Magisterarbeit, 2009
107 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
1.1 Warum Bilder?
1.2 Argumentationsverlauf
1.3 Eingrenzung des Untersuchungsgegenstands
1.4 Prämisse: Bezugnahme als grundlegende Fähigkeit zum Symbolisieren
2. Grundlagen: Medientheorie
2.1 Wie hängen die Begriffe „Medium“ und „Zeichen“ zusammen?
2.2 Sind Bilder, orale Sprache und Schrift Medien?
2.3 Beeinflusst die Wahl des Mediums den präsentierten Inhalt?
3. Schrift und Sprache
3.1 Fluktuanz und Persistenz
3.2 Unterschiede in der kommunikativen Situation
3.3 Die Schrift konstituiert die sprachliche Tatsache
3.4 Analog und digital
3.4.1 Die Theorie der Notation
3.4.2 Alphabetschrift und orale Sprache im Spektrum der Symbolsysteme
4. Zum Sprachverständnis in der Bildtheorie
4.1 Der semiotische Ansatz
4.1.1 Oliver Scholz’ Thesen zur Sprache
4.1.2 Klaus Sachs-Hombach zur spezifischen Differenz von Bildern und Sprache
4.1.2.1 Zur Möglichkeit einer Bild-Syntax
4.1.2.2 Klaus Sachs-Hombachs Thesen zur Bild-Semantik
4.2 Der wahrnehmungstheoretische Ansatz
4.2.1 Das Bild als nursichtbarer Gegenstand
4.2.2 Das Bild als wahrnehmungsnahes Zeichen
4.3 Der anthropologische Ansatz
5. Konklusion: Bild, Sprache und Schrift
5.1 Unterschiede in der kommunikativen Situation
5.2 Fülle
5.3 Dauerhaftigkeit und Starre
5.4 Digital und analog
5.5 Das Rätsel der Bedeutung
5.6 Nicht anwendbare Begriffe
5.7 Zum besonderen Verhältnis von Schrift und Bild
5.8 Text und Textur in Bezug auf Bilder
6. Nachwort: Das Bild als Gegenstand und Zeichen
Die Arbeit untersucht die theoretischen Grundlagen der Bildtheorie und hinterfragt das häufig vernachlässigte Verständnis von "Sprache" als Forschungsgegenstand, indem sie die Differenz zwischen oraler Sprache und Schrift in den Fokus rückt. Ziel ist es, auf Basis einer medientheoretischen Neubestimmung aufzuzeigen, wie sich Bild, Sprache und Schrift in ihrer medialen Beschaffenheit unterscheiden und aufeinander beziehen.
1.1 Warum Bilder?
„Buchtitel wie Iconic Turn (2004) signalisieren, dass seit einiger Zeit ein neues Interesse am Bild entstanden ist, in dem manche bereits einen bevorstehenden Umschwung des Philosophierens erkennen wollen, der vergleichbar ist der ‚Wende zur Sprache’, dem Linguistic Turn, der seit Frege und Wittgenstein die Art, in der Philosophen ihr Handwerk betreiben, in weiten Bereichen verändert hat.“ Mit dieser Analyse tritt Hans-Julius Schneider in eine lange Reihe von Autoren, welche in der jüngeren Vergangenheit eine neugewonnene epistemologische Relevanz des Bildes betonten.
Dieses neugewonnene Interesse am Bild führt dazu, dass sich mehr und mehr eine eigene Bildtheorie oder gar -wissenschaft herauskristallisiert, die sich als unabhängig von der Ästhetik oder Kunstgeschichte versteht und versucht, die medialen Grundeigenschaften von Bildern zu klären.
Doch beim Versuch einer Begriffsbestimmung des Bildes stellt sich „in den laufenden interdisziplinären Bemühungen“ heraus, dass eben diese Begriffsbestimmung „alles andere als einfach ist“. Was nicht zuletzt eben jener Interdisziplinarität geschuldet ist. Dass sich im Diskurs über Bilder (noch) kein einheitliches Vokabular ausgebildet hat, hängt m. E. direkt damit zusammen, dass unter anderen Philosophen, Kunsthistoriker, Künstler, Sprachwissenschaftler und Psychologen sich alle zu Wort melden, aber von unterschiedlichen Prämissen ausgehen, verschiedene Terminologien verwenden und sich auf einen jeweils anderen Theorienkanon berufen.
