Examensarbeit, 2007
227 Seiten, Note: 1,0
1 Bildung in der gegenwärtigen Diskussion
1.1 Bildung in der frühen Kindheit
1.2 Bildung in den Leipziger Thesen
1.3 Bildung: Die Definition des Bundesjugendkuratoriums
1.3.1 Formelle, informelle und nichtformelle Bildung
1.3.2 Zur Relevanz frühkindlicher Bildung
1.4 Gesellschaftliche Strukturen
1.5 Charakteristika heutiger Kindheiten – veränderte Lebensbedingungen
1.5.1 Kindheiten in der Lebens- und Bildungswelt Familie
1.5.2 Kindheiten in öffentlicher Verantwortung
1.5.3 Räumliche und zeitliche Strukturen der Kinderlebensgestaltung
1.5.4 Kindheiten und Konsum
1.5.5 Kindheiten und Medien
1.6 Resümee
2 Die menschliche Bewegung als wesentlicher Bestandteil von Bildungsprozessen
2.1 Begriffsbestimmung: Bewegung
2.2 Bewegung als „Leib-Sein“ und „Körper-Haben“
2.3 Der Bewegungsdialog zwischen Mensch und Welt
2.4 Der Zusammenhang zwischen Bewegung und Wahrnehmung
2.5 Die Bedeutung von Bewegung in der frühkindlichen Bildung
2.5.1 Sensorische Integration in der frühen Kindheit
2.6 Körpererfahrungen
2.7 Körpersprache
2.7.1 Körperausdruck und Interpretation
2.8 Resümee
3 Der Körper als gesellschaftliches Konstrukt
3.1 Der Körper als soziales Konstrukt
3.2 Gesellschaftliche Strukturen und soziale Identität
3.2.1 Soziale Identität und Körper
3.2.2 Die Konstruktion des Selbst
3.3 Die Paradoxie von gleichzeitiger Entkörperlichung und Körperaufwertung
3.3.1 Die somatische Vergesellschaftung – Habitus und Hexis
3.3.2 Der Zusammenhang zwischen sozialen Ungleichheiten und dem Körper
3.3.3 Soziale Ungleichheiten des Körpers am Beispiel Gesundheit
3.4 Die Bedeutung des Frauenkörpers in der Gesellschaft
3.5 Der Kinderkörper in der Gesellschaft
3.5.1 Grenzen der Körperlichkeit am Beispiel adipöser Kinder
3.5.2 Körperlichkeit und ganzheitliche Bildung
3.6 Resümee
4 Der Bildungsbereich Körper und Bewegung im Kontext der ErzieherInnenausbildung
4.1 Kindertagesstätten als Orte frühkindlicher Bildung
4.2 Der Bildungsbereich Körper und Bewegung in der ErzieherInnenausbildung
4.2.1 Berufliche Handlungskompetenzen und sozialdidaktische Überlegungen
4.2.2 Der Bildungsbereich Körper und Bewegung an der Fachhochschule
4.3 Der Bildungsbereich Körper und Bewegung in der LehrerInnenausbildung
4.4 Der Bildungsbereich Körper und Bewegung in Kindertagesstätten und in den Bildungsplänen
4.4.1 Körper- und Bewegungserfahrungen in den Bildungsprogrammen der Länder Berlin und Sachsen-Anhalt
4.5 Resümee
Die Arbeit untersucht die besondere Relevanz des Bildungsbereichs Körper und Bewegung im Kontext der ErzieherInnenausbildung, indem sie Bildung als umfassenden Aneignungsprozess von Welt durch den Körper begreift und die Einflüsse gesellschaftlicher Strukturen auf diesen Prozess reflektiert.
3.1 Der Körper als soziales Konstrukt
Nicht nur das Subjekt wirkt über den Körper auf die Welt ein, sondern die Welt nimmt ebenfalls über den Körper Einfluss auf das Subjekt. Der Körper ist immer auch ein soziales Gebilde. Er ist Ausdruck gesellschaftlicher Tatbestände und wird sozial-gesellschaftlich konstruiert (vgl. Douglas 1974, S. 99).
„Der Körper ist der Ort, an dem die Ökonomie des Lebens ihren Niederschlag findet. Er ist gleichzeitig aber auch sozialer Ort, Gegenstand kultureller Leistungen und Stilisierungen sowie Träger subjektiver Befindlichkeiten und deren psycho-sozialen Managements“ (Erben/ Franzkowiak/ Wenzel 1986, S.29). Diese unterschiedlichen Dimensionen der Körperlichkeit werden im Verlauf dieses Kapitels genauer betrachtet und ihre Relevanz im Kontext der ErzieherInnenausbildung hervorgehoben.
