Masterarbeit, 2021
112 Seiten
1 Einleitung
2 Theoretischer Rahmen
2.1 Begriffsherkunft und lexikalische Begriffsbestimmung
2.2 Zusammenfassung
2.3 Begriffsdiskussion
2.4 Soziales Phänomen oder Pathologie des Einzelnen?
3 Wissenssoziologische Perspektive
3.1 Wissenssoziologie nach Berger und Luckmann
3.2 Heterodoxe und orthodoxe Verschwörungstheorien
4 Arbeitsdefinition
5 Verschwörungstheorien in den Netzwerkmedien
5.1 Unterscheidungsmerkmale zu Massenmedien
5.2 Filterblasen, Echokammern und Filter Clash
6 Auswirkungen der Verbreitung von Verschwörungstheorien auf die Pandemiebekämpfung
7 Entstehungsgeschichte der Querdenken-Bewegung
7.1 Entstehungskontext
7.2 Initiatoren und Inhalte
7.3 Teilnehmer:innen
8 Verschwörungstheorien und Netzwerkmedien der Querdenken-Bewegung
8.1.1 Covid-19-Verschwörungstheorien
8.1.2 Verschwörungstheorien am Beispiel QAnon
8.1.3 Verschwörungstheorien am Beispiel Bill Gates
8.2 Netzwerkmedien der Querdenken-Bewegung
8.3 Verbreitung von Verschwörungstheorien
9 Die Rolle der öffentlich-rechtlichen Medien
10 Hypothesen und Forschungsfrage
11 Forschungsdesign
11.1 Methodendiskussion und Auswahl
11.2 Stichprobe und Rekrutierung
11.3 Leitfadenentwicklung
11.4 Durchführung der Interviews
11.5 Datenauswertung
11.6 Grenzen der Methodik
12 Ergebnisse
12.1 Reaktionen auf die Anfrage
12.2 Einstellungsmerkmale
12.2.1 Einstellung zum Coronavirus
12.2.2 Einstellung zur Impfung
12.2.3 Einstellung zu den Maßnahmen
12.2.4 Einstellung zu den öffentlich-rechtlichen Medien
12.3 Mediennutzung
12.4 Glaube an Verschwörungstheorien
12.5 Beantwortung der Forschungshypothesen
13 Diskussion
13.1 Beantwortung der Forschungsfrage
13.2 Interpretation der Ergebnisse
13.3 Limitationen und Reflektion
14 Fazit und Ausblick
Die vorliegende Arbeit untersucht den Referenzrahmen der Querdenken-Bewegung mit besonderem Fokus auf die Rolle von Verschwörungstheorien und Netzwerkmedien. Ziel ist es zu analysieren, welche gemeinsamen Einstellungsmerkmale die Anhänger:innen teilen und welchen Einfluss die Nutzung alternativer Medien auf die Rezeption dieser konspirativen Narrative hat.
5.1 Unterscheidungsmerkmale zu Massenmedien
Nach Michael Schetsche eignen sich die neuen Netzwerkmedien im Vergleich zu den traditionellen Massenmedien nicht nur besser für die Verbreitung von Verschwörungstheorien, sie bieten zudem „bessere Voraussetzungen für die Entstehung dieser spezifischen Interpretationsfolien“ (Lehmann & Schetsche, 2007, S. 113). Diese Interpretationsfolien haben, im Vergleich zu den Massenmedien, eine neue Chance der Verbreitung, da es keine Selektionsmechanismen (ökonomische und politische) von Informationen in den Netzwerkmedien gibt (ebd.). Zur Abgrenzung der Netzwerkmedien von den Massenmedien nennt der Soziologe drei strukturelle Eigenschaften der Netzwerkmedien, die im folgenden Abschnitt weiter ausgeführt werden: die Beliebigkeit der verbreiteten Inhalte, die Aufhebung von Produzent:in und Rezipient:in und die Vermischung von Fakten und Fiktionen.
Das erste Unterscheidungsmerkmal besteht darin, dass in den Netzwerkmedien keine Vorzensur stattfindet. Die Inhalte werden nicht durch Redaktionen, Herausgeber:innen oder Dritte geprüft. In den Netzwerkmedien können Informationen gleichermaßen empfangen und gesendet werden, wodurch auch ungewöhnliche Inhalte eine Verbreitungschance haben. Dies führt zu einer Pluralisierung von Deutungsmustern und einer neuen Verbreitungschance heterodoxer Verschwörungstheorien, die in herkömmlichen Massenmedien nicht prozessierbar wären (Lehmann & Schetsche, 2007). Butter bestätigt diese Annahme und konstatiert, dass in den Netzwerkmedien orthodoxes und heterodoxes Wissen gleichberechtigt nebeneinanderstehen können und gleichermaßen verfügbar sind (Butter, 2018).
