Examensarbeit, 2003
131 Seiten, Note: 1,3
1. Einleitung
2. Die Entwicklung der Ganztagsschule in Deutschland
2.1 Entwicklung vor dem Zweiten Weltkrieg
2.1.1 Die deutschen Landerziehungs-Heime nach Hermann Lietz
2.2 Entwicklung nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges
2.3 Entwicklung seit der Deutschen Wiedervereinigung
2.4 Die gegenwärtige Ganztagsschul-Debatte in Folge des „PISA-Schocks“
3. Zur Definition des Begriffs Ganztagsschule
3.1 Die Definition des UNESCO-Instituts (1961)
3.2 Die Definition der Gemeinnützigen Gesellschaft Tagesheimschule (1972)
3.3 Die Definition des „Hamburger Gutachtens“ (1990)
3.4 Die Definition des Ganztagsschulverbands (1990)
3.5 Die Ganztagsschule in der gegenwärtigen öffentlichen Debatte
3.6 Zentrale Bausteine des Ganztagsschulkonzepts
4. Aktuelle Situation der Ganztagsschulentwicklung in Zahlen und Diagrammen
5. Die gegenwärtige Diskussion um die Ganztagsschule
5.1 Gründe für die Forderung nach Ganztagsschulen auf Grund veränderter gesellschaftlicher Rahmenbedingungen
5.1.1 Familie im Prozess gesellschaftlichen Wandels
5.1.2 Vereinbarkeit von Familie und Beruf
5.1.3 Schwindende Erziehungsbereitschaft der Eltern
5.1.4 Veränderte Kindheit
5.2 Mögliche Konsequenzen und Probleme bei der Realisierung eines verlässlichen Ganztagsschulangebots
5.2.1 Verwaltungstechnische Konsequenzen aus schulorganisatorischer Sicht
5.2.2 Probleme und Konsequenzen aus schulpolitischer Sicht
5.2.3 Probleme und Konsequenzen aus Sicht der Lehrkräfte
5.2.4 Probleme und Konsequenzen aus Sicht der sozialpädagogischen Fachkräfte
5.2.4.1 Mögliche Konfliktfelder bei der Zusammenarbeit von Sozialpädagogen und Lehrkräften
5.2.5 Probleme und Konsequenzen aus Sicht der Schülerschaft
5.2.6 Probleme und Konsequenzen aus Sicht der Elternschaft
5.2.7 Probleme und Konsequenzen aus ernährungswissenschaftlicher Sicht
5.2.8 Probleme und Konsequenzen aus gesundheitlicher Sicht
5.3 Die Ganztagsschule aus Sicht der pädagogischen Verbände und Gewerkschaften
5.3.1 Ganztagsschulverband
5.3.2 Bundeselternrat (BER)
5.3.3 Landeselternbeirat (LEB)
5.3.4 Verband alleinerziehender Mütter und Väter e.V. (VAMV)
5.3.5 Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW)
5.3.6 Verband für Bildung und Erziehung (VBE)
5.3.7 „Forum Bildung“
5.3.8 Deutscher Lehrerverband (DL)
5.3.9 Deutscher Philologenverband (DPhV)
5.3.10 Wohlfahrtsverbände
5.4 Gesellschafts- und sozialpolitische Aspekte der Ganztagsschule
5.4.1 Die Erfordernis von Ganztagsschule aus gesellschaftspolitischer Sicht
5.4.2 Bildungspolitische Positionen der politischen Parteien
5.4.3 Wirtschaftspolitische Aspekte der Ganztagsschule
5.4.4 Positionen und Konsequenzen aus Sicht der Wirtschaftsverbände und Gewerkschaften
5.4.4.1 Position der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA)
5.4.4.2 Position des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB)
5.4.4.3 Position der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di)
5.4.4.4 Position des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH)
5.4.4.5 Position des Deutschen AkademikerInnenbundes (DAB)
5.4.5 Position des Deutschen Städtetags
5.4.6 Positionen der Evangelischen und Katholischen Kirche
6. Quo vadis Ganztagsschule?
Die vorliegende Arbeit untersucht die historische Entwicklung sowie die aktuellen gesellschaftspolitischen Begründungen für den Ausbau der Ganztagsschule in Deutschland. Ziel ist es, die Gründe für den Wandel vom Tabu- zum Modethema zu analysieren und ein Verständnis für die vielfältigen Akteurs- und Interessenlagen im Bildungssystem zu entwickeln.
2.1 Entwicklung vor dem Zweiten Weltkrieg
Betrachtet man die Entwicklung der Schulen in Deutschland am Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhundert, so ist es schwierig, eine allgemeingültige Aussage zur Lage der Ganztagsbetreuung zu treffen. Obwohl für die Volksschule bis zum Ende des letzten Jahrtausends die Ganztagsschule der Regelfall war (vgl. Holtkemper 1967, S.3), bestanden in der Realität bereits in der Durchsetzung einer für alle Schüler verpflichtenden ganztägigen Schulpflicht große Probleme.
