Bachelorarbeit, 2024
46 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
2. Das Narrativ der gestörten Mahrtenehe: Der Versuch einer Definition
2. 1. Die Rolle der weiblichen Figur im Narrativ
3. Beispiel einer gestörten Mahrtenehe im Ritter von Staufenberg
3. 1. Darstellung des weiblichen Wesens
4. Die gestörte Mahrtenehe in Maries de France Lanval
4. 1. Macht und Grenzen der Dame
5. Besondere Frauenfiguren in jiddischen Texten: Die Geschichte aus Worms
5. 1. Darstellung der Frauenfigur
6. Unterschiede und Gemeinsamkeiten in der Darstellung der weiblichen Figur
6.1. Erkennbare Gemeinsamkeiten
6.2. Unterschiede in der Darstellung
6.3. Höfische Feen: Typische Darstellungsweise
6.4. Mögliche Gründe für die Unterschiede
7. Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht die Darstellung weiblicher, zumeist übernatürlicher Wesen im Narrativ der "gestörten Mahrtenehe" in der höfischen sowie der jiddischen Literatur des Mittelalters. Ziel ist es, durch eine vergleichende Analyse der Texte Ritter von Staufenberg, Lanval und Die Geschichte aus Worms aufzuzeigen, wie diese Figuren charakterisiert werden und welche Unterschiede sowie Gemeinsamkeiten hinsichtlich ihres Status, ihrer Macht und der Ausgestaltung ihrer Beziehungen zum menschlichen Partner bestehen.
3. 1. Darstellung des weiblichen Wesens
Der Knappe des Ritters von Staufenberg ist die erste Figur, die das weibliche Wesen beim Hinabreiten des Burgwegs erblickt. Folglich ist auch er es, der ihr äußerliches Erscheinen erstmals beschreibt: ze hand so siht der selbe knab / sitzen uff eim steine / ein frowe alters eine, / die so rehte schoöne waz (RvSt, V. 204–207). Die äußerliche Schönheit der als frowe beschriebenen weiblichen Figur fällt dem Knappen sofort auf. Sie sitzt ganz alleine auf einem Stein und hat eine so außergewöhnliche Schönheit, dass eine descriptio folgt:
uns seyt die ofenture daz, / daz got an dise weite ye / schoöner wiep ließ werden nye / von fleische noch von beyne / also die zarte reyne; / schoöner wip wart nie gesehen. / reht als der liehten sunne brehen / git liehten wunneberenden schin / fùr alles daz gestirne hin, / also tet die frowe schoön / fur alle frowen wol geton. / ir schoöne ùber alle schein (RvSt, V. 208–219)
Der erste Eindruck der Dame wird in insgesamt 60 Versen ausgeführt. Dabei wird sie nicht nur aufgrund ihrer Schönheit, sondern auch aufgrund ihrer wertvollen Kleidung gelobt. Die einsame Frau auf dem Stein trägt ein wyß gewant (RvSt, V. 224), welches farbsymbolisch womöglich eine gewisse Jungfräulichkeit und Reinheit ausdrücken soll. Das Gewand sorgt dafür, dass der Ritter vermutet, sie sei voη hymelriche komen / ald uß dem paradys genomen (RvSt, V. 227f.) und somit ein Engel. Im Laufe der engelsgleichen Beschreibung wird immer wieder deutlich gemacht, dass es sich bei der weiblichen Figur um keine gewöhnliche, menschliche Frau handeln kann. Ihre Kleidung sei so wertvoll, dass sie von keinem Land noch Kaiser jemals bezahlt werden könnte (vgl. RvSt, V. 260–265). Fuchs-Jolie fasst zusammen: „Ihre Erscheinung wird mit den üblichen höfischen Topoi visualisiert, aber signifikant hyperbolisch: Sie ist mariengleich, strahlender als alle Gestirne, wie aus dem Paradies und dem Himmelreich, wie ein Engel”61. Der Knappe reitet weiter, dicht gefolgt von dem Ritter, welcher die schöne Dame kurz darauf ebenfalls erblickt. In Abbildung 2 ist eine mögliche Visualisierung der Fee mit ihrem weißen Gewand auf dem Stein zu sehen.
1. Einleitung: Die Einleitung führt in das Narrativ der gestörten Mahrtenehe ein, benennt die zentralen Primärtexte und formuliert die Leitfragen zur weiblichen Figurenzeichnung.
2. Das Narrativ der gestörten Mahrtenehe: Der Versuch einer Definition: Dieses Kapitel erarbeitet eine theoretische Grundlage des Narrativs und stellt verschiedene Forschungsansätze zu dessen Aufbau und Definition dar.
3. Beispiel einer gestörten Mahrtenehe im Ritter von Staufenberg: Die Verserzählung wird auf die Erfüllung der Erzählbausteine des Narrativs hin untersucht und die Figur der Fee analysiert.
