Examensarbeit, 2008
71 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitende Gedanken
2. Biographie Wicherns
3. Gesellschaft und Theologie zur Zeit Wicherns in Deutschland
3.1 Wicherns Sicht der Gesellschaft
3.2 Soziale Frage und Industrialisierung Anfang und Mitte des 19. Jahrhunderts
3.3 Die Erweckungsbewegung und ihre Einflüsse auf Wichern
4. Gründung des Rauhen Hauses
4.1 Vorreiter und Ideengeber Wicherns
4.1.1 Die Franckeschen Anstalten: Vorgeschichte und Konzept
4.1.2 Die Rolle anderer Rettungsanstalten
4.1.3 Wichern und Pestalozzi
4.2 Von der Idee zur Gründung
4.2.1 Der Umgang mit Problemkindern im 19. Jahrhundert
4.2.2 Wicherns Umsetzung der Idee eines Rettungshauses
4.2.3 Zum Namensursprung Rauhes Haus
5. Die Brüderanstalt des Rauhen Hauses
5.1 Die Entstehung der Brüderanstalt
5.2 Aufnahmebedingungen und Ausbildung der Brüder
6. Leben und Alltag im Rauhen Haus
6.1 Der Begriff Rettungshaus
6.2 Die Zöglinge im Rauhen Haus
6.3 Organisationsstrukturen und pädagogische Maßnahmen
6.4 Der Alltag der Zöglinge
6.4.1 Typischer Tagesablauf und Freizeitgestaltung
6.4.2 Religiöses Leben und Feiern
6.4.3 Unterricht der Zöglinge
6.4.4 Die Rolle der Strafe
7. Wichtige Erziehungsprinzipien im Rauhen Haus
7.1 Familienprinzip
7.2 Arbeitsprinzip
7.3 Elternarbeit und Nachsorgeprinzip
7.4 Weitere Prinzipien
8. Die Rolle der Mädchen und Frauen
9. Die Entwicklung des Rauhen Hauses unter Wichern
10. Das Rauhe Haus nach Wicherns Tod
10.1 Von 1881 bis in die 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts
10.2 Das Rauhe Haus heute
10.2.1 Organisation und Finanzierung des Rauhen Hauses
10.2.2 Personal und Ausbildungsmöglichkeiten im Rauhen Haus
10.2.3 Die Wichern-Schule
10.2.4 Weitere Projekte und Arbeitsfelder im Rauhen Haus
11. Kritische Betrachtung von Wicherns Konzept
11.1 Kritikpunkt Mädchenerziehung
11.2 Wichern – ein Reformer?
12. Heutige Maßnahmen für Problemkinder
13. Abschließende Würdigung
Die vorliegende Arbeit untersucht das Leben und Wirken von Johann Hinrich Wichern sowie die Geschichte und das Erziehungskonzept des von ihm gegründeten Rauhen Hauses. Ziel ist es, die pädagogische Bedeutung Wicherns als Reformer seiner Zeit zu würdigen und die Entwicklung seiner Rettungsanstalt in den sozioökonomischen Kontext des 19. Jahrhunderts einzuordnen, um daraus Lehren für aktuelle Ansätze in der Arbeit mit erziehungsschwierigen Jugendlichen abzuleiten.
6.4.1 Typischer Tagesablauf und Freizeitgestaltung
In seinen Schriften zur Sozialpädagogik berichtet Wichern eingehend darüber, wie man sich einen typischen Tagesablauf im RH vorzustellen hat. In den Sommermonaten begann der Tag bereits um fünf Uhr und die Kinder hatten zunächst eine Stunde Zeit, um sich fertig zu machen sowie die Schlafräume aufzuräumen und zu säubern, bevor eine Unterrichtsstunde folgte. Um sieben Uhr gab es schließlich ein erstes Frühstück, anschließend fand eine Hausandacht für alle Bewohner des RHes statt. Im Verlauf des Vormittags wurde dann zunächst Unterricht erteilt, nach einem zweiten Frühstück erledigten die Zöglinge verschiedenste Aufgaben in den Werkstätten bzw. im Haushalt. Vor dem Mittagessen um 13 Uhr erhielten die Kinder eine weitere Unterrichtsstunde, ab 14 Uhr wurden sie für zweieinhalb Stunden zur Arbeit eingeteilt. Dazwischen gab es für einige Schüler die Möglichkeit, Unterricht im Klavierspielen zu nehmen. Ab 17 Uhr stand im Sommer Feldarbeit an, im Winter bot sich die Gelegenheit zu weiteren Unterrichtsstunden. Vor dem Abendessen um 20 Uhr war zumeist noch etwas Zeit (etwa 45 Minuten), die beispielsweise für Unterhaltungen oder andere ruhige Beschäftigungen genutzt werden konnte. Nach einer weiteren kurzen Andacht und dem Abendessen gingen die Kinder schließlich schlafen. Natürlich ist dieser Zeitplan exemplarisch zu verstehen und wurde gelegentlich abgeändert; durch diese Darstellung kann man jedoch einen Eindruck davon bekommen, wie das Leben im RH grundsätzlich strukturiert war.
