Bachelorarbeit, 2008
62 Seiten, Note: 1,0
1 Einleitung
2 Begriffsdefinition Leiharbeit
3 Leiharbeit in wissenschaftlicher Betrachtung
3.1 Argumente pro und contra Leiharbeit
3.2 Kurzer Literaturüberblick
3.3 Fazit
4 Institutionelle Rahmenbedingungen der Leiharbeit in Deutschland
4.1 Regulierung durch das Arbeitnehmerüberlassungsgesetz
4.2 Status quo nach der Hartz I-Reform
4.3 Fazit
5 Entwicklung der Leiharbeit in Deutschland von 1973-2007
5.1 Verwendete Daten und Datenproblematik
5.2 Entwicklung des Bestandes an Leiharbeitnehmern und Verleihbetrieben
5.3 Saisonales und konjunkturelles Verhalten
5.4 Fluktuation
5.5 Teilarbeitsmarktcharakteristika
5.6 Regionale Verteilung
5.7 Gesamtwirtschaftliche Bedeutung der Leiharbeit als Beschäftigungsform
5.8 Verhältnis von Arbeitslosigkeit und Leiharbeit
5.9 Fazit
6 Exkurs Personal-Service-Agenturen
7 Leiharbeit als Umverteilungsinstrument
7.1 Vorüberlegungen
7.2 Mikroökonomische Determinanten der statischen Nachfrage nach Leiharbeit
7.3 Nachfrage nach Leiharbeit unter dynamischen Gesichtspunkten
7.4 Fazit
8 Zusammenfassung und Ausblick
Die Arbeit untersucht die Entwicklung der Leiharbeit in der Bundesrepublik Deutschland, ihre strukturellen Merkmale sowie ihre Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt und die gesellschaftliche Einkommensverteilung im Kontext der institutionellen Deregulierung seit den 1970er Jahren.
3.1 Argumente pro und contra Leiharbeit
In der wissenschaftlichen Diskussion wird eine Reihe von Argumenten für und wider Leiharbeit angeführt. Einen Überblick geben u.a. Kvasnicka (2005, S. 115 f.) und Mitlacher (2007, S. 583 ff.). Leiharbeit ist in erster Linie ein Instrument externer Flexibilität (Jahn 2005, Pfeifer 2005, Burda und Kvasnicka 2005), also der kurzfristigen Kapazitätsanpassung.
Gerade für Arbeits- bzw. Beschäftigungslose – die einen großen Teil der Einstellungen ausmachen – bietet Leiharbeit die Möglichkeit, (wieder) in bezahlte Arbeit zu kommen (Walwei 2002, S. 9; Kvasnicka 2005, S. 115). Zudem kann durch ein Abschmelzen von Humankapital bei Arbeitslosigkeit verhindert und sogar zusätzliche Berufserfahrung gewonnen werden (Kvasnicka 2005, S. 115; Jahn 2005, S. 395 f.; Gerfin et al. [2004] 2005, S. 825 f.). Auch zum Abbau von Informationsasymmetrien kann Leiharbeit beitragen: Einerseits kann eine Suche nach dauerhafter Beschäftigung „on the job“ (Walwei 2002, S. 9) als Signalling der prinzipiellen Arbeitsbereitschaft aufgefasst werden; andererseits lernen Arbeitnehmer viele verschiedene potenzielle Arbeitgeber kennen und können diesen ihre Fähigkeiten demonstrieren (Kvasnicka 2005, S. 115). Schließlich dient Leiharbeit zur Risikodiversifikation auf mehrere Entleihbetriebe, also der Minimierung des Risikos von Leerkosten durch ungenutzte Kapazitäten (Jahn 2005, S. 401). Ganz ähnlich werden auch Screening-Kosten auf mehrere Arbeitgeber verteilt. Insbesondere das Entfallen von Restriktionen bei der Entlassung und die damit einhergehenden Kosten macht es also für diese attraktiv, risikolos on the job Arbeitnehmer über die Leiharbeit zu rekrutieren. Außerdem kann sich das Matching verbessern, da die Arbeitnehmer durch die Verleiher „pre-screened“ (Kvasnicka 2005, S. 115) sind. Generell sinken also die Einstellungskosten für Arbeitgeber (Kvasnicka 2005, S. 155 f.; Burda und Kvasnicka 2005, S. 220).
