Masterarbeit, 2008
116 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
1.1 Thema und Fragestellung
1.2 Forschungsstand
1.3 Auswahl und Analyse der Folgen
1.4 Aufbau der Untersuchung
2. Korrelationen zwischen Fernseh- und Außenrealität
2.1 Das Massenmedium Fernsehen: ein Agent der Geschlechtsrollenstereotypisierung
2.2 Der Fernsehkrimi: ein leicht adaptierbares, standardisiertes Erfolgsgenre
2.3 Der „Tatort“: eine Krimireihe mit programmatischen Leitlinien
3. Die Kommissarinnen im „Tatort“ und ihr Bruch mit tradierten Rollenmustern
3.1 Das Bild der Fernsehfrau in den 70er Jahren
3.2 Das Bild der Ermittlerinnen in den frühen Fernsehkrimis
3.2.1 Überblick zu den Fernsehkrimiserien der 60er und 70er Jahre
3.2.2 Zusammenfassung zu den Rollenmodellen der Serienheldinnen
3.3 Warum gelingt gerade den Kommissarinnen der Bruch?
3.3.1 Prinzipielle Eigenschaften einer Kommissarinnen-Figur
3.3.2 Orientierung an der Außenrealität aufgrund des Realitätsprinzips
a) Mehr Gleichberechtigung: Frauen bekommen Zugang zur Schutzpolizei
b) Formale Gleichberechtigung vs. „Token-Dynamik“
4. Erste Station: Pionierinnen Buchmüller und Wiegand
4.1 Figurengestaltung der Marianne Buchmüller
4.2 Figurengestaltung der Hanne Wiegand
4.3 Thematisierung des Geschlechterdiskurses
4.3.1 Beispiele bei Buchmüller
4.3.2 Beispiele bei Wiegand
4.4 Buchmüller und Wiegand: vorfeministische Ermittlertypen
5. Zweite Station: Der Durchbruch mit Odenthal
5.1 Figurengestaltung der Lena Odenthal
5.2 Neuerungen im Ermittlertyp: von der Krimi-Mutti zur „POLICE-Woman“
5.3 Lena Odenthal: der feministische Ermittlertyp
6. Dritte Station: Kommissarinnen-Boom der 90er Jahre
6.1 Lena Odenthal bekommt Verstärkung
6.2 Wie lässt sich der Kommissarinnen-Boom erklären?
6.3 Auswirkungen des dualen Rundfunksystems
6.4 Figurenbeispiele anderer TV-Ermittlerinnen
6.4.1 „Die Kommissarin“
6.4.2 „Rosa Roth“
6.4.3 „Bella Block“
6.4.4 „Doppelter Einsatz“
6.5 Figurengestaltung der Inga Lürsen
6.6 Inga Lürsen: Entwurf eines differenzierten Frauenbildes
6.7 Lürsen & Co: Modelle verschiedener Lebensstilkonzepte
6.7.1 Typenviefalt und „Ermittlergeschichten“
6.7.2 Typen-Vielfalt gleich Frauen-Vielfalt?
7. Vierte Station: Das neue Jahrtausend und die „Turbo-Power-Frau“
7.1 Die „zweite Welle“ der „Tatort“-Kommissarinnen: Blum, Sänger und Lindholm
7.2 Figurengestaltungen der „zweiten Welle“
7.2.1 Klara Blum
7.2.2 Charlotte Sänger
7.2.3 Charlotte Lindholm
a) Der „weibliche Columbo“ des NDR
b) Der NDR-„Landhauskrimi“
c) Charlotte Lindholm: erotische Einzelkämpferin und Mutter
7.3 Die Lindholm-Faszination
7.4 Typen- und Frauenvielfalt heute: starke Frauen, schwache Männer?
8. Gemeinsamkeiten der „Tatort“-Kommissarinnen
9. Schlussbetrachtung
Die vorliegende Masterarbeit untersucht die Entwicklung und Darstellung von weiblichen Ermittlertypen in der ARD-Krimireihe „Tatort“ von 1978 bis 2008. Ziel ist es, durch die Analyse ausgewählter Figurenkonzepte und deren Einbettung in den zeitgenössischen gesellschaftlichen Kontext aufzuzeigen, wie sich Rollenmodelle weiblicher Ermittlerinnen verändert haben und was diese Veränderungen über das gesellschaftliche Frauenbild der jeweiligen Zeit aussagen.