1. Einleitende Gedanken: Vorstellung der Forschungsintention und des Fokus auf Wichern als Pädagoge und die Institution Rauhes Haus.
2. Biographie Wicherns: Überblick über Kindheit, Jugend, Studium und die prägenden Ereignisse, die zu seinem Engagement in der Sozialarbeit führten.
3. Gesellschaft und Theologie zur Zeit Wicherns in Deutschland: Analyse der sozioökonomischen Missstände und der religiösen Einflüsse der Erweckungsbewegung auf Wicherns Weltbild.
4. Gründung des Rauhen Hauses: Darstellung der Vorbilder und des Gründungsprozesses der Rettungsanstalt in Hamburg-Horn.
5. Die Brüderanstalt des Rauhen Hauses: Untersuchung der Entwicklung und Struktur der professionellen Ausbildung von Mitarbeitern im Rauhen Haus.
6. Leben und Alltag im Rauhen Haus: Beschreibung der Anstaltsorganisation und des strukturierten, von Religion und Bildung geprägten Alltags der Zöglinge.
7. Wichtige Erziehungsprinzipien im Rauhen Haus: Erörterung der pädagogischen Kernkonzepte, insbesondere des Familien- und Arbeitsprinzips.
8. Die Rolle der Mädchen und Frauen: Beleuchtung der spezifischen Herausforderungen und Bedingungen bei der Erziehung weiblicher Zöglinge.
9. Die Entwicklung des Rauhen Hauses unter Wichern: Überblick über das Wachstum und die organisatorische Expansion der Anstalt zu Lebzeiten Wicherns.
10. Das Rauhe Haus nach Wicherns Tod: Nachzeichnung der institutionellen Veränderungen und Modernisierungen bis in die heutige Zeit.
11. Kritische Betrachtung von Wicherns Konzept: Reflektion über Wicherns Ansätze aus heutiger Sicht, insbesondere hinsichtlich der Geschlechterrollen und gesellschaftlicher Reformansprüche.
12. Heutige Maßnahmen für Problemkinder: Vergleich moderner Ansätze, wie Erziehungscamps, mit den ursprünglichen methodischen Prinzipien Wicherns.
13. Abschließende Würdigung: Zusammenfassendes Fazit zur bleibenden Relevanz von Wicherns Lebenswerk als Impulsgeber.
Johann Hinrich Wichern, Rauhes Haus, Innere Mission, Sozialpädagogik, Erweckungsbewegung, Rettungshaus, Familienprinzip, Arbeitserziehung, Diakonie, Jugendfürsorge, 19. Jahrhundert, Pädagogik, Brüderanstalt, Problemkinder, Reformpädagogik.
Die Arbeit untersucht das Wirken des Theologen und Pädagogen Johann Hinrich Wichern sowie die Entwicklung des Rauhen Hauses als eine der ersten bedeutenden Rettungsanstalten in Deutschland.
Im Fokus stehen die erziehungswissenschaftliche Konzeption, die Ausbildung des Personals in der Brüderanstalt, die Einbindung christlicher Werte im Alltag sowie die kritische Reflektion über die Umsetzung dieser Ziele im Kontext des 19. Jahrhunderts.
Das Ziel liegt in der Würdigung Wicherns als Reformer, der durch das Rauhe Haus wegweisende Strukturen für die moderne Jugendhilfe geschaffen hat, sowie die Einordnung seines Konzepts aus historischer Perspektive.
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse und der Aufarbeitung historischer Dokumente sowie, für den aktuellen Teil, auf geführten Gesprächen mit Verantwortlichen des heutigen Rauhen Hauses.
Der Hauptteil gliedert sich in gesellschaftliche Analysen zur Zeit Wicherns, die detaillierte Darstellung der Anstaltsorganisation (insb. Familien- und Arbeitsprinzip) und die kritische Auseinandersetzung mit der Mädchenerziehung.
Zu den zentralen Begriffen zählen Johann Hinrich Wichern, Rauhes Haus, Innere Mission, Sozialpädagogik, Erweckungsbewegung, Rettungshaus, Familienprinzip und Arbeitserziehung.
Wichern sah in den damaligen Armenvierteln Hamburgs eine zunehmende Not, soziale Verwahrlosung und Kriminalität, der er durch ein christlich geprägtes, familiäres Erziehungsumfeld und handwerkliche Ausbildung entgegenwirken wollte.
Das Familienprinzip diente dazu, anonyme Massenunterbringung zu vermeiden und den Zöglingen durch eine feste Bezugsperson und kleine Gruppen ein Gefühl von Geborgenheit und Struktur zu geben, was als essenziell für die persönliche Entwicklung angesehen wurde.
Wichern verstand "Rettung" nicht als staatliche Bestrafung, sondern als ganzheitliche Befähigung zum christlichen Leben durch Liebe, Vergebung und ständige Anleitung, die den Zögling vom Rand der Gesellschaft zurück in die Gemeinschaft führen sollte.
Wichern gilt als Wegbereiter für die Professionalisierung der Sozialarbeit, insbesondere durch seine systematische Ausbildung für Erzieher und die Verbindung von ambulanter und stationärer Unterstützung, die auch im heutigen Hilfesystem noch in Ansätzen erkennbar ist.
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