Masterarbeit, 2021
137 Seiten, Note: 1.0
1. Einleitung
1.1 Präsentation des Themas
1.2 Theoretische Vorbemerkungen
1.3 Forschungsstand
2. Das Bild der Weimarer Republik in der unmittelbaren Nachkriegszeit
2.1 Die Wahrnehmung der deutschen Bevölkerung
2.2 Die Weimarer Republik in der öffentlichen Auseinandersetzung
3. Die Weimarer Republik im öffentlichen Kampf um die historisch-moralische Legitimität
3.1 Die Einordnung Weimars in den unterschiedlichen Deutungsmustern
3.2 Weimar und der Einfluss der Alliierten beim politischen Wiederaufbau
3.3 Der Weimarbezug im geschichtspolitischen Streit der Parteien
3.3.1 Die Auseinandersetzung zwischen Sozialdemokraten und Kommunisten
3.3.2 Der Streit zwischen Sozialdemokraten und bürgerlichen Parteien
4. Die „Lehren aus Weimar“ im Bonner Grundgesetz und ihre Vorbedingungen
4.1 Die Weimarer Republik in den westzonalen Länderverfassungsdebatten
4.2 Der Vorwurf der Restauration in der Publizistik
4.3 Von der „Bizone“ zum Parlamentarischen Rat
4.4 Die Bedeutung der ersten deutschen Demokratie im Parlamentarischen Rat
5. Das Gründungsjahrzehnt der Bundesrepublik 1949-1959
5.1 Die Gründungskrise der BRD und die Angst vor der Wiederholung Weimars
5.2 Der Bundestagswahlkampf 1949 und die Angst vor einer Rückkehr zum Weimarer „Parteiengezänk“
5.3 Die Frage der Wirtschaftspolitik. Weimar und die Angst vor einer erneuten Wirtschaftskrise
5.4 Die Frage der wehrhaften Demokratie. Weimar und die Angst vor Verfassungsfeinden
5.5 Die Frage der Funktionsfähigkeit des politischen Systems. Weimar und die Angst vor einem erneuten Versagen des parlamentarischen Parteienstaates
5.6 „Bonn ist nicht Weimar“. Der Funktionswandel des Weimarbezugs seit Mitte der 1950er Jahre
6. Ausblick
7. Resümee
Die Arbeit untersucht die Bedeutung der Weimarer Republik als geschichtspolitisches Argument in der Frühphase der Bundesrepublik Deutschland von 1945 bis 1959. Dabei wird analysiert, wie politische Akteure die erste deutsche Demokratie interpretierten, instrumentalisierten und zur Legitimierung oder Delegitimierung politischer Entscheidungen während des Wiederaufbaus und der Grundgesetzwerdung nutzten.
1.1 Präsentation des Themas
„Jedesmal, wenn es in der Bundesrepublik kriselt, malen ängstliche Gemüter das Schicksal der Weimarer Republik in den dunkelsten Farben an die Wand. […] Wenn die deutsche Demokratie sich einen Schnupfen holt, dann fehlt es nie an Ärzten, die alsbald eine Lungenentzündung gleich jener diagnostizieren, die vor 35 Jahren die erste deutsche Demokratie dahingerafft hat.“ (Fritz René Allemann, 1968)
Diese Aussagen des Schweizer Publizisten Fritz René Allemann, welche im Kontext der kontroversen Debatten um das Notstandsgesetz im Jahre 1968 geäußert wurden, zeigen eindrucksvoll das unliebsame Schicksal der Weimarer Republik als Menetekel für die Stabilität der bundesrepublikanischen Demokratie und verdeutlichen den bisweilen obsessiven Weimarbezug in der Bundesrepublik. Als unbewältigte Vergangenheit ragt die erste deutsche Republik in die Gegenwart hinein und bewirkt einen „Weimar-Komplex“, der die Bundesrepublik bis heute begleitet. Dabei entwickelte der Vergleich der politischen und sozialen Ordnungen nach 1945 mit der Weimarer Republik, der über Analogien und historische Parallelisierung funktionierte und im Grundsatz immer wieder um die Frage nach den Bedingungen stabiler Demokratien in Deutschland kreiste, nach Ansicht des Historikers Jörn Leonhard seine eigene geschichtspolitische Dimension. Der Vergleich mit der ersten deutschen Demokratie, ihrer schwierigen Geburt aus dem Kontext von Niederlage und Revolution 1918, ihrer prekären Stabilisierung nach 1923 sowie der Hinweis auf die Krise und Untergang ab 1928 sei bis heute „ein fest verankerter Teil des politisch-historischen Vokabulars und des geschichtspolitischen Argumentationsreservoirs“.
