Magisterarbeit, 2000
63 Seiten, Note: 2,00
Philosophie - Praktische (Ethik, Ästhetik, Kultur, Natur, Recht, ...)
1. Einleitung
2.0.Verhältnis von Philosophie und Ökonomie aus (philosophie-)geschichtlicher Perspektive
2.1. Geschenke oder vom Mythos zum Logos
2.2. Das Verhältnis von Geist und Geld: antikes Griechenland
2.3. Entwicklung von der Theologie zur Ökonomie: Mittelalter, Renaissance und Aufklärung
2.4. Zusammenfassung
3.0. Geschichte der Ökonomie
3.1. Adam Smith
3.2. Neoklassische Ökonomie
4.0. Ursprung und Ausgangstheoreme der Wirtschaftsethik
4.1. Verantwortungsethik (Hans Jonas)
4.2. Utilitarismus (Koslowski, Amartya Sen)
4.3. Gerechtigkeit (John Rawls)
4.4. Kommunitarismus ( Walzer, Francis Fukujama, Amitai Etzioni, David Riesmann, Albert O. Hirschman)
4.5. Diskursethik (Habermas)
5.0. Zusammenfassung
6.0. Probleme der Wirtschaftsethik in Deutschland
6.1.Thematische Einlaßstellen von Wirtschaftsethik
6.1.1.Weltbild und Rolle der Wissenschaften
6.1.2. Ökonomismus
6.1.3. Menschenbild
6.1.4. Kultur
6.1.5. Marktwirtschaft
6.2. Verschiedene theoretische Auffassungen von Wirtschaftsethik
6.2.1. Vernunftethik statt Reparaturethik (Mittelstrass)
6.2.2. Motivationale Klugheitsethik (Meran)
6.3.3. Tauschgerechtigkeit als Grundlage für Wirtschaftsethik (Höffe)
6.2.4. Institutionalismus und Verständigungsethik (Katterle)
6.2.5. Betriebswirtschaftliche und systemtheoretische Ethikauffassung (Wieland)
6.2.6. Integrative Wirtschaftsethik (Ulrich)
6.3. Zusammenfassung
7.0. Philosophische Betrachtung und kritischer Ausblick
Ziel der Arbeit ist es, die Entwicklung sowie die einzelnen Ansätze der Wirtschaftsethik, mit besonderem Fokus auf die deutsche Ausprägung, darzustellen, um diese einer kritischen philosophischen Diskussion zuzuführen.
2.2. Das Verhältnis von Geist und Geld: antikes Griechenland
Von Thales von Milet (625-545 v. Chr.) weiß man, daß er Kaufmann war. 200 Jahre nach dessen Tod erzählt Aristoteles die folgende Geschichte und charakterisiert damit gleichzeitig das Verhältnis von Philosophie und Ökonomie: "Man mache ihm (Thales, B.R.) nämlich seine Armut zum Vorwurf, weil man daran sehe, daß die Philosophie zu nichts nütze sei. Er aber soll aufgrund seiner astronomischen Kenntnisse eine gute Olivenernte voraussehen und daher noch während des Winters mit dem wenigen zur Verfügung stehenden Gelde... alle Ölpressen in Milet und Chios gepachtet haben, ohne daß ihn dabei jemand überbot. Als nun aber der rechte Augenblick kam und viele Leute auf einmal und sofort welche brauchten, da verpachtete er sie seinerseits so teuer, als er wollte, und verdiente damit viel Geld. So bewies er, daß es dem Philosophen ein leichtes sei, reich zu werden, wenn er es wollte, aber dies sei nicht das Ziel ihres Bemühens."
Reiner Otte vertritt die These, daß im antiken Griechenland eine historische Parallelität von Geist und Geld zutage tritt, die auf eine tiefgreifende Transformation der Lebensverhältnisse hindeutet. Seiner Ansicht nach erscheinen die Philosophen unübersehbar zusammen mit dem Geld auf der Bühne der Weltgeschichte. Thales von Milet wurde zum Zeitzeugen einer neuen Wirtschaftsordnung: der Einführung des Geldes. Die attische Silberwährung bemißt den Reichtum nicht mehr im Besitz von Vieh, Sklaven oder Frauen, sondern in einem abstrakten neuen Medium, das von Solon 594 v.Chr. im Rahmen einer durchgreifenden Wirtschaftsreform auf den Weg gebracht wird. Solons Reformen mildern den Druck der wirtschaftlichen Abhängigkeit der Bauern ohne Landbesitz und der Bürger, deren Schulden Überhand genommen haben.