3.3.1 Prinzipielle Eigenschaften einer Kommissarinnen-Figur
Warum sich speziell Kommissarinnen-Figuren dazu eignen, veraltete Geschlechtermodelle aufzubrechen, findet sich vor allem in dem Aspekt, dass der Beruf der Kommissarin, Polizistin, Agentin oder Detektivin – anders als etwa der einer Lehrerin, Sekretärin oder Ärztin – an sich schon eine Überschreitung der traditionellen Geschlechtergrenzen verlangt. Der Verstoß gegen traditionelle Weiblichkeitsmuster ist hier Programm. So beschreiben Lindhoff und Bralant die Kommissarinnenfigur wie folgt:
Sie bewegt und behauptet sich in einer ‚harten‘, männlichen Sphäre. Sie hat Macht: Sie nimmt in dieser Sphäre eine ranghohe Stellung ein und hat oft Befehlsgewalt über einen ganzen Stab männlicher Mitarbeiter. Sie ist eine Jägerin: Beharrlich beobachtet und verfolgt sie ihre Beute, den zumeist männlichen Verbrecher, und bringt ihn schließlich siegreich zur Strecke. Und sie ist eine Kämpferin: Sie steht an der Frontlinie zwischen der gesellschaftlichen Ordnung und dem Verbrechen, das diese Ordnung bedroht. Sie muss in diesem Kampf zu ‚unweiblichen‘ Mitteln und Waffen greifen. Im Notfall muss sie sogar töten. Und doch ist und bleibt sie eine Frau. Sie gehört jenem in körperlicher wie emotionaler Hinsicht angeblich so schwachen Geschlecht an, das in Krimis bislang vor allem als Opfer vorkam, als bevorzugtes Objekt männlicher Gewalt.
Zusammengefasst ergeben sich als wichtigste Punkte, die der Kommissar-Beruf für eine Frau mit sich bringt, folgende: Die Frau arbeitet in einem hauptsächlich von Männern geprägten Berufsumfeld. Sie befehligt einen Stab hauptsächlich männlicher Mitarbeiter. Sie hat innerhalb des Polizeiapparats die Aufgabe einer Ordnungshüterin mit folgenden Kennzeichen zu erfüllen: Kontinuität, Berechenbarkeit, Standfestigkeit und Unbeirrbarkeit. Sie kann für die Herstellung der Ordnung zu den ihr dem Gesetze nach zur Verfügung stehenden Mitteln greifen, das heißt gegebenenfalls zu körperlicher Gewalt oder Waffen.
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Themenstellung ein, skizziert den Forschungsstand und beschreibt die methodische Vorgehensweise sowie den Aufbau der Untersuchung.
2. Korrelationen zwischen Fernseh- und Außenrealität: Dieses Kapitel erläutert, inwiefern das Fernsehen und speziell der Fernsehkrimi als soziales Forum fungieren und welche Wechselwirkungen zwischen fiktionaler Darstellung und gesellschaftlicher Wirklichkeit bestehen.
3. Die Kommissarinnen im „Tatort“ und ihr Bruch mit tradierten Rollenmustern: Eine Untersuchung der Ausgangslage: Welches Bild der Frau und der Polizistin existierte im Fernsehen der 60er und 70er Jahre, und warum bieten gerade Genre- und Tatort-spezifische Bedingungen die Möglichkeit zum Aufbrechen dieser Muster?
