Essay, 2000
31 Seiten
Philosophie - Theoretische (Erkenntnis, Wissenschaft, Logik, Sprache)
Text
Konstruktion
Textkonstruktion
Hypertext
Der Hypertexter als Text-Konstrukteur
Die vermeintliche Hypertext-Paradoxie
Das externe Gedächtnis
Eigenzustände ...
... und deren Beschreibung
Die systemische Funktion von Text
Kohärenz
Hypertext als (individuelles) Paradigma
Operationelle Schliessung
Text versus Sprache und Denken
Und schliesslich doch noch Kommunikation
... im (Hyper)leser
... und zwischen Menschen
Hyperkommunikation
Das Sprachspiel
Die vorliegende Arbeit untersucht die konstruktivistische Perspektive auf Text und Hypertext, wobei die materielle Beschaffenheit von Texten als Basis für kognitive und systemische Prozesse herausgestellt wird. Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Hypertexte die traditionelle Kommunikation sowie unser Verständnis von Textkonstruktion und Wissensbildung transformieren.
Die vermeintliche Hypertext-Paradoxie
Text als Mitteilung zu interpretieren, führt bei Hypertext zu einer paradoxen Situation: Der Hyperautor macht mit seinen Texten keine Mitteilung, denn er produziert ja nur das Hypervokabular. Der Hyperleser produziert zwar (Hypertext)-Texte, aber er macht natürlich auch keine Mitteilung, es sei denn eine Mitteilung an sich selbst, denn er selbst liest ja den Text, den er selbst produziert. Der Hyper-Leser liest, was er sich aus den Elementen zusammenschreibt. Damit ist auf einer materiellen Ebene evident, dass wir „sehen“, was wir konstruieren.
Wer Hypertext oder Hypertext-Text produziert, verfolgt damit sicher eine Absicht, aber offensichtlich eine Absicht, die sich nicht leicht als Übermittlung oder Mitteilung von Bedeutung charakterisieren lässt.
Die Funktion von Hypertext kann mit dem traditionellen Sender-Empfänger-Modell nicht adäquat beschrieben werden, und zwar nicht deshalb nicht, weil - wie allenthalben bekannt ist - (auch mittels Text erzeugte) Signale keine Inhalte übertragen, sondern weil die Hypertext-Handlungsstruktur sich dem Kommunikationsmodell mit zwei Instanzen auf einer generelleren Ebene entzieht.
Text: Definiert Text als materielles, durch Grammatik generiertes Artefakt, unabhängig von einer mentalistischen Interpretation.
Konstruktion: Erläutert den Begriff der Konstruktion sowohl als Prozess des Zusammenfügens als auch als resultierendes Artefakt.
Textkonstruktion: Beschreibt die handwerklichen und technologischen Bedingungen der Textentstehung und das Konzept des Kopierens vs. Verweisens.
Hypertext: Führt Hypertext als Textgrundlage ein, bei der der Leser den Lesepfad durch die Verknüpfung von Texteinheiten selbst generiert.
Der Hypertexter als Text-Konstrukteur: Analysiert die Doppelrolle des Hypertexters als Hyperleser und Hyperautor bei der aktiven Generierung von Texten.
Die vermeintliche Hypertext-Paradoxie: Hinterfragt die Anwendbarkeit des klassischen Kommunikationsmodells auf Hypertext-Strukturen.
Das externe Gedächtnis: Erörtert die Funktion von Text als Artefakt zur Unterstützung kognitiver Prozesse und zur Beeinflussung des eigenen Erlebens.
Eigenzustände ...: Untersucht, wie Texte als externe Gedächtnisse wirken, indem sie spezifische neuronale Zustände beim Leser repräsentieren.
... und deren Beschreibung: Reflektiert die Materialität von Texten als notwendige Bedingung, um über innere Zustände sprechen zu können.
Die systemische Funktion von Text: Erklärt die Funktion von Text als Werkzeug zur Ausdifferenzierung von Eigenzuständen des Nervensystems.
