Bachelorarbeit, 2019
57 Seiten, Note: 1,5
1. Einleitung
2. Das sprachliche Relativitätsprinzip
3. Sprache, Denken und Welt
4. Darstellung und Entstehung der Sapir-Whorf-Hypothese
4.1 Wilhelm von Humboldt
4.2 Edward Sapir
4.3 Benjamin Lee Whorf
5. Heutige kommunikative Bedeutung der Sapir-Whorf-Hypothese
5.1 Nichtsprachliche Konzeptualisierungen
5.2 Die sprachliche Beschreibung der Welt
5.3 Konklusion
6. Fazit
Die Arbeit untersucht die Sapir-Whorf-Hypothese, um deren reale Bedeutung für die heutige Kommunikation über die verbreitete Fehlinterpretation eines strikten Sprachdeterminismus hinaus zu bewerten.
4.1 Wilhelm von Humboldt
Das einflussreiche Sprachgenie Wilhelm von Humboldt rückte Anfang des 19. Jahrhunderts „die Natur der Sprache und ihre Beziehung auf den Menschen im Allgemeinen“ wieder in den Mittelpunkt der Wissenschaft. Sein stark philosophisch geprägtes und begründetes Konzept der Relativität, dessen These, trotz ihrer eher schwachen Formulierung, starke Ähnlichkeit zu den Worten Whorfs aufweist, ging zwar in der rapiden geisteswissenschaftlichen Entwicklung des 19. Jahrhundert zeitweilig unter, wurde dann aber unter Trier und Weißgerber Anfang der dreißiger Jahre wieder aufgelebt. In Anlehnung an den Begriff des ‚Organons‘ bezeichnet er die Sprache als ‚Energeia‘, als ‚Thätigkeit‘. Er stellte die dynamische Natur der Sprache als treibende und erzeugende Kraft der Gedanken dar und distanzierte sich gleichzeitig von der „statischen Auffassung der Sprache als ‚todtes Erzeugtes‘, als Werk (Ergon)“. Die Sprache ist also nicht einfach so da; sie wird nicht einfach erzeugt und stirbt dann ab, geht vorüber oder liegt dem Menschen tätigkeitslos vor. Sie ist mehr als das bloße phonetische Phänomen eines Lauts, der zeitweilig zwecks Kommunikation erzeugt wird und dann wieder verstummt. Sie lebt ständig in unserer Kognition fort, eine Reproduktion unserer Gedanken, ein wechselseitiger Prozess aus ‚Werk‘ (Ergon) und ‚Thätigkeit‘ (Energeia):
Die Sprache, in ihrem wirklichen Wesen aufgefasst, ist etwas beständig und in jedem Augenblicke Vorübergehendes. Selbst ihre Erhaltung durch die Schrift ist immer nur eine unvollständige, mumienartige Aufbewahrung, die es doch erst wieder bedarf, dass man dabei den lebendigen Vortrag zu verinnerlichen sucht. Sie selbst ist kein Werk (Ergon), sondern eine Thätigkeit (Energeia). Ihre wahre Definition kann daher nur eine genetische seyn. Sie ist nemlich die sich ewig wiederholende Arbeit des Geistes, den articulierten Laut zum Ausdruck des Gedanken fähig zu machen.
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Entstehung der Sapir-Whorf-Hypothese in der Öffentlichkeit und definiert das Ziel der Arbeit, diese kritisch neu zu bewerten und von Fehlinterpretationen abzugrenzen.
2. Das sprachliche Relativitätsprinzip: Dieses Kapitel erläutert die zentrale Stellung Benjamin Lee Whorfs bei der Formung des Relativitätsprinzips und thematisiert die Herausforderungen bei der Interpretation seiner oft impliziten und provokativen Thesen.
3. Sprache, Denken und Welt: Es wird die philosophische und methodische Problematik der Messbarkeit von Kognition diskutiert sowie das Verhältnis zwischen Sprache, Denken und der externen Weltgrundlage untersucht.
4. Darstellung und Entstehung der Sapir-Whorf-Hypothese: Das Kapitel liefert eine detaillierte Analyse der theoretischen Wegbereiter: Wilhelm von Humboldt (4.1), Edward Sapir (4.2) und Benjamin Lee Whorf (4.3), deren Ideen die Grundlage dieser linguistischen Strömung bilden.
5. Heutige kommunikative Bedeutung der Sapir-Whorf-Hypothese: Hier erfolgt eine Untersuchung, ob Sprache das Denken und die Weltwahrnehmung maßgeblich prägt (5.1) und wie unterschiedliche Sprachsysteme die räumliche Beschreibung beeinflussen (5.2), mündend in einer Konklusion (5.3).
6. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und stellt fest, dass Sprache zwar eng mit Denken verwoben ist, für den Aspekt der alltäglichen Kommunikation jedoch keine determinierende, bedeutungstragende Rolle spielt.
Sprachliche Relativität, Sapir-Whorf-Hypothese, Linguistischer Determinismus, Sprachphilosophie, Kognition, Weltbild, Benjamin Lee Whorf, Wilhelm von Humboldt, Edward Sapir, Sprachstruktur, Kommunikation, Konzeptualisierung, Semantik, Grammatik, Sprachdidaktik.
Die Arbeit analysiert die historische Entstehung und die inhaltliche Bedeutung der Sapir-Whorf-Hypothese, um zu klären, inwieweit Sprache das Denken determiniert und welche Auswirkungen dies auf die heutige Kommunikation zwischen Sprechern verschiedener Sprachen hat.
Die zentralen Themen umfassen die linguistischen und philosophischen Grundlagen des Relativitätsprinzips, die Einflüsse von Humboldt, Sapir und Whorf sowie die empirische Überprüfbarkeit der These vor dem Hintergrund aktuellerer kognitionswissenschaftlicher Erkenntnisse.
Das primäre Ziel ist es, die Sapir-Whorf-Hypothese von einer oft angenommenen, aber wissenschaftlich nicht haltbaren stark deterministischen Sichtweise zu lösen und zu prüfen, ob sie für den Aspekt der zwischenmenschlichen Kommunikation tatsächlich von Bedeutung ist.
Die Arbeit nutzt eine gründliche Betrachtung der Primär- und Sekundärliteratur, um die Thesen der Wegbereiter historisch korrekt einzuordnen und durch kontrastive Sprachvergleiche und aktuelle psycholinguistische Befunde zu hinterfragen.
Der Hauptteil gliedert sich in die philosophische Rückschau auf Humboldt, die ethnologisch geprägte Sprachforschung von Sapir und Boas sowie die detaillierten Sprachbeispiele von Whorf, gefolgt von einer modernen Diskussion über die Universalität vs. Relativität sprachlicher Kategorien.
Die Arbeit ist durch Begriffe wie Sprachliche Relativität, Determinismus, Weltbildkonstitution, Sprachstruktur, symbolisches Zeichen und kommunikative Pragmatik charakterisiert.
Whorf nutzte das Beispiel der Hopi-Sprache, um aufzuzeigen, dass ein völlig anderes Zeit- und Raumverständnis als im indogermanischen Sprachraum existieren kann, was er als Indiz für einen Einfluss der Sprache auf die Kategorisierung der physikalischen Wirklichkeit wertete.
Die Unterscheidung ist entscheidend, da Konzepte mentale Repräsentationen von Welterfahrungen darstellen, die jedoch erst dann zum sprachlichen Begriff werden, wenn ein kommunikativer Bedarf innerhalb einer Gemeinschaft besteht, ein spezifisches Zeichen dafür zu etablieren.
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