Bachelorarbeit, 2021
54 Seiten, Note: 1,7
1 Einleitung
1.1 Forschungsstand
2. Das Osmanische Reich und die Armenier
2.1 Anfangsphase des Osmanischen Reiches
2.2 Die Armenier
2.3 Zusammenleben von Muslimen und Nicht-Muslimen
3 Das „lange 19. Jahrhundert“ und die Entstehung der armenischen Frage
3.1 Peripherie, Modernisierungstendenzen und Reformen
3.2 Internationalisierung der armenischen Frage
4 Abdülhamid II. und die armenische Frage
4.1 Person Abdülhamid II.
4.2 Die Hamidischen Massaker und ihre Folgen
4.3 Panislamismus
4.4 Die Hamidiye
4.5 Johannes Lepsius und „Armenien und Europa“
4.6 Organisationsthese
5 Schlussbetrachtung
Die vorliegende Arbeit untersucht die Entstehungsgeschichte der "armenischen Frage" im 19. Jahrhundert, eingebettet in den Niedergang des Osmanischen Reiches und die imperialen Machtinteressen der Großmächte. Dabei wird insbesondere die Rolle von Sultan Abdülhamid II. und dessen gezielte Gewaltpolitik gegen die armenische Minderheit analysiert, um die Verbindungslinie zum Völkermord im 20. Jahrhundert aufzuzeigen.
4.4 Die Hamidiye
Abdülhamid II. kannte die Gegensätze der ethnischen Minderheiten und nutzte sie bewusst zu seinem Vorteil aus. Er versuchte die Kurden stärker an sich zu binden, die sich durch die geforderten armenischen Reformen in ihren Privilegien eingeschränkt fühlten und aufgrund ihres sunnitischen Glaubens zu dem panislamischen Herrscher Abdülhamid II. eine stärkere Bindung hatten. Im Jahr 1891 gründete der Sultan in Anlehnung des eigenen Namens die Hamidiye, die als eine Art irreguläre paramilitärische Truppen nach dem Vorbild der Korsaken Einheiten gegen die Armenier eingesetzt wurden. Die sogenannte Hamidiye „wurde ausschließlich aus Kurden gebildet“. Die bewusste Stützung des Sultan auf die Kurden, folgte in Ostanatolien dem Prinzip „teile und herrsche“, indem er die Gegensätze zwischen Armeniern und Kurden versuchte auszunutzen und die Vertiefung der Gegensätze zwischen den ethnischen Gruppen verstärkte. Auch Ternon kritisiert, dass Abdülhamit II., „statt eine Politik zu betreiben, die durch Einigung der verschiedenen ethnischen Gruppen das Osmanische Reich hätte stärken können, wollte der Sultan die nichttürkischen Volksgruppen schwächen, indem er sie gegeneinander hetzte.“
Die Hamidiye, die von Seiten der Zentralregierung mit Waffen ausgestattet wurde, begaben sich die Kurden animiert an das „festliche Geschäft des Mordens“ an den Armeniern.
1 Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik der "armenischen Frage" ein und stellt den historischen Kontext bis hin zum Völkermord 1915 dar.
2. Das Osmanische Reich und die Armenier: Dieses Kapitel erläutert das Millet-System und die gesellschaftliche Stellung der Armenier im Osmanischen Reich bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts.
3 Das „lange 19. Jahrhundert“ und die Entstehung der armenischen Frage: Das Kapitel thematisiert die Transformationen des Reiches durch Modernisierungsdruck sowie die zunehmende Internationalisierung der armenischen Forderungen nach Reformen.
4 Abdülhamid II. und die armenische Frage: Hier wird die autokratische Herrschaft Abdülhamids II. und der gezielte Einsatz von Gewalt, Panislamismus und irregulären kurdischen Einheiten gegen die Armenier analysiert.
5 Schlussbetrachtung: Die Arbeit fasst zusammen, wie politische Kontinuitäten und die verpassten Chancen auf innerstaatliche Reformen den Weg in Richtung des Genozids bereiteten.
Armenische Frage, Osmanisches Reich, Abdülhamid II., Völkermord, Johannes Lepsius, Hamidiye, Panislamismus, Millet-System, Tanzimat-Ära, Internationalisierung, Großmächte, Osmanismus, Armenien, Orient-Politik, Genozid.
Die Arbeit analysiert die historische Entstehung und Radikalisierung der sogenannten „armenischen Frage“ im späten 19. Jahrhundert sowie die gewaltsame Politik des osmanischen Sultans Abdülhamid II.
Zentrale Themen sind das Zusammenleben unter dem Millet-System, der Einfluss der europäischen Großmächte, der Aufstieg des Nationalismus im Osmanischen Reich und die gezielte Instrumentalisierung kurdischer Stämme und des Panislamismus durch den Sultan.
Sie befasst sich mit der Frage, durch welche Faktoren die „armenische Frage“ entstand, wie der Sultan mit der Minderheit umging und wie man diese Ereignisse in die Chronologie des Völkermordes im 20. Jahrhundert einordnen kann.
Die Arbeit basiert auf einer intensiven Auswertung der zeitgenössischen Literatur und Quellen, wobei insbesondere die Schriften des evangelischen Theologen Johannes Lepsius als authentische und kritische Quelle im Zentrum stehen.
Der Hauptteil gliedert sich in eine Analyse der Anfangsphase des Reiches, der Auswirkungen des 19. Jahrhunderts auf die armenische Minderheit sowie einer detaillierten Untersuchung der hamidischen Ära und deren Repressionsinstrumente.
Neben den historischen Institutionen wie dem Millet-System und der Hamidiye sind Begriffe wie „Organisationsthese“, „Internationalisierung“ und „armenische Diaspora“ prägend.
Lepsius dient als zentrale zeitgenössische Quelle, da er die Massaker von 1894-1896 vor Ort dokumentierte und die Mitschuld der europäischen Mächte sowie des deutschen Kaiserreiches an der Passivität und Vernichtungspolitik kritisierte.
Laut der Autorin verfolgte das deutsche Kaiserreich unter Bismarck eine Politik der Nichteinmischung, um die Integrität des Osmanischen Reiches und die Freundschaft zum Sultan zu wahren, wodurch der Sultan in seiner Repressionspolitik gegen die Armenier indirekt gestärkt wurde.
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