Kohärenz: Bestimmt Konsistenz als notwendige, vom Hypertexter definierte Regel für die Validität von Hypertextelementen.
Hypertext als (individuelles) Paradigma: Betrachtet Hypertext als Disziplinierungsinstrument für das sprachlich-grammatikalische Paradigma.
Operationelle Schliessung: Beschreibt Hypertexte als in sich geschlossene Systeme, deren Verständnis durch Zirkularität und Paraphrasierung geprägt ist.
Text versus Sprache und Denken: Differenziert zwischen physikalischen Signalprozessen bei der Sprachproduktion und der Bedeutung von Texten.
Und schliesslich doch noch Kommunikation: Untersucht Kommunikation als strukturelle Koppelung unter Verwendung des Modells kommunizierender Gefäße.
... im (Hyper)leser: Beschreibt die interne Kommunikation des Lesers zur Reduktion von Spannungen beim Lesen.
... und zwischen Menschen: Thematisiert die Grenzen der Kommunikation, bei der das Verstehen an den individuellen Anschluss an den Text gebunden ist.
Hyperkommunikation: Definiert die kollaborative Erstellung von gemeinsamen Hypertexten als Prozess, der den kollektiven Autor konstituiert.
Das Sprachspiel: Verknüpft die Überlegungen mit Wittgensteins operationaler Semantik und betont das Zusammenfinden durch Textproduktion.
Konstruktivismus, Hypertext, Textkonstruktion, Hyperleser, Kommunikation, Materielle Artefakte, Externe Gedächtnisse, Systemische Funktion, Eigenzustände, Hyperkommunikation, Strukturelle Koppelung, Operationelle Schliessung, Sprache, Bedeutung, Wissenskonstruktion
Die Arbeit beleuchtet aus einer konstruktivistischen Perspektive, wie Texte und Hypertexte materiell konstruiert sind und welche Funktion sie in unseren kognitiven und sozialen Prozessen übernehmen.
Die Schwerpunkte liegen auf der Materialität von Texten, der Rolle von Hypertexten als Werkzeuge zur Strukturierung von Wissen sowie der Analyse von Kommunikation als strukturelle Koppelung.
Das Ziel ist es, den Begriff der Konstruktion innerhalb des konstruktivistischen Diskurses zu klären und aufzuzeigen, dass Hypertexte kein geistiges, sondern ein materielles Konstruktionsphänomen darstellen.
Die Arbeit stützt sich auf eine theoretische Analyse konstruktivistischer Ansätze, insbesondere unter Einbeziehung der Theorien von Heinz von Foerster, Humberto Maturana und Ernst von Glasersfeld, um eine konstruktivistische Medientheorie für Hypertexte zu entwerfen.
Der Hauptteil behandelt die Entstehung von Texten, die Funktionen von Hypertexten, die Beziehung zwischen Leser, Autor und technischer Struktur sowie die sozialen Aspekte der Hyperkommunikation.
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Konstruktivismus, Hypertext, materielle Artefakte, Eigenzustände und strukturelle Koppelung charakterisiert.
Im Gegensatz zum konventionellen Leser, der einen meist sequenziellen Text rezipiert, agiert der Hyperleser als Produzent, der durch die Wahl der nächsten Textteile den zu lesenden Text physisch-materiell mitkonstruiert.
Das Modell ist unzureichend, weil es auf der Fehlannahme basiert, dass Signale Inhalte übertragen. Hypertext-Strukturen entziehen sich diesem Modell, da sie eher als strukturelle Koppelung zwischen Systemen fungieren, die eigene Energien zur Kompensation von Irritationen aufwenden.
Hyperkommunikation bezeichnet die kollaborative Arbeit an einem gemeinsamen Hypertext, bei der ein kollektiver Autor entsteht, der sich durch die gemeinsame Konstruktion eines Textartefaktes konstituiert.
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