Examensarbeit, 2009
108 Seiten, Note: 1,3
I Einleitung
II Zum Verhältnis von Individuum und Gesellschaft in der sozialistischen Kinder und Jugendliteratur
II.1 Zur Bedeutung der sozialistischen Kinder- und Jugendliteratur für die Entwicklung sozialistischer Persönlichkeiten
II.1.1 Funktion und Aufgabe der Kinder- und Jugendliteratur
II.1.1.1 Exkurs: Der sozialistische Realismus
II.1.2 Zur sozialistischen Persönlichkeit
II.2 Zur Gestaltung des Verhältnisses von Individuum und Gesellschaft in der Kinder und Jugendliteratur
II.2.1 Der kindliche Held im Spannungsverhältnis zum Kollektiv
II.2.1.1 Modelle zur Gestaltung des Verhältnisses von Individuum und Gesellschaft
II.2.2.1.1 Ein Kollektiv als Protagonist
II.2.2.1.2 Ein kindlicher Protagonist bildet ein Kollektiv
II.2.2.1.3 Kollektiv und Außenseiter
II.2.2.1.4 Einer allein
II.2.1.2 Abschließende Betrachtung
III Zum epischen Schaffen Benno Pludras
III.1 Zu den Werken der fünfziger Jahre
III.2 Zu den Werken der sechziger Jahre
III.3 Zu den Werken der siebziger Jahre
IV Zum Verhältnis von Individuum und Gesellschaft in ausgewählten Werken Benno Pludras der 60er und 70er Jahre
IV.1 „Lütt Matten und die weiße Muschel“(1963)
IV.1.1 Zur Erzählung
IV.1.2 Zu den Figuren
IV.1.2.1 Zur Hauptfigur Lütt Matten
IV.1.2.2 Zur Nebenfigur Fischer Matten
IV.1.2.3 Zur Nebenfigur Mariken Guldenbrandt
IV.1.2.4 Zur Nebenfigur Kaule Brammig
IV.1.3 Der kindliche Held im Spannungsverhältnis zum Kollektiv
IV.1.3.1 Die Eltern-Kind-Beziehung
IV.1.3.2 Die Beziehung zu weiteren Figuren
IV.1.3.2.1 Die Beziehung zu anderen Kindern
IV.1.3.2.1.1 Zum Verhältnis Lütt Matten - Mariken
IV.1.3.2.1.2 Zum Verhältnis Lütt Matten – Kaule Brammig
IV.1.4 Diskussion des Schlusses
IV.1.5 Abschließende Betrachtung
IV.2 Exkurs: „Tambari“ (1969)
IV.3 Insel der Schwäne (1980)
IV.3.1 Zur Erzählung
IV.3.2 Zu den Figuren
IV.3.2.1 Zur Hauptfigur Stefan Kolbe
IV.3.2.2 Zur Nebenfigur Hermann Kolbe
IV.3.2.3 Zu weiteren Nebenfiguren
IV.3.3 Der kindliche Held im Spannungsverhältnis zum Kollektiv
IV.3.3.1 Zur Eltern-Kind-Beziehung
IV.3.3.2 Die Beziehung zu anderen Figuren
IV.3.3.2.1 Zum Verhältnis Stefan Kolbe – Hausmeister Brämer
IV.3.3.2.2 Die Beziehung zu anderen Kindern
IV.3.3.2.2.1 Zum Verhältnis Stefan Kolbe – Harald der Kanute
IV.3.3.2.2.2 Zum Verhältnis Stefan Kolbe – Anja Kowalski
IV.3.3.2.2.3 Zum Verhältnis Stefan Kolbe – Ecki
IV.3.4 Diskussion des Schlusses
IV.3.5 Abschließende Betrachtung
V Zusammenfassung
Die Arbeit untersucht das literarische Schaffen von Benno Pludra mit dem Fokus auf die Darstellung des Verhältnisses zwischen dem kindlichen Individuum und der sozialistischen Gesellschaft. Dabei wird analysiert, wie sich die Konfliktgestaltung zwischen Kindern und Erwachsenen über verschiedene Jahrzehnte wandelte und welche Rückschlüsse dies auf die gesellschaftlichen Bedingungen in der DDR zulässt.
