufnahme wird als "Affektbild" oder "Szene der Empathie" beschrieben, da sie durch die Konzentration auf das Gesicht die Mikrobewegungen und Gefühle der Filmfigur in den Fokus rückt, was eine stärkere Spiegelneuronen-Resonanz und damit eine tiefere emotionale Identifikation beim Zuschauer ermöglicht.
Unsere Fähigkeit, Tanz zu verstehen und empathisch mitzuerleben, korreliert mit unserem eigenen motorischen Repertoire sowie unseren bisherigen visuellen Erfahrungen; je vertrauter uns eine Bewegungsform ist, desto intensiver feuern die entsprechenden Spiegelneuronen.
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