Bachelorarbeit, 2013
46 Seiten, Note: 1,3
1. Einleitung
2. Theorie und Terminologie der Sprachkontaktforschung
2.1 Zur verwendeten Terminologie
2.2 Ursachen des Sprachkontakts
3. Der französisch-russische Sprachkontakt im 18. Jahrhundert
3.1 Sprachliche Vorgeschichte
3.2 Sprachliche Entwicklungen im 18. Jahrhundert
3.3 Politische und gesellschaftliche Situation im 18. Jahrhundert
3.3.1 Peter der Große (Regierungszeit 1682-1725)
3.3.2 Elisabeth (Regierungszeit 1741-1762)
3.3.3 Katharina II. (Regierungszeit 1762-1796)
3.3.4 Französische Aufklärung und Revolution
4. Französische Lehnwörter im Russischen
4.1 Zur Problematik des Entlehnungsprozesses
4.2 Entlehnungsprozesse
4.2.1 Graphische Integration
4.2.2 Phonetische Integration
4.2.3 Semantische Integration
4.2.4 Morphologische Integration
4.2.5 Lexikalische Integration
4.3 Zur Intensität des Sprachkontakts
4.4 Klassifikation der Gallizismen
5. Fallstudie: Puškins ‚Evgenij Onegin‘
5.1 Zur Person und Bedeutung Puškins
5.2 Inhalt ‚Evgenij Onegin’
5.3 (Stilistische) Funktionen der Gallizismen in ‚Evgenij Onegin‘
5.3.1 Gallizismen als Spiegel der Bildung
5.3.2 Gallizismen und Gender im Werk
5.3.3 Gallizismen als Mittel zur Meinungsäußerung
5.3.4 Puškins Leserschaft
5.3.5 Gallizismen dienen der Darstellung von Humor
5.3.6 Barbarismen: Stilbildendes Mittel
5.3.7 Semantische Kalkierungen
6. Schlussbetrachtung
Die Arbeit untersucht den sprachlichen Einfluss des Französischen auf das Russische im 18. und frühen 19. Jahrhundert, analysiert die begünstigenden historischen sowie sozialen Faktoren und erforscht die Folgen für die Entwicklung der russischen Sprache, unter besonderer Berücksichtigung von Alexander Puškins Werk ‚Evgenij Onegin‘.
Die extralinguistischen Faktoren sind historischer, kultureller, sozialer und psychologischer Natur.
Jedes noch so distanzierte und isoliert lebende Volk trat im Laufe der Geschichte in Kontakt mit anderen Nationen und deren Sprachen, zum Beispiel um Handel zu treiben. Durch den dabei entstandenen Austausch gelangten Neuerungen in Form von Ideen und Gegenständen in die Kultur des Handelspartners. Diese mussten nun mit dem zur Verfügung stehenden Vokabular der eigenen Sprache benannt werden. Da es jedoch häufig keine sprachliche Entsprechungen gab, wurden diese Neuerungen oft einfach mit ihrer Bezeichnung aus der Fremdsprache übernommen, sie wurden also entlehnt. Diese neuen Lexeme verankerten sich in der Sprache des Rezipienten durch mehrere Mechanismen, deren Untersuchung Gegenstand von Kapitel 4 sein wird.
Es gibt jedoch noch weitere außersprachliche Gründe für den Sprachkontakt. Die Überlegenheit einer Kultur gegenüber einer anderen in einem bestimmten Bereich bezeichnet die SK-Forschung als ‚Kultursubstrat‘. Um diesen Terminus zu veranschaulichen: Auf der internationalen Bühne gab es in der Geschichte immer ein Land, das sich auf einem Gebiet besonders hervortat und somit nachahmenswert für andere wurde. So waren in Europa in den vergangenen Jahrhunderten Frankreich und England die führenden Nationen. Während sich England im technischen Bereich durch die Industrialisierung auszeichnete, war Frankreich für europäischen Gesellschaften, also in kultureller Hinsicht der Taktgeber. Die Folge, dass ein Volk den anderen Völkern einen Schritt voraus ist, wird als Fortschritt betrachtet und dieser wird für die anderen begehrenswert, sodass sprachliche und kulturelle Erscheinungen gerne nachgeahmt werden. Dieses Phänomen ist psychologischer Natur und lässt sich beispielsweise in der Mode nachweisen.