1. Einleitung: Einführung in die Thematik der Weimarer Republik als geschichtspolitisches Argument und Festlegung des Untersuchungsrahmens von 1945 bis 1959.
2. Das Bild der Weimarer Republik in der unmittelbaren Nachkriegszeit: Analyse der Wahrnehmung Weimars durch Bevölkerung und Publizistik unter dem Eindruck von Kriegsende und NS-Erbe.
3. Die Weimarer Republik im öffentlichen Kampf um die historisch-moralische Legitimität: Untersuchung der parteipolitischen Konflikte um die Deutungshoheit der Ursachen für das Scheitern von Weimar.
4. Die „Lehren aus Weimar“ im Bonner Grundgesetz und ihre Vorbedingungen: Darstellung der Verfassungsberatungen in den westzonalen Ländern und der Einfluss historischer Erfahrungen auf das Grundgesetz.
5. Das Gründungsjahrzehnt der Bundesrepublik 1949-1959: Untersuchung zur Etablierung des bundesrepublikanischen Staates und des Wandels im Stellenwert des Weimarvergleichs.
6. Ausblick: Diskussion der Renaissance von Weimar-Vergleichen in aktuellen Debatten und die Bedeutung der historischen Auseinandersetzung für die Demokratie von heute.
7. Resümee: Zusammenfassende Betrachtung der wesentlichen Ergebnisse zur Rolle Weimars als geschichtspolitisches Instrument in der Frühphase der Bundesrepublik.
Weimarer Republik, Bundesrepublik Deutschland, Geschichtspolitik, Weimar-Komplex, Grundgesetz, Parlamentarischer Rat, Wiederaufbau, Politische Kultur, Parteienstaat, Historischer Vergleich, Demokratiegründung, Erinnerungskultur, Legitimationsstrategien, Bonns Weimarbezug, Politische Debatten.
Die Arbeit untersucht, wie und warum die Weimarer Republik in der Frühphase der Bundesrepublik Deutschland (1945-1959) als geschichtspolitisches Argument in politischen Debatten instrumentalisiert wurde.
Zentrale Felder sind die Ursachenforschung zum Scheitern der ersten deutschen Demokratie, die Rolle der Parteien beim Neubeginn, die Entstehung des Grundgesetzes sowie die Bedeutung historischer Vergleiche für die politische Identitätsbildung der frühen BRD.
Ziel ist es, den Ursprung, den Wandel und die Instrumentalisierung des „Weimar-Arguments“ nachzuzeichnen und zu verstehen, wie die Auseinandersetzung mit Weimar die junge bundesdeutsche Demokratie beeinflusste.
Die Arbeit basiert auf einer zeithistorischen Analyse, die Quellen wie Protokolle, publizistische Schriften und Forschungsliteratur auswertet, um die Entwicklung des historischen Bewusstseins in der Nachkriegszeit chronologisch und inhaltlich aufzuarbeiten.
Der Hauptteil analysiert das Weimar-Bild der unmittelbaren Nachkriegszeit, den öffentlichen Kampf um die historisch-moralische Legitimität zwischen den Parteien, die Verankerung von „Lehren aus Weimar“ im Grundgesetz sowie den Funktionswandel des Weimarbezugs im ersten Jahrzehnt der Bundesrepublik.
Wichtige Begriffe sind der „Weimar-Komplex“, „geschichtspolitische Dimension“, „negatives Spiegelbild“, „Parteiengezänk“ und die Debatte um die „wehrhafte Demokratie“.
Der „Preußenschlag“ wurde von den Kontrahenten, insbesondere zwischen SPD und CDU/Adenauer, als geschichtspolitische Ressource genutzt, um dem politischen Gegner ein moralisches Versagen in der Weimarer Zeit vorzuwerfen und den eigenen Führungsanspruch zu untermauern.
Die Alliierten beeinflussten den politischen Neubeginn durch ihre Lizenzierungs- und Erziehungspolitik maßgeblich, wobei ihr Einfluss von deutschen Politikern oft als Teil der historischen Ausgangslage gewertet wurde, die sowohl als Hypothek als auch als Anlass für neue Legitimationen diente.
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