Bachelorarbeit, 2023
43 Seiten, Note: 1,5
Hinführung
1. Zum Körper
I. Corporeal Feminism/ Körperlicher Feminismus
II. Spezifika der Haut
III. Feministisches Potenzial von Tattoos
2. Tattooed Ladies
I. Hintergründe
II. Nora Hildebrandt
III. Betty Broadbent
3. Status der Agency
I. Feministisches Potenzial der Tattoos der Zirkusdamen
II. Hemmer des feministischen Potenzials
Ausklang
Die Arbeit analysiert den ambivalenten Status der feministischen Agency bei tätowierten Zirkusdamen des 19. und 20. Jahrhunderts anhand der Beispiele Nora Hildebrandt und Betty Broadbent, um zu untersuchen, inwiefern die Tattoo-Praktiken sowohl zur Überschreitung patriarchaler Normen beitragen als auch hemmenden kolonialen Narrativen unterliegen.
Nora Hildebrandt
Nora Hildebrandt kann als eine der ersten Frauen der USA bezeichnet werden, die sich den Großteil ihres Körpers hat tätowieren lassen, um damit aufzutreten. Ihr Debut hatte sie am 1. März 1882 im Bunnell’s Museum in New York, im Laufe ihres Lebens arbeitete sie in einer Vielzahl von verschiedenen Dime Museen. Auch, wenn ihre Karriere kurz war—starb sie im Alter von nur 36 Jahren 1893—so stellte sie für viele auf sie folgende Tattooed Ladies ein Vorbild dar. Die Lebensgeschichte, mit und durch die sie sich als Tattooed Lady vermarktete, und welche auch als Broschüre von ihrem Publikum zu erwerben war, war allerdings zum Großteil Fiktion. Die hier angegebenen, von Hildebrandt ausgedachten, sowie tatsächlichen Lebensdaten stammen aus Amelia Klem Osteruds Buch, das sich ganz der Geschichte Tätowierter Zirkusdamen widmet.
Laut eigener Aussage sei Nora im Jahre 1860 in in Australien geboren worden, kam jedoch aufgrund tragischer Familienverhältnisse mit fünf Jahren nach New York City, um 1878 mit ihrem Vater die USA zu bereisen. Ihre 365 Tattoos habe sie gegen ihren Willen von ihrem Vater gestochen bekommen, als die beiden auf ihrer Reise von dem Stamm der Hunkpapa Lakota Sioux und dessen Stammesführer Sitting Bull festgehalten wurden. Laut ihren Erzählungen durften sie nur zurück in die Freiheit, wenn der Vater seine Tochter von Kopf bis Fuß tätowierte, woraufhin Nora — an einen Baum gefesselt — jeden Tag für ein ganzes Jahr ein neues Tattoo bekommen haben soll. Ihre wahren Lebensumstände sind nicht gänzlich bekannt, so soll allerdings Hildebrandt nicht ihr echter Name gewesen sein, und auch ihre Herkunft, sowie die Herkunft ihrer Tattoos, waren in Wahrheit andere. So wurde sie wohl in London, England, um 1857 geboren, und immigrierte als junge Frau, wie viele andere dieser Zeit, in die USA, um als Dienstmädchen zu arbeiten.
Hinführung: Einführung in die Problematik der patriarchalen Wahrnehmung tätowierter Frauenkörper und die Zielsetzung der Analyse von Zirkusdarstellerinnen als Akteurinnen feministischer Agency.
1. Zum Körper: Theoretische Grundlegung durch Elisabeth Grosz' „Körperlichen Feminismus“ und die Untersuchung der Haut als interaktive Fläche für soziale Einschreibungen.
2. Tattooed Ladies: Historische Kontextualisierung der Freak-Shows und Analyse der Lebensläufe von Nora Hildebrandt und Betty Broadbent als unternehmerische Selbstdarstellung.
3. Status der Agency: Synthese der Ergebnisse zum feministischen Potenzial der Tattoos und zur gleichzeitigen Hemmung durch koloniale Gefangenschaftsnarrative.
Ausklang: Resümee über den ambivalenten Status der Agency und Ausblick auf die Notwendigkeit weiterer Forschung zu westlichen und nicht-westlichen Tattoo-Praktiken.
Tätowierte Zirkusdamen, Feministischer Körper, Agency, Tattooed Ladies, Patriarchale Normen, Körperliche Einschreibung, Freak-Shows, Nora Hildebrandt, Betty Broadbent, Koloniale Narrative, Selbstbestimmung, Körperpolitik, Monstrosität, Identitätskonstruktion, Geschlechterrollen
Die Arbeit untersucht den ambivalenten Status der feministischen Agency bei tätowierten Zirkusdamen im ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhundert.
Zentrale Themen sind die theoretische Bedeutung des Körpers im Feminismus, die historische Praxis der Freak-Shows, die Vermarktung der Haut als Ware und die Rolle kolonialer Narrative.
Das Ziel ist es aufzuzeigen, wie tätowierte Frauen ihre Körper nutzten, um sich patriarchalen Normen zu widersetzen, während sie gleichzeitig in komplizierte, oft kolonial gefärbte Machtstrukturen verstrickt blieben.
Die Arbeit nutzt eine kulturwissenschaftliche Analyse sowie die theoretische Grundlage des „Körperlichen Feminismus“ nach Elisabeth Grosz, um historische Biografien zu dekonstruieren.
Der Hauptteil befasst sich mit der theoretischen Rolle der Haut als Text, der Analyse der Performance von Nora Hildebrandt und Betty Broadbent sowie einer kritischen Reflexion über „Hemmer“ des feministischen Potenzials, insbesondere durch Gefangenschafts-Narrative.
Wesentlich sind Begriffe wie Agency, Körperpolitik, Tattooed Ladies, Freak-Shows, Feminismus und koloniale Exotisierung.
Diese Narrative dienten dazu, die Tattoos einerseits zu mystifizieren und andererseits als unfreiwilliges Schicksal zu rahmen, um sich den gesellschaftlichen Moralvorstellungen ihrer Zeit anzupassen und als „respektable Frau“ wahrgenommen zu werden.
Die Bindung an tätoowierte männliche Partner im Zirkuskontext half dabei, das Stigma der tätowierten Frau abzumildern, da die Zurschaustellung quasi unter „männlicher Kontrolle“ stattfand.
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