Bachelorarbeit, 2023
73 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
2. Geschlechterstereotype in der Kinder- und Jugendliteratur
3. Geschlechterrollen in der Literatur von Astrid Lindgren
3.1. Weibliche Hauptfiguren in der Literatur von Astrid Lindgren
3.1.1. Zur Lexik in Pippi Langstrumpf
3.1.2. Zur Lexik in Ronja Räubertochter
3.1.3. Soziolinguistischer Vergleich von Pippi Langstrumpf und Ronja Räubertochter
3.2. Männliche Hauptfiguren in der Literatur von Astrid Lindgren
3.2.1. Zur Lexik in Kalle Blomquist
3.2.2. Zur Lexik in Karlsson vom Dach
3.2.3. Soziolinguistischer Vergleich von Kalle Blomquist und Karlsson vom Dach
4. Zur Lexik in den Fünf Freunden
4.1. Weibliche Hauptfiguren in den Fünf Freunden
4.1.1. Anne – das typische Mädchen
4.1.2. Georg – das untypische Mädchen
4.2. Männliche Hauptfiguren in den Fünf Freunden
4.2.1. Richard – der Unterhaltsame
4.2.2. Julius – der Verantwortungsbewusste
5. Geschlechterstereotype im Film – Die Wilden Kerle
6. Analyse aktueller Kinder- und Jugendliteratur
6.1. Julian ist eine Meerjungfrau
6.2. Lotti & Otto
6.3. Ergebnis der Analyse
7. Empirische Studie zu Geschlechterrollen
7.1. Aufbau der Studie
7.2. Durchführung der Studie
7.3. Auswertung der Studie
7.3.1. Allgemeine Äußerungen zum Thema „typisch Junge/typisch Mädchen“
7.3.2. Typisches Aussehen von Jungen und Mädchen
7.3.3. Typische Charaktereigenschaften von Jungen und Mädchen
7.3.4. Sport- und Freizeitaktivitäten von Jungen und Mädchen
7.3.5. Leseverhalten von Jungen und Mädchen
7.3.6. Traditionelle Stereotypen und Akzeptanz
8. Fazit: Von Stereotypen zu mehr Vielfalt
Die vorliegende Arbeit untersucht die Darstellung von Geschlechterrollen und Stereotypen in der Kinder- und Jugendliteratur von 1949 bis heute, um durch Literaturanalyse und eine empirische Befragung von Grundschulkindern Impulse für eine geschlechtergerechte Erziehung zu geben.
3.1.1. Zur Lexik in Pippi Langstrumpf
Pippi Langstrumpf ist die Hauptfigur in Astrid Lindgrens gleichnamigem Kinderroman, der erstmals 1945 in Stockholm und vier Jahre später auf Deutsch veröffentlicht wurde (vgl. Dankert 2013: 103). Neben ihrem vollen Namen Pippilotta Viktualia Rollgardina Pfefferminz Efraimstochter fällt auch ihr ungewöhnliches Aussehen auf. Das rothaarige Mädchen mit Sommersprossen und einem breiten Mund entspricht nicht dem traditionellen weiblichen Schönheitsideal. Sie lebt in der Villa Kunterbunt zusammen mit ihrem Äffchen Herr Nilsson und ihrem Pferd Kleiner Onkel. Pippi lebt ohne ihre Eltern, da ihre Mutter früh verstorben und ihr Vater verschwunden ist.
[...] war Kapitän und segelte auf den großen Meeren, und Pippi war mit ihm auf seinem Schiff gesegelt, bis er einmal während eines Sturmes ins Meer geweht und verschwand. Aber Pippi war ganz sicher, daß er eines Tages zurückkommen würde. Sie glaubte überhaupt nicht, daß er ertrunken daß ihr Vater König über alle Neger geworden war und alle Tage mit einer goldenen Krone auf dem Kopf umherging (Lindgren 1987: 8f.).
Bereits zu Beginn des Romans wird deutlich, dass Pippis Vater einen großen Einfluss auf ihren Charakter hat. Sie bewundert ihn und ahmt ihn nach. Sie möchte nicht nur Seeräuber wie ihr Vater werden, sondern hat auch ähnliche Charaktereigenschaften. Ihr Vater ist „kindlich, lustvoll, spielerisch, glücksfähig“ (Pietzcker 2011: 273). Pippi besitzt ebenfalls all diese Eigenschaften (vgl. Lindgren 1969: 14f.), sodass ihr Vater tatsächlich als männliches Spiegelbild von Pippi betrachtet werden kann. Abgesehen davon spielen ihre Eltern keine Rolle in ihrem Leben. Ihr Vater hat lediglich die Villa gekauft, in der sie wohnt, und ihr einen Koffer voller Gold hinterlassen, was ihre Unabhängigkeit ermöglicht. Das Alleinleben stört sie nicht, da ihre Tiere ihr ein Gefühl von Geborgenheit geben.