IV.3.2.1 Zur Hauptfigur Stefan Kolbe
Die kindliche Hauptfigur ist ein zwölfjähriger Junge namens Stefan Kolbe, der mit seiner Familie seit Kurzem in einer Plattenbausiedlung an der Spree in Berlin lebt. In einem kleinen Dorf an der Oder aufgewachsen, fällt es ihm jedoch schwer, sich an die neue Umgebung zu gewöhnen, die doch so anders ist, als die Idylle seiner Heimat. Anhand des konkreten Einzelfalls des Stefan Kolbe beschreibt Pludra den widerspruchsvollen und konfliktreichen Prozess des Erwachsenwerdens und des Hineinwachsens in eine sozialistische Gemeinschaft. Stefan gerät bei dem Versuch, in den Hochhausbauten Berlins heimisch zu werden, in zunehmenden Konflikt zu seinem sozialen Umfeld. Dabei durchläuft der kindliche Held in der Auseinandersetzung mit seiner Umwelt eine Entwicklung, die ihn zunehmend seiner infantilen Illusionen beraubt und eine schmerzhafte, aber für den Prozess des Erwachsenwerdens notwenige Ablösung von der kindlichen Vergangenheit bedingt. Der Umzug in die Stadt nicht nur mit einem Ortswechsel einher, sondern auch mit tief greifenden Veränderungen in der kindlichen Psyche des Protagonisten. Somit weicht Stefans kindliche Naivität zu Beginn, welche vor allem in der phantasievollen Wahrnehmung seiner neuen Umgebung deutlich wird („Guck mal genau, das Haus sieht lustig aus. Mit den ganz vielen Fenstern, das sieht wie ein Adventskalender aus.“), einer Ernüchterung am Ende des Werkes („Er tritt ans Fenster, die Stadt da unten bleibt ihm fern.“).
I Einleitung: Die Einleitung beleuchtet das Interesse des Autors Benno Pludra an der „Phase der Menschwerdung“ und sein Wirken als bedeutender Kinderbuchautor in der DDR.
II Zum Verhältnis von Individuum und Gesellschaft in der sozialistischen Kinder und Jugendliteratur: Dieses Kapitel erläutert die staatlich geförderte Funktion der Literatur als Instrument zur Erziehung sozialistischer Persönlichkeiten.
III Zum epischen Schaffen Benno Pludras: Es wird ein Überblick über die schriftstellerische Entwicklung Pludras gegeben, wobei der Fokus besonders auf den Werken der 50er Jahre liegt.
IV Zum Verhältnis von Individuum und Gesellschaft in ausgewählten Werken Benno Pludras der 60er und 70er Jahre: Die Analyse ausgewählter Romane zeigt eine zunehmende Verschärfung der Konflikte und eine Akzentverschiebung hin zur tragischen Darstellung des Einzelnen.
V Zusammenfassung: Die Arbeit resümiert, dass Pludras Werke einen Prozess der künstlerischen Reife durchliefen, der von anfangs schematischer Erziehungsliteratur zu differenzierter Gesellschaftskritik führte.
Benno Pludra, Sozialistische Kinder- und Jugendliteratur, DDR-Literatur, Sozialistischer Realismus, Individuum und Gesellschaft, Kollektiv, Kindheit, Erwachsenen-Kind-Beziehung, Bitterfelder Weg, Persönlichkeitsentwicklung, Systemkritik, Lütt Matten, Tambari, Insel der Schwäne, Erziehung.
Die Arbeit analysiert das Werk von Benno Pludra hinsichtlich der Darstellung des Verhältnisses zwischen Individuum und Gesellschaft in der sozialistischen Kinder- und Jugendliteratur der DDR.
Im Zentrum stehen die Entwicklung der sozialistischen Persönlichkeit, der Einfluss kulturpolitischer Vorgaben (wie der Bitterfelder Weg) auf die Literatur und die literarische Gestaltung kindlicher Identitätskonflikte.
Das Ziel ist es, herauszuarbeiten, wie der Autor das Spannungsfeld zwischen den Bedürfnissen des Einzelnen und den Forderungen der sozialistischen Gesellschaft literarisch verarbeitet und wie sich diese Darstellung über die Jahrzehnte gewandelt hat.
Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die die Romane Pludras in den sozio-kulturellen und kulturpolitischen Kontext der DDR einbettet und auf Basis literaturkritischer Diskurse interpretiert.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Grundlegung zum sozialistischen Realismus und der Entwicklung von Kinder- und Jugendbüchern sowie in eine detaillierte Einzelanalyse der Romane „Lütt Matten und die weiße Muschel“, „Tambari“ und „Insel der Schwäne“.
Typische Begriffe sind Benno Pludra, sozialistischer Realismus, Kollektivismus, Persönlichkeitsbildung und Systemkritik.
Während in den frühen Werken das Kind als vorbildlich und voll integriert in das Kollektiv dargestellt wird, zeigen spätere Werke wie „Insel der Schwäne“ das Individuum als tragisch an gesellschaftlichen Zwängen scheiternde Figur.
Der Konflikt dient als zentrales Symbol für die Auseinandersetzung zwischen dem starren, funktionalistischen DDR-System (repräsentiert durch den Vater) und dem Streben nach individueller Selbstentfaltung und Freiheit des Kindes.
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