4. Erste Station: Pionierinnen Buchmüller und Wiegand: Eine Analyse der ersten „Tatort“-Kommissarinnen, ihrer Figurengestaltung, des Auftretens in einer Männerdomäne und der ersten Versuche, den Geschlechterdiskurs zu thematisieren.
5. Zweite Station: Der Durchbruch mit Odenthal: Dieses Kapitel widmet sich Lena Odenthal, ihrem Rollenverständnis als „POLICE-Woman“ und ihrer Funktion als Vorreiterin für nachfolgende Kommissarinnen.
6. Dritte Station: Kommissarinnen-Boom der 90er Jahre: Eine Betrachtung der massiven Zunahme von Ermittlerinnen in den 90er Jahren und der strukturellen Gründe im dualen Rundfunksystem.
7. Vierte Station: Das neue Jahrtausend und die „Turbo-Power-Frau“: Eine Analyse der „zweiten Welle“ (Blum, Sänger, Lindholm) und der Darstellung von Frauen im neuen Jahrtausend, die Arbeit, Familie und individuelle Lebensstilmodelle (post-feministisch) vereinen.
8. Gemeinsamkeiten der „Tatort“-Kommissarinnen: Eine Synthese der über alle Dekaden hinweg auftretenden Merkmale und Verhaltensstrukturen der Ermittlerinnen.
9. Schlussbetrachtung: Ein Resümee der Ergebnisse, das zeigt, wie der „Tatort“ ein Instrument der gesellschaftlichen Modernisierung bleibt und welche zukünftigen Entwicklungen sich abzeichnen.
Tatort, Kommissarin, Fernsehkrimi, Geschlechterrollen, Emanzipation, Token-Dynamik, Frauenbild, Medienanalyse, Rollenmodelle, Polizeiarbeit, Mimesis, Realitätsbezug, Identifikation, Weiblichkeit, Gender-Mainstreaming
Die Arbeit analysiert die Entwicklung der weiblichen Kommissarinnen-Figuren in der ARD-Reihe „Tatort“ von den Anfängen im Jahr 1978 bis zum Jahr 2008 und betrachtet dabei die Spiegelung gesellschaftlicher Veränderungsprozesse.
Die Themenfelder umfassen die mediale Konstruktion von Geschlechterstereotypen, die Rolle der Frauenbewegung im Fernsehen, sowie die Darstellung berufstätiger Frauen in einem traditionell männlich dominierten Umfeld.
Ziel ist es, die Evolution der Charakterprofile von Ermittlerinnen zu untersuchen und zu ergründen, welche Rahmenbedingungen und gesellschaftlichen Kontexte die Konzeption dieser Figuren maßgeblich geprägt haben.
Es handelt sich um eine medienwissenschaftliche Untersuchung, die film- und fernsehanalytische Methoden mit soziologischen Diskursanalysen zum Geschlechterwandel verknüpft.
Der Hauptteil ist chronologisch in vier „Stationen“ gegliedert, die die Entwicklung von den ersten Pionierinnen über den Durchbruch mit Lena Odenthal und den Boom der 90er Jahre bis zur „Turbo-Power-Frau“ des neuen Jahrtausends nachzeichnen.
Wichtige Begriffe sind „Tatort“-Kommissarinnen, Geschlechtsrollenstereotypisierung, Emanzipation, Token-Dynamik, mediale Repräsentation von Weiblichkeit und filmische Rollenkonzepte.
Im Gegensatz zu den Pionierinnen, die oft in traditionelle Rollenklischees zurückfielen oder sehr im Hintergrund agierten, markiert Odenthal den Durchbruch zur „POLICE-Woman“, die selbstbewusst körperlichen Einsatz zeigt und ihre eigene Identität als Einzelkämpferin definiert.
Die Einführung des Dualismus in den 80er Jahren führte zu einem stärkeren Wettbewerb um Zielgruppen. Da Frauen als wichtige Zuschauer entdeckt wurden, stieg der Bedarf an Identifikationsfiguren wie den weiblichen Kommissarinnen signifikant an.
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