1. Einleitung: Die Einleitung steckt den zeitlichen Rahmen und die zentrale Forschungsfrage ab, wobei der Fokus auf dem Einfluss des Französischen auf das Russische im 18. und frühen 19. Jahrhundert liegt.
2. Theorie und Terminologie der Sprachkontaktforschung: Dieses Kapitel definiert die grundlegenden Begriffe der Kontaktlinguistik und erläutert die verschiedenen Ursachen für Sprachkontakte zwischen Völkern.
3. Der französisch-russische Sprachkontakt im 18. Jahrhundert: Hier werden die historischen, politischen und gesellschaftlichen Bedingungen im Russischen Reich analysiert, die den intensiven Einfluss der französischen Kultur und Sprache ermöglichten.
4. Französische Lehnwörter im Russischen: Das Kapitel widmet sich detailliert den linguistischen Anpassungsprozessen, die französische Lehnwörter bei ihrer Integration in das russische Sprachsystem durchlaufen.
5. Fallstudie: Puškins ‚Evgenij Onegin‘: Anhand von Puškins berühmtem Werk wird exemplarisch untersucht, welche stilistischen Funktionen die verwendeten Gallizismen innerhalb der russischen Literatur übernehmen.
6. Schlussbetrachtung: Das Fazit fasst die Erkenntnisse zusammen und bestätigt die zentrale Rolle des Adels und der Reformen für die Evolution der modernen russischen Standardsprache.
Sprachkontakt, Gallizismen, Lehnwörter, Russisch, Französisch, 18. Jahrhundert, Alexander Puškin, Evgenij Onegin, Sprachintegration, Entlehnungsprozesse, Kulturtransfer, Sprachwandel, Mehrsprachigkeit, Sprachsoziologie, Standardsprache.
Die Arbeit analysiert den historisch gewachsenen Einfluss der französischen Sprache auf das Russische während des 18. und frühen 19. Jahrhunderts.
Die zentralen Themen sind Sprachkontaktphänomene, historische Modernisierung Russlands unter dem Zarenhof sowie die Integration von Fremdwörtern in ein neues Sprachsystem.
Ziel ist es zu ergründen, welchen sprachlichen Einfluss das Französische ausübte, welche Faktoren diese Entwicklung begünstigten und wie sich dies konkret auf das Russische auswirkte.
Die Arbeit nutzt die Kontaktlinguistik als theoretisches Fundament und kombiniert historische Analysen mit einer linguistischen Untersuchung der Assimilationsprozesse sowie einer literaturwissenschaftlichen Fallstudie.
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der politischen Rahmenbedingungen der Zarenherrschaft, die systematische linguistische Analyse der Lehnwortassimilation und eine spezifische Untersuchung der Gallizismen bei Puškin.
Die Charakteristika der Arbeit liegen in Begriffen wie Sprachkontakt, Gallizismen, Entlehnungsprozesse, Sprachwandel und kulturhistorischem Kontext.
Der Adel fungierte als Trägerschicht, die aus Prestigegründen und zur sozialen Distanzierung vom einfachen Volk den französischen Lebensstil und die französische Sprache aktiv adoptierte.
Die Revolution erzeugte eine Fluchtwelle französischer Aristokraten nach Russland, was den direkten Kontakt und damit die Französisierung der russischen Elite weiter verstärkte.
Während der Adel Gallizismen oft kritiklos zur bloßen Abgrenzung nutzte, setzte Puškin sie gezielt und stilistisch reflektiert ein, um Authentizität, Komik oder philosophische Kürze in seiner Sprache zu erzeugen.
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