Doktorarbeit / Dissertation, 2004
217 Seiten, Note: "-"
1. EINFÜHRUNG
1.1 Problemstellung
1.2 Literaturübersicht
1.2.1 Modelltypen
1.2.2 Deduktive Modelle
1.2.2.1 Grundlegende Wellentheorien
1.2.2.2 Angewandte Wellentheorien
1.2.3 Induktive Modelle
1.3 Motivation
1.4 Inhaltsübersicht
2. VERSUCHSANLAGE
2.1 Einleitung
2.2 Physikalisches Modell
2.2.1 Dimensionsanalyse
2.2.2 Modellähnlichkeit nach Froude
2.2.3 Viskosität
2.2.4 Oberfächenspannung
2.2.5 Kompressibilität
2.3 Wellenkanal
2.4 Modellgranulat
2.5 Messgeräte und Methoden
2.5.1 Allgemeines
2.5.2 Pneumatischer Rutschgenerator
2.5.3 Kapazitive Wellenpegel (CWG)
2.5.4 Laserdistanzsensoren (LDS)
2.5.4.1 Funktionsprinzip
2.5.4.2 Messung der Rutschmächtigkeit
2.5.4.3 Messung der Rutschgeschwindigkeit
2.5.5 Particle Image Velocimetry
2.5.5.1 Allgemeines
2.5.5.2 Laserlichtschnitt
2.5.5.3 Tracerpartikel
3. EXPERIMENTELLE RESULTATE
3.1 Einleitung
3.2 Maximale Amplitude
3.2.1 Ausgewählter Datensatz
3.2.1.1 Übersicht
3.2.1.2 Geschwindigkeitseffekt
3.2.1.3 Effekt der Rutschmächtigkeit
3.2.1.4 Einfluss der Rutschmasse
3.2.2 Relative Grössen
3.2.2.1 Einleitung
3.2.2.2 Eintauch-Froudezahl
3.2.2.3 Relative Rutschmächtigkeit
3.2.2.4 Relative Rutschdichte
3.2.2.5 Verdrängungszahl
3.2.2.6 Mehrfachkorrelation
3.2.3 Vollständiger VAW-Datensatz
3.2.3.1 Einleitung
3.2.3.2 Relative Maximalamplitude
3.3. Amplitudenverlauf
3.3.1 Bedeutung
3.3.2 Normierte Relativ-Amplitude
3.3.3 Anpassung der Amplitudenverhältnisse
3.3.4 Skalierung der Propagationsdistanz
3.3.5 Distanzabhängige Amplitudenkorrelation
3.3.5.1 Charakteristische Relativamplitude
3.3.5.2 Produktparameter
3.3.5.3 Grenzwertbestimmung
4. DISKUSSION DER RESULTATE
4.1 Einleitung
4.2 Anwendung der Resultate
4.2.1 Wellengenerationszone
4.2.2 Wellengenerationstypen
4.2.2.1 Überblick
4.2.2.2 Auswärts kollabierender Einschlagskrater
4.2.2.3 Rückwärts kollabierender Einschlagskrater
4.2.2.4 Kompakte Zweiphasenströmung
4.2.3 Dichteeffekt
4.2.3.1 Allgemeines
4.2.3.2 Sinkende Rutschkörper
4.2.3.3 Auftriebsbehaftete Rutschkörper
4.2.4 Wellentypen
4.2.4.1 Klassifikation
4.2.4.2 Schwallwelle
4.2.4.3 Übergangswelle
4.2.4.4 Oszillatorische Welle
4.2.4.5 Solitärwelle
4.3 Theoretische Betrachtung
4.3.1 Impulssatz
4.3.1.1 Anwendbarkeit
4.3.1.2 Impulsübertragung
4.3.1.3 Wellengeschwindigkeit
4.3.1.4 Dichte-Froudezahl
4.3.1.5 Mächtigkeits-Froudezahl
4.3.2 Einschränkungen
4.4 Vergleich mit Prototyp
4.4.1 Vierwaldstättersee
4.4.2 Lituya Bay
4.4.3 Vaiont
4.5 Modellvergleiche
4.5.1 Allgemeine Betrachtungen
4.5.2 Keilförmige Rutschkörper
4.5.3 Quaderförmige Rutschkörper
4.5.3.1 Allgemeines
4.5.3.2 Wellengenerierung
4.5.3.3 Relative Amplitudendifferenzen
4.5.3.4 Wellenprofile
5. SCHLUSSFOLGERUNGEN
5.1 Zusammenfassung der Resultate
5.2 Ausblick
Die Arbeit untersucht die durch Erdrutsche generierten Impulswellen in Stauseen und Seen, um das Gefahrenpotenzial dieser Phänomene besser einzuschätzen. Das primäre Ziel ist die Herleitung von Dimensionierungsgleichungen basierend auf physikalischen Modellversuchen, die verschiedene Rutschparameter wie Dichte, Geschwindigkeit und Mächtigkeit in einem zweidimensionalen Wellenkanal analysieren.
1.1 Problemstellung
Impulswellen sind Schwerewellen, die sich über eine freie Wasseroberfläche hinweg ausbreiten. Sie werden von dynamischen Massenbewegungen über oder unter der Wasseroberfläche verursacht. Die primären Ursachen für die Entstehung von Impulswellen sind bewegte Gesteinsmassen bei Bergrutschen und Felsstürzen sowie Schneelawinen und Gletscherkalbungen, die schlagartig in einen ruhenden Wasserkörper eintauchen. Auf den Ozeanen sind zerstörerische Gravitationswellen, welche durch impulsartige Vorgänge erzeugt werden, als Tsunami (jap. = „Hafendammwelle“) bekannt. Tsunami werden hauptsächlich durch unterirdische Seebeben, Vulkanexplosionen oder Meteoriteneinschläge an der Meeresoberfläche verursacht. Während Tsunami auf offener See Wellenlängen von mehreren 1′000 m aufweisen können, ist ihre Wellensteilheit im tiefen Wasser relativ gering, weswegen sie oft erst im Auflaufbereich erkannt werden. Hier können sich Tsunami allerdings auf Höhen von bis zu 30 m auftürmen und besitzen daher ein entsprechend hohes Schadenspotenzial.
