Magisterarbeit, 2014
87 Seiten, Note: 1,1
1 Einleitung
2 ‚Die Welt Baburs’
2.1 Historischer Hintergrund und Biographie Baburs
2.2 Die Erinnerungen Baburs: das Baburname
3 Ehe, Eros und Moral in der Welt Baburs
3.1 Frauen in der Welt Baburs
3.1.1 Ehefrauen und Mütter: politische Allianzen und dynastische Legitimität
3.1.2 Opfer und Trophäen: Frauen als Kriegsbeute
3.1.3 Diplomatie und Konspiration: Frauen als politische Akteure
3.1.4 Das Prinzip der Seniorität: Privilegien und Pflichten älterer Frauen
3.2 Eros und Emotionalität in der Welt Baburs
3.2.1 Profane Liebe: Liebesbeziehungen zwischen Männern und Frauen
3.2.2 Idealisierte Liebe: Baburs Liebe zu Baburi
3.2.3 Unmoralische Liebe: „Unzucht“ und Päderastie
4 Schlussbetrachtung
5 Literaturverzeichnis
5.1 Quellen
5.2 Sekundärliteratur
Die Arbeit untersucht das Baburname, um zu verifizieren, ob das Repertoire an Rollen von Frauen, Geschlechterbeziehungen sowie Formen von Liebe und Sexualität in der Welt des Mogulherrschers Babur tatsächlich so statisch und beschränkt ist, wie islamischen Gesellschaften häufig unterstellt wird.
3.1.2 Opfer und Trophäen: Frauen als Kriegsbeute
Sowohl das Phänomen des Frauenraubs, als auch die Anwendung sexueller Gewalt während kriegerischer Auseinandersetzungen lässt sich vom Altertum bis in die Gegenwart für fast alle Völker belegen. Auch in der Welt Baburs existierten beide Phänomene und koinzidierten in vielen Fällen, so dass aus heutiger Sicht nicht immer zu unterscheiden ist, ob es dabei in erster Linie – wie heute noch in Kriegen üblich – um die Demütigung des Gegners durch die Vergewaltigung und/oder Inbesitznahme seiner Frauen oder um die Aneignung einer hochgeborenen Braut ging.
Ohne Zweifel hatten die Timuriden am Übergang des 15. zum 16. Jahrhundert in Zentralasien und Afghanistan soweit an politischem Charisma gewonnen, dass die Eheschließung mit timuridischen Frauen – analog zu den Dschingisidinnen – ein mögliches Mittel der ‚Veredelung’ von Stammbäumen und Erheiratung herrschaftslegitimierender Abstammung waren. In den meisten Fällen wurden die erbeuteten Frauen nämlich nicht etwa Sklavinnen oder Konkubinen, sondern rechtmäßige Ehefrauen und ihre Kinder rechtmäßige Erben und potentielle Thronfolger.
Die meist sehr prosaische Darstellung dieser „conquest marriages“ in den verfügbaren Quellen, einschließlich des Baburname, erschweren die Beurteilung darüber, ob und wie schmerzhaft und demütigend diese Erfahrungen für die betroffenen Frauen, ihre männlichen Verwandten und ihre Familien waren. Lisa BALABANLILAR meint in diesem Zusammenhang, „that nearly all of Babur’s immediate female relatives (among many others) were subject to rape, conquest marriage and/or enslavement [...] must have greatly increased the degree of humiliation and trauma felt by the Timurids [...]“ und dass „more tragic than the loss of the Timurid capitol cities, however, was the disastrous impact of war on the households of the Timurid elite.“ Auf der anderen Seite gingen Frauen und Familien besiegter Gegner, nach mongolischem Brauch, auch ‚in den Besitz’ der Timuriden über.
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik des westlichen Orientalismus-Diskurses ein und erläutert die methodische Herangehensweise an das Baburname als zentrale Quelle für die Untersuchung von Gender und Sexualität.