1 Einleitung: Die Einleitung führt in das Thema der Verschwörungstheorien im Kontext der Querdenken-Bewegung ein und verdeutlicht die Relevanz der Netzwerkmedien für die Verbreitung konspirativer Inhalte.
2 Theoretischer Rahmen: Dieses Kapitel liefert eine wissenschaftliche Definition und Abgrenzung verschiedener Verschwörungsbegriffe und bettet das Thema in eine soziologische Perspektive ein.
3 Wissenssoziologische Perspektive: Hier wird mittels Berger und Luckmann erläutert, wie Wissen sozial konstruiert wird und wie sich heterodoxe von orthodoxen Wissensbeständen unterscheiden.
4 Arbeitsdefinition: Definitorische Festlegung des Begriffs der Verschwörungstheorie als heterodoxes Wissen für den weiteren Verlauf der Arbeit.
5 Verschwörungstheorien in den Netzwerkmedien: Untersuchung der strukturellen Vorteile von Netzwerkmedien gegenüber Massenmedien sowie der Phänomene von Filterblasen und Echokammern.
6 Auswirkungen der Verbreitung von Verschwörungstheorien auf die Pandemiebekämpfung: Analyse, wie konspirative Narrative das Vertrauen in staatliche Maßnahmen und die eigene Verhaltensweise beeinflussen.
7 Entstehungsgeschichte der Querdenken-Bewegung: Beschreibung der Entstehungskontexte, der zentralen Initiatoren und der Soziodemografie der Teilnehmenden.
8 Verschwörungstheorien und Netzwerkmedien der Querdenken-Bewegung: Konkrete Fallbeispiele für konspirative Narrative und Untersuchung der genutzten digitalen Kommunikationsplattformen.
9 Die Rolle der öffentlich-rechtlichen Medien: Untersuchung des Spannungsfeldes zwischen Querdenken-Anhängern und der Berichterstattung durch etablierte Medien.
10 Hypothesen und Forschungsfrage: Formulierung der forschungsleitenden Annahmen basierend auf dem theoretischen Teil.
11 Forschungsdesign: Detaillierte Beschreibung der qualitativen Methode, der Stichproben-Rekrutierung und der Datenauswertung mittels MAXQDA.
12 Ergebnisse: Präsentation und Kategorisierung der Ergebnisse aus den Experteninterviews zu Einstellungen und Mediennutzung.
13 Diskussion: Interpretation der Ergebnisse im Hinblick auf die Forschungsfrage, Einordnung in den Forschungsstand sowie Reflektion der methodischen Limitationen.
14 Fazit und Ausblick: Zusammenfassende Bewertung der Rezeption heterodoxen Wissens und Ausblick auf zukünftige Entwicklungen der Bewegung.
Querdenken-Bewegung, Verschwörungstheorien, Netzwerkmedien, Covid-19-Pandemie, heterodoxes Wissen, Telegram, qualitative Inhaltsanalyse, Echokammern, Filterblasen, Pandemiebekämpfung, Impfskepsis, Krisenkommunikation, alternative Medien, gesellschaftliche Fragmentierung, Wissenssoziologie.
Die Arbeit untersucht, wie sich die Querdenken-Bewegung innerhalb der Covid-19-Pandemie formierte, welche Verschwörungstheorien dort verbreitet werden und welche Rolle digitale Netzwerkmedien dabei spielen.
Im Zentrum stehen die Wissenssoziologie von Verschwörungstheorien, die spezifischen Dynamiken von Online-Gruppen, die Rekrutierung von Anhängern und die Einstellung der Befragten zu staatlichen Maßnahmen.
Das Ziel ist es, den gemeinsamen Referenzrahmen der Querdenker:innen zu identifizieren und herauszuarbeiten, welchen Einfluss die Nutzung von Netzwerkmedien auf die Rezeption heterodoxer Wissensbestände hat.
Es wurde ein qualitativer Ansatz gewählt, bei dem leitfadengestützte Interviews per E-Mail geführt und anschließend mittels der qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring ausgewertet wurden.
Die Mediennutzung fungiert als zentraler Verbreitungskanal. Dabei zeigt sich, dass traditionelle Massenmedien häufig abgelehnt werden, während alternative Quellen auf Telegram und durch spezifische Blogs bevorzugt genutzt werden.
Zentrale Begriffe sind neben der Querdenken-Bewegung insbesondere "heterodoxes Wissen", "Netzwerkmedien", "Echokammern" und "qualitative Inhaltsanalyse".
Die E-Mail-Interviews ermöglichten den Zugang zu einer schwer erreichbaren Gruppe unter Wahrung der Anonymität, was aufgrund von Sicherheitsbedenken der Teilnehmenden und der Radikalisierungstendenzen essenziell war.
Die Arbeit legt nahe, dass der strukturelle Aufbau von Telegram-Gruppen und die dortigen Filtereffekte dazu beitragen, dass konspirative Narrative gestärkt und das Vertrauen in staatliche Institutionen systematisch untergraben wird.
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