Wenn auch bereits im 17. Jahrhundert die ersten Ansätze allgemeiner Schul- bzw. Unterrichtspflicht postuliert wurden (vgl. Ludwig 1993, S.33), wurde erst 1717 durch Friedrich Wilhelm I die jahreszeitlich gestaffelte Schulpflicht realisiert und 1736 in den Principia Regulativa für die Dauer vom 5.-12. Lebensjahr für ganz Preußen festgelegt (vgl. Froese 1953, S.6; Müller 1977, S.179). Jedoch konnten vor allem Eltern aus sozial schwächeren Schichten, die auf die Mitarbeit ihrer Kinder angewiesen waren, diesen häufig keine ganztägige Schulbetreuung bieten.
Folglich wurde der Unterricht im Laufe der Zeit immer stärker auf den Vormittag zentriert. Dies ist einerseits auf die Notwendigkeit der Unterstützung der Kinder beim elterlichen Erwerbsleben zurückzuführen, andererseits aber auch auf organisatorische Probleme, wie „zu kleine Klassenräume, zu hohe Klassenfrequenzen oder eine zu geringe Lehrerzahl“ (Holtkemper 1967, S.3). Aus dieser Not heraus wurden, zumindest für diejenigen Familien, die auf die Mithilfe der Kinder angewiesen waren, die sogenannten Teilzeitschulen geboren, von denen die wichtigsten Formen die Fabrikschule und die Sommerschule waren (vgl. Ludwig 1993, S.32-33).
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den bildungspolitischen Wendepunkt durch die PISA-Studie und definiert das Ziel der Arbeit, die Hintergründe für den Aufstieg des Ganztagsschulthemas zu analysieren.
2. Die Entwicklung der Ganztagsschule in Deutschland: Dieses Kapitel gibt einen historischen Abriss von den Anfängen im 19. Jahrhundert bis zur Wiedervereinigung und der aktuellen Debatte nach 2000.
3. Zur Definition des Begriffs Ganztagsschule: Hier werden zentrale Definitionsversuche (UNESCO, GGT, Hamburger Gutachten) vorgestellt und die Qualitätsmerkmale eines verlässlichen Konzepts erörtert.
4. Aktuelle Situation der Ganztagsschulentwicklung in Zahlen und Diagrammen: Das Kapitel liefert statistische Daten zur Verbreitung und regionalen Verteilung von Ganztagsschulen in Deutschland.
5. Die gegenwärtige Diskussion um die Ganztagsschule: Im Hauptteil werden die gesellschaftlichen Ursachen, Problemfelder bei der Umsetzung sowie die Positionen zahlreicher gesellschaftlicher Interessengruppen detailliert diskutiert.
6. Quo vadis Ganztagsschule?: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bewertet die Zukunft der Ganztagsschule als eine Schulform mit Zukunft, die jedoch an eine erfolgreiche Qualitäts- und Autonomieentwicklung gebunden ist.
Ganztagsschule, Halbtagsschule, PISA-Studie, Bildungspolitik, Schulsozialarbeit, Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Bildungsreform, Rhythmisierung, Schulautonomie, Ganztagsbetreuung, Schulentwicklung, soziale Ungleichheit, Lehrerausbildung, Bildungsstandards.
Die Hausarbeit untersucht die Debatte um die Ganztagsschule in Deutschland seit den 1990er Jahren und analysiert die Gründe, warum dieses Thema von einer vernachlässigten Randerscheinung zu einem zentralen bildungspolitischen Modethema aufstieg.
Die Schwerpunkte liegen auf der historischen Genese der Ganztagsdebatte, der schwierigen definitorischen Abgrenzung von Schulkonzepten, den gesellschaftlichen Ursachen für den Ausbau und der detaillierten Gegenüberstellung der Standpunkte von Verbänden, Gewerkschaften und Kirchen.
Ziel ist es, ein wissenschaftliches Verständnis für die verschiedenen Begründungsmuster und Hindernisse beim Ausbau der Ganztagsschule zu schaffen, um so einen tieferen Einblick in die deutsche Bildungspolitik seit 2000 zu gewinnen.
Der Autor nutzt eine historisch-deskriptive Methode kombiniert mit der Analyse von statistischem Material, Positionspapieren, Experteninterviews und Fachliteratur, um ein umfassendes Bild der Thematik zu zeichnen.
Der Hauptteil analysiert die veränderten gesellschaftlichen Rahmenbedingungen (z.B. demographischer Wandel, Erwerbstätigkeit der Frau), identifiziert Konsequenzen für Verwaltung, Personal und Finanzen und analysiert die spezifischen Positionen von Akteuren wie dem DGB, der BDA, der CDU/CSU oder den Kirchen.
Wichtige Begriffe sind Ganztagsschule, Bildungsreform, PISA-Studie, Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Schulsozialarbeit, Autonomie und Rhythmisierung.
Der Autor sieht das Konzept "Haus des Lernens" als positives Idealbild, das jedoch in der aktuellen Umsetzung oft an bürokratischen Hürden, Ressourcenmangel und mangelnder pädagogischer Flexibilität scheitert.
Schulsozialarbeit wird als essenzielle Stütze für eine verlässliche Ganztagsschule bewertet, wobei der Autor betont, dass erst durch die gleichberechtigte interdisziplinäre Zusammenarbeit von Lehrkräften und Sozialpädagogen ein ganzheitlicher Erziehungsauftrag realisiert werden kann.
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