Examensarbeit, 2007
118 Seiten, Note: 1,0
0. EINLEITUNG
1. THEORETISCHE GRUNDLAGEN
1.1. Bestandsaufnahme aktueller Tendenzen der Lesesozialisation, des Leseverhaltens und der Lesefähigkeit von Jungen und Mädchen
1.1.1. PISA
1.1.1.1. Aufbau der Studie und Überblick über die Ergebnisse bei PISA
1.1.1.2. Geschlechtsspezifische Ergebnisse bei PISA
1.1.2. IGLU
1.1.2.1. Aufbau der Studie und Überblick über die Ergebnisse bei IGLU
1.1.2.2. Geschlechtsspezifische Ergebnisse bei IGLU
1.1.3. Weitere Erkenntnisse aus Studien und Untersuchungen der geschlechtsspezifischen Forschung
1.1.3.1. Leseerfahrungen und Lesekarrieren – eine Studie der Bertelsmann Stiftung
1.1.3.2. Repräsentative Trendbefragung des Instituts für angewandte Kindermedienforschung
1.1.4. Fazit der Bestandsaufnahme
1.2. Die W-Fragen des Lesens.Geschlechtsspezifische Lektürepräferenzen, Lesemotivation, Lesequantität und Leseumstände
1.2.1. Einige Definitionen zur geschlechtsspezifischen Lesesozialisation
1.2.2. Typische Mädchenlektüre – Typische Jungenlektüre?
1.2.2.1. Im Kindesalter (Primarstufe)
1.2.2.2. Im Jugendalter (Sekundarstufe)
1.2.2.3. Die literarische Pubertät
1.2.2.4. Im Erwachsenenalter (nach der Schulzeit)
1.2.2.5. Fazit über geschlechtsspezifische Unterschiede im Leseverhalten aller Altersstufen
1.2.3. Theoretische Erklärungsansätze
1.2.3.1. Erklärungsversuche aus der Psychologie, Linguistik und Sozialisationstheorie
1.2.3.2. Erklärungsversuche aus der lesebiographischen, psychoanalytischen und Gender- Forschung
1.2.3.3. Fazit der theoretischen Erklärungsansätze
1.3. Literarische Figuren – Empathie – Identifikation
1.3.1. Annäherung an die Begrifflichkeiten
1.3.2. Literarische Figuren und Geschlechterrollen in der Gesellschaft
2. EMPIRISCHE DATENERHEBUNG
2.1. Erkenntnisinteresse und Hypothesenbildung
2.2. Untersuchungsmethode
2.3. Stichprobe
2.4. Planung der Datenerhebung
2.5. Gütekriterien einer empirischen Datenerhebung
2.5.1. Objektivität
2.5.2. Reliabilität
2.5.3. Validität
2.6. Der Fragebogen im Detail
2.7. Durchführung der Datenerhebung
2.8. Räumliche und zeitliche Bedingungen der Datenerhebung
2.9. Auswertungsmethode
2.10. Ergebnisse und Interpretation
2.10.1. Fragekomplex I
2.10.2. Fragekomplex II
2.10.3. Fragekomplex III
2.11. Zusammenfassung und Fazit der Ergebnisse
3. KONSEQUENZEN FÜR DIE LEKTÜREAUSWAHL IM DEUTSCHUNTERRICHT
3.1. Geeignete Bücher für Jungen und Mädchen im Literaturunterricht
3.2. Abgleich des Angebots der Verlage für Schullektüren mit der Nachfrage der untersuchten Kinder
4. SCHLUSS, FAZIT UND AUSBLICK
Die Arbeit untersucht die Ursachen für die geringere Lesemotivation und Lesekompetenz von Jungen im Vergleich zu Mädchen. Dabei steht die zentrale These im Fokus, dass ein Mangel an ansprechenden Identifikationsangeboten in der aktuellen Kinder- und Jugendliteratur Jungen daran hindert, eine tiefe Empathiefähigkeit aufzubauen und Lesefreude zu entwickeln. Durch eine empirische Datenerhebung mittels eines Fragebogens bei Fünft- und Sechstklässlern werden Präferenzen hinsichtlich literarischer Figuren und Genres analysiert, um daraus konkrete Konsequenzen für die Lektüreauswahl im Deutschunterricht abzuleiten.
1.2.2.1. Im Kindesalter (Primarstufe)
Was die Leseaktivität der Kinder in der Primarstufe betrifft, ist, wie bereits erwähnt, heute durch viele Studien belegt, dass Mädchen mehr lesen als Jungen, sprich durch einen größeren Anteil in der Gruppe der stark aktiven Leser vertreten sind und nur einen geringen Prozentsatz der Wenigleser ausmachen.