Weiterhin ist der Körper Träger der menschlichen Geschichte, in dem individuelle und soziale Biographien aufgelöst sind. Im und am Körper spiegeln sich die sozialen und kulturellen Verhältnisse, unter deren Bedingungen er sich entfalten konnte (vgl. Erben/ Franzkowiak/ Wenzel 1986, S. 29). In einem Wechselspiel von Produktion und Reproduktion gleicht kein Körper in seiner Ausformung einem anderen.
Körperbildung ist immer ein Prozess. Im Laufe der Lebensgeschichte, von der Geburt bis zum Tod, ist der Körper einem Wandlungsprozess unterworfen. Über die Biographie des Einzelnen hinaus, kann der Körper auch im Rahmen der Menschheitsgeschichte betrachtet werden. So zeigen z.B. neue Krankheiten und Zivilisationskrankheiten, dass sich das Verhältnis des Menschen zu seiner Umwelt wandelt (vgl. Dietrich 1999, S.6).
1 Bildung in der gegenwärtigen Diskussion: Dieses Kapitel verortet Bildung als zentralen Bestandteil der modernen Wissens- und Risikogesellschaft und diskutiert die veränderten Lebensbedingungen des Aufwachsens.
2 Die menschliche Bewegung als wesentlicher Bestandteil von Bildungsprozessen: Hier wird Bewegung phänomenologisch und anthropologisch als elementare Form des Denkens und als Medium der Weltaneignung für Kinder definiert.
3 Der Körper als gesellschaftliches Konstrukt: Dieses Kapitel analysiert den Körper als soziales Gebilde, das durch kulturelle Normen, Machtstrukturen und gesellschaftliche Anforderungen geformt wird.
4 Der Bildungsbereich Körper und Bewegung im Kontext der ErzieherInnenausbildung: Der abschließende Teil untersucht die praktische Implementierung des Bewegungs- und Körperbildungsverständnisses in aktuellen Curricula und Ausbildungskontexten.
frühkindliche Bildung, Körpererfahrungen, Bewegung, Sozialisation, Identitätsentwicklung, ErzieherInnenausbildung, Körper als soziales Konstrukt, Ganzheitlichkeit, Bildung als Lebenskompetenz, Wahrnehmung, gesellschaftliche Strukturen, Körperbild, Leibphänomenologie
Die Arbeit analysiert die fundamentale Rolle von Körper- und Bewegungserfahrungen in Bildungsprozessen der frühen Kindheit und fordert deren systematische Verankerung in der pädagogischen Ausbildung.
Die zentralen Themen sind der Körper als soziales und physisches Konstrukt, die Wechselbeziehung von Bewegung und Wahrnehmung sowie die Professionalisierung pädagogischer Fachkräfte.
Ziel ist es, den Bildungsbereich Bewegung nicht auf motorische Leistungen zu verkürzen, sondern als ganzheitliche Grundlage für Persönlichkeitsentwicklung und soziale Partizipation aufzuzeigen.
Die Arbeit basiert auf einer interdisziplinären theoretischen Analyse, die Ansätze aus der Pädagogik, Soziologie, Leibphänomenologie und Gesundheitswissenschaften verbindet.
Der Hauptteil gliedert sich in die bildungstheoretische Diskussion, die körperanthropologische Begründung von Bewegung und eine kritische Untersuchung des Körpers als gesellschaftliches Konstrukt.
Frühkindliche Bildung, Bewegung, Identitätsentwicklung, ErzieherInnenausbildung und Ganzheitlichkeit sind die wesentlichen Kernbegriffe.
Die Autorin hebt damit die weibliche Form hervor, da über 90 Prozent der professionellen Fachkräfte in diesem Berufsfeld Frauen sind.
In Anlehnung an Merleau-Ponty bezeichnet "Körper-Haben" die instrumentelle Verfügbarkeit, während "Leib-Sein" das subjektive Erleben und die unmittelbare sinnliche Wahrnehmung des eigenen Körpers meint.
Es ermöglicht interdisziplinäres Lernen und die direkte Verknüpfung von theoretischem Fachwissen aus dem Sportstudium mit der beruflich-pädagogischen Fachrichtung Sozialpädagogik.
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