1. Einleitung: Die Arbeit führt in die Relevanz der Medien als Sozialisationsinstanz ein und definiert das Ziel, Geschlechterstereotype in der Literatur und im Film sowie deren Wahrnehmung durch Kinder zu untersuchen.
2. Geschlechterstereotype in der Kinder- und Jugendliteratur: Dieses Kapitel skizziert den historischen Wandel von konservativen Geschlechterdarstellungen hin zu moderneren, emanzipierteren Ansätzen seit 1949.
3. Geschlechterrollen in der Literatur von Astrid Lindgren: Es werden weibliche und männliche Hauptfiguren bei Lindgren analysiert, wobei auf deren lexikalische Charakterisierung und Rollenabweichungen eingegangen wird.
4. Zur Lexik in den Fünf Freunden: Die Analyse konzentriert sich auf die Darstellung der Geschwister Richard, Julius und Anne sowie deren Cousine Georg und untersucht deren konventionelle bzw. unkonventionelle Rollen.
5. Geschlechterstereotype im Film – Die Wilden Kerle: Der Fokus liegt auf der Verfilmung und wie dort durch Sprache und Handlung Geschlechterklischees reproduziert oder durchbrochen werden.
6. Analyse aktueller Kinder- und Jugendliteratur: Anhand neuerer Werke wird untersucht, wie zeitgenössische Bücher Themen wie Diversität und individuelle Geschlechtsidentität behandeln.
7. Empirische Studie zu Geschlechterrollen: Dieses Kapitel präsentiert die Ergebnisse einer Befragung von Viertklässlerinnen und Viertklässlern hinsichtlich ihrer Ansichten zu typischen Jungen- und Mädchenattributen.
8. Fazit: Von Stereotypen zu mehr Vielfalt: Die Arbeit fasst zusammen, dass zwar traditionelle Rollenmuster noch präsent sind, aber ein Trend zu mehr Vielfalt und Individualität in der modernen Literatur und im Bewusstsein der Kinder erkennbar ist.
Geschlechterrollen, Stereotype, Kinderliteratur, Jugendliteratur, Astrid Lindgren, Fünf Freunde, Die Wilden Kerle, Geschlechterdarstellung, Sozialisation, Empirische Studie, Grundschule, Identitätsentwicklung, Diversität, Rollenklischees, Geschlechtergerechtigkeit
Die Arbeit untersucht, wie Geschlechterrollen und -stereotype in der Kinder- und Jugendliteratur sowie in Medien wie dem Film dargestellt werden und wie sich diese Darstellungen im Zeitverlauf verändert haben.
Die Schwerpunkte liegen auf der literaturwissenschaftlichen Analyse klassischer und moderner Werke sowie der empirischen Untersuchung des kindlichen Rollenverständnisses im Kontext der Geschlechterrollen.
Das Hauptziel ist es, sowohl die literarische Darstellung von Mädchen und Jungen kritisch zu beleuchten als auch herauszufinden, welche Vorstellungen Grundschulkinder im Jahr 2023 von "typisch männlichen" oder "typisch weiblichen" Merkmalen haben.
Die Arbeit kombiniert eine qualitative Literaturanalyse mit einer empirischen Datenerhebung in Form von geführten Befragungen von insgesamt 58 Grundschulkindern.
Der Hauptteil gliedert sich in Analysen zu den Werken von Astrid Lindgren, der Reihe "Fünf Freunde", dem Film "Die Wilden Kerle" sowie der Analyse aktueller Kinderbücher, gefolgt von der Auswertung der empirischen Befragung.
Kernbegriffe sind Geschlechterstereotype, Kinder- und Jugendliteratur (KJL), Sozialisation, Geschlechterrollen, Vielfalt und Geschlechtergerechtigkeit.
Diese Figuren dienen als Beispiele für "untypische" Mädchencharaktere, die traditionelle Rollenklischees aufbrechen und somit für die Untersuchung von emanzipatorischen Ansätzen in der KJL essenziell sind.
Die Studie ergab, dass Kinder zwar noch stark in traditionellen Denkmustern (wie Farben oder typische Sportarten) verhaftet sind, sie jedoch zunehmend in der Lage sind, Ausnahmen zu akzeptieren und die Starrheit solcher Klischees zu hinterfragen.
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