1. Einleitung: Das Kapitel führt in das aktuelle Forschungsinteresse am Bild ein und definiert die Problemstellung sowie die Vorgehensweise der Arbeit, insbesondere hinsichtlich der Abgrenzung von Bild und Sprache.
2. Grundlagen: Medientheorie: Hier wird der Begriff des Mediums als "symbolisierende Performanz" definiert und die Bedeutung von Medien für die Konstituierung von Inhalten diskutiert.
3. Schrift und Sprache: Dieser Teil legt die fundamentalen Unterschiede zwischen flüchtiger oraler Sprache und der persistenten, starren Textur der Schrift dar.
4. Zum Sprachverständnis in der Bildtheorie: Eine kritische Auseinandersetzung mit den drei Hauptströmungen der Bildtheorie (semiotisch, wahrnehmungstheoretisch, anthropologisch) hinsichtlich ihres Sprachverständnisses.
5. Konklusion: Bild, Sprache und Schrift: Das Fazit führt die Ergebnisse zusammen, diskutiert das besondere Verhältnis von Bild und Schrift sowie das Rätsel der Bedeutung.
6. Nachwort: Das Bild als Gegenstand und Zeichen: Ein abschließender Rückblick auf die Ergebnisse und eine Einordnung der wahrnehmungstheoretischen Strömung.
Bildtheorie, Medientheorie, Schrift, Sprache, Symbolsystem, Iconic Turn, Wahrnehmungsnähe, Semiotik, Textur, Syntax, Denotation, Exemplifikation, Fülle, Performanz.
Die Arbeit untersucht das mediale Verständnis von Bildern und Sprache in der zeitgenössischen deutschsprachigen Bildtheorie, wobei sie kritisch aufzeigt, dass die Bildtheorie oft ein verkürztes Verständnis von "Sprache" zugrunde legt.
Zentrale Themen sind die Medientheorie, die Differenzierung zwischen oraler Sprache und Schriftsprache, die Analyse verschiedener bildtheoretischer Strömungen sowie die Konzepte von Syntax, Semantik und Zeichentheorie.
Das Ziel ist es, die mediale Sonderstellung des Bildes im Vergleich zu Schrift und oraler Sprache präzise zu bestimmen und nachzuweisen, dass viele bildtheoretische Thesen auf einer Verwechslung von oraler Sprache und Schrift basieren.
Die Arbeit stützt sich primär auf die sprachanalytische Philosophie und Symboltheorie, insbesondere auf die Ansätze von Nelson Goodman und Christian Stetter, um die medialen Grundlagen der verschiedenen Symbolformen kritisch zu prüfen.
Der Hauptteil analysiert die mediale Beschaffenheit von Schrift und oraler Sprache, vergleicht diese mit dem Medium Bild und prüft die Thesen von Theoretikern wie Oliver Scholz, Klaus Sachs-Hombach und Hans Belting.
Die wichtigsten Begriffe sind Medientheorie, Bildtheorie, Syntax, Fülle, Symbolsysteme, Schrift und Bild.
Weil die Bildtheorie oft irrtümlich allgemeine Aussagen über "Sprache" macht, die tatsächlich nur für die Schriftsprache gelten, was zu Fehlinterpretationen über die Beschaffenheit von Bildern führt.
Der Begriff der Fülle dient dazu, Bilder als ein im Vergleich zu Sprache und Schrift "volleres" Medium zu charakterisieren, bei dem mehr Merkmale von Bedeutung für die symbolische Funktion sind.
Der Autor hinterfragt dieses Konzept kritisch und argumentiert, dass Wahrnehmungsnähe bei Bildern oft mit einer Art von Ähnlichkeit verwechselt wird, die bei genauerer Betrachtung medialen Bedingungen unterliegt, statt eine direkte Eigenschaft des Bildes selbst zu sein.
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