Masterarbeit, 2021
72 Seiten, Note: 1,0
Einleitung
1. Ziele eines zeitgemäßen Mittelalterunterrichts in der Sekundarstufe I
1.1 Die Förderung eines kritisch-reflektierten Geschichtsbewusstseins
1.2 Der Erwerb historischer Kompetenzen
1.3 Kenntnisse über variable Inszenierungen in der Geschichtskultur
1.4 Die Herleitung eines Gegenwartsbezugs aus dem Mittelalter
1.5 Potentiale der Alterität und des interkulturellen Lernens anhand des Mittelalters
2. Das Lehnswesen im Rahmen eines zeitgemäßen Mittelalterunterrichts
2.1 Das Lehnswesen im aktuellen Forschungsdiskurs
2.2 Kritik der Fachdidaktik an der aktuellen Vermittlung des Lehnswesens
2.3 Die Verortung des Lehnswesens im Berliner und Brandenburger Rahmenlehrplan
3. Analyse des Lehnswesens in modernen Schulgeschichtsbüchern
3.1 Anforderungen an moderne Schulgeschichtsbücher
3.2 Die Epoche des Mittelalters in modernen Schulgeschichtsbüchern
3.3 Analyserahmen und Analysekriterien der Schulgeschichtsbücher
3.3.1 Forum Geschichte
3.3.2 Das waren Zeiten
3.3.3 Horizonte
3.4 Zusammenfassung der zentralen Ergebnisse
4. Diskussion: Perspektiven für die Unterrichtspraxis
Fazit und Ausblick
Die Arbeit verfolgt das Ziel, zeitgemäße Wege für die Vermittlung des Lehnswesens im Geschichtsunterricht der Sekundarstufe I in Berlin und Brandenburg aufzuzeigen. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, wie aktuelle wissenschaftliche und fachdidaktische Erkenntnisse genutzt werden können, um bei Lernenden ein kritisch-reflektiertes Geschichtsbewusstsein zu fördern, anstatt veraltete, statische Geschichtsbilder zu reproduzieren.
Die Herleitung eines Gegenwartsbezugs aus dem Mittelalter
„Ich hab überhaupt keinen Bezug, nee das ist echt so. Ich hab das gelernt und nach der Klassenarbeit habe ich das wieder vergessen. Das ist schlimm, aber das ist so.“ Dieses Zitat aus einer Erhebung aus dem Jahr 2003 von Borries über das Mittelalterbild im Geschichtsbewusstsein von SuS ist nur ein Beispiel, zeigt aber, dass viele SuS den Sinn in der Beschäftigung mit der Geschichte und insbesondere dem Mittelalter nicht sehen. Es liefert ihnen keine nützlichen Informationen für ihre Gegenwart. Dabei soll die Beschäftigung mit der Geschichte die SuS doch gerade befähigen, Standorte und Gegebenheiten ihrer eigenen Lebenswelt zu vergleichen sowie ihre eigene Handlungsposition auszubilden. Vergangenes Geschehen hängt mit ihrer Gegenwart zusammen, wirkt auf ihr Leben ein und hat für ihre Zukunft Relevanz. Hierdurch können sie Reflexionskriterien für die eigene Gegenwart gewinnen. Für Klaus Bergmann besteht die Aufgabe eines modernen Geschichtsunterrichts denn auch in der Verknüpfung mit dem fachdidaktischen Prinzip des Gegenwartsbezugs. Die Beschäftigung mit Geschichte erlangt für die SuS Bedeutung und ergibt Sinn, wenn sie in der Gegenwart entworfene Fragen an die Vergangenheit richten und dadurch einen Sinn- oder Ursachenzusammenhang zwischen ihrer Gegenwart und der Vergangenheit herstellen können. Bärbel Völkel verweist auf Erkenntnisse der Neurowissenschaft, nach denen Menschen erst dann in der Lage sind, in ihrer gegenwärtigen Situation eine lebensweltliche Relevanz eines historischen Inhalts zu erkennen, und infolgedessen Möglichkeiten entdecken, aus diesem Gegenstand zu lernen.
1. Ziele eines zeitgemäßen Mittelalterunterrichts in der Sekundarstufe I: Das Kapitel erläutert die Grundzüge eines kompetenzorientierten Unterrichts, wobei der Fokus auf dem kritisch-reflektierten Geschichtsbewusstsein und der Bedeutung der Alterität liegt.
2. Das Lehnswesen im Rahmen eines zeitgemäßen Mittelalterunterrichts: Hier wird das Konstrukt Lehnswesen im aktuellen wissenschaftlichen Diskurs beleuchtet und die notwendige Kritik an veralteten Vermittlungsformen formuliert.
3. Analyse des Lehnswesens in modernen Schulgeschichtsbüchern: Dieses Kapitel prüft an drei ausgewählten Schulbüchern, wie der aktuelle fachwissenschaftliche Stand in der Lehrmittelliteratur bereits umgesetzt wurde oder wo noch Defizite bestehen.
4. Diskussion: Perspektiven für die Unterrichtspraxis: Das Kapitel leitet aus den vorangegangenen Analysen konkrete Empfehlungen und praxiserprobte Konzepte für die Gestaltung des Mittelalterunterrichts ab.
Lehnswesen, Mittelalter, Geschichtsbewusstsein, Sekundarstufe I, Geschichtsdidaktik, Schulgeschichtsbuch, Kompetenzorientierung, Alterität, Geschichtskultur, Gegenwartsbezug, Reflexion, historische Sachkompetenz, Rekonstruktion.
Die Arbeit befasst sich mit der modernen fachdidaktischen Vermittlung der Epoche des Mittelalters – speziell des Themenkomplexes „Lehnswesen“ – im Geschichtsunterricht der Sekundarstufe I in Berlin und Brandenburg.
Zentrale Themen sind die fachdidaktische Theorie des kritisch-reflektierten Geschichtsbewusstseins, die moderne Schulbuchanalyse sowie die Frage, wie die Epoche des Mittelalters schülergerecht und wissenschaftlich fundiert vermittelt werden kann.
Das Ziel ist es, Wege aufzuzeigen, wie das Lehnswesen unter Berücksichtigung aktueller Forschungsergebnisse zeitgemäß unterrichtet werden kann, um Lernende zur kritischen Auseinandersetzung mit Geschichte zu befähigen.
Es wird ein deskriptiv-analytisches Verfahren gewählt, um drei aktuelle, in Berlin/Brandenburg verbreitete Schulgeschichtsbuchreihen kritisch hinsichtlich ihrer Umsetzung des Lehnswesens zu untersuchen.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische fundierte Einleitung zum Geschichtsbewusstsein, eine wissenschaftliche Debatte um das Lehnswesen und eine detaillierte Analyse der Darstellung dieses Konzepts in modernen Lehrwerken.
Die Arbeit zeichnet sich durch Begriffe wie Geschichtsbewusstsein, Kompetenzorientierung, Lehnswesen und kritische Schulbuchreflexion aus.
Die Arbeit kritisiert, dass Darstellungen wie die Lehnspyramide eine historisch unhaltbare Statik und Hierarchie suggerieren, die der Komplexität sowie den tatsächlichen gesellschaftlichen Verhältnissen des Mittelalters nicht gerecht werden.
Der Gegenwartsbezug wird als zentrales didaktisches Prinzip hervorgehoben, da Lernende nur dann einen Sinn in der historischen Auseinandersetzung erkennen, wenn sie diese mit eigenen Standorten und aktuellen Problemen in Beziehung setzen können.
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