2 ‚Die Welt Baburs’: Dieses Kapitel bietet einen Überblick über den historischen Hintergrund, die Biographie Baburs und die Charakteristika seines Werkes als Autobiographie und historische Aufzeichnung.
3 Ehe, Eros und Moral in der Welt Baburs: Der Hauptteil analysiert detailliert die Rollen von Frauen als Ehefrauen, Mütter, politische Akteure oder Kriegsbeute sowie die verschiedenen Formen der Liebe und deren moralische Einordnung durch Babur.
4 Schlussbetrachtung: Die Schlussbetrachtung synthetisiert die Ergebnisse und konstatiert, dass Frauen in der Welt Baburs keineswegs passiv waren, sondern aktiv Einfluss auf Politik und Dynastie nahmen.
5 Literaturverzeichnis: Umfasst die verwendeten Primärquellen und die wissenschaftliche Sekundärliteratur.
Babur, Baburname, Timuriden, Mogulreich, Geschlechtergeschichte, Sexualität in islamischen Gesellschaften, Heiratsallianzen, Matrilineare Abstammung, Politische Macht von Frauen, Päderastie, conquest marriages, Moralvorstellungen, Zentralasien, Identität, Soziale Struktur.
Die Arbeit untersucht die Rollen von Frauen, Geschlechterverhältnisse und das Konzept von Liebe und Sexualität in der Welt des Begründers der Mogul-Dynastie, Babur, anhand seiner Autobiographie.
Die thematischen Schwerpunkte liegen auf Heiratsallianzen zur dynastischen Legitimation, der politischen Rolle von Frauen, der Praxis des Frauenraubs in Konflikten sowie den moralischen Ansichten des Autors über verschiedene Formen von Sexualität.
Das Ziel ist es, das Klischee einer starren, patriarchalischen und absolut frauenfeindlichen islamischen Gesellschaft des 15. und 16. Jahrhunderts anhand der historischen Primärquelle kritisch zu hinterfragen.
Die Arbeit basiert auf einer inhaltsorientierten Untersuchung des Baburname, wobei der Originaltext mit Editionen und verschiedenen Übersetzungen verglichen und mentalitäts- sowie geschlechtergeschichtlich kontextualisiert wird.
Der Hauptteil gliedert sich in zwei Abschnitte: Zuerst werden die Lebensrealitäten und politischen Handlungsspielräume von Frauen in der timuridischen Welt analysiert, gefolgt von einer Untersuchung der emotionalen Welt Baburs und der unterschiedlichen Ausprägungen von Liebe.
Wichtige Begriffe sind Baburname, Timuriden, Heiratsallianzen, politische Macht von Frauen, Päderastie, Geschlechtergeschichte, Moralvorstellungen und Identität.
Die Arbeit identifiziert die mütterliche Linie und insbesondere die älteren Frauen als einflussreiche Figuren, die maßgeblich zur dynastischen Konsolidierung und als Beraterinnen zur Machtausübung beitrugen.
Babur unterscheidet zwischen homoerotischem Begehren, das in seiner Welt als natürlich galt, und der Päderastie (speziell praktiziert als Knabenliebe unter Männern), die er als „Unzucht“ scharf verurteilt.
Der GRIN Verlag hat sich seit 1998 auf die Veröffentlichung akademischer eBooks und Bücher spezialisiert. Der GRIN Verlag steht damit als erstes Unternehmen für User Generated Quality Content. Die Verlagsseiten GRIN.com, Hausarbeiten.de und Diplomarbeiten24 bieten für Hochschullehrer, Absolventen und Studenten die ideale Plattform, wissenschaftliche Texte wie Hausarbeiten, Referate, Bachelorarbeiten, Masterarbeiten, Diplomarbeiten, Dissertationen und wissenschaftliche Aufsätze einem breiten Publikum zu präsentieren.
Kostenfreie Veröffentlichung: Hausarbeit, Bachelorarbeit, Diplomarbeit, Dissertation, Masterarbeit, Interpretation oder Referat jetzt veröffentlichen!