Jedoch gibt es auch Beobachtungen bei der Untersuchung von Frühlesern, sprich Kindern, die schon lesend eingeschult werden, die zeigen, dass zwar mehr Mädchen als Jungen bereits beim Schuleintritt lesen können, dass die Jungen ihnen jedoch in Sachen Lesekompetenz und insbesondere Lesegeschwindigkeit voraus sind. Dieser Vorsprung der Jungen wird allerdings von Lehrern/Innen nicht wahrgenommen und es ist auch noch unklar, wodurch er entsteht. Eine Vermutung besagt, dass Mädchen oftmals zu Frühlesern werden, da sie das Verhalten älterer Geschwister oder der Eltern nachahmen, während Jungen, wenn sie denn zum Frühleser werden, dies aus Eigeninitiative tun. Es wird weiterhin geschlussfolgert, dass das extrinsische Motiv der Nachahmung der Mädchen schneller seinen Reiz verliert und das Interesse abflachen lässt, als das intrinsische Eigeninteresse der Jungen. Dies könnte die anfänglich besseren Kompetenzen der Jungen erklären.
Das festgestellte, unterschiedliche Ausmaß der Leseaktivität – sprich Mädchen lesen mehr und länger als Jungen – zieht sich vom Zeitpunkt des größtenteils abgeschlossenen Schriftspracherwerbs in der zweiten Klasse bis zum Ende der Grundschulzeit hin und wird in allen Jahrgangsstufen etwa gleich stark konstatiert, was zu der Schlussfolgerung führt, dass die Leseaktivität wesentlich mehr in Abhängigkeit zum Geschlecht eine Kindes als zu dessen Lesealter steht.
Es gibt allerdings auch Vertreter der Ansicht, dass die Differenzen zwischen Jungen und Mädchen bis zum Ende der Grundschulzeit eher in der Einstellung zum Lesen als in der rein quantitativen Betrachtung der Leseaktivität zu suchen seien. Demnach sei das Lesen für Mädchen zwar bedeutsamer als für Jungen und sie hätten mehr Interesse und Freude daran; jedoch beschäftigten sie sich in ihrer Freizeit nicht deutlich länger mit dem Lesen, als Jungen dies täten.
0. EINLEITUNG: Die Autorin legt die Forschungsfrage zur geringeren Lesemotivation bei Jungen dar und begründet die Relevanz ihrer empirischen Untersuchung für den Deutschunterricht.
1. THEORETISCHE GRUNDLAGEN: Dieses Kapitel fasst aktuelle Lesesozialisationsstudien zusammen und definiert zentrale Begriffe wie Lesekompetenz sowie geschlechtsspezifische Erklärungsansätze.
2. EMPIRISCHE DATENERHEBUNG: Die methodische Vorgehensweise, die Stichprobe und die Durchführung der Befragung von Schülern der 5. und 6. Klassen werden detailliert beschrieben und ausgewertet.
3. KONSEQUENZEN FÜR DIE LEKTÜREAUSWAHL IM DEUTSCHUNTERRICHT: Hier werden aus den Ergebnissen konkrete Handlungsempfehlungen für Lehrkräfte zur Auswahl geeigneter Lektüren abgeleitet.
4. SCHLUSS, FAZIT UND AUSBLICK: Die Autorin fasst die zentralen Erkenntnisse zusammen und reflektiert die Ausgangsthese kritisch im Hinblick auf zukünftige Forschungsnotwendigkeiten.
Lesesozialisation, Jungen, Mädchen, Lesemotivation, Lesekompetenz, Kinder- und Jugendliteratur, Identifikation, literarische Figuren, Empirie, Schülerbefragung, Deutschunterricht, Lektüreauswahl, Genrepräferenzen, Geschlechterrolle, Lesepubertät
Die Arbeit befasst sich mit der geschlechtsspezifischen Leseabstinenz von Jungen und untersucht, ob mangelnde Identifikationsangebote in der Kinder- und Jugendliteratur eine Ursache für dieses Phänomen darstellen.
Die Schwerpunkte liegen auf der Analyse der Lesesozialisation, der Bedeutung literarischer Figuren für die Identifikation und der empirischen Erhebung von Leseinteressen bei Schülern der Klassen 5 und 6.
Das Ziel ist es, zu ergründen, wie literarische Figuren gestaltet sein müssen, damit sie für Jungen und Mädchen gleichermaßen ansprechend sind, um so die Lesemotivation der Jungen zu fördern.
Es wird eine standardisierte schriftliche Befragung von 177 Schülern der 5. und 6. Jahrgangsstufe durchgeführt, die sowohl geschlossene als auch offene Fragen umfasst.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Bestandsaufnahme auf Basis internationaler Studien (PISA/IGLU) und einen empirischen Teil, in dem Hypothesen zu Leseinteressen und Figurenpräferenzen anhand der erhobenen Daten überprüft werden.
Zu den Kernbegriffen zählen Lesesozialisation, geschlechtsspezifische Leseinteressen, literarische Identifikation, Lesemotivation und schulische Leseförderung.
Die literarische Pubertät wird als kritische Phase des Leseabbruchs identifiziert, in der sich Jugendliche von Kinderbüchern abwenden, aber noch keinen Zugang zur Erwachsenenliteratur finden, was die Dringlichkeit der Figurenanalyse unterstreicht.
Die Ergebnisse zeigen, dass Jungen eine starke emotionale Bindung an "maskuline" und "starke" Protagonisten suchen; fehlt dieses Angebot, sinkt ihr Interesse am Lesen, da sie sich mit den präsentierten Figuren nicht identifizieren können.
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