Doktorarbeit / Dissertation, 1996
149 Seiten, Note: drei
I. Über die Aktualität des Mittelalters - statt einer Einleitung
I.1 Die Krise der Demokratie und die politische Tugend
I.2 Warum Marsilius von Padua?
1. Marsilius von Padua - Zeit, Leben und Werk
1.1 Zeit
1.2 Leben
1.3 Kleinere Schriften
2. Tugend und Politik im geistigen Umfeld des Marsilius
2.1 Arete und Praxis bei Aristoteles
2.1.1 Logos, Tugend und der Raum des Politischen bei Aristoteles
2.1.2 Die Tugendlehre des Aristoteles
2.1.3 Handeln und Herstellen - Praxis und Poiesis
2.1.4 Das politische Gemeinwesen
2.1.5 Aristoteles und der Raum des Politischen
2.2. 'Polis ohne Territorium'
2.2.1 Polis ohne Territorium
2.2.2 Das politische System der Athener
2.2.2.1 Die Verfassungsorgane
2.2.2.2 Partizipation und Repräsentation
2.2.2.3 Die Polis als Ort des miteinander Redens
2.2.2.4 Die Entstehung des politischen Bewußtseins
2.2.2.5 Neue Ordnung und überkommene Werte
2.3 Virtus - Die Tugend der Römischen Republik
2.3.1 Platonischer Idealstaat und Tugend
2.3.1.1 Platon und der konstruierbare Staat
2.3.1.2 Gemeinwesen und Tugend bei Platon
2.3.2 Roma aeterna und die Tugend
2.3.2.1 Die res publica: eine transpersonale Größe
2.3.2.2 Das Wesen der Virtus
2.3.2.3 'Roma aeterna' versus 'Polis ohne Territorium'
2.4 Augustinus und die Entpolitisierung der Tugend
2.4.1 civitas terrena und civitas dei
2.4.2 Civitas terrena und politische Gemeinschaft
2.4.3 Christliche Tugend und Politik bei Augustinus
2.5 Herrschaft und Tugend bei Thomas von Aquin
2.5.1 Der Mensch als animal sociale
2.5.2 Die Aufgaben der irdischen Herrschaft
2.5.3 Politische Klugheit, Widerstandsrecht und bonum commune
2.5.4 Thomas von Aquin und der Raum des Politischen
3. Tugend und Politik im Denken des Marsilius von Padua
3.1 Civitas, Regnum und Imperium
3.2 Ökonomie und Gesellschaft im
3.2.1 Die Stände als Garant des guten Lebens
3.2.2 Der regierende Stand
3.2.3 Die Einheitlichkeit des 'regierenden Standes'
3.2.4 Die Tugenden der 'pars principans'
3.2.5 Der Priesterstand als Beispiel für die Unterordnung der Stände unter den Willen des Gesetzgebers und des regierenden Standes
3.2.6 Die Stände und der Raum des Politischen
3.3 Die politische Konzeption des Defensor Pacis
3.3.1 Der Wille der Bürger als Ausgangspunkt der politschen Konzeption
3.3.2 Die Gesetzgebung als politische Handlung
3.3.3 Gesetzgebung und kollektive Erfahrung
3.3.4 Natürlicher Menschenverstand und abstraktes Wissen
3.3.5 Der Gesetzgeber und die Einsetzung der Regierenden
3.3.6 Die Kontrolle der Regierung durch die universitas civium
3.3.7 Menschlicher und göttlicher Wille
3.3.8 Die zwei Körper der universitas civium
3.4 Marsilius und die virtus
Die vorliegende Arbeit untersucht die ethischen und politischen Grundlagen des Denkens von Marsilius von Padua im Kontext seiner "Defensor Pacis". Das Hauptziel besteht darin, aufzuzeigen, wie Marsilius durch die Rezeption aristotelischer Tugendkonzeptionen und deren Anwendung auf eine Institutionenlehre einen stabilen politischen Raum schafft, in dem Bürger aktiv an der Gestaltung des Gemeinwesens mitwirken. Die Arbeit hinterfragt dabei, ob und wie Marsilius' Konzeption sich von den Vorstellungen eines platonisch inspirierten Idealstaats oder einer augustinischen Entpolitisierung abgrenzt.
3.3.1 Der Wille der Bürger als Ausgangspunkt der politschen Konzeption
Als Ausgangspunkt für die Gestaltung der politischen Ordnung seines Gemeinwesens hat Marsilius die aristotelische Staatsformenlehre gewählt. Mit ihr unterscheidet er die Regierungsformen nach ihrem Ziel und der Anzahl ihrer Mitglieder.