1 Einleitung: Einführung in die Thematik der Leiharbeit als atypische Beschäftigungsform und Skizzierung des Untersuchungsrahmens im Kontext der deutschen Arbeitsmarktpolitik.
2 Begriffsdefinition Leiharbeit: Abgrenzung der Leiharbeit von Normalarbeitsverhältnissen durch die Beschreibung der vertraglichen Dreiecksbeziehung.
3 Leiharbeit in wissenschaftlicher Betrachtung: Diskussion theoretischer Argumente und internationaler Forschungsergebnisse hinsichtlich der Flexibilitätsfunktion von Leiharbeit.
4 Institutionelle Rahmenbedingungen der Leiharbeit in Deutschland: Analyse der gesetzlichen Entwicklung vom Arbeitnehmerüberlassungsgesetz bis zu den Auswirkungen der Hartz I-Reform.
5 Entwicklung der Leiharbeit in Deutschland von 1973-2007: Detaillierte deskriptive Untersuchung der Branchendynamik, Fluktuationsraten und soziodemografischen Merkmale der Leiharbeitnehmer.
6 Exkurs Personal-Service-Agenturen: Kritische Evaluierung der PSA als Instrument zur Vermittlung von Arbeitslosen in dauerhafte Beschäftigungsverhältnisse.
7 Leiharbeit als Umverteilungsinstrument: Theoretische Modellierung der mikroökonomischen Anreize und der Umverteilung von Lohneinkommen hin zu Unternehmensprofiten.
8 Zusammenfassung und Ausblick: Synthese der Forschungsergebnisse und Fazit zur ökonomischen sowie gesellschaftlichen Bedeutung der Leiharbeit.
Leiharbeit, Arbeitnehmerüberlassungsgesetz, Hartz I-Reform, Dual-Labour-Market, Flexibilität, Arbeitslosigkeit, Screening, Matching, Umverteilung, Personal-Service-Agenturen, Klebeeffekte, Preissetzer, Arbeitsmarktsegmentierung, Lohndumping, Beschäftigungsverhältnisse
Die Arbeit analysiert die ökonomische Entwicklung und Bedeutung der Leiharbeit in Deutschland und hinterfragt deren Rolle als Instrument zur Vermittlung von Arbeitslosen in den ersten Arbeitsmarkt.
Die Arbeit behandelt die institutionellen Rahmenbedingungen, die statistische Entwicklung des Sektors, die Arbeitsmarktsegmentierung und die theoretische Fundierung der Umverteilungseffekte.
Es wird untersucht, ob Leiharbeit tatsächlich als „Sprungbrett“ (Stepping-Stone-Funktion) fungiert oder ob sie eher zur Segmentierung des Arbeitsmarktes und zur Umverteilung von Löhnen zu Profiten beiträgt.
Die Arbeit nutzt eine quantitative deskriptive Analyse auf Basis von Panel- und Zeitreihendaten sowie eine theoretische mikroökonomische Modellierung zur Kostenoptimierung und Preissetzung.
Der Hauptteil konzentriert sich auf die quantitative Auswertung der Branchenentwicklung, Fluktuationskoeffizienten, regionale Disparitäten und die ökonomische Analyse von Leiharbeit als Instrument der Kostenoptimierung.
Die Arbeit ist durch Begriffe wie Leiharbeit, Arbeitsmarktsegmentierung, Klebeeffekte, Preissetzer und institutionelle Deregulierung geprägt.
Die Analyse der Personal-Service-Agenturen zeigt, dass diese weder besonders effektiv noch effizient in ihrer Vermittlungsfunktion sind und teilweise hohe Mitnahmeeffekte verursachen.
Die Hartz I-Reformen führten zu einer erheblichen Deregulierung, indem sie Beschäftigungsverbote und Synchronisationsverbote lockerten, was das exponentielle Wachstum der Leiharbeitsbranche ab 2002 maßgeblich beförderte.
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