Bachelorarbeit, 2020
85 Seiten
Psychologie - Klinische Psychologie, Psychopathologie, Prävention
1. Einleitung
2. Theoretischer Hintergrund
2.1 Schizophrenie
2.1.1 Epidemiologische Erkenntnisse
2.1.2 Symptomatik
2.1.3 Diagnostische Kriterien
2.1.4 Ätiologische Erkenntnisse
2.1.5 Therapie
2.2 Stereotype der Schizophrenie
2.2.1 Ursachen für das Stereotyp der Gewalttätigkeit bei Schizophrenie
2.2.2 Stigmatisierung und die Folgen für schizophren erkrankte Menschen
2.2.3 Die Rolle der Medien
2.3 Aggression und Gewalt
2.3.1 Begriffsdefinition
2.3.2 Forensische Aspekte
3. Schizophrenie und Gewalt
3.1 Prävalenz von Selbstaggressionen
3.2 Hintergründe und Risikofaktoren für suizidale Handlungen
3.3 Prävalenz schizophren erkrankter Menschen im forensisch-psychiatrischen Setting
3.3.1 Prävalenz von Gewaltdelikten
3.3.2 Gewalttaten ohne strafrechtliche Verfolgung
3.3.3 Das Gewaltrisiko von schizophren erkrankten Menschen
3.4 Gewaltrisikofaktoren
3.4.1 Die Symptomatik der Schizophrenie
3.4.2 Die Bedeutung der psychiatrischen Behandlung für das Gewaltrisiko
3.4.3 Komorbide Suchterkrankungen
3.4.4 Viktimisierung
3.4.5 Frühere Gewalttaten
3.4.6 Soziodemografische Risikofaktoren
4. Gewaltmanagement in der allgemeinpsychiatrischen Versorgung
4.1 Strukturelle Entwicklungen und Behandlungsschwächen der Allgemeinpsychiatrie
4.2 Empfehlungen und Konsequenzen für eine gewaltpräventive Behandlung
4.2.1 Identifikation von Risikopatienten und Risikofaktoren
4.2.2 HCR-20 – Das Instrument zur Einschätzung des Gewaltrisikos
4.2.3 Die Bedeutung von psychiatrischen Interventionen für schizophren erkrankte Patienten
5. Fazit und Ausblick
Diese Bachelor-Thesis untersucht das in der Öffentlichkeit weit verbreitete Stereotyp, dass Menschen mit Schizophrenie grundsätzlich „gefährlich“ seien. Ziel der Arbeit ist es, auf einer sachlich-wissenschaftlichen Grundlage zu prüfen, ob tatsächlich ein erhöhtes Gewaltrisiko bei schizophren erkrankten Menschen besteht, welche Faktoren dieses Risiko beeinflussen und wie eine gewaltpräventive Behandlung in der Allgemeinpsychiatrie dazu beitragen kann, das Stigma abzubauen und die Sicherheit zu erhöhen.
1. Einleitung
„Irre Mörder“, „gemeingefährliche Geisteskranke“ oder „verrückte Verbrecher“ – derartige Schlagzeilen verwenden Printmedien, wenn besonders abstoßende Gewaltverbrechen geschehen, bei denen zunächst kein Motiv zu erkennen ist (Finzen, 2013, S. 86). Dabei wird suggeriert, dass nicht nachvollziehbare Gewaltdelikte mit einer psychischen Erkrankung zusammenhängen, so dass eine Verknüpfung von Gewalt mit psychischen Erkrankungen vorgenommen und medial verbreitet wird.
Insbesondere in Bezug auf schizophrene Erkrankungen besteht die verbreitete Überzeugung in der Öffentlichkeit, dass an Schizophrenie leidende Menschen besonders gefährlich seien (DGPPN, 2019, S. 21). Dies wird durch den Umstand gefördert, dass beispielsweise in Filmen immer wieder ein wissenschaftlich wenig bis gar nicht fundiertes Bild des „gefährlichen Schizophrenen“ gezeichnet wird und in den Print- bzw. Nachrichtenmedien im Falle besonders spektakulärer Delikte die Täter reflexartig als schizophren bezeichnet werden.
