Magisterarbeit, 2009
118 Seiten, Note: 1,7
1 Einführung ins Thema
1.1 Europäischer Diskurs
1.2 Forschungsinteresse, Zielsetzung und Methode
1.3 Aufbau der Arbeit
2 Kognitiver Metaphernansatz
2.1 Metaphorisches Konzept
2.2 Kognitive Wissensstrukturen
2.3 Kulturelle Kohärenz
2.4 Wirklichkeitskonstituierende Funktion der Metapher
2.5 Gründe für eine kognitiv basierte Methode
3 Metaphern im internationalen politischen Diskurs
3.1 Diskursdefinition
3.2 Mehrdeutigkeit der Metapher
3.3 Entwicklung einer Metapherbedeutung
4 Methode zum Erforschen der Metaphern im Korpus
4.1 Kategorisierung von Metaphern
4.2 Erkennen der Metaphern
4.3 Szenario-Kategorie
4.4 „argumentation-by-metaphor“
4.4.1 Metaphorische Schlussfolgerung
4.4.2 Metaphorische Analogien
4.4.3 Szenario und analoge Schlussfolgerung
4.4.4 Szenario-Argument-Analyse
4.5 Interpretation der Metapher
4.5.1 Kognitive und semantische Interpretation
4.6 Offene und geschlossene Szenarien
5 Untersuchungskorpus
5.1 Quelle
5.2 Thema
5.3 Zeitraum
6 Politische Ereignisse
7 Metaphernkategorien
8 Bewegung-, Weg- und Transport-Metaphern
8.1 Grundlegende Konzepte
8.2 Grundlegende Szenarien
8.3 Argumente basierend auf dem Bewegung-Weg-Szenario
8.3.1 Deutsche Presse
8.3.2 Bulgarische Presse
8.3.2.1 Zeitung Duma
8.3.2.2 Zeitung Ataka
8.4 Argumente basierend auf dem Transport-Szenario
8.5 Einstellungen basierend auf dem Bewegung-, Weg- und Transport-Szenario
9 Haus-Metaphorik
9.1 Rückkehr ins europäische Haus
9.2 Haus-Präsuppositionen
9.3 Tür-Präsuppositionen
9.4 Die Rolle Bulgariens im europäischen Haus
9.5 Typische argumentative Tendenzen
10 Beziehungsmetaphorik
10.1 Familie-Metapher
10.1.1 Revidierung der Hypothese
10.2 Nachbar-Metapher
10.3 Club-Metapher
10.3.1 Der Club der Reichen
10.3.2 Diskursive Strategien
11 Ergebnisse und Schlussfolgerungen
11.1 Kognitive Aspekte
11.2 Kulturelle Aspekte
11.3 Diskursive Aspekte
11.4 Kritik der Methode
11.5 Ausblick
12 Literaturverzeichnis
Diese Magisterarbeit untersucht die Metaphorik im politischen Diskurs über die europäische Erweiterung, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf dem Vergleich zwischen der bulgarischen und der deutschen Presselandschaft liegt. Ziel ist es, durch eine kognitive Metaphernanalyse aufzudecken, wie politische Akteure durch metaphorische Konzepte Einstellungen zur EU und zu den Beitrittskandidaten konstruieren und rechtfertigen.
1.1 Europäischer Diskurs
Am 15.06.2004 wurden die Verhandlungen über einen Beitritt Bulgariens mit der EU abgeschlossen und Bulgarien unterzeichnete am 25.04.2005 den Beitrittsvertrag (Gruner/Woyke: 2008). Meiner eigenen Beobachtungen der Presselandschaft nach tritt Bulgarien seitdem verstärkt der europäischen „multinational and multilingual discourse community“ (Musolff 2004: 5) bei. Im bulgarischen Diskurs zeigt sich seitdem eine extreme Polarisierung der nationalen Parteien in ein „europafeindliches“ (Süddeutsche Zeitung, 21.12.06) und ein pro-europäisches politisches Lager. Die kontroversen Diskussionen zwischen den nationalen Parteien spitzen sich mit dem EU-Beitritt Bulgariens am 01.01.2007 zu. Der bulgarische Präsident Georgi Parwanov nannte den Beitritt „göttlicher Augenblick“, die Opposition dagegen behauptet, dass Generationen von Bulgaren den hohen Preis für die Mitgliedschaft bezahlen würden. Daher ist die Erforschung der bulgarischen Presse im Rahmen dieser Arbeit von besonderem Interesse, da EU-Befürworter und EU-Gegner in heftigen politischen Debatten aufeinandertreffen.
Die Unterschiede zur Europäischen Union sehen im deutschen Diskurs einheitlicher aus: Insgesamt gesehen, stehen die Parteien in Deutschland (zumindest, die im Bundestag vertretenen) dem Konzept der weiteren europäischen Integration positiv gegenüber. Zahlreiche Untersuchungen zur europäischen Metaphorik (Schäffner: 1990, 1996; Musolff: 2000, 2003, 2004) belegen kaum gegensätzliche Haltungen zur europäischen Erweiterung innerhalb der deutschen Parteilandschaft. Darüber hinaus wirft die deutsche Ratspräsidentschaft im ersten Halbjahr 2007 in dieser Arbeit die Frage auf, wie sich dieses politische Ereignis auf die nationalen Einstellungen zur europäischen Erweiterung auswirkt.