In alpinen Regionen treten Impulswellen vorzugsweise in postglazialen Alpenrandseen mit einer statistischen Wiederkehrperiode von ca. 10 Jahren auf (Huber, 1982). Oft grenzen die Ufer dieser Alpenrandseen an steile Fels- oder Hangpartien, welche aufgrund von Temperaturschwankungen, Erdbeben oder Starkniederschlägen in Bewegung gesetzt werden. Nebst den dadurch bewirkten Felsstürzen und Hangrutschungen treten nicht selten katastrophale Lawinenniedergänge oder Gletscherabbrüche in unmittelbar benachbarte Toteisseen oder Stauhaltungen auf. Die dadurch generierten Impulswellen breiten sich rasch über das stillstehende Gewässer aus und können zur Überschwappung von Staudämmen oder im Extremfall gar zu verheerenden Dammbrüchen führen. Impulswellen werden während der Propagation über eine freie Wasseroberfläche kaum gedämpft. Bei abnehmenden Wassertiefen im gegenüberliegenden Uferbereich oder infolge konvergierender Seebuchten nehmen die Gravitationswellen sogar an Höhe zu, wodurch ausgedehnte Ufergebiete überschwemmt werden können (Müller, 1995).
Weltweit sind bei erdrutschgenerierten Wasserwellen in Norwegen, Italien, Japan, Alaska und zahlreichen anderen Orten wahrscheinlich insgesamt mehr als 20'000 Menschen ums Leben gekommen (Slingerland and Voight, 1982). Erdrutschgenerierte Impulswellen besitzen folglich ein bedeutendes Gefahrenpotenzial, das durch detaillierte Untersuchungen der rutschbedingten Merkmale dieser Wasserwellen abgeschätzt werden muss.
1. EINFÜHRUNG: Diese Einleitung beschreibt die Problematik von Impulswellen durch Massenbewegungen, zeigt historische Beispiele und erläutert die Relevanz der Untersuchung für den Wasserbau.
2. VERSUCHSANLAGE: Dieses Kapitel erläutert das physikalische 2D-Modell, die Messtechnik (CWG, LDS, PIV) und die Durchführung der Versuche mit verschiedenen Rutschmaterialien.
3. EXPERIMENTELLE RESULTATE: Hier werden die Ergebnisse der Modellversuche präsentiert, insbesondere die Zusammenhänge zwischen den Rutschparametern und der maximalen Wellenamplitude.
4. DISKUSSION DER RESULTATE: In diesem Kapitel werden die Ergebnisse analysiert, Wellengenerationstypen klassifiziert und die Resultate mit Prototypen aus der Natur verglichen.
5. SCHLUSSFOLGERUNGEN: Das abschließende Kapitel fasst die wesentlichen Erkenntnisse zusammen und gibt einen Ausblick auf zukünftigen Forschungsbedarf.
Impulswellen, Erdrutsche, Wellengenerierung, Wellenpropagation, Wasserbau, physikalisches Modell, Froude-Ähnlichkeit, Particle Image Velocimetry, Wellenamplitude, Stauhaltung, Rutschdynamik, Naturgefahr, Tsunami, Wellentypen, Wellendämpfung.
Die Arbeit befasst sich mit der Entstehung und Ausbreitung von Impulswellen, die durch den plötzlichen Eintritt von Gesteinsmassen (Bergrutsche, Erdrutsche) in ruhende Gewässer wie Stauseen entstehen.
Zentral sind die physikalischen Gesetzmäßigkeiten der Wellengenerierung, die Faktoren für die maximale Wellenamplitude sowie die Ausbreitung (Propagation) dieser Wellen im Nahfeld der Eintauchstelle.
Das Hauptziel ist die Herleitung von empirischen Dimensionierungsgleichungen, die es ermöglichen, das Gefahrenpotenzial von Rutschereignissen für Staudämme und Uferzonen präzise vorherzusagen.
Es wird ein zweidimensionales physikalisches Modell verwendet, in dem Rutschungen unter kontrollierten Bedingungen simuliert werden. Dabei kommen modernste optische Messverfahren wie PIV (Particle Image Velocimetry) zur Strömungsanalyse zum Einsatz.
Der Hauptteil behandelt die experimentellen Versuchsaufbauten, die systematisierte Auswertung der Daten sowie die Diskussion der Ergebnisse im Kontext bestehender Wellentheorien und physikalischer Erhaltungsgesetze (z.B. Impulssatz).
Die Arbeit lässt sich am besten mit Begriffen wie Impulswellen, Erdrutsch, Wellengenerierung, physikalisches Modell und Stauhaltung beschreiben.
Durch den Einsatz eines pneumatischen Rutschgenerators konnte die Dynamik des Eintauchprozesses präziser erfasst werden als bei früheren Modellen, was zur Klärung widersprüchlicher Ergebnisse führte.
Die Dichte beeinflusst massgeblich den Eintauchvorgang und die Art der Wellenbildung, insbesondere ob ein luftgefüllter Einschlagskrater entsteht oder eine kompakte Strömungsform dominiert.
Die abgeleiteten Dimensionierungsgleichungen dienen Planern von Wasserbauwerken dazu, die Sicherheitsanforderungen für Freiborde an Stauseen besser zu dimensionieren und das Risiko von Überschwappereignissen korrekt einzuschätzen.
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