1. Einleitung: Die Einleitung thematisiert das spannungsreiche Verhältnis von Philosophie und Ökonomie und begründet die Zielsetzung der Arbeit, die deutsche Ausprägung der Wirtschaftsethik darzustellen.
2.0.Verhältnis von Philosophie und Ökonomie aus (philosophie-)geschichtlicher Perspektive: Dieses Kapitel beleuchtet historische Begegnungen zwischen Philosophie und Ökonomie von der Antike bis zur Aufklärung.
3.0. Geschichte der Ökonomie: Hier werden die wichtigsten ökonomiegeschichtlichen Theorien, insbesondere die von Adam Smith und der Neoklassik, kurz beleuchtet.
4.0. Ursprung und Ausgangstheoreme der Wirtschaftsethik: Dieses Kapitel stellt wichtige englischsprachige Grundlagen der Wirtschaftsethik dar, darunter Verantwortungsethik, Utilitarismus, Gerechtigkeit, Kommunitarismus und Diskursethik.
5.0. Zusammenfassung: Eine Zusammenfassung der vorangegangenen Kapitel, die das Entstehen der Wirtschaftsethik als Reaktion auf ökonomische Probleme hervorhebt.
6.0. Probleme der Wirtschaftsethik in Deutschland: Dieses Kapitel analysiert die spezifische Ausprägung der deutschen Wirtschaftsethik nach der "Wende" und deren theologische, kulturelle und ökonomische Hintergründe.
7.0. Philosophische Betrachtung und kritischer Ausblick: Der abschließende Teil diskutiert die Ergebnisse der Untersuchung aus philosophischer Sicht und bewertet das Verhältnis von Geist und Geld.
Wirtschaftsethik, Philosophie, Ökonomie, Moral, Marktwirtschaft, Gerechtigkeit, Verantwortungsethik, Utilitarismus, Kommunitarismus, Diskursethik, Ökonomismus, Homo oeconomicus, Deutschland, Gesellschaft, Rationalität.
Die Arbeit untersucht das spannungsreiche Verhältnis zwischen Philosophie und Ökonomie sowie die Entstehung und Entwicklung der Disziplin "Wirtschaftsethik".
Zu den zentralen Themen gehören die historische Entwicklung des Verhältnisses von Geist und Geld, ökonomische Theorien, moralische Grundfragen im Wirtschaftsleben und verschiedene theoretische Konzeptionen der Wirtschaftsethik.
Das Ziel der Autorin ist es, die verschiedenen wirtschaftsethischen Ansätze – mit einem Fokus auf die deutsche Ausprägung – darzustellen, um sie einer philosophischen Diskussion zugänglich zu machen.
Die Arbeit stützt sich primär auf eine geisteswissenschaftliche Analyse, insbesondere auf die Dokumentation und Diskussion theoretischer Ansätze in der Literatur, mit einem Schwerpunkt auf den "St. Galler Beiträgen zur Wirtschaftsethik".
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Herleitung ökonomischer Theorien, eine Darstellung der Ausgangstheoreme aus dem englischsprachigen Raum sowie eine detaillierte Analyse der Probleme und theoretischen Auffassungen der Wirtschaftsethik in Deutschland.
Wesentliche Begriffe sind Wirtschaftsethik, Ökonomismus, Homo oeconomicus, Gerechtigkeit, Verantwortungsethik, Moral und Marktwirtschaft.
Das Gefangenendilemma dient dazu, die strukturellen Probleme der Marktwirtschaft zu illustrieren, bei denen individuelles rationales Handeln oft im Gegensatz zur moralischen Solidarität steht und somit eine externe Regelung notwendig macht.
Die Autorin argumentiert, dass die spezifisch deutsche Ausprägung der Wirtschaftsethik in der Zeit nach 1990 entstand, als der Zusammenbruch des Kommunismus und der Verlust alter Ideale eine neue Orientierungssuche auslösten.
Die Kritik am Ökonomismus bildet den Ausgangspunkt der meisten deutschen Ansätze, wobei gefordert wird, dass wirtschaftliches Handeln wieder in einen breiteren, moralisch verantwortbaren Rahmen eingebettet werden muss.
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