3. 1. Darstellung des weiblichen Wesens: Hier wird detailliert auf die ästhetische Beschreibung und die christliche sowie höfische Prägung der Fee eingegangen.
4. Die gestörte Mahrtenehe in Maries de France Lanval: Analyse der Struktur des Lanval-Lais und der Kontrastierung der Feenliebe zur höfischen Liebe.
4. 1. Macht und Grenzen der Dame: Fokus auf die Machtaspekte der Fee, ihre übernatürlichen Attribute und die Bedingungen ihrer Beziehung.
5. Besondere Frauenfiguren in jiddischen Texten: Die Geschichte aus Worms: Untersuchung der jüdischen Erzählung als "Gegenbeispiel" unter Berücksichtigung der dämonischen Züge des Weiblichen.
5. 1. Darstellung der Frauenfigur: Analyse der Dämonin als düsteres, jedoch ebenfalls begehrendes Wesen, das in Kontrast zu den höfischen Feen steht.
6. Unterschiede und Gemeinsamkeiten in der Darstellung der weiblichen Figur: Synthese und vergleichende Einordnung der Ergebnisse der drei betrachteten Erzählungen.
6.1. Erkennbare Gemeinsamkeiten: Herausarbeitung zentraler narrativer Übereinstimmungen wie das Verbot und die Wahl des Geliebten.
6.2. Unterschiede in der Darstellung: Gegenüberstellung der jeweils spezifischen Intentionen und Auswirkungen der weiblichen Wesen auf ihre männlichen Partner.
6.3. Höfische Feen: Typische Darstellungsweise: Zusammenfassung der Merkmale der höfischen Feen, insbesondere deren Wohlwollen und Ambivalenz.
6.4. Mögliche Gründe für die Unterschiede: Erörterung der zeitgeschichtlichen und diskursiven Entwicklungen, die die Wandlung von der Fee zur Dämonin beeinflussten.
7. Fazit: Zusammenfassende Beantwortung der Forschungsfrage und Ausblick auf künftige Forschungsmöglichkeiten.
Mahrtenehe, Mittelhochdeutsche Literatur, Jiddische Literatur, Fee, Dämonin, Lanval, Ritter von Staufenberg, Geschichte aus Worms, Narrativ, Weibliche Figuren, Mittelalter, Geschlechterrollen, Anderswelt, Höfische Minne, Tabubruch
Die Arbeit untersucht das Motiv der "gestörten Mahrtenehe" in drei ausgewählten mittelalterlichen Erzählungen, um die zeichnerischen Unterschiede und Gemeinsamkeiten weiblicher, nichtmenschlicher Figuren in höfischen und jiddischen Texten zu beleuchten.
Zentrale Felder sind die literaturwissenschaftliche Narratologie, die Gender-Analyse der Figurenkonstellation, das Motiv der "Anderwelt" sowie die historische Veränderung der Wahrnehmung dämonischer Wesen zwischen Mittelalter und Vormoderne.
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie sich die Darstellung der "nichtmenschlichen Frau" – je nach literarischem Kontext (höfisch oder jiddisch) – in Bezug auf ihre Handlungsmacht, ihr erotisches Potenzial und ihren dämonischen oder hilfreichen Charakter unterscheidet.
Die Arbeit nutzt eine komparative Analyse, bei der vorliegende Erzählschemata der Forschung (z.B. von Panzer und Lecouteux) als Basis dienen, um die ausgewählten Texte strukturell und inhaltlich miteinander zu vergleichen.
Der Hauptteil gliedert sich in die detaillierte Analyse der drei Erzählungen (Ritter von Staufenberg, Lanval, Geschichte aus Worms) und einen umfangreichen Vergleichsteil, der Gemeinsamkeiten und Differenzen in der Figurenzeichnung herausarbeitet.
Die Arbeit ist zentral durch Begriffe wie "Mahrtenehe", "Narrativ", "höfische Feen", "jiddische Dämonik" und "Emanzipation" charakterisiert.
Während die höfischen Feen oft als positiv, emanzipiert und unterstützend dargestellt werden, erscheint die jiddische Dämonin als bedrohlich und herrisch, wobei sie den Mann eher passiv hält, statt ihn – wie die Feen – durch Reichtum und Liebe zu fördern.
Die Frömmigkeit fungiert in der "Geschichte aus Worms" als einzige Instanz, der selbst ein dämonisches Wesen gegenüber den menschlichen Charakteren nachgeben muss, was die starke religiöse und moralische Rahmung dieses speziellen Textes unterstreicht.
Die Verfasserin stellt fest, dass weibliche Figuren in allen untersuchten Texten als hochgradig handlungsmächtig und aktiv wahrgenommen werden, während ihre männlichen Partner häufig von einer "legendenhaften Passivität" geprägt sind.
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