Die Qualität einer Regierung scheint sich für Marsilius zunächst aus dem Ziel ihrer Tätigkeit zu ergeben: Dient sie dem gemeinsamen Nutzen aller Bewohner eines Gemeinwesens, so ist sie gut-gemäßigt, verfolgen die Herrschenden aber nur ihre eigenen Vorteile, so ist sie schlecht und entartet. Zu den gut-gemäßigten Regierungsformen zählt er die königliche Monarchie, die Aristokratie und die Politie, zu den entarteten die tyrannische Monarchie, die Oligarchie und die Demokratie im Sinne von Ochlokratie. Doch genügt es Marsilius nicht, daß eine Regierung das Allgemeinwohl zur Maxime ihres Handelns macht, vielmehr muß dieses Handeln auch mit dem Willen der Untertanen übereinstimmen. Er kommt zu dem Schluß: "Jede Regierungsform besteht entweder mit dem Willen der Untertanen oder gegen ihren Willen. Die erste ist die Gattung der gut gemäßigten Verfassungen, die zweite die der entarteten."201
Die Übereinstimmung zwischen dem Willen der Regierung und dem der Bürger soll zum einen dadurch erreicht werden, daß die Bürger die Gesetze beschließen, nach denen die Regierung handeln soll, zum anderen indem die Regierung von den Bürgern gewählt wird und von diesen zur Verantwortung gezogen werden kann.
I. Über die Aktualität des Mittelalters - statt einer Einleitung: Diese Einleitung thematisiert die aktuelle Krise der Demokratie und die Bedeutung politischer Tugenden im politischen Diskurs, wobei der Fokus auf dem Einfluss des italienischen Bürgerhumanismus und der Rolle von Marsilius von Padua liegt.
1. Marsilius von Padua - Zeit, Leben und Werk: Das Kapitel bietet einen historischen Überblick über das Leben von Marsilius, seine Zeit am Hof von Ludwig dem Bayern und seine Schriften, insbesondere den "Defensor Pacis".
2. Tugend und Politik im geistigen Umfeld des Marsilius: Hier werden verschiedene antike und mittelalterliche Tugendkonzeptionen (Aristoteles, Platon, Cicero, Augustinus, Thomas von Aquin) analysiert, die als theoretisches Fundament für das Denken des Marsilius dienen.
3. Tugend und Politik im Denken des Marsilius von Padua: Dieses Kapitel bildet den Hauptteil der Arbeit und untersucht detailliert die Ständelehre, die Konzeption des "regierenden Standes" sowie das Gesetzgebungsverfahren bei Marsilius.
Marsilius von Padua, Defensor Pacis, politische Tugend, Aristoteles, Bürger, Gemeinwesen, Gesetzgeber, politische Klugheit, Partizipation, universitas civium, Staatsform, politische Ordnung, Gemeinwohl, Mittelalter.
Die Dissertation untersucht die politische Theorie des Marsilius von Padua, insbesondere seine Vorstellungen von Tugend, Gesetzgebung und der politischen Rolle der Bürgerschaft, wie sie in seinem Hauptwerk "Defensor Pacis" entfaltet werden.
Zentrale Themen sind das Verhältnis von Politik und Tugend, der Vergleich mit anderen politischen Denkern wie Aristoteles, Augustinus und Thomas von Aquin sowie die Struktur des Gemeinwesens und die Bedeutung von Gesetzen.
Die Arbeit fragt nach den ethischen Grundlagen der politischen Theorie bei Marsilius und wie diese in die Institutionenlehre seines Modells integriert werden, um eine stabile politische Ordnung zu etablieren.
Es handelt sich um eine ideengeschichtliche Analyse, die primär auf der exegetischen Untersuchung der Quellentexte, insbesondere der "Defensor Pacis", sowie auf deren Einbettung in den zeitgenössischen philosophischen und historischen Kontext basiert.
Im dritten Kapitel werden das Gesetzgebungsverfahren, die Rolle der Stände, der "regierende Stand" (pars principans) und die Kontrolle der Regierung durch die Bürgerschaft (universitas civium) intensiv analysiert.
Marsilius von Padua, Defensor Pacis, politische Tugend, Partizipation, Gesetzgebung, universitas civium und bonum commune.
Die Unterscheidung erfolgt über das Ziel der Regierung: Dient sie dem Allgemeinwohl der Bürger, gilt sie als gut-gemäßigt. Verfolgt sie hingegen nur die Eigeninteressen des Herrschers, wird sie als tyrannisch und entartet eingestuft.
Sie ist für Marsilius die legitime Quelle des Gesetzes. Die Gesamtheit der Bürger oder deren bedeutenderer Teil (valentior pars) muss Gesetze abstimmen und beschließen, damit diese als rechtmäßig und nützlich anerkannt werden können.
Die Wahl stellt sicher, dass der Regent durch die Zustimmung der Bürger legitimiert ist und sein Handeln an den Gesetzen ausrichtet. Sie verhindert zudem die Problematik erblicher Herrschaft, bei der die fachliche Eignung und moralische Integrität nicht garantiert sind.
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