Solche medialen Praktiken erschweren die Bemühungen der Sozialpsychiatrie hinsichtlich der Entstigmatisierung und Reintegration von schizophren erkrankten Menschen (Prunnlechner, 2012, S. 429), zudem sind die stigmatisierenden Einstellungen in der Allgemeinbevölkerung zu Schizophrenien in den vergangenen Jahren noch stärker angestiegen (DGPPN, 2019, S. 21).
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die mediale Konstruktion des Stereotyps „gefährlicher Schizophrener“ und formuliert die Forschungsfrage nach dem tatsächlichen Aggressionsrisiko.
2. Theoretischer Hintergrund: Dieses Kapitel definiert das Krankheitsbild Schizophrenie, deren Symptomatik, Ätiologie und Therapieansätze sowie das soziopsychologische Konzept von Stereotypen und Stigmatisierung.
3. Schizophrenie und Gewalt: Hier werden Prävalenzzahlen von Selbst- und Fremdaggression diskutiert sowie differenzierte Risikofaktoren wie Symptomatik, Substanzkonsum und die Bedeutung der Behandlung analysiert.
4. Gewaltmanagement in der allgemeinpsychiatrischen Versorgung: Das Kapitel befasst sich mit strukturellen Mängeln im psychiatrischen Versorgungssystem und leitet daraus konkrete Empfehlungen für eine effektive, gewaltpräventive Behandlung ab.
5. Fazit und Ausblick: Das Fazit führt die Ergebnisse zusammen, relativiert das verzerrte Bild einer hohen Gefährlichkeit schizophren Erkrankter und betont die Notwendigkeit einer adäquaten, langfristigen Behandlung zur Gewaltprävention.
Schizophrenie, Aggression, Gewalt, Gewaltrisiko, Stigmatisierung, Stereotyp, Psychiatrie, Prävention, Forensik, Symptomatik, Substanzmissbrauch, Compliance, Viktimisierung, Selbstaggression, Behandlungsoptimierung
Die Arbeit untersucht kritisch den in Gesellschaft und Medien verbreiteten Zusammenhang zwischen schizophrenen Erkrankungen und Gewalttätigkeit.
Die zentralen Themen umfassen die Stigmatisierung von Patienten, die neurologischen/psychopathologischen Grundlagen der Schizophrenie sowie die Risikofaktoren für Fremd- und Selbstaggression.
Es soll geklärt werden, ob Erkrankungen aus dem schizophrenen Formenkreis tatsächlich selbst- und fremdaggressives Verhalten begünstigen oder ob dies ein irreführendes mediales Konstrukt ist.
Die Arbeit verfolgt eine fundierte, literaturbasierte Vorgehensweise, bei der aktuelle Forschungsstände, Metaanalysen und Studien ausgewertet werden.
Der Hauptteil analysiert die Prävalenz von Gewalttaten, diverse Risikofaktoren sowie strukturelle Möglichkeiten eines verbesserten Gewaltmanagements in der Allgemein-/Forensik-Psychiatrie.
Neben Schizophrenie und Gewalt sind Begriffe wie Stigmatisierung, Gewaltrisiko und Prävention leitend für das Verständnis der Arbeit.
Die Arbeit identifiziert komorbide Suchterkrankungen als einen hochrelevanten Risikofaktor, der das Gewaltrisiko bei Schizophrenen massiv erhöhen kann, wobei die psychotische Symptomatik allein oft weniger gravierend ist als im Verbund mit Drogenkonsum.
Obwohl man nie alle Straftaten verhindern kann, kommt die Arbeit zu dem Schluss, dass eine adäquate, langfristige Behandlung und eine bessere Integration der Patienten in das Versorgungssystem das Gewaltrisiko drastisch senken können.
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