Masterarbeit, 2023
68 Seiten, Note: 1,0
1 Einleitung
2 An Verbrechen erinnern. Theoretische Zugänge
2.1 Erinnern und Vergessen
2.1.1 Das kollektive, kommunikative und kulturelle Gedächtnis
2.1.2 Erinnern als Form der Transitional Justice
2.2 Erinnern verhandeln
2.2.1 Aushandlungsprozesse um rechte und rassistische Gewalt
2.2.2 Partizipation von Minderheiten
2.3 Erinnern visualisieren
2.3.1 Materielle Konflikttransformation
2.3.2 Mahnmale in Erinnerung an rechte Gewalt nach 1945
2.3.3 Ästhetische Strategien und Wettbewerbe
2.4 Zehn Lehren aus der Theorie
3 Methodisches Vorgehen
3.1 Erhebung der Daten
3.2 Auswertung der Daten
3.3 Kritische Reflexion
4 Ein Mahnmal für Hanau. Analyse des Wettbewerbs
4.1 Der politische Hintergrund
4.2 Die Konzeption
2.2.1 Die Beratung
4.2.1 Der Ablauf
4.3 Die Entwürfe
4.3.1 Die Einsendungen
4.3.2 Die Sieger:innen
4.4 Die Akteur:innen
4.4.1 Die Angehörigen
4.4.2 Die Stadt
4.4.3 Die Künstler:innen
4.4.4 Die Bürger:innen
4.5 Der Konflikt
5 Fazit und Ausblick
5.1 Chancen
5.2 Herausforderungen
Die Arbeit untersucht die friedensstiftenden und konfliktschärfenden Dynamiken von Prozessen öffentlichen Erinnerns am Beispiel des Wettbewerbs für ein Mahnmal in Hanau. Ziel ist es, die Herausforderungen und Chancen einer solchen künstlerischen Intervention im Kontext rechter und rassistischer Gewalt zu identifizieren und die politische Teilhabe der betroffenen Hinterbliebenen kritisch zu analysieren.
1 Einleitung
Noch in der Nacht, in der in Hanau ein Rassist Gökhan Gültekin, Sedat Gürbüz, Said Nessar Hashemi, Mercedes Kierpacz, Hamza Kurtović, Vili Viorel Păun, Fatih Saraçoğlu, Ferhat Unvar und Kaloyan Velko in zwölf Minuten erschießt, googelt der Hanauer Oberbürgermeister Claus Kaminsky den Begriff »rassistisches Attentat«. Er liest über Halle, Hoyerswerda, Mölln. So genau weiß er das nicht mehr, das wird er später erzählen. Er weiß aber noch, dass er in diesem Moment verstand: Die, die diese Taten betreffen, haben andere Städte fast immer übersehen. Also empfängt er die Mütter, Väter, Brüder und Schwestern der in Hanau Getöteten am kommenden Tag im Rathaus. Er will ihnen deutlich machen, was kaum deutlich zu machen gewesen sei in ihrem Schmerz: dass sie nicht alleine sind. Am Abend versammeln sich die Menschen, die um sie trauern, auf dem Marktplatz. Noch nie, wird er sagen, sah er den Ort und die Seitenstraßen so voll. Er schwört sich: Hanau darf den 19. Februar 2020, den er in all seinen Reden danach »den schlimmsten Tag in Friedenszeiten« nennen wird, nie vergessen. Nur wenige Monate danach schreibt er einen Wettbewerb aus, um ein Mahnmal zu finden, das an sie erinnern soll.
Zwanzig Monate danach, am 7. Oktober 2021, sitzen sieben dieser Familien Claus Kaminsky in der Aula einer Schule unter kaltweißem Deckenlicht gegenüber. Reihum stellen sie sich vor: Emiş Gürbüz, Mutter von Sedat. Armin, Dijana und Ajla Kurtović, Eltern und Schwester von Hamza. Çetin Gültekin, Bruder von Gökhan. Serpil Unvar, Mutter von Ferhat. Saida und Etris Hashemi, Geschwister von Said Nesar. Sofia Kierpacz, Mutter von Mercedes. Vaska Zlateva, Cousine von Kaloyan Velkov.
1 Einleitung: Die Einleitung skizziert den Anlass des Mahnmal-Wettbewerbs in Hanau und führt in die zentrale Forschungsfrage nach den Herausforderungen und Chancen dieses Gedenkprozesses ein.
2 An Verbrechen erinnern. Theoretische Zugänge: Dieses Kapitel liefert den theoretischen Rahmen zu Erinnerungskulturen, Transitional Justice und der Partizipation von Minderheiten in einer Demokratie.
3 Methodisches Vorgehen: Hier werden die qualitative Feldforschung und die Inhaltsanalyse als methodischer Ansatz zur Untersuchung des Wettbewerbs erläutert.
4 Ein Mahnmal für Hanau. Analyse des Wettbewerbs: Das Hauptkapitel analysiert den Entstehungsprozess des Mahnmals, die verschiedenen Akteure und die dabei auftretenden politischen Konflikte.
5 Fazit und Ausblick: Das Fazit fasst die Chancen und Herausforderungen des Hanauer Wettbewerbs zusammen und bewertet die Auswirkungen auf den Prozess zukünftiger Erinnerungsarbeit.
Hanau, Mahnmal, Rassismus, Erinnerungskultur, Transitional Justice, Partizipation, Angehörige, Gedenken, Politische Konflikte, Wettbewerb, Rechtsextremismus, Rassismuskritik, Symbolische Reparation, Erinnerungsarbeit, Demokratie.
Die Arbeit analysiert den künstlerischen Wettbewerb um ein Mahnmal für die Opfer des rassistischen Anschlags vom 19. Februar 2020 in Hanau und untersucht, wie Gedenken als politischer Aushandlungsprozess funktioniert.
Im Zentrum stehen die Auseinandersetzung mit rechter und rassistischer Gewalt, die Rolle des kollektiven Gedächtnisses, die Möglichkeiten symbolischer Reparation und die Frage der politischen Partizipation von Angehörigen.
Ziel ist es zu ergründen, welche Herausforderungen und Chancen ein solcher Wettbewerb bietet, insbesondere im Hinblick auf strukturelle rassistische Ausschlüsse und die Einbeziehung der Betroffenenperspektive.
Es handelt sich um eine empirische Arbeit, die auf qualitativer Feldforschung nach Roland Girtler und einer Inhaltsanalyse nach Philipp Mayring basiert, ergänzt durch leitfadengestützte Interviews.
Der Hauptteil befasst sich detailliert mit dem politischen Hintergrund, der Konzeption des Wettbewerbs, den eingereichten Entwürfen sowie den unterschiedlichen Perspektiven und Interessen der involvierten Akteure, von Politikern bis zu den Angehörigen.
Die Arbeit charakterisiert sich durch Begriffe wie Hanau, Mahnmal, Rassismus, Erinnerungskultur, Transitional Justice, Partizipation und politische Konflikte.
Der Marktplatz steht symbolisch für das Zentrum der Stadt; für die Angehörigen stellt er den Ort dar, an dem das Gedenken sichtbar werden muss, während die Politik ihn als Ort für andere Nutzungen priorisierte und damit dem Wunsch der Angehörigen entgegenstand.
Der Wettbewerbsleiter prägte den Begriff für den Prozess, bei dem Angehörige erstmals direkt in einen jurierten Wettbewerb einbezogen wurden; die Arbeit zeigt jedoch auf, dass dieser partizipative Ansatz an seine Grenzen stieß.
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