Die Unterschiede in den nationalen politischen Einstellungen schlagen sich in den Metaphernkonzepten des europäischen Diskurses nieder (Schäffner 1996: 151): Europe is very often not yet seen as a unity, but rather as a conglomerate (diversity) than in commonalities (unity). With regard to political discourse, this would imply that fundamentally there are as many discourses as there are political unities, and that any talk of a 'European discourse' would be a mere abstraction. (Schäffner/Musolff/Townson 1996: 10).
1 Einführung ins Thema: Die Einleitung legt den Grundstein für die Untersuchung der europäischen Erweiterungsthematik in der bulgarischen und deutschen Presse.
2 Kognitiver Metaphernansatz: Dieses Kapitel erläutert die theoretischen Grundlagen der Metaphernforschung, insbesondere den kognitiven Ansatz von Lakoff und Johnson.
3 Metaphern im internationalen politischen Diskurs: Hier wird die Rolle von Metaphern als Werkzeuge in politischen Diskursen sowie deren Mehrdeutigkeit und Entwicklung diskutiert.
4 Methode zum Erforschen der Metaphern im Korpus: Das Kapitel beschreibt das methodische Vorgehen, von der Identifikation über die Kategorisierung bis zur Analyse von Metaphern als Argumentationsmittel.
5 Untersuchungskorpus: Hier werden die Auswahlkriterien für die untersuchten bulgarischen und deutschen Zeitungen sowie der festgelegte Untersuchungszeitraum erläutert.
6 Politische Ereignisse: Dieses Kapitel fasst die zentralen politischen Meilensteine des bulgarischen EU-Beitritts sowie die Rolle der deutschen Ratspräsidentschaft zusammen.
7 Metaphernkategorien: Das Kapitel präsentiert die quantitativen und qualitativen Ergebnisse der Identifikation verschiedener Metaphern-Ursprungsdomänen.
8 Bewegung-, Weg- und Transport-Metaphern: Eine detaillierte Analyse der häufigsten Metapherngruppe, die den EU-Beitritt als Prozess auf einem Weg darstellt.
9 Haus-Metaphorik: Untersuchung der weit verbreiteten Metaphorik des europäischen Hauses und wie diese kulturell unterschiedlich gedeutet wird.
10 Beziehungsmetaphorik: Analyse der Darstellung der EU als Familie, Nachbarschaft oder Club und der damit verknüpften sozialen Identitäten.
11 Ergebnisse und Schlussfolgerungen: Eine zusammenfassende Reflexion der gewonnenen Erkenntnisse hinsichtlich kognitiver, kultureller und diskursiver Aspekte.
Europäische Erweiterung, Metaphernanalyse, kognitive Linguistik, politischer Diskurs, bulgarische Presse, deutsche Presse, EU-Beitritt, Ursprungsdomänen, Szenarioanalyse, Argumentation, interkulturelle Kommunikation, Haus-Metaphorik, Weg-Metaphorik, Familienmetapher, Club-Metapher.
Die Arbeit untersucht, wie der Prozess der europäischen Erweiterung in bulgarischen und deutschen Medien durch den gezielten Einsatz von Metaphern dargestellt und politisch gerahmt wird.
Im Zentrum stehen die Metaphorik von Bewegung und Weg, das Haus-Szenario sowie Beziehungsmetaphern wie Familie und Club im Kontext der EU-Integration.
Das Ziel ist es, kulturelle Unterschiede in der Wahrnehmung der EU aufzudecken und zu zeigen, wie metaphorische Konzepte genutzt werden, um politische Entscheidungen und ideologische Standpunkte zu legitimieren.
Es wird eine kognitive Metaphernanalyse nach Ansätzen von Lakoff, Johnson und Musolff angewandt, ergänzt durch diskursanalytische Aspekte zur Untersuchung des Korpus.
Der Hauptteil analysiert die identifizierten Metapherngruppen (Bewegung, Haus, Beziehungen) anhand konkreter Zeitungsbeispiele und diskutiert die argumentativen Funktionen dieser Sprachbilder.
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Europäische Erweiterung, kognitive Linguistik, Diskursanalyse, politische Metaphorik und interkultureller Vergleich beschreiben.
Die Arbeit zeigt, dass bulgarische Medien stärker zwischen pro-europäischen und eurokritischen Narrativen polarisieren, während deutsche Medien ein eher konsensuales Bild der EU zeichnen.
Das "Haus-Szenario" wird in Bulgarien intensiv genutzt, um den Beitritt als "Rückkehr" in einen bereits bekannten europäischen Raum zu konstruieren und die eigene Position innerhalb dieses Hauses neu zu definieren.
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